Neben Cannabinoiden sind Terpene die wichtigsten und bekanntesten Inhaltsstoffe im Hanf. Sie sind nicht nur für das individuelle Aroma der einzelnen Sorten verantwortlich, sondern erzeugen auch eine synergetische Wirkung mit Cannabinoiden und weiteren Inhaltsstoffen. Doch auch isolierte Terpene sind pharmakologisch wirksam. Nicht zu verachten ist ein möglicher Nutzen von Terpenen in der Schmerzmedizin. Zwar können Terpene akute Schmerzen nicht lindern, jedoch sind sie ein großer Hoffnungsträger bei der Behandlung chronischer Schmerzen. Angesichts der Verbreitung chronischer Schmerzen und den häufig schweren Nebenwirkungen herkömmlicher Schmerzmittel sind weitere Forschungen auf diesem Gebiet dringend nötig. 2025 wurden mehrere neue Studien veröffentlicht, die auf großes Potenzial von Terpenen hoffen lassen.
📑 Inhaltsverzeichnis
Wirksam über relativ unbekannten Rezeptor

Ein Rezeptor, der bislang im Zusammenhang mit Hanf kaum in Erscheinung getreten ist, ist der Adenosin-A2a-Rezeptor. Ein wesentlicher Teil der schmerzlindernden Wirkung einiger Terpene scheint laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über diesen Rezeptor vermittelt zu werden. Benannt wurde der Rezeptor nach dem körpereigenen Stoff Adenosin, welcher an diesem Rezeptor andockt. Adenosin ist ein Bestandteil des Energieträgers Adenosintriphosphat, der im Körper lebensnotwendige Funktionen erfüllt. Der erwähnte Rezeptor ist in vielen Arten von Zellen zu finden und erfüllt zahlreiche Funktionen, die noch nicht im Detail erforscht sind. Unter anderem regelt er den Sauerstoffbedarf im Herzen und ist an zahlreichen immunologischen Prozessen beteiligt. Ähnlich wie die bekannten Cannabinoid-Rezeptoren gehört auch der Adenosin-A2a-Rezeptor zu den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Das bedeutet, dass die entsprechende Substanz an einem Protein dieses Rezeptors andockt und dann bestimmte Signale und Prozesse im Zellinneren auslöst. Terpene aus Hanf spielen offenbar eine Rolle bei der Schmerzbekämpfung über diesen Rezeptor. Forschungen am Adenosin-A2a-Rezeptor erweitern das Verständnis über die Entstehung und mögliche neue Behandlungsmethoden für chronische Schmerzen.
Möglicherweise bei postoperativen und neuropathischen Schmerzen wirksam
Eine 2025 veröffentlichte US-Studie konnte durch Beobachtungen an Mäusen Hinweise darauf finden, dass bestimmte Terpene über den erwähnten Rezeptor neuropathische und postoperative Schmerzen lindern können. Die Wirkung hielt drei Stunden an und konnte mittels des A2a-Antagonisten Istradefyllin wieder aufgehoben werden. Dadurch konnte abgeleitet werden, dass die festgestellte Wirkung tatsächlich durch Terpene an diesem Rezeptor erzeugt wurde. Mehrere Terpene wurden auf diese Eigenschaft untersucht. Am stärksten ausgeprägt war dieser Effekt bei Geraniol, Linalool, β-Caryophyllen und α-Humulen. Der gleiche Wirkungsmechanismus konnte unabhängig davon in einer weiteren Studie bestätigt werden.
Auch in dieser 2025 veröffentlichten Studie untersuchte man die Wirkung von Terpenen durch Beobachtungen an Mäusen. Die Forscher stellten fest, dass Terpene wie Geraniol und Linalool über den Adenosin-A2a-Rezeptor neuropathische Schmerzen lindern können. Auch in dieser Studie wurde eine Gegenprobe mit dem Adenosin-A2a-Antagonisten Istradefyllin durchgeführt, der diese Wirkung wieder aufhob. Besonders effektiv konnten in diesen Beobachtungen Schmerz-Signalwege gehemmt werden, die in der Regel mit postoperativen oder neuropathischen Schmerzen im Zusammenhang stehen. Noch sind klinische Studien ausständig, doch denkbar wäre zukünftig ein postoperativer Einsatz beim Menschen, um die Wirkung bestehender Medikamente zu verstärken oder auch durch eine Reduktion der Dosis die Nebenwirkungen auf ein Minimum zu beschränken.
Schmerzlinderung durch entzündungshemmenden Wirkungsmechanismus

Eine ebenfalls 2025 erschienene Forschungsarbeit aus Italien fasste zahlreiche bislang aus präklinischen Untersuchungen bekannte Eigenschaften von Terpenen zusammen, die sie zu einem wertvollen Instrument in der Schmerzbekämpfung machen können. Einige Terpene wirken über die TRPV-Rezeptoren. Besonders der TRPV1-Rezeptor rückte in den vergangenen Jahren immer wieder als mögliches therapeutisches Ziel bei der Schmerzbekämpfung in den Fokus. Viele Terpene weisen auch eine entzündungshemmende Wirkung auf. Da viele Arten von chronischen Schmerzen unter anderem durch entzündliche Prozesse entstehen oder zumindest gefördert werden, sind auch hier Terpene eine mögliche Behandlungsoption.
Vor allem Arthritis oder weitere Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis sind Volkskrankheiten, die weit verbreitet sind und mit chronischen Schmerzen einhergehen. So zeigen einige Terpene eine regulierende Wirkung auf einen Botenstoff mit dem Namen NF-Kappa-B. Dabei handelt es sich um ein Protein, das in praktisch allen Zellen vorkommt und eine modulierende Wirkung auf entzündliche Prozesse ausübt. Eine Fehlregulierung von NF-Kappa-B wird mit zahlreichen Entzündungen in Verbindung gebracht, die unter anderem auch zu chronischen Schmerzen führen können. Eine hemmende Wirkung auf NF-Kappa-B wurde vor allem bei Pinen festgestellt. Ferner ist bekannt, dass zahlreiche Terpene auch mit dem Enzym Cyclooxygenase-2 interagieren. Dieses Enzym ist ebenfalls maßgeblich an Entzündungen beteiligt, sodass eine Regulierung der Aktivität indirekt auch bei chronischen Schmerzen nützlich sein kann.
Unter anderem wirken auch die Cannabinoide CBD und CBG hemmend auf Cyclooxygenase-2,was einen Teil ihrer entzündungshemmenden Wirkung erklärt. Cyclooxygenase-2 oder auch COX-2 ist auch das therapeutische Ziel vieler nichtsteroidaler Antirheumatika wie Diclofenac. Der gleiche Effekt konnte bei einigen Terpenen nachgewiesen werden. Besonders interessant ist an dieser Stelle noch Beta-Caryophyllen. Dieses besondere Terpen, welches auch am CB2-Rezeptor wirkt und somit auch ein Cannabinoid ist, kann ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen. Studien konnten nachweisen, dass Beta-Caryophyllen körpereigene Opioide, sogenannte Beta-Endorphine, ausschüttet, was zu seinen schmerzlindernden Effekten beiträgt.
Möglicherweise beim Ausschleichen von Opioiden hilfreich
Es gibt präklinische Hinweise darauf, dass Terpene beim Ausschleichen von Opioiden hilfreich sein könnten. Opioide stellen häufig eine Standardmedikation in der Schmerztherapie dar, die bei akuten Schmerzen unersetzbar sind, jedoch bei der Behandlung von chronischen Schmerzen eine Reihe von schweren Problemen wie Abhängigkeit mit sich bringen. Wie bereits erwähnt, regt Beta-Caryophyllen über Umwege die Ausschüttung des körpereigenen Opioids Beta-Endorphin an. Eine kürzlich veröffentlichte Studie lieferte Hinweise darauf, dass dieser Effekt beim Absetzen von Opioiden nützlich sein könnte. Durch Beobachtungen an Ratten konnte gezeigt werden, dass die Selbstverabreichung von Opioiden deutlich abnimmt, wenn Beta-Caryophyllen verabreicht wird. Diese Beobachtungen geben Hinweise darauf, dass dieses Terpen bei Schmerzpatienten als Unterstützung beim Absetzen von Opioiden nach langfristigem Konsum bieten könnte.
Günstiges Nebenwirkungsprofil

Die meisten Terpene aus Hanf sind weitgehend unbedenklich, sodass sie auch seit Langem als Zusatz in Lebensmitteln und Kosmetika zugelassen sind. So zeigt beispielsweise das in vielen Studien untersuchte Limonen selbst bei einer oralen Dosis von acht Gramm pro Tag keine oder nur sehr leichte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden. Nicht außer Acht gelassen werden darf jedoch eine mögliche allergische Wirkung bei hohen Konzentrationen bei äußerer Anwendung.
Viele Terpene können hier zu Hautreizungen führen. Noch nicht vollständig geklärt sind Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, insbesondere solchen, die in der Leber über CYP-Enzyme verstoffwechselt werden. Bei in vitro Versuchen konnte gezeigt werden, dass Limonen und Pinen bestimmte Aktivitäten des Leberenzyms CYP-450 hemmen. Dieses Enzym spielt eine zentrale Rolle bei der Verstoffwechslung vieler Medikamente. Weitere Forschung und vor allem klinische Studien sind nötig, um diese Fragen umfassend zu klären. Dennoch lässt sich sagen, dass Terpene vergleichsweise untoxisch sind, im Gegensatz zu Opioiden keine Suchtgefahr besteht und sie in Zukunft noch eine größere Bedeutung bei der Behandlung chronischer Schmerzen erlangen werden.
Hast du schon einmal Terpene gezielt zur Schmerzlinderung verwendet?
Häufige Fragen zu Terpenen in der Schmerzmedizin
Welche Terpene wirken am besten gegen chronische Schmerzen?
In aktuellen Studien zeigten Geraniol, Linalool, β-Caryophyllen und α-Humulen die stärkste schmerzlindernde Wirkung – vermittelt über den Adenosin-A2a-Rezeptor. Einen Überblick über alle relevanten Profile bietet unser Guide zu den 20 wichtigsten Cannabis-Terpenen und ihrer Wirkung. Wie gut Cannabis insgesamt bei Dauerschmerz hilft, fasst unser Beitrag zur Wirksamkeit von Cannabis gegen chronische Schmerzen zusammen.
Wie wirkt Beta-Caryophyllen schmerzlindernd?
Beta-Caryophyllen aktiviert als eines der wenigen Terpene direkt den CB2-Rezeptor und regt zudem die Ausschüttung körpereigener Beta-Endorphine an. Mehr zu diesem Doppelcharakter aus Terpen und Cannabinoid erklärt unser Artikel Beta-Caryophyllen – das besondere Terpen im Hanf.
Können Terpene helfen, Opioide einzusparen?
Präklinische Studien deuten darauf hin, dass Beta-Caryophyllen die Selbstverabreichung von Opioiden senkt und beim Ausschleichen unterstützen könnte. Auch bei der Begleittherapie von Krebspatienten wird das Potenzial untersucht – mehr dazu in unserer Analyse zur Schmerzlinderung durch Terpene bei Chemotherapie.
Helfen Terpene auch bei Arthrose und entzündlichen Schmerzen?
Viele Terpene wirken entzündungshemmend, etwa über NF-Kappa-B und das Enzym COX-2, das auch von Antirheumatika gehemmt wird. Besonders Myrcen rückt dabei in den Fokus – Details liefert unser Beitrag zur Wirkung von Myrcen bei Schmerzen und Arthrose.
Quellen
2 Adenosin-A2a-Studien:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39663308/
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S030439402500093X
Italien Studie
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40872493/
https://www.mdpi.com/1424-8247/18/8/1100
Kappa-B und Cyclooxygenase-2 erklärt:
https://de.wikipedia.org/wiki/NF-%CE%BAB
https://de.wikipedia.org/wiki/Cyclooxygenase-2
Abschnitt 3.4, Nebenwirkungsprofil von Terpenen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12389225/
Opioide ausschleichen Studie:


































