Der Cannabis Social Club Dortmund e. V. hat zum Ende seines dritten Vereinsjahres eine ungewöhnlich detaillierte Bilanz vorgelegt: 54,2 Kilogramm Cannabis in 3.721 Ausgaben, 92 laborgeprüfte Chargen, keine beanstandete Probe. Solche Zahlen aus dem Inneren einer Anbauvereinigung sind selten. Sie sind aufschlussreich, aber sie sind Vereinsangaben, und der Verein hat sie einen Tag nach der Veröffentlichung schon einmal korrigiert.
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Die Anbauvereinigung in Zahlen: Ernte, Weitergabe, Mitglieder
Gegründet wurde der Verein am 5. September 2023, also noch vor dem Konsumcannabisgesetz. Im November 2024 erhielt er als erster Club in Dortmund die Erlaubnis der Bezirksregierung Arnsberg. Die erste Ernte folgte im April 2025, die erste Weitergabe im Mai. Seitdem hat der Verein nach eigenen Angaben 1.445 Pflanzen in 80 Ernten eingebracht. Die 75 abgeschlossenen Ernten ergaben 65,9 Kilogramm Blüten und 1,3 Kilogramm Haschisch, fünf Ernten trocknen noch.
In der ersten Fassung der Pressemitteilung vom 20. Oktober stand noch eine Erntemenge von 64,5 Kilogramm. Am 21. Oktober korrigierte der Verein die Zahl auf 65,9 Kilogramm und schlüsselte die Abgabemengen genauer auf. Einige Medien hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die alten Werte übernommen. Wir stützen uns hier auf die korrigierte Fassung.
Aufgenommen hat der Club seit der Gründung 298 Menschen, aktuell zählt er 240 Mitglieder. Im September 2026 holten 156 davon Cannabis ab, im Schnitt 21,9 Gramm. Das ist knapp die Hälfte der gesetzlichen Monatsobergrenze von 50 Gramm, niemand lag darüber. Bemerkenswert ist die Konstanz: Seit Mai 2025 liegt die Menge je abholendem Mitglied nahezu unverändert bei rund 21 Gramm. Gleichzeitig holt ein wachsender Teil der Mitglieder in einem Monat gar nichts ab.
Laborprüfung im Cannabis Social Club: was hinter „keine Probe beanstandet“ steckt
Den Wirkstoffgehalt jeder Charge lässt der Verein nach eigenen Angaben vor der Weitergabe in einem unabhängigen Labor bestimmen, bislang 92 Chargen in 101 Analysen. Die korrigierte Mitteilung präzisiert einen wichtigen Punkt: Auf Schwermetalle, Keime und Schimmelpilzgifte wird erst seit Februar 2026 vor der Weitergabe geprüft, teils in gemeinsamen Proben mehrerer Ernten. Die davor weitergegebenen Chargen ließ der Verein nachträglich an Rückstellmustern untersuchen.
Das relativiert die Schlagzeile nicht, ordnet sie aber ein. Bei den frühen Chargen war die Kontaminationsprüfung eine nachträgliche Kontrolle, keine Freigabe vor der Abgabe. Welches Labor prüft, nach welchen Grenzwerten bewertet wurde und wie viele Ernten sich eine Sammelprobe teilen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Gerade diese Frage hat die Rechtsprechung zuletzt beschäftigt: Das VG Würzburg hat Bayern bei eigenen Grenzwerten und Sonderauflagen für Anbauvereinigungen Grenzen gesetzt.
Schwarzmarkt und Altersstruktur: Befragung ohne Methodik
Knapp 96 Prozent der Mitglieder gaben in einer vereinsinternen Befragung an, ihr Cannabis überwiegend über den Club zu beziehen. 95 Prozent haben nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zum Schwarzmarkt. Wie viele Mitglieder teilgenommen haben und wie gefragt wurde, nennt der Verein nicht. Die Werte beschreiben also, wie Clubmitglieder ihre Versorgung selbst einschätzen. Eine Wirkungsmessung für das KCanG sind sie nicht.
Auffällig ist die Altersstruktur. Das Durchschnittsalter liegt bei 45 Jahren, gut jedes fünfte Mitglied ist älter als 55, nur drei Prozent sind jünger als 25. Das passt zu dem, was größere Erhebungen nahelegen: Eine Studie mit 35.957 Befragten fand keinen Konsumschub nach dem Cannabisgesetz. Anbauvereinigungen scheinen eher erwachsene Bestandskonsumenten anzuziehen als neue, junge Nutzer.
Was die Dortmunder Zahlen für die KCanG-Evaluation bedeuten
Bislang kommen belastbare Clubdaten vor allem von Behörden. Hamburg hat für 17 Anbauvereinigungen eine Kontrollbilanz gezogen, Sachsen hat Abgabemengen von 29 Vereinen ausgewertet. In Sachsen-Anhalt dagegen erfasst das zuständige Landesamt Ernte- und Ausgabedaten nach eigener Auskunft gar nicht. Wie unterschiedlich die Bedingungen sind, zeigt der Fall eines bayerischen Clubs, der seinen Anbau nach Thüringen verlegt.
Eine Vereinsbilanz ersetzt keine unabhängige Evaluation. Sie zeigt aber, welche Kennzahlen eine Anbauvereinigung mit vertretbarem Aufwand liefern kann: Ernte, Abgabe je Mitglied, Laborbefunde, Altersstruktur. Wer das Modell politisch bewerten will, bräuchte genau diese Daten, vergleichbar erhoben und von mehr als einem Verein. Dass Social Clubs auch international zum Forschungsgegenstand werden, zeigt eine Zählung von 294 Clubs in Chile.
Häufige Fragen
Wie viel Cannabis hat der CSC Dortmund weitergegeben?
Nach Vereinsangaben 54,2 Kilogramm in 3.721 Ausgaben seit Mai 2025. Geerntet wurden in 75 abgeschlossenen Ernten 65,9 Kilogramm Blüten und 1,3 Kilogramm Haschisch.
Wie viel holt ein Mitglied im Monat ab?
Im September 2026 holten 156 von 240 Mitgliedern im Schnitt 21,9 Gramm ab. Das ist knapp die Hälfte der gesetzlichen Obergrenze von 50 Gramm im Monat für Erwachsene ab 21 Jahren.
Wurden alle Chargen auf Schadstoffe geprüft?
Der Wirkstoffgehalt wird laut Verein bei jeder Charge vor der Weitergabe bestimmt. Schwermetalle, Keime und Schimmelpilzgifte werden erst seit Februar 2026 vorab geprüft, teils in Sammelproben. Ältere Chargen wurden nachträglich an Rückstellmustern untersucht.
Sind die Angaben zum Schwarzmarkt repräsentativ?
Nein. Sie stammen aus einer vereinsinternen Mitgliederbefragung, deren Teilnehmerzahl und Methodik nicht veröffentlicht sind. Sie zeigen die Selbsteinschätzung der Mitglieder, keine messbare Verdrängung des Schwarzmarkts.
Quellen: Cannabis Social Club Dortmund e. V., Pressemitteilung „Drei Jahre Cannabis Social Club Dortmund: die Bilanz“ vom 20. Oktober 2026, korrigiert am 21. Oktober 2026; Hanfjournal, 21. Oktober 2026.











































