Zwischen Keimling und Blüte liegt die Phase, die über den späteren Ertrag entscheidet. In der Vegetationsphase baut die Cannabispflanze das Gerüst auf, das sie in der Blüte tragen muss. Dazu gehören die Wurzeln, der Stängel, die Blattmasse und vor allem die Zahl der Triebspitzen, aus denen später Blüten entstehen. Wer zu früh in die Blüte umschaltet, erntet an zu wenigen Stellen. Wer zu lange wartet, kämpft in der Box mit Pflanzen, die in die Lampe wachsen.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Was in der Vegetationsphase tatsächlich passiert
- Wie lange die Vegetationsphase bei Cannabis dauert
- Licht in der Wachstumsphase: 18/6 als Standard
- Nährstoffe und Wurzelraum: Stickstoff führt, der EC-Wert begrenzt
- Klima: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und VPD
- Training in der Vegetationsphase: Topping, LST und der letzte Eingriff
- Der Übergang in die Blüte richtig timen
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
Die Wachstumsphase ist damit kein Wartezimmer vor der eigentlichen Ernte, sondern der Abschnitt mit dem größten Gestaltungsspielraum. Licht, Nährstoffe, Topfvolumen und Training wirken hier direkt auf die Struktur der Pflanze. Dieser Überblick zeigt, wie lange die Vegetationsphase bei Cannabis dauert, welche Werte sich bewährt haben und woran sich der richtige Moment für die Umstellung erkennen lässt.
Was in der Vegetationsphase tatsächlich passiert

Die Vegetationsphase beginnt, sobald die Sämlingsphase abgeschlossen ist. Das ist ungefähr zwei bis drei Wochen nach der Keimung der Fall, wenn die Pflanze die ersten echten, gefingerten Blätter gebildet hat. Ab diesem Punkt verschiebt sich die Priorität der Pflanze. Sie investiert ihre Energie nicht mehr in das bloße Überleben, sondern in Masse.
Sichtbar wird das an den Nodien, also den Knoten, an denen sich Seitentriebe bilden. Mit jedem neuen Nodium entstehen zwei potenzielle Triebspitzen. Unsichtbar, aber mindestens genauso wichtig, läuft parallel das Wurzelwachstum. Ein Wurzelballen, der den Topf gleichmäßig durchzieht, ist die Voraussetzung dafür, dass die Pflanze in der Blüte überhaupt genug Wasser und Nährstoffe aufnehmen kann.
Bei photoperiodischen Sorten hält allein die Lichtdauer diesen Zustand aufrecht. Solange die Dunkelphase kürzer als etwa zwölf Stunden bleibt, bleibt die Pflanze im vegetativen Wachstum. Autoflowering-Sorten ignorieren dieses Signal und wechseln nach einem genetisch festgelegten Zeitplan in die Blüte. Dieser Unterschied bestimmt, wie viel Kontrolle über die Dauer der Wachstumsphase überhaupt besteht.
Wie lange die Vegetationsphase bei Cannabis dauert
Für photoperiodische Sorten im Indoor-Anbau liegt die übliche Spanne bei drei bis acht Wochen. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet der Grower selbst, wann Schluss ist. Kurze Vegetationsphasen von drei bis vier Wochen passen zu Sea-of-Green-Aufbauten mit vielen kleinen Pflanzen. Sechs bis acht Wochen ergeben Sinn, wenn wenige Pflanzen groß und breit werden sollen, etwa in einem ScrOG-Netz.
Autoflowering-Sorten bleiben nur etwa zwei bis vier Wochen vegetativ. Danach beginnt die Blüte unabhängig davon, wie weit die Pflanze entwickelt ist. Wer eine Autoflower in dieser Zeit ausbremst, etwa durch einen zu kleinen Topf oder einen Nährstoffmangel, holt den Rückstand später nicht mehr auf. Im Freiland verschiebt sich die Rechnung ohnehin. Dort dauert das vegetative Wachstum bei photoperiodischen Sorten vom Auspflanzen im Frühjahr bis in den Spätsommer, weil erst die kürzer werdenden Tage die Blüte auslösen.
Als Orientierung hat sich eine einfache Faustregel bewährt. Nach der Umstellung auf 12/12 streckt sich eine Pflanze je nach Genetik noch einmal auf das Doppelte bis Dreifache ihrer Höhe. Wer eine Endhöhe von etwa 120 Zentimetern anpeilt, stellt also bei rund 40 Zentimetern um. Diese Rechnung ist wichtiger als jede pauschale Wochenangabe, denn sie berücksichtigt die tatsächliche Höhe der Growbox.
Licht in der Wachstumsphase: 18/6 als Standard

Der verbreitetste Lichtzyklus in der Vegetationsphase ist 18/6, also 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit. Er hält die Pflanze zuverlässig im Wachstum und lässt gleichzeitig eine Ruhephase zu, in der die Wurzeln aktiv bleiben. Manche Grower fahren stattdessen 20/4 und erreichen damit eine etwas höhere Tageslichtsumme. Der Zugewinn ist real, fällt aber moderat aus und wird mit höheren Stromkosten erkauft.
Von Dauerlicht rund um die Uhr raten die meisten Praktiker ab. Der Mehrertrag ist gering, das Risiko für Stresssymptome steigt, und ein Ausfall der Zeitschaltuhr fällt länger unbemerkt. Entscheidend ist ohnehin die andere Grenze. Sobald die Dunkelphase zwölf Stunden überschreitet, interpretiert eine photoperiodische Pflanze das als Herbstsignal und beginnt mit der Vorblüte.
Wichtiger als die reine Stundenzahl ist die Lichtintensität am Blatt. In der Vegetationsphase liegt ein sinnvoller PPFD-Bereich bei etwa 300 bis 600 Mikromol pro Quadratmeter und Sekunde. Wer diesen Wert über den Lampenabstand statt über die Beleuchtungsdauer steuert, arbeitet effizienter. Eine ausführliche Einordnung der Kennzahlen liefert unser Guide zum Indoor-Anbau.
Nährstoffe und Wurzelraum: Stickstoff führt, der EC-Wert begrenzt

In der Wachstumsphase hat Stickstoff die Hauptrolle. Er steckt in jedem Blatt und in jedem neuen Trieb, weshalb Wachstumsdünger mit Bezeichnungen wie Grow oder Vega deutlich stickstoffbetont formuliert sind. Übliche NPK-Verhältnisse liegen bei etwa 7-3-5 oder 10-5-5. Vorgedüngte Erden tragen die Pflanze in den ersten zwei bis drei Wochen ohne jede Zugabe, weshalb frühe Düngergaben oft mehr schaden als nutzen.
Die Dosierung steigt langsam an, kontrolliert über den EC-Wert der Nährlösung. Überdüngung gilt nach Staunässe als zweithäufigster Anfängerfehler in dieser Phase, denn ein überladenes Substrat blockiert die Aufnahme einzelner Elemente. Verbrannte Blattspitzen und dunkelgrünes, klauenartig gebogenes Laub sind die typischen Warnzeichen. Der umgekehrte Fall, das gleichmäßige Vergilben der unteren Blätter, deutet dagegen auf einen echten Mangel hin, wie er im Beitrag zum Stickstoffmangel bei Cannabis beschrieben ist.
Der zweite Hebel ist der Wurzelraum. Umgetopft wird, sobald die alten Töpfe durchwurzelt sind, erkennbar an Wurzeln in den Drainagelöchern. Wer diesen Moment verpasst, bremst das Wachstum ohne sichtbaren Grund aus. Für eine Pflanze, die eine Vegetationsphase von sechs bis acht Wochen durchläuft, ist ein Endtopf von rund 11 bis 18 Litern eine solide Größe. Kleinere Gefäße funktionieren, verlangen aber häufigeres Gießen und verzeihen Fehler schlechter.
Klima: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und VPD
Cannabis wächst vegetativ am besten bei Temperaturen zwischen etwa 22 und 28 Grad in der Lichtphase. Die relative Luftfeuchtigkeit darf in dieser Zeit vergleichsweise hoch liegen, üblich sind 60 bis 70 Prozent. Junge Pflanzen mit kleinem Wurzelwerk nehmen einen Teil ihres Wassers noch über die Blätter auf und reagieren deshalb empfindlich auf zu trockene Luft.
Aussagekräftiger als beide Einzelwerte ist ihr Zusammenspiel, ausgedrückt im VPD. Für die Vegetationsphase gilt ein Bereich von etwa 0,8 bis 1,2 Kilopascal als günstig. Bleibt der Wert in diesem Fenster, transpiriert die Pflanze gleichmäßig und transportiert dabei Nährstoffe aus der Wurzel nach oben. Was hinter der Kennzahl steckt und wie sie sich im Alltag steuern lässt, erklärt unser Beitrag zum VPD bei Cannabis.
Training in der Vegetationsphase: Topping, LST und der letzte Eingriff
Formgebende Eingriffe gehören ausschließlich in die Wachstumsphase, weil die Pflanze hier noch Zeit zur Regeneration hat. Beim Topping wird die Haupttriebspitze gekappt, sodass aus einem dominanten Trieb zwei gleichwertige werden. Sinnvoll ist das ab etwa vier bis sechs Nodien, wenn genug Blattmasse für eine schnelle Erholung vorhanden ist. Nach dem Schnitt pausiert die Pflanze meist einige Tage, bevor sie umso breiter weiterwächst.
Low Stress Training arbeitet ohne Schnitt. Dabei werden die Triebe vorsichtig heruntergebunden, bis eine flache, gleichmäßige Krone entsteht. Diese Methode kostet keine Regenerationszeit und ist deshalb die erste Wahl bei Autoflowering-Sorten, deren kurze Vegetationsphase kaum Puffer für Stress lässt. Für Photoperiodische lassen sich beide Techniken kombinieren, häufig ergänzt um ein Netz, das die Triebe auf einer Ebene hält.
Der letzte stärkere Eingriff sollte ungefähr ein bis zwei Wochen vor der Umstellung auf 12/12 erfolgen. Wer direkt vor der Blüte noch toppt, schickt die Pflanze gestresst in den entscheidenden Abschnitt und verschenkt Ertrag. Das gilt auch für großflächiges Entlauben, das in der späten Vegetationsphase dosiert eingesetzt werden sollte.
Der Übergang in die Blüte richtig timen
Die Umstellung auf zwölf Stunden Licht und zwölf Stunden ununterbrochene Dunkelheit beendet die Vegetationsphase. Beendet ist damit aber nicht das Wachstum. In den folgenden zwei bis drei Wochen streckt sich die Pflanze noch einmal deutlich, bei sativadominierten Sorten stärker als bei kompakten Indica-Genetiken. Wer diesen Stretch nicht einkalkuliert, findet die obersten Blüten später zu dicht unter der Lampe. Wie sich ausuferndes Längenwachstum begrenzen lässt, ist ein eigenes Thema.
Reif für die Umstellung ist eine Pflanze, die mehrere gut ausgebildete Nodien trägt, den Topf durchwurzelt hat und ein sattes, unbeschädigtes Blattbild zeigt. Bestehen aktuell ein Nährstoffproblem oder Schädlinge, lohnt sich eine Woche Aufschub, denn in der Blüte lassen sich solche Baustellen deutlich schwerer korrigieren. Eine ausführliche Entscheidungshilfe für diesen Moment liefert der Beitrag dazu, wann Hanf in die Blüte geschickt wird.
In Deutschland sind im privaten Eigenanbau drei blühende Pflanzen pro erwachsener Person erlaubt. Diese Begrenzung macht die Planung der Vegetationsphase noch wichtiger, denn ein knapper Ertrag lässt sich nicht über die Stückzahl ausgleichen. Wer den zeitlichen Ablauf der einzelnen Abschnitte vom Samen bis zur Ernte im Zusammenhang nachlesen möchte, findet den Gesamtüberblick in unserem Artikel über das Wachstumswunder Cannabispflanze.
Häufige Fragen
Wie lange sollte die Vegetationsphase bei Cannabis dauern?
Bei photoperiodischen Sorten sind drei bis acht Wochen üblich. Die genaue Dauer richtet sich nach der gewünschten Endgröße, dem Topfvolumen und der Höhe der Growbox. Autoflowering-Sorten bleiben nur etwa zwei bis vier Wochen vegetativ, weil sie nach einem festen genetischen Zeitplan in die Blüte wechseln.
Welcher Lichtzyklus ist in der Wachstumsphase richtig?
18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit sind der bewährte Standard. Ein Zyklus von 20/4 liefert etwas mehr Lichtsumme und damit tendenziell schnelleres Wachstum, kostet aber mehr Strom. Die einzige harte Grenze ist die Dunkelphase, denn ab etwa zwölf Stunden Dunkelheit leiten photoperiodische Pflanzen die Blüte ein.
Woran erkenne ich, dass die Pflanze bereit für die Blüte ist?
Ein verlässlicher Indikator ist die Höhe. Die Pflanze sollte etwa ein Drittel bis die Hälfte der geplanten Endhöhe erreicht haben, weil sie sich nach der Umstellung noch einmal deutlich streckt. Dazu kommen mehrere kräftige Nodien, ein durchwurzelter Topf und ein gesundes Blattbild ohne akute Mangelsymptome.
Wie viel Dünger braucht Cannabis in der Vegetationsphase?
Die Pflanze braucht in dieser Zeit vor allem Stickstoff, üblich sind stickstoffbetonte Verhältnisse wie 7-3-5 oder 10-5-5. In vorgedüngter Erde reichen die enthaltenen Nährstoffe meist zwei bis drei Wochen. Danach wird die Dosierung langsam gesteigert und über den EC-Wert kontrolliert. Im Zweifel ist eine leichte Unterversorgung besser als eine Überdüngung.
Kann ich die Vegetationsphase verlängern?
Bei photoperiodischen Sorten ist das problemlos möglich, solange der Lichtzyklus bei 18/6 bleibt. Die praktischen Grenzen setzen das Topfvolumen, die Boxhöhe und der Platzbedarf der Pflanze. Mutterpflanzen werden nach genau diesem Prinzip dauerhaft im vegetativen Zustand gehalten. Bei Autoflowering-Sorten funktioniert die Verlängerung nicht, da sie unabhängig vom Licht in die Blüte gehen.





































