In der Folge des Holistic CBD Podcasts sprechen Leonie und Thomas Marisch über ein Thema, das den Kern ihrer Arbeit bildet: Cannabidiol, kurz CBD. Der Wirkstoff aus der Hanfpflanze hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt – sowohl im Gesundheitsbereich als auch in der breiten Öffentlichkeit.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Was ist CBD eigentlich?
- Rechtlicher Rahmen: Wann ist CBD legal?
- Wie wirkt CBD im Körper?
- Ein beeindruckendes Wirkspektrum
- Die drei Hauptmechanismen der CBD-Wirkung
- Praktische Anwendung und Dosierung
- Nebenwirkungen und Verträglichkeit
- CBD als natürliche Unterstützung
- Was die Studienlage zur Wirkung von CBD hergibt
- Warum die Aufnahmeform über die Wirkung entscheidet
- Der Fetteffekt: dieselbe Dosis, bis zur vierfachen Aufnahme
- Mehr ist nicht mehr: die glockenförmige Dosis-Wirkungs-Kurve
- Wie Cannabidiol wirkt, wenn nicht über den CB1-Rezeptor
- Zwischen Nutzhanf-Grenzwert und Novel Food: was das für die Produkte bedeutet
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
Doch was steckt wirklich hinter dem Hype? Wie wirkt CBD, was sagt die Forschung und worauf sollte man achten? In einem tiefgehenden Gespräch teilen die beiden ihre Erfahrungen und ihr Wissen rund um CBD – von der Wirkung über die Anwendung hin zu rechtlichen Aspekten.
Dieser Podcast wurde vom Holistic CBD Podcast am 26. September 2024 auf Spotify unter dem Titel „CBD verstehen: Wirkung, Anwendung und Erfahrungswerte“ veröffentlicht.
Was ist CBD eigentlich?
CBD steht für Cannabidiol, eine von über hundert bekannten Verbindungen aus der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu THC, das für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich ist, wirkt CBD nicht berauschend. Genau darin liegt der große Vorteil: Es entfaltet seine positiven Effekte, ohne den Geist zu beeinflussen. Deshalb wird es vor allem für seine entzündungshemmenden, entspannenden und schmerzlindernden Eigenschaften geschätzt.
Rechtlicher Rahmen: Wann ist CBD legal?
Die Legalität von CBD-Produkten hängt stark vom THC-Gehalt ab. In Österreich liegt die erlaubte Obergrenze bei 0,3 %, in Deutschland bei 0,2 %, in der Schweiz sogar bei 1 %. Solange diese Grenzwerte eingehalten werden, sind CBD-Produkte legal und dürfen verkauft und konsumiert werden. Wichtig ist dabei, auf eine seriöse Quelle und transparente Produktinformationen zu achten. Leonie und Thomas betonen, dass ihre Produkte aus eigener Herstellung stammen – mit geprüfter Qualität und viel Herzblut.
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Wie wirkt CBD im Körper?
Die Wirkung von CBD basiert auf seiner Interaktion mit dem körpereigenen Endocannabinoidsystem (ECS). Dieses System spielt eine zentrale Rolle für das innere Gleichgewicht, die sogenannte Homöostase. Es reguliert unter anderem Schlaf, Stimmung, Schmerzempfinden und das Immunsystem. CBD kann entzündungshemmend wirken, bei chronischen Schmerzen unterstützen, Angstzustände mildern und die Stimmung positiv beeinflussen.
Besonders bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis oder chronischen Schmerzen zeigt sich das Potenzial von CBD. Auch bei Angststörungen oder Schlafproblemen berichten viele Nutzer von positiven Erfahrungen. Wichtig ist dabei eine regelmäßige Einnahme über einen längeren Zeitraum, um den vollen Effekt zu spüren. CBD wirkt nicht wie ein klassisches Schmerzmittel sofort, sondern entfaltet seine Wirkung schrittweise.
Ein beeindruckendes Wirkspektrum
Die Liste möglicher Anwendungsbereiche ist lang: Epilepsie, neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose, hormonelle Störungen, Stress, Übelkeit, Nervosität, Schlafstörungen – CBD scheint ein echter Allrounder zu sein. Doch wie kann ein einzelner Wirkstoff so viele Beschwerden beeinflussen?
Leonie und Thomas verweisen erneut auf das Endocannabinoidsystem. CBD ist in seiner chemischen Struktur körpereigenen Cannabinoiden ähnlich und kann deshalb mit den entsprechenden Rezeptoren interagieren. Dabei reguliert es überaktive Prozesse und unterstützt unteraktive. Es wirkt nicht einseitig, wie viele Medikamente, sondern ausgleichend.
Die drei Hauptmechanismen der CBD-Wirkung
Thomas fasst die wichtigsten Wirkmechanismen verständlich zusammen: Erstens hemmt CBD das Enzym FAAH, das für den Abbau körpereigener Endocannabinoide verantwortlich ist. Dadurch erhöht sich der natürliche Cannabinoid-Spiegel. Zweitens aktiviert CBD Schmerzrezeptoren, die sogenannten Vanilloid-Rezeptoren. Drittens fördert es die Ausschüttung von GABA, einem beruhigenden Neurotransmitter. Das wirkt sich positiv auf Schlaf, Angst und Stress aus.
Diese Mechanismen führen nicht nur zu körperlicher Entspannung, sondern auch zu mehr emotionaler Stabilität. Wer besser schläft, fühlt sich tagsüber ausgeglichener. Wer weniger Schmerzen hat, kann sich besser konzentrieren. CBD unterstützt den Körper auf mehreren Ebenen, ohne in Prozesse einzugreifen, sondern indem es diese moduliert.
Praktische Anwendung und Dosierung
Viele Interessierte fragen sich, wie man CBD am besten einnimmt. Leonie und Thomas empfehlen einen einfachen Ansatz: mit einer Standarddosierung starten, zum Beispiel zweimal täglich fünf Tropfen unter die Zunge geben und zwei bis drei Minuten einwirken lassen. Nach sieben bis zehn Tagen sollte man überprüfen, ob sich etwas verändert hat. Falls nötig, kann die Dosis schrittweise angepasst werden.
Wichtig sei, dem Körper Zeit zu geben und auch kleine Veränderungen wahrzunehmen: besserer Schlaf, geringere Reizbarkeit, weniger körperliche Beschwerden. Die Einnahme sollte regelmäßig erfolgen, um einen stabilen Spiegel im Körper aufrechtzuerhalten. CBD wird nach etwa acht bis zwölf Stunden abgebaut, daher empfiehlt sich die Einnahme morgens und abends.
Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Grundsätzlich gilt CBD als sehr gut verträglich. Nebenwirkungen sind selten, können aber in Einzelfällen auftreten. Häufig werden Müdigkeit oder ein trockener Mund genannt. Diese Effekte sind jedoch meist mild und klingen rasch ab. Wechselwirkungen mit Medikamenten sollten allerdings beachtet werden. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte sich vorab beraten lassen.
Leonie rät dazu, stärker auf das eigene Körpergefühl zu hören. In einer Zeit, in der alles wissenschaftlich belegbar sein soll, gehe oft das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verloren. Zwar gibt es zahlreiche Studien zu CBD, doch ebenso wichtig seien die praktischen Erfahrungen – sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Auch ihre eigenen Hunde haben bereits gute Erfahrungen mit CBD gemacht, was ein Thema für eine eigene Podcast-Folge sei, wie sie lachend ergänzt.
CBD als natürliche Unterstützung
CBD ist kein Wundermittel, aber ein vielseitiger Helfer. Es unterstützt den Körper bei der Selbstregulation, hilft bei der Bewältigung von Stress, Schmerzen und anderen Beschwerden. Besonders für Menschen, die eine sanfte Alternative zu klassischen Medikamenten suchen, bietet CBD eine vielversprechende Option.
Leonie und Thomas sehen ihre Aufgabe darin, aufzuklären, zu beraten und Ängste abzubauen. Ihr Ansatz ist ganzheitlich, alltagstauglich und nahbar. Dabei geht es nicht nur um Produkte, sondern um ein besseres Körpergefühl, mehr Lebensqualität und ein bewussteres Leben. Mit dieser Podcast-Folge liefern die beiden eine fundierte Einführung in das Thema CBD und machen Lust, sich intensiver mit der Pflanze und ihren Möglichkeiten zu beschäftigen. Ganz im Sinne des Podcasts – für mehr Balance, Wohlbefinden und Selbstverantwortung.
Was die Studienlage zur Wirkung von CBD hergibt
Wer nach der Wirkung von Cannabidiol sucht, stößt auf zwei Welten, die selten in einem Satz genannt werden. Auf der einen Seite steht ein zugelassenes Arzneimittel mit hochreinem Wirkstoff, das in kontrollierten Studien geprüft wurde. Auf der anderen Seite stehen frei verkäufliche Öle, deren Tagesdosis um ein Vielfaches darunter liegt. Beide tragen dieselbe Abkürzung im Namen. Was chemisch dahintersteckt, erklärt unser Beitrag Was ist Cannabidiol.
Das Arzneimittel heißt Epidyolex und ist in der Europäischen Union seit September 2019 zugelassen. Es wird als Zusatztherapie bei Krampfanfällen im Rahmen des Lennox-Gastaut-Syndroms und des Dravet-Syndroms eingesetzt, jeweils in Verbindung mit Clobazam, seit 2021 auch bei tuberöser Sklerose. Die empfohlene Erhaltungsdosis liegt bei zehn Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag und kann auf zwanzig Milligramm gesteigert werden. Für eine erwachsene Person mit siebzig Kilogramm sind das 700 bis 1.400 Milligramm täglich.
Die folgende Übersicht ordnet die bekanntesten Anwendungsbereiche nach der Art der Evidenz, die dahintersteht, und nennt dazu die Dosis, mit der tatsächlich gearbeitet wurde.
| Anwendungsbereich | Art der Evidenz | untersuchte Tagesdosis | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Epilepsie bei Dravet-, Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberöser Sklerose | Zulassungsstudien zum Arzneimittel | 10 bis 20 mg je kg Körpergewicht | belegt, verschreibungspflichtig |
| Soziale Angst und situativer Stress | randomisierte Humanstudien | 300 mg als Einmalgabe | Effekt gezeigt, kleine Fallzahlen |
| Generalisierte Angststörung | einzelne Studien mit uneinheitlichem Ergebnis | 25 bis 600 mg | offen |
| Schlafstörungen | überwiegend offene Fallserien ohne Kontrollgruppe | 25 bis 175 mg | schwache Evidenz |
| Chronischer Schmerz | randomisierte Studien mit dem Reinstoff | 20 bis 600 mg | meist kein Unterschied zu Placebo |
| Entzündliche Prozesse | Zellkultur und Tiermodell | nicht auf den Menschen übertragbar | vorklinisch |
| Psychose als Zusatztherapie | einzelne kontrollierte Studie | 1.000 mg | Hinweise, keine Zulassung |
Zwei dieser Zeilen behandeln wir an anderer Stelle ausführlich. Was die kontrollierten Studien zum Schmerz wirklich zeigen, steht in unserem Beitrag Ob akut oder chronisch: CBD und Schmerzen. Die Datenlage zum Schlaf und die Frage, wann THC dort die bessere Wahl ist, behandelt der Beitrag THC und CBD bei Schlafstörungen.
Warum die Aufnahmeform über die Wirkung entscheidet
Neben der Dosis ist der Weg in den Körper die zweite große Stellgröße. Cannabidiol ist fettlöslich und wird nach dem Schlucken in der Leber zu einem erheblichen Teil abgebaut, bevor es den Blutkreislauf erreicht. Dieser sogenannte First-Pass-Effekt ist der eigentliche Grund für den Rat, die Tropfen unter der Zunge zu halten, statt sie sofort hinunterzuschlucken. Über die Mundschleimhaut gelangt ein Teil des Wirkstoffs direkt ins Blut und umgeht die Leberpassage.
Die folgenden Werte stammen aus einer systematischen Übersichtsarbeit zur Pharmakokinetik von Cannabidiol beim Menschen. Sie erklären, warum dieselbe Milligrammzahl je nach Anwendungsform sehr unterschiedlich ankommt.
| Anwendungsform | Wirkeintritt | Bioverfügbarkeit | spürbare Wirkdauer |
|---|---|---|---|
| Tropfen sublingual, unter der Zunge gehalten | 15 bis 45 Minuten | etwa 13 bis 19 Prozent | vier bis sechs Stunden |
| Kapseln und angereicherte Lebensmittel | 30 bis 90 Minuten | niedrig und stark schwankend | vier bis sechs Stunden |
| Inhalation über einen Verdampfer | wenige Minuten | rund 31 Prozent | kürzer als bei oraler Aufnahme |
| Cremes und Salben auf der Haut | lokal nach etwa einer halben Stunde | im Blut kaum messbar | auf die behandelte Stelle begrenzt |
Wirkdauer und Verweildauer im Körper sind dabei zwei verschiedene Dinge. Die Halbwertszeit liegt nach einer einzelnen Gabe über die Mundschleimhaut zwischen 1,4 und 10,9 Stunden. Bei täglicher Einnahme über einen längeren Zeitraum steigt sie auf zwei bis fünf Tage. Genau deshalb baut sich bei regelmäßiger Anwendung ein Spiegel auf, und genau deshalb sollte eine neue Dosierung mindestens eine Woche lang durchgehalten werden, bevor man sie bewertet.
Der Fetteffekt: dieselbe Dosis, bis zur vierfachen Aufnahme
Eine der am besten belegten und am seltensten erwähnten Größen ist die Mahlzeit. In einer Untersuchung an Erwachsenen mit Epilepsie stieg die insgesamt aufgenommene Wirkstoffmenge nach einer fettreichen Mahlzeit auf das 4,2-Fache. Der Spitzenspiegel im Blut lag sogar beim Vierzehnfachen. Die Kapsel war dieselbe, die Dosis war dieselbe, verändert hatte sich allein der Mageninhalt.
Für die Selbstanwendung folgt daraus eine einfache Regel. Wer die Wirkung beurteilen will, nimmt CBD immer im gleichen Verhältnis zu den Mahlzeiten ein. Wer die Tropfen an einem Tag nüchtern und am nächsten nach dem Abendessen nimmt, vergleicht in Wahrheit zwei verschiedene Dosen. Ein Teil der Berichte, in denen dasselbe Produkt einmal wirkt und einmal nicht, dürfte genau hier seine Ursache haben.
Mehr ist nicht mehr: die glockenförmige Dosis-Wirkungs-Kurve
Bei den meisten Wirkstoffen gilt eine einfache Regel: mehr Substanz bedeutet mehr Wirkung, bis die Nebenwirkungen die Grenze setzen. Bei Cannabidiol ist das nicht so. In einer kontrollierten Studie mit 57 gesunden Männern wurde die Angst vor einer simulierten öffentlichen Rede nur in der Gruppe mit 300 Milligramm deutlich gesenkt. Die Gruppen mit 150 und mit 600 Milligramm unterschieden sich nicht von der Placebogruppe.
Diese glockenförmige Kurve ist aus Tierversuchen seit Langem bekannt und für die Praxis bedeutsam. Eine ausbleibende Wirkung ist kein Beweis dafür, dass die Dosis zu niedrig war. Sie kann ebenso gut bedeuten, dass der wirksame Bereich bereits überschritten wurde. Der Rat, niedrig anzufangen und langsam zu steigern, bekommt damit eine zweite Begründung. Es geht nicht nur um die Verträglichkeit, sondern darum, das Wirkfenster nicht zu überspringen.
Die folgende Übersicht stellt die Dosisbereiche nebeneinander, die im Alltag und in der Forschung eine Rolle spielen.
| Tagesdosis | typischer Zusammenhang | Studienlage in dieser Höhe |
|---|---|---|
| rund 2 mg | vorläufiger sicherer Wert der EFSA für Lebensmittel, Februar 2026 | keine Wirksamkeitsstudien in dieser Größenordnung |
| 10 bis 60 mg | handelsübliche Öle in der Selbstanwendung | überwiegend Anwenderberichte |
| 300 mg als Einmalgabe | Angststudien unter Laborbedingungen | Effekt gegenüber Placebo gezeigt |
| 700 bis 1.400 mg | zugelassenes Arzneimittel bei bestimmten Epilepsieformen | Zulassungsstudien |
Der Abstand zwischen der zweiten und der dritten Zeile erklärt einen großen Teil der Enttäuschung, die manche Anwenderinnen und Anwender beschreiben. Die Schlagzeilen stammen aus Studien, die mit dem Fünf- bis Fünfzigfachen dessen gearbeitet haben, was ein handelsübliches Öl am Tag liefert. Was an unerwünschten Effekten in den hohen Dosisbereichen auftritt, haben wir im Beitrag Hat Cannabidiol Nebenwirkungen zusammengetragen.
Wie Cannabidiol wirkt, wenn nicht über den CB1-Rezeptor
Anandamid, eines der körpereigenen Cannabinoide, wird nicht frei im Zellinneren abgebaut. Es muss zunächst mithilfe von Transportproteinen, den Fettsäurebindungsproteinen, durch die Zellmembran geschleust werden, bevor das Enzym FAAH es zerlegen kann. Cannabidiol bindet an genau diese Transportproteine und belegt sie. Der Weg des Anandamids zum abbauenden Enzym wird dadurch länger, sein Spiegel im Gewebe steigt. Der Transportschritt ist also die Stelle, an der sich der Effekt am besten fassen lässt.
Am CB1-Rezeptor selbst verhält sich Cannabidiol anders als THC. Es setzt sich nicht auf die Bindungsstelle, an der THC andockt, sondern an eine zweite Stelle desselben Rezeptors und dämpft von dort dessen Antwort. Die Fachsprache nennt das einen negativen allosterischen Modulator. Damit erklärt sich, warum Cannabidiol die berauschende Wirkung von THC abschwächen kann, ohne selbst zu berauschen. Wie das übergeordnete System funktioniert, in das beide Stoffe eingreifen, beschreibt unser Beitrag zum Endocannabinoid-System.
Dazu kommen Angriffspunkte außerhalb des Cannabinoidsystems. Der Serotoninrezeptor 5-HT1A gilt als der wahrscheinlichste Weg für die angstlösenden Effekte. Die TRPV1-Kanäle, die auch auf Hitze und auf den Scharfstoff der Chili ansprechen, sind an der Schmerzverarbeitung beteiligt. Der Rezeptor GPR55 wird ebenfalls diskutiert. Diese Vielzahl an Angriffspunkten ist der Grund für das breite Wirkspektrum, und sie ist zugleich der Grund dafür, dass sich eine einzelne, klar messbare Hauptwirkung bis heute nur schwer benennen lässt.
Zwischen Nutzhanf-Grenzwert und Novel Food: was das für die Produkte bedeutet
Für den Anbau von Nutzhanf gilt in der Europäischen Union seit dem 1. Januar 2023 ein THC-Höchstgehalt von 0,3 Prozent. Bis Ende 2022 lag der Wert bei 0,2 Prozent, angehoben wurde er mit der GAP-Strategieplanverordnung (EU) 2021/2115. Deutschland hat den betäubungsmittelrechtlich zulässigen Wert rückwirkend zum 1. Januar 2023 nachgezogen. Dieser Grenzwert beschreibt allerdings die Pflanze auf dem Feld und nicht das fertige Öl im Regal.
Für das fertige Lebensmittel gilt eine eigene Regel. CBD-Extrakte sind in der Europäischen Union als neuartiges Lebensmittel eingestuft und brauchen deshalb eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung, die bis heute aussteht. Im Februar 2026 nannte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erstmals einen vorläufigen sicheren Wert von 0,0275 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für eine Person mit siebzig Kilogramm entspricht das rund zwei Milligramm täglich und damit einem Bruchteil dessen, was handelsübliche Öle enthalten. Solange die Zulassung aussteht, bleibt dieser Widerspruch zwischen Marktrealität und Lebensmittelrecht bestehen.
Hast du schon einmal CBD-Produkte ausprobiert?
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt CBD und wie lange hält die Wirkung an?
Das hängt stark von der Anwendungsform ab. Sublingual eingenommene Tropfen (unter der Zunge gehalten) wirken meist innerhalb von 15 bis 45 Minuten, während CBD in Kapseln oder Lebensmitteln erst nach 30 bis 90 Minuten den Magen-Darm-Trakt passiert hat. Die Wirkung hält üblicherweise vier bis sechs Stunden an. Entscheidend sind außerdem Dosis, Körpergewicht und Stoffwechsel – deshalb lohnt es sich, das eigene Körpergefühl aufmerksam zu beobachten.
Hat CBD Nebenwirkungen?
CBD gilt als gut verträglich, ist aber nicht völlig nebenwirkungsfrei. Möglich sind unter anderem Müdigkeit, Mundtrockenheit, Appetitveränderungen oder ein leicht gesenkter Blutdruck. Wichtiger als diese meist milden Effekte sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten, die über das Enzymsystem der Leber (Cytochrom P450) abgebaut werden. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte die Anwendung daher mit einem Arzt oder einer Ärztin abstimmen.
Wie wirkt CBD im Gehirn und Nervensystem?
CBD dockt anders als THC nicht direkt stark an die CB1-Rezeptoren im Gehirn an und macht deshalb nicht „high“. Stattdessen wirkt es überwiegend indirekt über das körpereigene Endocannabinoid-System sowie über Serotonin-Rezeptoren (5-HT1A) und TRPV1-Kanäle, die an der Verarbeitung von Stress, Angst und Schmerz beteiligt sind. So kann CBD ausgleichend auf das Nervensystem wirken, ohne die Wahrnehmung zu verzerren.
Wie dosiert man CBD richtig?
Bewährt hat sich das Prinzip „start low, go slow“: mit einer niedrigen Dosis von etwa 5 bis 10 Milligramm pro Tag beginnen und diese über mehrere Tage langsam steigern, bis die gewünschte Wirkung eintritt. Da jeder Körper unterschiedlich reagiert, gibt es keine pauschale Einheitsdosis. Wie individuell Anwendung und Wirkung ausfallen können, zeigt zum Beispiel der Erfahrungsbericht Cannabidiol nach dem Hexenschuss.
Ist CBD in Deutschland legal?
CBD selbst fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Entscheidend ist der THC-Gehalt des Produkts, der die gesetzlichen Grenzwerte einhalten muss, sowie die Einstufung als Lebensmittel oder Kosmetikum. Bei oral eingenommenen CBD-Produkten spielt vor allem die Novel-Food-Verordnung eine Rolle – ein bewegtes Feld, wie das erste positive EFSA-Gutachten zu CBD als Novel Food zeigt.
Für was ist CBD gut?
Ein klar belegter Nutzen besteht bislang nur bei drei seltenen Epilepsieformen, und zwar mit einem verschreibungspflichtigen Arzneimittel in sehr hoher Dosis. Für soziale Angst und situativen Stress zeigen kontrollierte Studien Effekte, allerdings mit kleinen Teilnehmerzahlen. Bei Schlaf, Schmerz und entzündlichen Beschwerden stützt sich vieles auf Anwenderberichte und auf Untersuchungen im Labor. Frei verkäufliche Öle sind rechtlich Nahrungsergänzung und dürfen keine Heilwirkung versprechen.
Wie viel CBD steckt in handelsüblichen Hanftropfen?
Ein Fläschchen mit zehn Millilitern und fünf Prozent Gehalt enthält rund 500 Milligramm Cannabidiol. Ein Tropfen liefert daraus etwa 1,5 bis 2,5 Milligramm, je nach Pipette. Fünf Tropfen zweimal täglich ergeben damit ungefähr 15 bis 25 Milligramm am Tag. Das liegt am unteren Rand dessen, was in der Selbstanwendung üblich ist, und deutlich unter den Dosierungen der bekannten Angst- und Epilepsiestudien.
Wirkt CBD aus der Hanfblüte anders als CBD-Öl?
Der Wirkstoff ist derselbe, der Weg in den Körper aber nicht. Beim Verdampfen gelangt Cannabidiol über die Lunge fast unmittelbar ins Blut, die Wirkung setzt binnen weniger Minuten ein und klingt schneller wieder ab. Öl unter der Zunge braucht eine Viertelstunde bis knapp eine Stunde, hält dafür länger an. Dazu kommt, dass eine Blüte neben Cannabidiol auch Terpene und weitere Cannabinoide enthält.
Was ist der Unterschied zwischen Vollspektrum und Isolat?
Ein Isolat enthält ausschließlich Cannabidiol in reiner Form. Ein Vollspektrumextrakt bringt zusätzlich Terpene, weitere Cannabinoide und Spuren von THC innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte mit. Die Annahme, dass diese Begleitstoffe die Wirkung gemeinsam verstärken, läuft unter dem Begriff Entourage-Effekt und ist Gegenstand unseres Beitrags zum Entourage-Effekt. Belastbar bewiesen ist sie beim Menschen bislang nicht.
Warum wirkt CBD bei manchen Menschen nicht?
Dafür gibt es mehrere nachvollziehbare Gründe. Die Dosis kann zu niedrig sein, sie kann nach der glockenförmigen Dosis-Wirkungs-Kurve aber ebenso über dem wirksamen Bereich liegen. Die Aufnahme schwankt außerdem stark mit dem Fettgehalt der letzten Mahlzeit. Hinzu kommen Unterschiede im Abbau über die Leberenzyme und im eigenen Endocannabinoid-Haushalt. Nicht zuletzt schwankt der tatsächliche Gehalt frei verkäuflicher Produkte erheblich.
Macht CBD müde oder wach?
Beides wird berichtet, und die Dosis scheint dabei die Richtung vorzugeben. In niedrigen Mengen beschreiben viele Anwenderinnen und Anwender eher einen wachen, gelösten Zustand, in höheren Mengen eher Müdigkeit. Müdigkeit gehört zugleich zu den häufigsten unerwünschten Effekten. Wer tagsüber arbeitet, sollte eine neue Dosierung deshalb zuerst an einem freien Tag ausprobieren.





































