In Deutschland wird über eine Cannabissteuer gesprochen, bevor überhaupt klar ist, worauf sie erhoben würde. Eine kanadische Auswertung zeigt, dass genau diese Frage über die Wirkung entscheidet, und dass die naheliegende Antwort die schlechteste ist.
Ontario hat Cannabis im Oktober 2018 für den Genusskonsum legalisiert. Besteuert wird über eine Bundesabgabe plus zusätzliche Provinzabgaben, und es kommen zwei verschiedene Methoden zum Einsatz: eine reine Mengensteuer für verarbeitete Produkte wie Vapes und Esswaren, und eine Wertsteuer mit Mindestbetrag für unverarbeitete Produkte wie getrocknete Blüten und vorgedrehte Joints, bemessen am Gewicht.
Die Autoren haben für 2.568 legal verkaufte Produkte aus dem März 2022 durchgerechnet, wie viel Steuer je Milligramm THC anfällt, und das gegen alternative Verfahren simuliert.
Der zentrale Befund
Die am Gewicht bemessene Steuer erzeugt bei hohen THC-Gehalten eine niedrigere Steuer je Milligramm THC. Das ist die logische Folge der Bemessungsgrundlage: Wer ein Gramm mit zwanzig Prozent THC besteuert wie ein Gramm mit zehn Prozent, halbiert den Steueranteil je Wirkstoffeinheit.
Eine Mengensteuer, die am THC-Gehalt ansetzt, dreht das um. Sie erzeugt nach der Simulation den höchsten durchschnittlichen Steuerbetrag je Milligramm THC über alle Konzentrationen hinweg, belastet hochkonzentrierte Produkte stärker und verkleinert die Preisabstände zwischen den Konzentrationsstufen.
Im Klartext: Eine Gewichtssteuer belohnt hohe Wirkstoffgehalte, eine wirkstoffbezogene Steuer tut das nicht. Wer also mit einer Steuer gesundheitspolitisch steuern will, muss die Bemessungsgrundlage danach aussuchen und nicht danach, was sich am einfachsten erheben lässt.
Warum das für Deutschland relevant ist
Eine Cannabissteuer steht hierzulande im Raum, und in der Debatte wird fast ausschließlich über das Ob und über erwartete Einnahmen gesprochen. Die kanadischen Zahlen zeigen, dass die unscheinbare Frage nach der Bemessungsgrundlage die gesundheitspolitische Wirkung bestimmt, und zwar unabhängig von der Höhe des Satzes.
Dazu kommt ein praktischer Punkt, den wir aus einem anderen Zusammenhang kennen. Wie stark sich Preise je Wirkstoffeinheit unterscheiden können, haben wir für den Medizinalbereich anhand der Kosten je Milligramm THC aufbereitet. Dieselbe Rechenlogik gilt für eine Steuer, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Die Übertragbarkeit hat Grenzen. Die Daten stammen aus einem Markt mit lizenziertem Einzelhandel und sind drei Jahre alt. Der Mechanismus hinter dem Befund ist aber nicht marktspezifisch, sondern Arithmetik.
Quelle: Sornpaisarn B. et al., „Canadian taxation methods for cannabis: an examination of the impact of different tax methods based on legal products sold in Ontario“, Journal of Cannabis Research, 9. September 2026, DOI 10.1186/s42238-026-00499-5.





































