Die Cannabis Control Commission im US-Bundesstaat Massachusetts hat Cannabisblüten aus dem legalen Handel nachgemessen. Rund 13 Prozent der geprüften Produkte lagen außerhalb der zulässigen Abweichung vom aufgedruckten THC-Wert. Die Behörde hatte 63 Blütenprodukte von 62 Herstellern im Labor untersuchen lassen. Es ist die bislang breiteste behördliche Stichprobe dieser Art in dem Bundesstaat.
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Was die Behörde geprüft hat
Zulässig ist in Massachusetts eine Spanne von 75 bis 125 Prozent des auf dem Etikett angegebenen THC-Gehalts. Wer also 20 Prozent THC ausweist, darf zwischen 15 und 25 Prozent liefern. Diese Toleranz ist bewusst weit gewählt, weil Cannabisblüten ein Naturprodukt sind und der Wirkstoffgehalt innerhalb einer Charge schwankt.
Trotzdem fiel rund jedes achte Produkt aus dieser Spanne heraus. 43 der geprüften Produkte lagen nahe an der Grenze des zulässigen Bereichs. Nur sieben trafen den Etikettenwert auf zwei Prozentpunkte genau. Travis Ahern, der die Kommission leitet, ordnet die Prüfung als laufende Arbeit einer internen Arbeitsgruppe zum Thema Laboranalytik ein.
Für die auffälligen Chargen sieht die Behörde mehrere Wege vor. Möglich sind ein Rückruf mit anschließender Umwidmung und erneuter Prüfung, ein Rückruf mit Neukennzeichnung, eine schlichte Nachprüfung oder die Vernichtung. Bußgelder gegen einzelne Betriebe hat die Kommission bislang nicht angekündigt.
Warum der THC-Wert überhaupt zum Problem wird
In jedem legalen Cannabismarkt entscheidet ein erheblicher Teil der Kundschaft nach der Zahl auf dem Etikett. Höherer THC-Gehalt bedeutet höheren Preis. Damit entsteht ein wirtschaftlicher Anreiz, den Wert nach oben zu treiben. In den USA hat sich dafür der Begriff des Labor-Shoppings eingebürgert. Produzenten schicken Proben an mehrere Labore und verwenden das freundlichste Ergebnis.
Der Effekt ist nicht neu. Dass die ausgewiesenen Werte weltweit seit Jahren steigen, haben wir in unserem Beitrag zur Studie zum global steigenden THC-Gehalt beschrieben. Wie stark der Wirkstoffgehalt inzwischen auch den Preis in Deutschland bestimmt, zeigt unsere Auswertung zum deutschen Cannabismarkt.
Eine weite Toleranzspanne verstärkt dieses Problem, statt es zu lösen. Wer legal 25 Prozent liefern darf und 20 Prozent aufdruckt, verkauft ein anderes Produkt als angekündigt. Für Menschen, die Cannabis medizinisch nutzen und ihre Dosis kennen müssen, ist das keine Kleinigkeit.
Was das für Deutschland bedeutet
Der deutsche Markt ist anders aufgebaut, das Grundproblem bleibt aber dasselbe. Medizinalcannabisblüten unterliegen hier den Anforderungen des Arzneibuchs. Jede Charge kommt mit einem Analysenzertifikat, in dem der Gehalt an THC und CBD ausgewiesen ist. Die Prüfung erfolgt durch qualifizierte Labore, und die Verantwortung liegt beim Importeur oder Hersteller.
Für die Anbauvereinigungen gilt eine schwächere Regelung. Sie müssen bei der Abgabe unter anderem den durchschnittlichen THC- und CBD-Gehalt angeben. Ein staatlich vorgegebenes Prüfregime mit behördlichen Stichproben, wie es Massachusetts jetzt vorführt, existiert in dieser Form nicht. Im Eigenanbau entfällt die Analytik ohnehin vollständig. Wer den Gehalt selbst ermitteln möchte, ist auf die Geräte angewiesen, die wir in unserem Überblick zu THC-Messgeräten für zuhause eingeordnet haben.
Der Fall aus Massachusetts liefert damit ein Argument, das in der deutschen Debatte bislang wenig Platz hat. Kontrolle der Wirkstoffangaben ist kein Nebenschauplatz, sondern Verbraucherschutz. Dass Zahlen im Cannabismarkt regelmäßig nachträglich korrigiert werden müssen, zeigt auch der Fall, in dem das BfArM seine eigenen Importzahlen deutlich nach oben korrigiert hat. Und wie viel Geld nötig ist, um belastbare Analytik überhaupt aufzubauen, lässt sich am kanadischen Forschungsprogramm über 24 Millionen Dollar ablesen.
Wie wichtig ist dir der genaue THC-Wert beim Cannabiskauf?
Häufige Fragen
Wie groß darf die Abweichung vom angegebenen THC-Wert sein?
In Massachusetts liegt die zulässige Spanne bei 75 bis 125 Prozent des Etikettenwerts. Bei einer Angabe von 20 Prozent THC sind also 15 bis 25 Prozent zulässig. Andere US-Bundesstaaten arbeiten mit engeren oder weiteren Spannen. Ein einheitlicher Standard existiert nicht.
Was bedeutet Labor-Shopping?
Damit ist die Praxis gemeint, Proben an mehrere Prüflabore zu schicken und anschließend das Ergebnis mit dem höchsten THC-Wert für die Kennzeichnung zu verwenden. Weil die Labore von den Produzenten beauftragt und bezahlt werden, entsteht ein struktureller Interessenkonflikt. Behördliche Stichproben sind das übliche Gegenmittel.
Gelten für Medizinalcannabis in Deutschland strengere Regeln?
Ja. Medizinalcannabisblüten sind Arzneimittel und müssen die Vorgaben des Arzneibuchs erfüllen. Zu jeder Charge gehört ein Analysenzertifikat mit den Gehalten an THC und CBD. Die Prüfung ist damit deutlich formalisierter als im US-Genussmarkt.
Und was gilt für Anbauvereinigungen?
Anbauvereinigungen müssen bei der Weitergabe unter anderem Angaben zum durchschnittlichen Gehalt an THC und CBD machen. Ein flächendeckendes staatliches Prüfprogramm mit unabhängigen Stichproben gibt es dafür bislang nicht. Die Praxis unterscheidet sich zwischen den Bundesländern erheblich.
Kann ich den THC-Gehalt selbst messen?
Es gibt Geräte für den Heimgebrauch, die eine Näherung liefern. An die Genauigkeit eines akkreditierten Labors kommen sie nicht heran, und die Probenvorbereitung beeinflusst das Ergebnis stark. Für eine grobe Einordnung reichen sie, für eine medizinische Dosierung nicht.
Quellen: Cannabis Control Commission Massachusetts, Ganjapreneur, Marijuana Moment.





































