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Home Hanfpolitik in der Welt

Lucas Green e.V.: 12 Monate CSC-Gründung von innen, zwischen Stasi-Areal und KCanG-Bürokratie

von Christian Schäfer
27.05.2026
in Hanfpolitik in der Welt
Lesezeit: 11 Minuten
Indoor-Cannabisanbau in einem Cannabis Social Club in Berlin-Weißensee
⏱ 11 Min. Lesezeit·2.147 Wörter
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Wenn man in Berlin-Weißensee die Neumagener Straße entlangläuft, übersieht man Lucas Green leicht. Das Areal sieht nach unspektakulärem Gewerbegebiet aus, dabei steckt im Hintergrund eine der ungewöhnlichsten Cannabis-Gründungsgeschichten der Hauptstadt: David Boldt und Madeleine „Leni“ Lengert haben hier auf einem ehemaligen Stasi-Munitionsdepot ihren Cannabis Social Club gestartet. Seit 2025 hat Lucas Green e.V. eine Sieben-Jahres-Lizenz, 50 Mitglieder, eine erste Ernte hinter sich und unmittelbar vor der zweiten.

Für unsere Leser:innen ist die Geschichte aus mehreren Gründen relevant. Erstens, weil das KCanG Stand 2026 ein Übergangsregime ist, in dem viele Anbauvereinigungen noch an den Konzepten ringen, die David und Leni schon durchhaben. Zweitens, weil Lucas Green eine explizit programmatische Linie verfolgt: keine externen Investoren, keine Renditelogik, sondern Verein, Verantwortung, Schwarzmarktbekämpfung. In einem Markt, in dem inzwischen viele Geld riechen, ist das eine Ansage. Und drittens, weil die beiden auf der Mary Jane Berlin am Samstag, 13. Juni, um 12:30 Uhr auf der Masterclass Stage genau diesen Erfahrungsbericht öffentlich machen.

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Im folgenden Interview reden David und Leni ehrlich über die zähen Stellen der CSC-Bürokratie (neun Konzepte sind sauber zu schreiben), über die Frage, wie ein Verein wachsen kann, ohne Investorengeld aufzunehmen, und über die Sorten, mit denen die zweite Ernte ins Rennen geht. Sie erzählen, wie der Draht zum Stasi-Areal kam, warum sie sich Stand heute keine Gehälter zahlen, und welche eine regulatorische Änderung am dringendsten ist: nicht Werbung, sondern endlich klare Regeln für sachliche Information.

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💬 Im Gespräch

David Boldt und Madeleine „Leni“ Lengert, Lucas Green e.V.

David Boldt und Madeleine „Leni“ Lengert sind die Gründungs-Vorstände von Lucas Green e.V., einem Cannabis Social Club in Berlin-Weißensee. Auf der Mary Jane Berlin halten sie am Samstag, 13. Juni 2026, um 12:30 Uhr auf der Masterclass Stage einen Erfahrungsbericht über zwölf Monate Gründung. Wir haben sie vorab acht Fragen schriftlich beantworten lassen.

Frage 1, Stasi-Areal

Ihr habt euren CSC auf einem ehemaligen Stasi-Munitionsdepot in Berlin-Weißensee gegründet. Wie kam es konkret zu dieser Location, und welche Auflagen gehen mit so einem historischen Areal einher?

David: Tatsächlich war die Location am Anfang ein großer Glücksfall. Leni hatte den Draht zu dem Objekt, und dann ging es überraschend unkompliziert und schnell. Wir waren selbst sofort fasziniert von dem Ort, weil er natürlich eine starke Geschichte hat und gleichzeitig sehr gut zu dem passt, was wir vorhaben: einen sicheren, geschlossenen und professionellen Ort für gemeinschaftlichen Cannabisanbau zu schaffen.

Natürlich bringt so ein Areal besondere Anforderungen mit sich. Für uns ging es vor allem darum, die Flächen so zu nutzen, dass Sicherheit, Zugangskontrolle, Dokumentation und die gesetzlichen Vorgaben sauber umsetzbar sind. Das historische Umfeld macht die Geschichte spannend, aber am Ende zählt für die Genehmigung natürlich nicht der Mythos des Ortes, sondern ob man alle Anforderungen aus dem KCanG praktisch erfüllen kann. Genau daran haben wir von Anfang an sehr konsequent gearbeitet.

Industriegebäude eines ehemaligen Stasi-Areals in Berlin-Weißensee

Frage 2, Hürden

Lucas Green hat seit 2025 eine Sieben-Jahres-Lizenz und 50 Mitglieder. Welche organisatorischen und juristischen Hürden waren die zähesten, und welche habt ihr besser gelöst als andere CSCs, die ihr aus dem Dachverband kennt?

David: Der größte Punkt war ganz klar der bürokratische Aufwand. Man hat teilweise das Gefühl, man müsste noch einmal komplett neu studieren, weil man sich in viele Themen gleichzeitig einarbeiten muss: rechtliche Anforderungen, Präventionskonzept, Gesundheits- und Jugendschutz, Sicherheitskonzept, Anbauplanung, Dokumentation, Entsorgungskonzepte und viele weitere Punkte. Insgesamt sind es ungefähr neun Konzepte, die sauber durchdacht und formuliert werden müssen.

Schwierig ist auch, dass es nicht einfach eine perfekte Checkliste gibt, die man abarbeitet. Vieles muss man sich selbst erschließen, nachfragen, interpretieren und dann so aufbereiten, dass es für die Behörde nachvollziehbar ist. Zusätzlich wird das Thema je nach Bundesland teilweise unterschiedlich gehandhabt, was es für Gründerinnen und Gründer noch komplexer macht.

Wir waren deshalb viel im Austausch mit anderen Antragstellern aus unterschiedlichen Bundesländern. Gleichzeitig hatten wir in Berlin das Glück, mit Ansprechpartnern beim LaGeSo zu tun zu haben, die kommunikativ, erreichbar und konstruktiv waren. Wir würden nicht sagen, dass wir etwas grundsätzlich besser gemacht haben als andere CSCs, dafür fehlt uns der vollständige Einblick. Aber ein Vorteil war sicher, dass wir sehr früh einen konkreten Ort hatten. Viele Anträge starten ohne belastbaren Standort, und das macht vieles deutlich schwieriger.

Frage 3, Investoren-Linie

„Keine externen Investoren“ ist eure explizite Linie. Wie skaliert das wirtschaftlich, wenn der CSC wachsen soll, und wo zieht ihr eine harte Grenze gegen Investoren-Anfragen?

David: Für uns ist wichtig, dass Lucas Green ein Verein bleibt und kein Investment Case wird. Der CSC-Gedanke lebt aus unserer Sicht von Gemeinschaft, Verantwortung und dem Ziel, den Schwarzmarkt zurückzudrängen. Es soll nicht darum gehen, möglichst viel Rendite aus einem neuen Markt zu ziehen.

Wirtschaftlich ist das natürlich herausfordernd. Stand heute zahlen wir uns keine Gehälter aus. Vieles tragen wir selbst, mit sehr viel Zeit, Energie und persönlichem Einsatz. Wir haben auch selbst investiert und versuchen, das Ganze Schritt für Schritt tragfähig aufzubauen. Ob sich die Rahmenbedingungen irgendwann so ändern, dass Aufwandsentschädigungen oder Gehälter klarer möglich werden, wird man sehen.

Wir hatten bereits Anfragen von Unternehmen, auch aus dem Ausland, die grundsätzlich Interesse an einer Beteiligung oder Zusammenarbeit hatten. Unsere Linie ist aber klar: Wir wollen keine externen Investoren, die Einfluss auf den Verein, den Anbau oder die Richtung nehmen. Kooperationen können sinnvoll sein, aber die Kontrolle, die Werte und die Verantwortung müssen beim Verein und seinen Mitgliedern bleiben.

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Frage 4, Lessons Learned

Welche drei Lessons Learned würdet ihr einer neuen CSC-Gründer:innen-Runde mitgeben, die ihr selbst gerne früher gehabt hättet?

David: Erstens: Egal wie einfach es am Anfang klingt, es wird sehr wahrscheinlich deutlich komplexer als gedacht. Ein CSC ist nicht einfach ein Verein mit Pflanzen. Es ist eine Kombination aus Vereinsrecht, Verwaltungsrecht, Prävention, Qualitätsmanagement, Sicherheit, Dokumentation, Kommunikation und sehr viel operativer Arbeit.

Zweitens: Nicht zu schnell zu viel wollen. Prozesse dauern, Behörden brauchen Zeit, Konzepte müssen reifen, und auch intern muss man Strukturen aufbauen. Am Ende kommt man weiter, wenn man Schritt für Schritt sauber arbeitet, statt alles gleichzeitig erzwingen zu wollen.

Drittens: Sucht früh den Austausch. Mit anderen CSCs, mit Antragstellern, mit Menschen aus Verwaltung, Recht, Anbau und Prävention. Viele Fragen lassen sich nicht allein am Schreibtisch lösen. Gerade weil die Auslegung in den Bundesländern unterschiedlich sein kann, hilft es enorm, Erfahrungen zu vergleichen und offen über Probleme zu sprechen.

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Frage 5, Mitglieder-Erwartungen

Die Mitglieder-Erwartungen variieren stark zwischen Patient:innen, Adult-Use und Connaisseurs. Wie balanciert ihr das in der Anbauplanung?

David: Wir versuchen das vor allem über Transparenz und Beteiligung zu lösen. Lucas Green hat ein Mitwirkungskonzept, und wir beziehen unsere Mitglieder so gut es geht ein. Es gibt Menschen, die sehr tief im Thema sind, Sorten verstehen, gerne mitdenken und sich auch stärker einbringen möchten. Es gibt aber auch Mitglieder, die vor allem eine verlässliche, sichere und schöne Community suchen und ihren Mindestbeitrag leisten möchten, um legal und kontrolliert versorgt zu werden.

Beides ist für uns völlig legitim. Wichtig ist, dass alle verstehen, dass ein CSC gemeinschaftlich funktioniert und nicht wie ein klassischer Shop. Wir versuchen deshalb, Erwartungen früh zu erklären und ehrlich zu kommunizieren, was möglich ist und was nicht.

In der Anbauplanung achten wir darauf, ein ausgewogenes Portfolio zu schaffen. Es soll nicht nur um maximale Stärke gehen, sondern auch um Geschmack, Wirkung, Terpenprofile, Alltagstauglichkeit und Vielfalt. Dadurch können wir unterschiedliche Bedürfnisse besser abbilden.

Anbauplanung und Sortenwahl in einem Cannabis Social Club

Frage 6, Sorten

Welche Cannabis-Sorten baut Lucas Green konkret an, und nach welchen Kriterien wählt ihr aus?

David: In unserer ersten Ernte hatten wir vier unterschiedliche Sorten. In der zweiten Ernte gehen wir bereits mit acht Sorten raus, voraussichtlich sogar kurz vor der Mary Jane. Aktuell arbeiten wir mit Banana Conda, Blue Zushi, Cap Junkie, Cream Runtz, Fruitopia, Purple Octane, Permanent Marker und La Bomba.

Bei der Auswahl spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Natürlich sind darunter Sorten, die wir selbst spannend finden und feiern. Gleichzeitig geht es uns aber nicht nur um persönliche Vorlieben, sondern um ein ausgewogenes Angebot für verschiedene Geschmäcker und Bedürfnisse. Manche Mitglieder suchen eher fruchtige Profile, andere eher intensive, gasige oder klassische Richtungen. Manche achten stärker auf Wirkung, andere auf Aroma oder Konsistenz.

Unser Ziel ist, mit jeder Ernte besser zu verstehen, was unsere Mitglieder wirklich schätzen. Die Sortenauswahl soll sich also nicht nur nach Trends richten, sondern auch nach Feedback aus der Community, Anbauerfahrung, Qualität und Verlässlichkeit.

Frage 7, KCanG-Wunschliste

KCanG ist Stand 2026 ein Übergangs-Gesetz. Welche regulatorische Veränderung würde euch das Leben am stärksten erleichtern?

David: Am stärksten würde uns eine klarere Möglichkeit helfen, überhaupt darüber informieren zu dürfen, dass es uns gibt und was wir machen. Wir verstehen absolut, dass Cannabiskonsum nicht beworben oder gefördert werden soll. Das ist auch nicht unser Ziel. Aber aktuell ist die Abgrenzung zwischen verbotener Werbung und sachlicher Information oft schwierig.

Für uns geht es darum, eine legale, verantwortungsbewusste und qualitativ hochwertige Anlaufstelle für Menschen zu sein, die ohnehin konsumieren. Wenn diese Menschen uns aber kaum finden oder wir kaum erklären dürfen, wie ein CSC funktioniert, wird das Ziel der Schwarzmarktbekämpfung unnötig erschwert.

Mehr Rechtssicherheit bei sachlicher Öffentlichkeitsarbeit wäre deshalb extrem hilfreich. Also klare Regeln dafür, was ein Verein kommunizieren darf: Öffnungszeiten, Konzept, Mitgliedschaft, Prävention, Qualität, Transparenz und Erfahrungsberichte. Nicht als Konsumanreiz, sondern als Information.

Frage 8, Fünf-Jahres-Vision

Wo seht ihr Lucas Green in fünf Jahren, und welche Rolle spielt ihr im Berliner und im bundesweiten CSC-Ökosystem?

David: In fünf Jahren sehen wir Lucas Green als gewachsenen, stabilen und voll ausgelasteten Verein mit der maximal möglichen Mitgliederzahl. Unser Ziel ist, ein Aushängeschild dafür zu sein, wie ein CSC professionell, transparent und gemeinschaftlich funktionieren kann.

Wir wollen zeigen, dass legaler Cannabisanbau im Verein nicht nur theoretisch möglich ist, sondern praktisch einen echten Mehrwert schaffen kann: für Mitglieder, für Prävention, für Qualität und für die Reduzierung des Schwarzmarkts. Dabei geht es uns nicht darum, die Größten oder Lautesten zu sein, sondern darum, sauber zu arbeiten und Erfahrungen weiterzugeben.

Im Berliner und bundesweiten CSC-Ökosystem möchten wir eine konstruktive Rolle spielen. Wir wollen uns austauschen, voneinander lernen und anderen Vereinen zeigen, welche Wege funktionieren können und welche Fehler man vielleicht vermeiden sollte. Am Ende profitieren alle davon, wenn CSCs professioneller, transparenter und besser verstanden werden.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt. Antworten wurden für Lesbarkeit und Rechtschreibung leicht redigiert, ohne inhaltlich verändert zu werden. David Boldt und Madeleine Lengert sprechen am Samstag, 13. Juni 2026, um 12:30 Uhr auf der Masterclass Stage der Mary Jane Berlin zum Erfahrungsbericht der Lucas-Green-Gründung. Weiterführend: lucasgreen.de.

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Häufige Fragen zur Gründung eines Cannabis Social Clubs

Wie gründet man einen Cannabis Social Club in Deutschland?

Die Gründung läuft über eine Anbauvereinigung nach dem KCanG: ein eingetragener Verein, eine behördliche Erlaubnis sowie ein tragfähiges Sicherheits- und Anbaukonzept. Den vollständigen Ablauf zeigt unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zur CSC-Gründung. Welche Regeln das CanG seit 2026 dabei vorgibt, erklären wir im großen Legalisierungs-Überblick.

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Wie lange gilt eine CSC-Lizenz und wie viele Mitglieder sind erlaubt?

Die Erlaubnis für eine Anbauvereinigung wird zunächst für sieben Jahre erteilt, danach ist eine Verlängerung möglich. Ein Club darf höchstens 500 Mitglieder mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland aufnehmen. Wie sich die Clublandschaft seit dem Start entwickelt hat, zeigt unser Überblick zum Stand der CSCs in Deutschland.

Was darf ein Cannabis Social Club anbauen und an Mitglieder abgeben?

Erlaubt sind der gemeinschaftliche Eigenanbau und die Abgabe von bis zu 25 Gramm pro Tag beziehungsweise 50 Gramm pro Monat an Mitglieder. Dabei gelten strenge Vorgaben für Qualität, Dokumentation und Jugendschutz – mehr dazu in unserem Beitrag zu Arbeitsschutz und Qualität im Cannabis Social Club.

Kann man in einem Cannabis Social Club mitarbeiten oder beraten?

Ja – viele Clubs setzen auf ehrenamtlich oder beratend tätige Mitglieder, etwa für Anbau, Verwaltung, Prävention und Jugendschutz. Was eine solche Beratungstätigkeit konkret bedeutet, beleuchten wir im Artikel Als Berater im Cannabis Social Club arbeiten.

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