Wie eine Therapie mit Medizinalcannabis abläuft, von der ärztlichen Anfrage über die Prüfung bis zur Abgabe in der Apotheke, beschreibt der Hersteller auf seiner Informationsseite für Patientinnen und Patienten. Über Auswahl und Verordnung entscheidet in jedem Fall die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
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Anzeige · Dieser Beitrag entsteht in bezahlter Kooperation mit der Sanity Group. Auswahl, Einordnung und Bewertung der Angaben liegen beim Hanf Magazin.
Ein Sortenprospekt ist das Datenblatt einer Medizinalcannabisblüte. Es enthält Genetik, Terpenwerte und eine Beschreibung der Blüte, und es beantwortet eine Frage ausdrücklich nicht, nämlich ob eine Sorte für jemanden geeignet ist. Am Beispiel von Lime Kush 2.0 lässt sich gut zeigen, was in so einem Dokument steht und wie die Zahlen zu lesen sind.
Wer eine Cannabistherapie beginnt, stößt schnell auf Sortennamen und Zahlenkombinationen, die zunächst wenig sagen. Die Hersteller veröffentlichen zu jeder Blüte ein Sortenprospekt, das sich eigentlich an Apotheken und Ärztinnen und Ärzte richtet. Diese Dokumente sind der genaueste öffentlich verfügbare Blick auf ein Produkt, sie sind aber auch missverständlich, wenn man die Konventionen dahinter nicht kennt. Wir gehen das an einer konkreten Sorte durch: ZOIKS 33/1 LKV2, im Handel als Lime Kush 2.0.
Was die Zahlen im Namen bedeuten
Die Bezeichnung folgt einer im Markt üblichen Konvention: Die erste Zahl steht für den THC-Gehalt in Prozent, die zweite für den CBD-Gehalt. ZOIKS 33/1 LKV2 ist damit eine Blüte mit rund 33 Prozent THC und etwa einem Prozent CBD. Dieselbe Genetik wird in mehreren Wirkstoffstufen angeboten, von 19/1 bis 36/1. Die Sorte ist also nicht gleich der Wirkstoffgehalt, sondern dieselbe Pflanze wird in unterschiedlich starken Chargen geführt.
Das ist der erste Punkt, an dem Laien sich häufig vertun. Ein höherer THC-Wert ist kein Qualitätsmerkmal und auch keine Steigerung derselben Sache, sondern eine andere Ausgangslage. Welche Stufe im Einzelfall überhaupt in Frage kommt, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Genetik und Herkunft
Lime Kush 2.0 ist nach Herstellerangaben eine Kreuzung aus Limelight, selbst eine Verbindung von Ultra Sour und Lemon Margy, und Britney’s Frozen Lemons des Züchters Capulator. Eingeordnet wird die Sorte als sativadominanter Hybrid.
Solche Angaben zur Elternlinie sind mehr als Folklore. Sie sind der einzige Anhaltspunkt dafür, ob zwei Sorten mit ähnlichem Namen tatsächlich verwandt sind, und sie erlauben eine grobe Einordnung, was an Aroma und Erscheinungsbild zu erwarten ist. Eine Aussage über die Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten, auch wenn die Einteilung in Sativa und Indica genau das suggeriert.
Das Terpenprofil, und wie die Prozentzahlen zu lesen sind
Hier wird es interessant, und hier wird am häufigsten falsch gelesen. Das Prospekt weist für Lime Kush 2.0 einen Terpen-Gesamtgehalt von 2,8 Prozent aus und ordnet diesen Wert auf der eigenen Skala als sehr hoch ein. Die dominanten Terpene sind demnach Terpinolen mit 43 Prozent, Ocimen mit 11 Prozent und Myrcen mit ebenfalls 11 Prozent.
Entscheidend ist das Kleingedruckte darunter: Diese Prozentangaben sind relative Werte. Sie beschreiben den Anteil eines Terpens am gemessenen Gesamtterpengehalt, nicht den Anteil an der Blüte. Terpinolen macht also 43 Prozent der 2,8 Prozent aus, nicht 43 Prozent der Blüte. Wer die Zahlen als absolute Werte liest, überschätzt sie um Größenordnungen.
Dazu kommt, dass die Angaben auf dem Analysezertifikat des jeweiligen Growers beruhen und sich nur auf die dort untersuchten Terpene beziehen. Terpengehalte schwanken zwischen Chargen, zwischen Ernten und mit der Lagerdauer. Ein Sortenprospekt beschreibt also ein typisches Profil, keine Garantie für die Dose im Regal.
Geschmacklich ordnet der Hersteller das Profil als Zusammenspiel aus süßlichen, zitrus-limettigen und leicht sauren Noten mit einem erdigen Diesel-Unterton ein. Terpinolen wird dabei als holzig-waldig mit Anklängen an Kiefer, Rosmarin und Kümmel beschrieben, Ocimen als kräuterig, zitrusartig und holzig, Myrcen als erdig, würzig und fruchtig.
Wie die Blüte beschrieben wird
Zum äußeren Erscheinungsbild nennt das Prospekt helles Grün mit leuchtend orangen Pistillen, eine mittlere bis große Blütengröße, eine hohe Dichte und eine mittlere bis hohe Trichombedeckung. Ausgewiesen ist die Ware als getrocknete Cannabisblüten, unbestrahlt.
Der Hinweis auf die fehlende Bestrahlung ist für viele Patientinnen und Patienten die relevanteste Einzelangabe des ganzen Dokuments. Bestrahlung dient der Keimreduktion und ist zulässig, verändert nach verbreiteter Einschätzung aber das Terpenprofil. Wer darauf achtet, findet die Angabe im Prospekt, auf der Verpackung oder auf Nachfrage in der Apotheke.
Was das Dokument nicht leistet
Das Prospekt verweist, wie in dieser Produktgattung üblich, auf den sogenannten Entourage-Effekt, also die Annahme, dass Cannabinoide und Terpene sich in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen. Die dafür angeführte Arbeit von Ethan Russo aus dem Jahr 2011 ist einflussreich, formuliert aber eine Hypothese und keinen Beleg. Der Effekt ist bis heute nicht abschließend geklärt, und aus einem Terpenprofil lässt sich keine Wirkung ableiten.
Ebenso wenig sagt ein Sortenprospekt etwas darüber, ob eine Sorte für eine bestimmte Person oder Beschwerde geeignet ist. Diese Dokumente richten sich ausdrücklich an Fachkreise und sind als Information für Apotheken und verordnende Ärztinnen und Ärzte gedacht. Für Patientinnen und Patienten sind sie vor allem eins: eine Möglichkeit zu verstehen, worüber in der Sprechstunde gesprochen wird.
Was sie dagegen zuverlässig leisten, ist Nachvollziehbarkeit. Genetik, Herkunft, Terpenanalyse und Bestrahlungsstatus stehen dokumentiert und lassen sich mit anderen Sorten vergleichen.
Hinweis: Medizinalcannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und ausschließlich auf ärztliche Verordnung über Apotheken erhältlich. Dieser Beitrag beschreibt die Angaben eines Herstellerdokuments und enthält keine Heil-, Wirk- oder Eignungsaussage, keine Dosierungsempfehlung und keine Therapieempfehlung. Über Auswahl, Beginn, Fortführung und Umstellung einer Therapie entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Die genannten Werte sind Herstellerangaben, beruhen auf dem Analysezertifikat des Growers und können zwischen Chargen schwanken. Stand: 12. Oktober 2026.
Quellen: Sortenprospekt ZOIKS LKV2, Vayamed GmbH, Berlin, zur Verfügung gestellt von der Sanity Group im Oktober 2026; Russo, Ethan B., „Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects“, British Journal of Pharmacology 163.7 (2011), S. 1344 bis 1364; eigene Einordnung.




































