Während Deutschland über die Feinjustierung seiner Teillegalisierung streitet, geht Frankreich in die entgegengesetzte Richtung. Das Parlament in Paris hat am 21. Juli 2026 das sogenannte RIPOST-Gesetz endgültig angenommen. Für Cannabiskonsumenten bedeutet das vor allem eines: Die pauschale Geldstrafe steigt von 200 auf 500 Euro. Wir hatten die Einführung dieser Strafe seinerzeit begleitet, als Frankreich Drogendelikte mit 200 Euro ahnden wollte. Dieser Beitrag ist die Fortsetzung dazu.
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Damit ist ein Instrument, das 2020 als pragmatische Entlastung der Justiz verkauft wurde, binnen sechs Jahren deutlich teurer geworden. Der Weg dorthin war parlamentarisch verschlungen. Der Senat hatte die Erhöhung beschlossen, die Nationalversammlung strich sie zunächst wieder. Im gemeinsamen Ausschuss beider Kammern setzte sie sich am 20. Juli 2026 dann doch durch.
Was die amende forfaitaire délictuelle für Konsumenten bedeutet
Die amende forfaitaire délictuelle, kurz AFD, ist eine pauschale Strafe für bestimmte Vergehen. Bei Drogenkonsum kann die Polizei sie direkt vor Ort verhängen, ohne dass ein Gericht eingeschaltet wird. Der Vorteil aus Sicht des Staates liegt auf der Hand. Verfahren werden schnell erledigt, Staatsanwaltschaften entlastet, und die Einnahmen fließen zuverlässig.
Aus Sicht der Betroffenen sieht die Rechnung anders aus. Der Konsum bleibt in Frankreich ein Straftatbestand, die AFD ändert daran nichts. Sie verlagert lediglich die Sanktion aus dem Gerichtssaal auf die Straße. Wer die Strafe akzeptiert, verzichtet faktisch auf eine gerichtliche Überprüfung. Wer widerspricht, riskiert das reguläre Strafverfahren mit deutlich höheren Höchststrafen. Diese Konstruktion stand von Anfang an in der Kritik, weil sie den Rechtsweg praktisch verteuert.
Der Kontrast zur deutschen Entwicklung ist deutlich. Hier regelt das Cannabisgesetz seit 2024 den Besitz kleiner Mengen ohne Strafverfahren. In Tschechien ist der Eigenanbau inzwischen ebenfalls möglich, wie wir im Beitrag zu Tschechiens Freigabe von Eigenanbau und Psilocybin beschrieben haben. Europa entwickelt sich in dieser Frage sichtbar auseinander.
Der Führerschein wird zum Druckmittel
Für die deutsche Debatte noch interessanter ist eine zweite Regelung des Gesetzes. Präfekten können künftig bei wiederholtem Drogenkonsum die Fahrerlaubnis vorübergehend entziehen. Ein Zusammenhang mit dem Straßenverkehr muss dafür nicht bestehen. Es reicht, dass jemand mehrfach beim Konsum aufgefallen ist.
Diese Verknüpfung war im Parlament besonders umstritten. Sie folgt einer Logik, die Konsumenten in Deutschland aus den Jahren vor der Reform gut kennen. Der Führerschein wird zum Hebel, weil er im Alltag deutlich mehr wehtut als ein Bußgeld. Dass es auch anders geht, zeigt der deutsche Weg mit einem gesetzlichen Wirkungsgrenzwert. Was dabei gilt, haben wir in unserem Überblick zu Cannabis und Straßenverkehr 2026 zusammengefasst.
Das RIPOST-Gesetz ist dabei kein reines Drogengesetz. Es bündelt Maßnahmen gegen illegale Autorennen, gegen unangemeldete Free Parties und gegen den Verkauf von Lachgas. Außerdem erweitert es den Einsatz automatischer Kennzeichenerfassung und von Überwachungsdrohnen. Der Drogenkonsum ist in diesem Paket ein Baustein unter mehreren, was die Stoßrichtung des Gesetzes gut beschreibt.
Kritik von Medizinern und Richtervertretern
Widerspruch kam nicht nur aus der Cannabisszene. Der Suchtmediziner Amine Benyamina und die französische Richtergewerkschaft Syndicat de la magistrature halten den Ansatz für einseitig repressiv. Ihr Hauptargument: Die höhere Strafe wird nicht von einem Ausbau der Prävention oder der Suchthilfe begleitet. Abhängigkeit werde damit als Ordnungsproblem behandelt und nicht als Gesundheitsfrage.
Die Organisation NORML France spricht in ihrer Bilanz der Debatte von Strafpopulismus. Dahinter steht eine nüchterne Beobachtung. Frankreich hat eine der höchsten Konsumraten Europas und zugleich eine der härtesten Gesetzgebungen. Ein Zusammenhang zwischen Strafhöhe und Konsumverhalten lässt sich daraus jedenfalls nicht ableiten.
Bemerkenswert bleibt der Widerspruch zur französischen Medizinalpolitik. Beim medizinischen Cannabis bewegt sich das Land vorsichtig nach vorn, wie unser Beitrag zur verlängerten Pilotphase bis 2027 zeigt. Gleichzeitig verschärfte Paris zuletzt die Regeln für Hanfprodukte, etwa mit dem Verbot von CBD-Edibles seit Mai 2026. Wer das französische Cannabisrecht verstehen will, muss beide Bewegungen zusammendenken. Historisch ist das keineswegs neu, wie ein Blick auf die damals geplante Lockerung des rechtlichen Status und auf ein älteres Interview mit Aurélien Bernard über die französische Szene zeigt.
Was das für deutsche Reisende heißt
Praktisch relevant ist die Verschärfung für alle, die nach Frankreich fahren. Der deutsche Rechtsrahmen endet an der Grenze. Weder der legale Besitz nach dem Konsumcannabisgesetz noch eine deutsche Verordnung von Medizinalcannabis schützt vor französischen Sanktionen. Wer mit Cannabis einreist, riskiert eine Strafe nach französischem Recht.
Für Patientinnen und Patienten ist die Lage besonders unangenehm. Innerhalb des Schengen-Raums gibt es zwar eine Regelung für die Mitnahme verschriebener Betäubungsmittel. Sie erfordert aber eine bescheinigte Verordnung und schützt nicht vor Kontrollen und Rückfragen. Wer eine längere Reise plant, sollte die Bescheinigung rechtzeitig besorgen und im Zweifel Rücksprache mit der behandelnden Praxis halten.
Sollte Cannabiskonsum mit hohen Geldstrafen bestraft werden?
Häufige Fragen
Ab wann gilt die Geldstrafe von 500 Euro?
Das Parlament hat das RIPOST-Gesetz am 21. Juli 2026 endgültig angenommen. Der genaue Zeitpunkt des Inkrafttretens hängt von der Verkündung im französischen Amtsblatt ab. Bis dahin bleibt es bei der bisherigen Höhe von 200 Euro.
Ist Cannabiskonsum in Frankreich damit entkriminalisiert?
Nein. Der Konsum bleibt eine Straftat. Die pauschale Geldstrafe ist lediglich ein vereinfachtes Verfahren, mit dem die Polizei den Fall vor Ort erledigen kann. Wer die Zahlung verweigert, landet im regulären Strafverfahren.
Kann mir in Frankreich wegen Cannabiskonsums der Führerschein entzogen werden?
Das neue Gesetz erlaubt es den Präfekten, die Fahrerlaubnis bei wiederholtem Drogenkonsum vorübergehend zu entziehen. Ein Bezug zum Straßenverkehr ist dafür nicht erforderlich. Diese Regelung gehörte zu den umstrittensten Punkten der parlamentarischen Debatte.
Darf ich als deutscher Cannabispatient mit meiner Medizin nach Frankreich reisen?
Innerhalb des Schengen-Raums existiert eine Regelung für die Mitnahme ärztlich verschriebener Betäubungsmittel. Erforderlich ist eine von der zuständigen Stelle beglaubigte Bescheinigung. Ohne dieses Dokument drohen erhebliche Probleme, deshalb sollte es vor der Reise besorgt werden.
Was regelt das RIPOST-Gesetz außer der Drogenstrafe?
Das Gesetz bündelt Maßnahmen gegen illegale Autorennen, gegen unangemeldete Free Parties und gegen den Verkauf von Lachgas. Zusätzlich erweitert es den Einsatz automatischer Kennzeichenerfassung und den Einsatz von Drohnen zur Überwachung.
Quellen: Einigung der Commission mixte paritaire zum Projet de loi RIPOST vom 20.07.2026 und endgültige Annahme durch das Parlament am 21.07.2026; Berichterstattung von Public Sénat, CNews und Newsweed; Bilanz der parlamentarischen Debatte durch NORML France.





































