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Home Rechtliche Aspekte von Cannabis Internationale Rechtslage

Stoffgruppenverbot in den Niederlanden

von David Glaser
08.03.2025
in Internationale Rechtslage
Lesezeit: 5 Minuten
Stoffgruppenverbot in den Niederlanden
⏱ 6 Min. Lesezeit·1.066 Wörter
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Hanf Magazin · Stoffgruppenverbot in den Niederlanden

Sich zu berauschen, ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Der Konsum von Drogen ist so alt wie die Menschheit selbst. Während Alkohol vollständig in unsere Gesellschaft integriert ist und es schon als beinahe ungewöhnlich gilt, wenn jemand sich nicht damit berauscht, sind alle anderen Substanzen absolut geächtet.

📑 Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Stoffgruppen betroffen
  2. Erst die Verbotspolitik führt zur Verbreitung hochgiftiger Ersatzstoffe
  3. Kontrollierte Freigabe altbekannter Substanzen als einzige Lösung
  4. 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!

Das Verbot, welches nun seit über 100 Jahren herrscht, hat in der Tat wenig mit der objektiven Toxizität der einzelnen Substanzen zu tun, sondern ist historisch viel mehr in wirtschaftlichen und ideologischen Ursachen begründet. Ähnlich wie bei Cannabis ist auch bei vielen anderen Substanzen das Verbot nicht evidenzbasiert. Viele der sogenannten harten Drogen haben erwiesenermaßen sogar ein medizinisches Potenzial. Mehrere Studien konnten beweisen, dass Substanzen wie Zauberpilze oder auch MDMA bei seelischen Erkrankungen wie Depressionen heilsam wirken können.

Illegal sind diese Substanzen bis heute, doch wo es eine Nachfrage gibt, wird sich auch immer ein Markt entwickeln. Das lässt sich mit keinem Gesetz der Welt unterbinden. Da die meisten altbekannten Substanzen verboten sind, ist es jetzt seit über 15 Jahren eine gängige Praxis, dass man das Molekül einer verbotenen Substanz leicht verändert und auf diese Weise einen legalen Ersatz erschafft, der eine vergleichbare Wirkung wie das verbotene Original hat.

GanjaFarmerGanjaFarmer

Die Antwort des Gesetzgebers darauf war zunächst ein Verbot einzelner Substanzen und später ganzer Stoffgruppen. Ähnlich wie es in Deutschland bereits seit 2016 in Kraft ist, kommt nun auch in den Niederlanden ein Gesetz, das nicht nur einzelne Drogen, sondern ganze Stoffgruppen verbietet. 

3 Stoffgruppen betroffen

Konkret werden mit diesem Verbot drei Stoffgruppen erfasst. Diese umfassen alle Arten von synthetischen Cannabinoiden, alle Derivate von 2-Phenethylamin, sowie alle Piperidine. Im Klartext bedeutet das, dass praktisch alle Partydrogen und alle klassischen synthetischen Cannabinoide, wie sie aus Spice-Produkten bekannt sind, verboten werden. Synthetische Cannabinoide waren die erste Stoffgruppe, die international richtig bekannt wurde, als 2007 Spice auf den Markt kam. Warum solche Substanzen überhaupt am Markt vertrieben werden, liegt auf der Hand. Ein vergleichsweise nebenwirkungsfreies Naturprodukt wie Cannabis ist verboten, sein Besitz wird mit drastischen rechtlichen Konsequenzen geahndet.

Da es dennoch eine Nachfrage nach einer vergleichbaren Wirkung gibt, die sich mit keinem Gesetz der Welt eliminieren lässt, entwickelte sich ein Markt für synthetische Cannabinoide. Diese umfassen hunderte verschiedene chemische Abwandlungen von Substanzen, die am CB1-Rezeptor wirksam sind und daher die Wirkung von THC täuschend ähnlich imitieren können. Diese Substanzen haben den großen Vorteil, dass sie legal sind und bei einem Drogentest nicht nachgewiesen werden können, da sie strukturell mit dem Original nicht verwandt sind.

Wäre Cannabis legal und vor allem müsste man nicht um seinen Führerschein und seine Existenz zittern, wenn man in den Tagen davor an einem Joint gezogen hat, dann gäbe es überhaupt keine synthetischen Cannabinoide am Markt. Das Verbot selbst hat dazu geführt, dass unerforschte, potenziell tödliche Cannabinoide als Ersatz für ein harmloses Naturprodukt konsumiert werden. In den Folgejahren erschienen am Markt für zahlreiche weitere verbotene Drogen leicht chemisch abgewandelte Ersatzstoffe.

Ein sehr großer Teil davon fällt unter den Bereich der Stimulanzien. Diese dienen als Ersatzstoffe für die klassischen Partydrogen wie MDMA oder Speed. Im Jahr 2016 führte Deutschland das neue psychoaktive Substanzen Gesetz ein, mit dem es möglich war, nicht nur eine einzelne Substanz zu verbieten, sondern ganze Stoffgruppen. Ein ähnliches Gesetz tritt in den Niederlanden nun am 1. Juli in Kraft.

Erst die Verbotspolitik führt zur Verbreitung hochgiftiger Ersatzstoffe

Doch mit einem Verbot von Stoffgruppen ist das Problem keineswegs gelöst, ganz im Gegenteil. Eines der Hauptargumente des Gesetzgebers, warum Drogen überhaupt verboten sind, ist der Gesundheitsschutz. Mit einem Verbot von Stoffgruppen erreicht man jedoch ganz genau das Gegenteil. Während eine ursprünglich illegale Droge, die seit Jahrzehnten bekannt und in ihren Risiken im Detail erforscht ist, noch ein überschaubares Gefahrenpotenzial mit sich brachte, ist dies bei wenig erforschten Ersatzstoffen bereits anders. Wird jetzt eine Gruppe von Ersatzstoffen verboten, findet sich früher oder später eine Möglichkeit, eine neue Stoffgruppe zu erschaffen, welche wiederum die Wirkung der verbotenen Stoffgruppe nachahmt.

Das Problem ist, dass diese neue Stoffgruppe noch wesentlich unerforschter ist als die davor verbotene. Dieses Spiel setzt sich so lange fort, solange Drogenpolitik so funktioniert, wie sie aktuell funktioniert. Das Bedürfnis nach Rausch lässt sich mit keinem Gesetz verbieten und solange es eine Nachfrage gibt, wird sich ein neuer Markt mit noch weiter abgewandelten Stoffgruppen, die noch weniger erforscht sind, entwickeln. Dass sich dieser Trend exakt so fortsetzt, kann man seit fast 10 Jahren in Deutschland beobachten. Vor allem bei Cannabinoiden zeigte sich, dass mit jedem Verbot ein neues, weiter abgewandeltes und noch exotischeres Cannabinoid am Markt erschien.

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Dies ging so weit, dass es mittlerweile Cannabinoide gibt, für die sich keine eine Strukturformel oder Summenformel finden lässt und somit niemand mehr weiß, was er hier konsumiert. Nun gehen die Niederlande den gleichen Weg, im Irrglauben auf diese Weise Cannabinoide und weitere Stoffgruppen vom Markt eliminieren zu können.

Kontrollierte Freigabe altbekannter Substanzen als einzige Lösung

Im Sinne des Gesundheitsschutzes kann eine fortschrittliche Drogenpolitik nur so aussehen, dass Drogen, die lange und deren Risiken im Detail bekannt sind, in einem kontrollierten Rahmen freigegeben werden. Man muss allmählich anerkennen, dass die letzten 100 Jahre Drogenpolitik gescheitert ist. Die aktuelle Drogenpolitik hat erheblich mehr Schaden angerichtet, als sie genützt hat. Die aktuelle Situation bietet weder einen Gesundheitsschutz noch einen Jugendschutz. Würde man die verbotenen Originale, die nachweislich deutlich weniger gesundheitliche Risiken haben, als unerforschte Ersatzstoffe in einem kontrollierten Rahmen freigeben, wäre man drogenpolitisch einen riesigen Schritt weiter.

Dass die von Verbotsideologen prophezeiten Horrorszenarien nicht eintreten, wenn neben Cannabis noch weitere Drogen freigegeben werden, sieht man in immer mehr Orten in den USA. So hat beispielsweise Seattle vor einigen Jahren den Besitz von natürlichen Psychedelika legalisiert. Das sind Substanzen, welche die Menschheit seit Jahrtausenden begleiten. Viele von ihnen haben einen hohen medizinischen Wert. Im Zuge der Freigabe ist weder die Kriminalstatistik nach oben gegangen, noch hatte es andere negative Auswirkungen. Der einzige Unterschied ist, dass Konsumenten dieser Substanzen nun keine Verbrecher mehr sind und man keinen mehrfach abgewandelten Ersatzstoff benötigt, um auf der legalen Seite zu sein. 

Quellen

foche.info

(Original-Gesetzesentwurf von damals, der jetzt so umgesetzt wurde)

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professor.nl/de

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