Zürich verlängert sein erfolgreiches Cannabis-Pilotprojekt „Züri Can“ um weitere zwei Jahre bis 2028. Die Stadt hat dafür zusätzliche 800.000 Schweizer Franken bewilligt – und das nicht ohne Grund: Die Zahlen, die das Projekt nach fast zwei Betriebsjahren vorweisen kann, sind eindrücklich.
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Über 90 Prozent der Studienteilnehmer kaufen ihr Cannabis mittlerweile ausschließlich über legale Kanäle. Dem Schwarzmarkt wurden bislang rund 7,5 Millionen Franken entzogen.
Was Züri Can bisher geleistet hat
Seit dem Start des Projekts wurden insgesamt 88.000 legale Cannabis-Transaktionen erfasst – das entspricht rund 750 Kilogramm Cannabis, das über registrierte Apotheken und Fachgeschäfte den Weg zu den Konsumenten gefunden hat, statt über illegale Dealer. Derzeit nehmen 2.300 Personen an der Studie teil, geplant ist eine Ausweitung auf bis zu 3.000 Teilnehmende, sobald die Bundesbehörden die nötigen Genehmigungen erteilen. Im breiteren Schweizer Programm sind insgesamt 4.500 Personen eingeschlossen, darunter 1.500 in einer Kontrollgruppe, die weiterhin auf dem Schwarzmarkt kauft.
Das Produktangebot ist dabei breiter als viele erwarten würden: Neben klassischen Cannabisblüten sind auch Haschisch und Esswaren – darunter Süßigkeiten und Schokolade – erhältlich. Der THC-Gehalt reicht von 5 bis 25 Prozent. Besonders bemerkenswert: 37 Kilogramm niedrig-THC-Produkte wurden bereits über regulierte Kanäle verkauft – ein Hinweis auf eine Nachfrage, die im Schwarzmarkt so nie sichtbar gewesen wäre. Diese Zahlen bestätigen, was eine frühere Analyse der Schweizer Cannabis-Studien bereits andeutete: Regulierung schafft Transparenz im Konsum.
Warum die Verlängerung strategisch sinnvoll ist
Die zwei zusätzlichen Jahre sind kein Selbstzweck. Der Schweizer Bundesgesetzgeber wird voraussichtlich erst 2027 über eine landesweite Cannabisregelung entscheiden. Die Verlängerung von Züri Can bis 2028 schafft eine lückenlose Brücke: Für die Studienteilnehmer bedeutet das Rechtssicherheit und ein funktionierendes legales Versorgungsnetz – ohne die abrupten Abbrüche, die Pilotprojekte in anderen Ländern oft kennzeichnen.
Gleichzeitig soll die erweiterte Phase neue Zielgruppen ansprechen, die bisher in der Studie unterrepräsentiert sind: Frauen und Gelegenheitskonsumenten. Deren Einbeziehung ist für die wissenschaftliche Auswertung entscheidend, weil das aktuelle Teilnehmerfeld bestimmte Konsummuster überrepräsentiert. Nur mit einer diverseren Stichprobe lassen sich belastbare Aussagen über den gesellschaftlichen Gesamteffekt einer Cannabisregulierung treffen.
Was Deutschland aus Zürich lernen kann
Deutschland verfolgt das Schweizer Experiment mit Interesse – und Nervosität. Die hiesigen Cannabis Social Clubs stecken strukturell in den Kinderschuhen, wie auch der kürzlich veröffentlichte EKOCAN-Zwischenbericht dokumentiert: Maximal 3,5 Prozent der Konsumierenden erhielten ihren Bedarf über eine Anbauvereinigung. Der legale Marktanteil bleibt trotz zwei Jahren Cannabisgesetz bescheiden.
Das Zürcher Modell zeigt einen anderen Weg: staatlich kontrollierte Abgabepunkte, wissenschaftliche Begleitung, transparente Produktinformationen. Über 90 Prozent der Studienteilnehmer, die zuvor auf dem Schwarzmarkt kauften, haben ihr Verhalten dauerhaft verändert. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wer die ersten Daten aus dem Züri-Can-Projekt verfolgt hat, der erkennt in der aktuellen Verlängerungsentscheidung die konsequente Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte.
Für die deutsche Debatte über Modellprojekte und deren Ausgestaltung liefert Zürich damit ein wichtiges Argument: Ein regulierter Markt kann funktionieren – wenn die Rahmenbedingungen stimmen und der politische Wille vorhanden ist, das Experiment ernsthaft zu betreiben.
Häufige Fragen
Was ist Züri Can?
Züri Can ist ein wissenschaftliches Pilotprojekt der Stadt Zürich zum regulierten Verkauf von Cannabis. Seit dem Start können registrierte Teilnehmende Cannabis legal in Apotheken und autorisierten Fachgeschäften erwerben statt auf dem Schwarzmarkt.
Warum wird Züri Can bis 2028 verlängert?
Die Verlängerung um zwei Jahre und 800.000 Schweizer Franken wurde von der Stadt Zürich genehmigt, um eine Versorgungslücke zu überbrücken, bis der Schweizer Bundesgesetzgeber 2027 über eine landesweite Cannabisregulierung entscheiden kann. Außerdem sollen mehr Frauen und Gelegenheitskonsumenten in die Studie einbezogen werden.
Wie viele Teilnehmer hat Züri Can?
Derzeit nehmen 2.300 Personen teil, geplant ist eine Ausweitung auf 3.000 Teilnehmende. Im breiteren Schweizer Programm sind insgesamt 4.500 Personen eingeschlossen, davon 1.500 in einer Kontrollgruppe, die weiterhin auf dem Schwarzmarkt kauft.
Was zeigen die bisherigen Ergebnisse?
Über 90 Prozent der Teilnehmer kaufen ihr Cannabis inzwischen ausschließlich legal. Insgesamt wurden 88.000 Transaktionen verzeichnet, was rund 750 Kilogramm Cannabis entspricht. Dem Schwarzmarkt wurden dabei schätzungsweise 7,5 Millionen Schweizer Franken entzogen.
Welche Cannabisprodukte sind bei Züri Can erhältlich?
Das Sortiment umfasst Cannabisblüten, Haschisch und Esswaren wie Süßigkeiten und Schokolade. Der THC-Gehalt reicht von 5 bis 25 Prozent; auch niedrig-THC-Produkte erfreuen sich wachsender Nachfrage.










































