Chile zählt inzwischen 294 registrierte Cannabis Social Clubs, doch gut zwei Drittel davon sitzen in der Hauptstadtregion. Das zeigt eine Studie, die Mitte September im Journal of Cannabis Research erschienen ist. Sie liefert erstmals belastbare Zahlen zur räumlichen Verteilung der Vereine in einem Land des Globalen Südens und stellt eine Frage, die auch in Deutschland gestellt wird: Wer hat überhaupt einen Club in erreichbarer Nähe?
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Was die Studie zu Cannabis Social Clubs in Chile untersucht hat
Das Forschungsteam um Claudio Pardo-Villarroel von der Universidad Católica de Temuco hat alle Clubs erfasst, die sich zwischen 2015 und 2024 als Organisation eintragen ließen. Grundlage waren amtliche Verwaltungsregister, ergänzende Onlinerecherchen und Zensusdaten. Ausgewertet wurde auf der Ebene der Gemeinden, also deutlich feiner als in früheren Übersichten.
Die Autorinnen und Autoren beschreiben ihr Vorgehen als quantitativ, nicht experimentell und explorativ-deskriptiv. Die Arbeit zählt und kartiert also, sie erklärt keine Ursachen. Gezählt werden außerdem nur formell registrierte Vereine. Gruppen, die ohne Eintragung gemeinschaftlich anbauen, tauchen in den Daten nicht auf.
In Chile arbeiten die Clubs in einer rechtlichen Grauzone. Sie verstehen sich als gemeinnützige Zusammenschlüsse Erwachsener, die Cannabis gemeinsam anbauen und unter ihren Mitgliedern verteilen, häufig mit medizinischem Schwerpunkt. Wie brüchig dieser Status ist, zeigte zuletzt der Großeinsatz der Polizei gegen eine chilenische Patientenorganisation.
Santiago dominiert: 198 von 294 Clubs in der Hauptstadtregion

Das zentrale Ergebnis ist die Konzentration. 67,3 Prozent aller Registrierungen entfallen auf die Región Metropolitana rund um Santiago, das sind 198 Clubs. Nach den Berichten über die Studie liegt innerhalb der Hauptstadt die Gemeinde Santiago mit 74 Vereinen vorn, gefolgt vom wohlhabenden Las Condes mit 61.
Außerhalb der Hauptstadt fallen die Zahlen steil ab. Valparaíso kommt auf 16 Clubs, La Araucanía und Los Lagos kommen auf jeweils 12, die Region Atacama auf zwei. Nur in 71 der 345 chilenischen Gemeinden gibt es überhaupt einen eingetragenen Club, das entspricht 20,6 Prozent. Ein zweites Muster wiederholt das erste im Kleinen: Auch in den Regionen sammeln sich die Vereine in den jeweiligen Hauptstädten.
Bereinigt um die Bevölkerungszahl verschiebt sich das Bild etwas. Die dünn besiedelte Region Aysén erreicht 6,1 Clubs je 100.000 Einwohner ab 15 Jahren, der Landesschnitt liegt bei 1,9. An der Grundaussage ändert das wenig. Formalisierte Clubs entstehen vor allem dort, wo die Einkommen hoch sind und die Stadt groß ist.
Rekord bei den Registrierungen nach der Gesetzesänderung von 2023

Über die Zeit zeigt die Kurve nach oben, allerdings nicht gleichmäßig. 2015 wurde ein einziger Club eingetragen, 2018 waren es 36. Danach folgten Jahre mit Schwankungen, die die Studie mit politischen und sozialen Umbrüchen in Verbindung bringt. In den Jahren 2023 und 2024 kamen dann zusammen 100 Registrierungen hinzu, davon 71 allein im Jahr 2024.
Dieser Sprung fällt zeitlich mit dem Gesetz Nr. 21.575 zusammen, das 2023 unter anderem die Regeln zum Anbau für den persönlichen und medizinischen Gebrauch angepasst hat. Das Team vermutet, dass mehr Rechtssicherheit bestehende Gruppen ermutigt hat, sich eintragen zu lassen. Belegen lässt sich das mit einer beschreibenden Auswertung nicht, und so vorsichtig formuliert es auch die Studie selbst.
Bemerkenswert ist, was der Zuwachs nicht bewirkt hat. Die neuen Clubs haben die Lücken auf der Landkarte nicht geschlossen, sondern die bestehenden Schwerpunkte verstärkt. In der Region hat das Clubmodell eine längere Geschichte, wie unser Archivbeitrag zum Verkaufsstart in Uruguay und der Überblick zur Cannabis-Legalisierung in Südamerika zeigen.
Was das für die Debatte um Anbauvereinigungen in Deutschland bedeutet

Die Rechtslage in Chile und in Deutschland ist nicht vergleichbar. Hierzulande brauchen Anbauvereinigungen eine behördliche Erlaubnis nach dem Konsumcannabisgesetz, in Chile fehlt ein solcher Rahmen. Vergleichbar ist jedoch die Frage, die die Studie stellt. Auch in Deutschland ist offen, wie gleichmäßig das Vereinsmodell die Fläche erreicht. Schon bei der Frage, wie viele Cannabis-Clubs es in Deutschland gibt, gehen die Angaben auseinander.
Unsere Auswertung der Anbauvereinigungen in Sachsen hat ein Stadt-Land-Gefälle gezeigt, und Auflagen der Länder verschieben das Bild zusätzlich, wie das Urteil des VG Würzburg zu Bayerns Sonderauflagen belegt. Die chilenische Arbeit liefert dafür kein Ergebnis, aber eine Methode: Registrierungen auf Gemeindeebene erfassen und auf die Bevölkerung beziehen. Für Deutschland fehlt eine solche Kartierung bislang.
Die Forschenden empfehlen Regeln und eine Raumplanung, die den gleichmäßigen Zugang ausdrücklich zum Ziel machen. Nach den Berichten über die Studie gehört dazu ein nationales Register der Clubs. In Chile liegt seit 2025 ein Gesetzentwurf vor, der den gemeinschaftlichen Anbau anerkennen würde. Ob er unter den veränderten politischen Mehrheiten vorankommt, ist offen.
Häufige Fragen
Wie viele Cannabis Social Clubs gibt es in Chile?
Die Studie zählt 294 Clubs, die zwischen 2015 und 2024 formell registriert wurden. Nicht eingetragene Gruppen sind in dieser Zahl nicht enthalten. Die tatsächliche Zahl der gemeinschaftlich anbauenden Gruppen kann deshalb höher liegen.
Sind Cannabis Social Clubs in Chile legal?
Einen eigenen gesetzlichen Rahmen für die Clubs gibt es in Chile nicht. Die Vereine arbeiten als gemeinnützige Organisationen in einer rechtlichen Grauzone und berufen sich meist auf den medizinischen Gebrauch ihrer Mitglieder. Ein Gesetzentwurf von 2025 würde den gemeinschaftlichen Anbau erstmals anerkennen.
Warum sitzen die meisten Clubs im Raum Santiago?
Die Studie beschreibt das Muster, erklärt es aber nicht abschließend. Die Autorinnen und Autoren sehen darin die bekannte Zentralisierung des Landes, die sich auch bei anderen Angeboten zeigt. Formelle Vereine entstehen bevorzugt in einkommensstarken Stadtgebieten.
Lassen sich die Ergebnisse auf Deutschland übertragen?
Die Zahlen lassen sich nicht übertragen, weil die Rechtslage eine völlig andere ist. Übertragbar ist der Ansatz, die Verteilung der Vereine auf Gemeindeebene zu messen. Für die deutschen Anbauvereinigungen gibt es eine solche bundesweite Auswertung bisher nicht.
Wie belastbar ist die Studie?
Die Arbeit ist in einer Fachzeitschrift mit Begutachtung erschienen und frei zugänglich. Sie ist rein beschreibend angelegt und stützt sich auf Registerdaten. Aussagen über Ursachen, etwa zur Wirkung der Gesetzesänderung von 2023, sind damit nicht möglich.
Quelle: Pardo-Villarroel C. et al., Cannabis Social Clubs in Chile: Spatiotemporal Dynamics and Centre-Periphery Inequalities in the Global South, Journal of Cannabis Research, 15. September 2026, DOI 10.1186/s42238-026-00502-z.







































