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Home Cannabis in der Medizin nutzen Allgemeines zur Cannabismedizin

Wie Cannabis HIV-positiven Menschen hilft

von Kathrin Sommer
06.04.2018
in Allgemeines zur Cannabismedizin
Lesezeit: 6 Minuten
hiv cannabis
⏱ 8 Min. Lesezeit·1.425 Wörter
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Todesurteil HIV? Noch vor 30 Jahren bedeutete die Diagnose, dass nach der HIV-Infektion zwangsläufig innerhalb weniger Jahre die AIDS-Erkrankung und damit der Tod folgen würden. Inzwischen ist die Medizin jedoch wesentlich weiter und HIV-positive Menschen können trotz Infektion (fast) so lange wie gesunde Menschen leben. Cannabis hilft ihnen dabei, einige der Begleiterscheinungen, die im Zusammenhang mit der Medikation auftauchen, in den Griff zu bekommen. Neueste Studien deuten sogar darauf hin, dass Cannabis den Ausbruch von AIDS hinauszögert.

📑 Inhaltsverzeichnis

  1. Der Unterschied zwischen HIV und AIDS
  2. Cannabis macht HIV-Therapie erträglicher
  3. THC kann offenbar den Ausbruch von AIDS verzögern
  4. Cannabis gibt Grund zur Hoffnung für HIV-Positive
  5. 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!

Der Unterschied zwischen HIV und AIDS

HIV steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Es handelt sich also um eine Abwehrschwäche, die das menschliche Immunsystem betrifft. AIDS ist die Abkürzung für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ und bedeutet übersetzt „Erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom“. AIDS ist die Folge einer HIV-Infektion. Die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem HI-Virus und der AIDS-Erkrankung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei ungünstigen Voraussetzungen wie einem gesundheitsschädigenden Lebensstil, einer instabilen psychischen Verfassung sowie dem Vorhandensein anderer Erkrankungen, die das Immunsysteme bereits in Anspruch nehmen, kann die Latenzzeit im schlimmsten Fall nur wenige Monate betragen. Bei anderen Menschen hingegen bricht AIDS erst viele Jahre nach der Infektion mit HIV aus.

Wer mit dem HI-Virus infiziert ist, muss besonders stark auf seine Gesundheit achten. Durch die Schwächung des Immunsystems kann der Körper sich immer weniger gegen Bedrohungen von außen wie Bakterien, Pilze oder Viren wehren. Je mehr sich der Virus im Blut vermehrt hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass durch die eindringenden Erreger eine schwerwiegende, lebensbedrohende Krankheit ausbricht. Krebs, Darm- oder Lungenentzündungen, Tuberkulose und Gehirnerkrankungen sind nur einige der Krankheiten, die im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen können. Wenn der Körper nicht mehr richtig gegen die Erkrankungen kämpfen kann und diese ausbrechen, ist von AIDS die Rede. An AIDS erkrankte Menschen leiden zudem meistens an einem enormen Gewichtsverlust.

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Mittlerweile gibt es effiziente Medikamente, die dafür sorgen, dass sich der HI-Virus im Blut nicht mehr vermehren kann. Allerdings gibt es noch kein Mittel, das HIV im Körper komplett abtötet. Infizierte müssen also mit der Infektion leben und sie in Schach halten – und zwar ein Leben lang. Der Ausbruch von AIDS kann mit Medikamenten – zumindest in den vermögenden Industrieländern, wo jeder die entsprechende Medikation erhält – sogar ganz vermieden werden.

Die Medikamente, die im Rahmen einer Kombinationstherapie eingesetzt werden, können – je nach dem individuellen Befinden des Patienten – starke Nebenwirkungen haben. Dazu zählen unter anderem Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen sowie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko.

Heutzutage sind rund 35 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus infiziert. Seit der ersten HIV-Diagnose bis jetzt sind etwa 36 Millionen Menschen an AIDS gestorben.

Cannabis macht HIV-Therapie erträglicher

Cannabis wirkt gegen Ängste und Depressionen. Noch heute haben viele Menschen das Klischee im Kopf, dass eine HIV-Infektion ein baldiges, mit viel Leid verbundenes Sterben mit sich bringt. Viele Infizierte leiden deshalb an Ängsten, Depressionen und Stimmungsschwankungen. Hinzu kommen noch Faktoren wie soziale Ausgrenzung und körperliche Belastungen, die sich negativ auf die Psyche Auswirkungen. Eine Studie aus dem Jahr 2005, in welcher 523 HIV-Positive bezüglich ihres Cannabis-Konsums befragt wurden, hatte zum Ergebnis, dass 93 Prozent der Teilnehmer weniger unter Angst litten und 86 Prozent der Patienten über verringerte Depressionen berichteten. Weitere Studien ergaben, dass ein höherer THC-Gehalt insgesamt für bessere Stimmung sorgte als der Konsum von weniger THC-haltigen Kräutern.

Cannabis lindert Schmerzen. HIV-Infizierte kämpfen häufig gegen eine Vielzahl von Schmerzen mit unterschiedlichen Ursachen. Muskelschmerzen und Neuropathien – das sind durch Medikamente verursachte Nervenschmerzen – sowie Gelenkschmerzen gehören zum Alltag von HIV-positiven Menschen. Ein Großteil der Befragten aus dem Jahr 2005 berichtete über weniger Muskelschmerzen (94 Prozent) und weniger Neuropathien (90 Prozent) nach dem Genuss von Cannabis. Da Cannabinoide offenbar auch langfristig positive Effekte auf das Schmerzempfinden haben, dürften sie im Vergleich zu anderen, chemischen Schmerzmitteln, die häufig zu Leber- und Nierenschäden führen, auf Dauer das Rennen machen. Cannabis hat keine derartigen Nebenwirkungen.

Cannabis – primär das darin enthaltene THC – ist appetitanregend. Im Jahr 2005 ergab die Studie mit 523 HIV-positiven Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumierten, dass die Wirkstoffe der Pflanze bei 97 Prozent der Patienten tatsächlich den Appetit gesteigert hatten. Weitere Untersuchungen zeigten, dass durch den gesteigerten Appetit auch eine gewünschte Gewichtszunahme im Rahmen einer erhöhten Fettaufnahme erfolgte.

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Cannabis mindert Übelkeit. Diese kann viele Ursachen haben. Je weiter fortgeschritten die Infektion bereits ist, desto mehr Gründe für Übelkeit treten auf: Magen-Darm-Probleme, Leber- und Nierenschäden, Nervenschädigungen und viele mehr. Auch Medikamente gegen die Vermehrung des HI-Virus lösen häufig Übelkeit aus. Verschiedene Studien haben bewiesen, dass Cannabis HIV-positiven Menschen gut gegen Übelkeit hilft. Ebenfalls im Jahr 2005 fanden Forscher heraus, dass HIV-Infizierte, die stark unter Übelkeit litten und dagegen Cannabis konsumierten, ihre antiretrovirale Therapie mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit durchzogen als diejenigen, die keine Joints gegen ihre Übelkeit rauchten.

Cannabis wirkt gegen periphere Neuropathie. Einige HIV-Medikamente verursachen periphere Neuropathie. Das sind Schmerzen, die in den Nerven, die sich außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks befinden, auftreten. Die Schmerzen stammen von Schädigungen der Nerven. Deshalb können sie noch längere Zeit nach Absetzen des Medikaments auftreten. Außerdem kommt es im Zusammenhang mit peripherer Neuropathie oft zu Zuckungen, Muskelschwund und Kribbeln. Eine internationale Umfrage aus dem Jahr 2007 ergab, dass 67 der weltweit befragten 450 HIV-positiven Menschen Cannabis konsumierten, um ihre periphere Neuropathie – unter der alle Teilnehmer litten – zu lindern. In einer Studie mit einer Kontrollgruppe, die anstatt Cannabis nur Placebos zu sich nahmen, fanden Forscher im gleichen Jahr heraus, dass bei etwas mehr als der Hälfte der Cannabis rauchenden Testpersonen die Schmerzen um über 30 Prozent erträglicher geworden waren. Die Ergebnisse bei der Kontrollgruppe blieben mit 24 Prozent dahinter zurück. Weitere Studien kamen zu fast identischen Ergebnissen.

THC kann offenbar den Ausbruch von AIDS verzögern

Neuere Studien, die an Affen durchgeführt wurden, förderten im Zusammenhang zwischen HIV und Cannabis-Therapie noch eine weitere erstaunliche Erkenntnis zutage: Anscheinend hindert THC den HI-Virus daran, sich zu AIDS zu entwickeln – zumindest wird die Zeit bis zum Ausbruch durch das Cannabinoid hinausgezögert. Lange Zeit herrschte die Annahme vor, dass der Konsum von Cannabis sich negativ auf das Immunsystem auswirken würde – was natürlich fatal für einen HIV-infizierten Patienten wäre. Allerdings deutet alles sehr stark darauf hin, dass THC positive Effekte auf die Gesundheit und das Immunsystem von HIV-Positiven hat.

An der Universität von Louisiana (USA) fanden Forscher heraus, dass diejenigen Affen, die vor und während der durch die Menschen herbei geführten SIV-Infektion, die der HIV-Infektion beim Menschen entspricht, regelmäßig THC bekamen, länger lebten und weniger Gewichtsverlust zu verzeichnen, hatten als die Kontrollgruppe ohne THC. Dr. Molina, die maßgeblich an der Studie mitwirkte, äußerte sich diesbezüglich folgendermaßen: „Als wir mit der Studie begannen, dachten wir, THC würde die Viruslast erhöhen. Wir gingen davon aus, es würde die Zahl der Lymphozyten drastisch verringern, aber das beobachteten wir nicht. Im Gegenteil: Es sieht so aus, als könnte es zu einer vorteilhaften Immunmodulation kommen, vor allem in den frühen Stadien der Infektion.“ Besonders die CB2-Rezeptoren, die auch ein Teil des menschlichen Endocannabinoidsystems darstellen, spielen bei der Unterdrückung bestimmter negativer Reaktionen im HIV-infizierten Körper eine wichtige, gegensteuernde Rolle.

Die auf die Ergebnisse der Studie folgende Zellexperimente ergaben, dass die Viruslast in den menschlichen T-Lymphozyten, welche die Wissenschaftler mit dem SI-Virus infiziert und mit THC behandelt hatten, nach einigen Tagen signifikant verringert war.

Cannabis gibt Grund zur Hoffnung für HIV-Positive

Damit gibt es einige triftige Gründe für HIV-Positive, sich mit dem Thema Cannabis intensiv auseinanderzusetzen. Die Chancen, dass ein Arzt entsprechende Rezepte ausstellt, dürften im Falle einer Infektion relativ hoch sein. Vor der medizinischen Legalisierung in einigen Ländern, hatten sehr viele Infizierte den Weg des illegalen Rauchens von Marihuana gewählt und tun dies teilweise immer noch, weil sie die Nutzen der Pflanze auf den Verlauf ihrer Infektion höher schätzen als die möglichen strafrechtlichen Konsequenzen. Basierend auf verschiedenen Studien besteht außerdem Grund zu der Annahme, dass in den kommenden Jahren die medizinische Cannabis-Forschung zu einigen Erfolgen und bestenfalls auch zu revolutionären Durchbrüchen in der Behandlung von HIV/AIDS führen kann, sofern nicht einmal mehr unterschiedliche monetäre Interessen für eine – für viele Menschen lebensgefährliche – Ausbremsung der Prozesse sorgen. Vielleicht könnten Cannabis-Medikamente die chemischen Cocktails, die HIV-Infizierte tagtäglich schlucken müssen, eines Tages komplett ersetzen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.

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