Fast jeder Cannabiskonsument, sei es nun zu medizinischen Zwecken oder zum Freizeitgebrauch, hat schon einmal davon gehört: Jemand behauptet, dass er nach dem Rauchen eines Joints Dinge sieht oder Stimmen hört, die nicht wirklich da sind. Tatsache ist, dass Cannabis, von manchen Konsumenten als halluzinogen beschrieben wird. Obwohl das für die meisten Cannabisenthusiasten wie klassische Propaganda der Reefer Madness Ära klingt, ist doch etwas Wahres an dieser Behauptung. Wie es scheint, wirkt Cannabis bei manchen Menschen wirklich halluzinogen.
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Wissenschaftler haben kürzlich eine Genmutation bei Menschen entdeckt, die darauf hindeutet, dass das Kraut bei einigen Menschen halluzinogen wirken kann. Die Studie, die am Montag in der „Translational Psychiatry“ veröffentlicht wurde, war ein gemeinsames Forschungsprojekt der Yale University, der Washington University, der Indiana University, der Boston University und der University of Pennsylvania’s Schools of Medicine. Die State University of New York Downstate Medical Center trug ebenfalls bei.
Ergebnisse der Studie
Die Forscher sammelten DNA-Proben von über 9.000 amerikanischen Probanden, von denen etwa die Hälfte europäischer Abstammung und die andere Hälfte afrikanischer Abstammung waren. Dann fragten sie die Probanden, ob sie wegen ihres Cannabiskonsums jemals etwas Derartiges erlebten: Dinge hören, sehen oder riechen, die nicht wirklich da waren.
Die Antworten der Probanden wurden mit ihren Gensequenzen verglichen. Testpersonen, die berichteten, Dinge zu sehen, zu riechen oder zu hören, „die nicht wirklich da waren“, wiesen genetisch eine Gemeinsamkeit auf. Eine Mutation im CHRM3-Gen, einem Gen, das für alles Mögliche zuständig ist. Die Forscher fanden ebenfalls heraus, dass das CHRM3-Gen, das für Halluzinationen verantwortlich ist, wahrscheinlich aus der europäischen Populationen entstanden ist und nicht aus der afrikanischen. Das bedeutet im Klartext, dass Behauptungen der Reefer Madness Ära, die besagten, dass Schwarze von Cannabis Halluzinationen bekommen, wissenschaftlich widerlegt werden können. Es sind eher Europäer, also Weiße, die Dinge sehen oder hören, die nicht wirklich da sind.
Was genau macht das CHRM3-Gen?
Wissenschaftler sind gerade noch dabei, dies herauszufinden. Es ist noch nicht sicher, wie das Gen genau wirkt, es gibt jedoch einen Konsens, dass es für die Regulierung unserer REM-Schlafzyklen verantwortlich ist. Die REM-Phase oder Phase der schnellen Augenbewegung ist der tiefste Entspannungsgrad, den man im Schlaf erreichen kann. Wenn wir in diese tiefste Phase des Schlafes eintreten, beginnen wir zu träumen. Ähnlich wie bei einem Traum, in dem unser Geist eine ganze Welt erschafft, kann sich ein Teil dieser Traumwelt in die Realität einschleichen, wenn Menschen mit der CHRM3-Mutation Cannabis rauchen.
CHRM3 ist auch physisch mit anderen Genen verbunden, die mit Halluzinationen verbunden werden. Bei Mäusen wissen wir, dass diese Variante von CHRM3 dazu neigt, mit anderen mutierten Genen zu reagieren, darunter Versionen von GABAG2, CHRNA4 und HRH3. Das sind drei Gene, die die Dopamin- und Serotoninproduktion in unserem Gehirn regulieren. Serotonin und Dopamin sind wiederum für die euphorischen Zustände verantwortlich, die durch den Konsum von Psychedelika wie LSD, Psilocybin-Pilze und DMT verursacht werden.
Es liegt einfach in den Genen
Die Wissenschaft klärt, was Generationen von Geschichten und Anekdoten nicht konnten. Wir wissen jetzt: Einige Leute sehen, hören oder riechen Dinge, die nicht wirklich da sind, wenn sie vom Cannabiskonsum high sind. Das ist genetisch bedingt und hat nichts mit ihrer Toleranz, Erfahrung oder anderem Drogenkonsum zu tun. Sie müssen nicht unbedingt gestreckten Grad konsumiert haben oder an synthetische Cannabinoide gekommen sein. Es liegt einfach in den Genen.
Häufige Fragen zu Cannabis und Halluzinationen
Macht Cannabis wirklich Halluzinationen?
Bei einer Minderheit der Konsumenten ja. Eine Yale-Studie (Translational Psychiatry) belegt: Träger einer Mutation im CHRM3-Gen erleben unter THC echte Wahrnehmungsstörungen, weil die Variante mit Dopamin- und Serotonin-Pfaden wechselwirkt. Mehr Hintergrund in unserer Übersicht zu Dopamin und Cannabispsychosen.
Was unterscheidet eine Cannabis-Halluzination von einer Psychose?
Halluzinationen unter Cannabis sind meist kurz und enden mit dem Abklingen der Wirkung. Eine Psychose hält länger an und kann sich mit fortgesetztem Konsum verfestigen – Risikofaktoren wie früher Erstkonsum sind in der Studie zu Psychosen durch Kiffen in der Pubertät dokumentiert. Unser Pillar-Artikel zu Cannabis und Paranoia ordnet die Symptome ein.
Welche Risikogruppen sind besonders betroffen?
Neben CHRM3-Trägern sind Menschen mit familiärer Vorbelastung für Schizophrenie oder Depressionen anfälliger. Welche Mechanismen dahinterstehen, fasst unser Beitrag Schizophrenie, Depressionen und Psychosen – was hat Cannabis damit zu tun? zusammen.
Kann CBD Cannabis-Halluzinationen abmildern?
Erste klinische Hinweise sprechen dafür: CBD dämpft die psychotomimetische THC-Wirkung in Studien, ohne den medizinischen Nutzen aufzuheben. Details dazu im Artikel THC und CBD bei psychischen Erkrankungen.


































