In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit Hanfsamenöl und Bio-Ölen. Im Osten von Deutschland, mitten im Herzen der Lausitz befindet sich die Bio-Ölmühle, die sich seit ihrer Gründung 2010 rundum der Herstellung hochwertiger Bio-Öle widmet. Das Unternehmen versteht sich als leidenschaftlicher Botschafter für den Verzehr und die Verwendung wertvoller Öle. Dank ausgezeichneter Maschinentechnik der Ölwerk GmbH gelingt es hier, kalt gepresste, naturbelassene Öle zu produzieren. Diese werden höchsten Ansprüchen an Qualität und Geschmack gerecht.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Ein kleiner Unterschied zu Beginn
- Legen wir also los: Was ist Hanfsamenöl?
- Hanfsamenöl einfach selbst herstellen
- Gesunde Fette? Das steckt im Hanfsamenöl
- Vitalisierend für Körper und Geist
- Was tun mit dem „Abfall“?
- Kaltgepresst, nativ oder raffiniert: was die Begriffe auf dem Etikett bedeuten
- Die Kennzahlen, an denen ein Labor frisches Hanfsamenöl erkennt
- Hanfsamenöl fehlt in der Referenzliste des Lebensmittelbuchs
- Warum Hanfsamenöl schneller kippt als fast jedes andere Speiseöl
- Was ein Hersteller auf die Flasche schreiben darf
- Der THC-Höchstgehalt für Hanfsamenöl
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
Gemeinsam haben wir uns auf die Suche nach dem Geheimnis des Hanfsamenöls begeben, welches sich immer größerer Beliebtheit erfreut.
Ein kleiner Unterschied zu Beginn
Hanföl und Cannabidiol (CBD) werden beide aus der Hanfpflanze – (Cannabis sativa) hergestellt. Sie sind jedoch zwei verschiedene Paar Schuh.
Das CBD wird in verschiedenen Verfahren aus den getrockneten und gehäckselten Blüten der Hanfpflanze extrahiert und bietet eine Reihe von medizinischen Anwendungsmöglichkeiten. Anders als THC ist CBD nicht psychoaktiv und führt daher nicht zu rauschhaften Zuständen.
Beim Hanföl handelt es sich genau genommen um Hanfsamenöl, da es aus den Samen oder Nüsschen der Hanfpflanze gewonnen wird. Es enthält kein THC und so gut wie kein CBD und ist daher kein medizinisches Produkt. Trotzdem kann es in seiner ganz eigenen Weise auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen wirken. Ferner eignet es sich perfekt als Trägeröl für CBD Extrakte, um diese besser aufnehmen zu können.
Legen wir also los: Was ist Hanfsamenöl?
Man könnte Hanfsamenöl als das perfekte Öl bezeichnen. Allein die satte grün-glänzende Farbe, der intensive heuartige Geruch und der kräftige grasig-nussige Geschmack lassen es herausstechen aus der Vielzahl wertvoller Pflanzenöle. Dass es darüber hinaus das ausgewogenste Verhältnis essenzieller Omega-Fettsäuren und eine überragende Zahl lebenswichtiger Nährstoffe, Vitamine und Antioxidantien enthält, verhilft dem Hanfsamenöl zu einem Platz auf dem Treppchen. Wenn diese Argumente noch nicht ausreichen, kann man zusätzlich noch den ökologischen Fußabdruck anführen. Letzterer fällt dank des häufig regionalen Anbaus beim Hanf deutlich kleiner aus, als bei manch weit gereistem, nicht weniger wertvollen Ölkollegen.

Hanfsamenöl einfach selbst herstellen
Das allerbeste Hanfsamenöl stellt man natürlich aus zertifizierter Bio-Saat her, um Rückstände von Pestiziden zu vermeiden. Für zweieinhalb Liter des Öls werden etwa zehn Kilogramm Hanfsamen benötigt. Die ungeschälte Saat sollte gereinigt, frei von Steinen, Staub und anderen Fremdkörpern und gut getrocknet sein.
Mithilfe einer Spindelpresse werden die Hanfsamen durch Ausübung einer mechanischen Kraft stark verdichtet und ausgepresst. Wichtig bei der Gewinnung von Hanfsamenöl, aber auch vieler anderer Öle, ist die schonende Kaltpressung ohne zusätzliche Wärmezufuhr. So können möglichst viele der meist hitzeempfindlichen Nährstoffe im Öl erhalten werden.
Es ist empfehlenswert, das Öl natürlich zu belassen und auch auf eine Filterung zu verzichten. So bleiben wertvolle Schwebstoffe und wichtige sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die unseren Körper fit und gesund erhalten können. Als Nebenprodukt entsteht ein entölter Hanfpresskuchen. Auch dieses vermeintliche „Abfallprodukt“ hat das Zeug zum Superstar.
Gesunde Fette? Das steckt im Hanfsamenöl
Angesichts von Übergewicht und schweren Erkrankungen, wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden, stellt sich immer wieder die Frage, wie gesund Fette für unseren Körper sind. Fakt ist, dass Fette lebensnotwendige Aufgaben bei einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen übernehmen. So unterstützen sie unter anderem die Funktionen von Hormonen und Enzymen, stabilisieren den Blutzuckerspiegel, steigern die Gehirnleistung und ermöglichen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Daher scheint die Wahl der richtigen Fette der entscheidende Punkt zu sein. Erwiesen ist, dass vor allem gehärtete oder Transfette, hoch verarbeitete Öle und gesättigte Fettsäuren aus tierischen Lebensmitteln unsere Gesundheit gefährden können.
Gesunde Fette zeichnen sich durch eine besonders schonende Herstellung und Naturbelassenheit aus. Dabei wird unterschieden zwischen gesättigten, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Vor allem die mehrfach ungesättigten essenziellen Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6 gelten als besonders förderlich für einen gesunden Körper und einen gesunden Geist. Auch das Verhältnis der beiden Omega-Fettsäuren zueinander spielt eine maßgebliche Rolle.

Für das Hanfsamenöl sind all das gute Nachrichten. Das Öl besteht zu bis zu 80 Prozent aus mehrfach ungesättigten Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren. Beide sind für den Menschen essenziell wichtig, da sie vom Körper nicht selbst gebildet und somit durch die Nahrung aufgenommen werden müssen. Während es schwierig ist, sich ausreichend mit Omega-3-Fettsäuren zu versorgen, herrscht bei der Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren sogar eine Überversorgung. Diese ist insbesondere auf den hohen Konsum fettreicher tierischer Produkte zurückzuführen.
Nun können andere, schonend hergestellte Pflanzenöle, ähnliche hohe Konzentrationen mehrfach ungesättigter Fettsäuren aufweisen. Jedoch bietet nur das Hanfsamenöl das für den Menschen optimale Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren von 3:1. In allen anderen überwiegen stark die Omega-6-Fettsäuren, was angesichts einer ohnehin schon Omega-6-lastigen westlichen Ernährungsweise zu Problemen führen kann. Zum einen kann ein gravierender Überschuss an Linolsäure (Omega-6) im Körper chronische Entzündungsprozesse begünstigen. Zum anderen kann die aufgenommene alpha-Linolensäure (Omega-3) nur dann ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten, wenn beide Fettsäure-Komplexe dem Körper in einem bestimmten Verhältnis zur Verfügung stehen.
Weiterhin ist im Hanfsamenöl die seltene Gamma-Linolensäure (GLA) enthalten, die sich positiv auf entzündliche Prozesse und einen balancierten Hormonhaushalt auswirken kann. Außerdem finden sich eine Reihe lebenswichtiger Nähr- und Vitalstoffe, darunter Phosphor, Kalium und Magnesium sowie die Vitamine A, B1, B2 und E in dem tiefgrünen Pflanzenöl. Ein hoher Chlorophyllgehalt sorgt für die kräftige Färbung.
Vitalisierend für Körper und Geist
Hanfsamenöl lässt sich im Nahrungsmittelbereich, ebenso wie als kosmetisches Produkt einsetzen und stellt als Omega-3 Quelle eine gute Alternative zu Seefisch dar.

Aufgrund seines angenehm würzigen, teils nussigen und kräuterartigen Geschmacks passt es perfekt in die kalte Küche zu Salaten, gegartem Gemüse und Quark. Das wertvolle kalt gepresste Hanfsamenöl sollte stets nach dem Kochvorgang zugegeben werden, um die hochwertigen hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören. Ferner sollte das Öl nicht zum Braten verwendet werden, da sich ab einer Temperatur von 165 °C die gesunden ungesättigten Fettsäuren zersetzen und in möglicherweise schädliche Transfette verwandeln können. Am einfachsten kommt man in den Genuss der vielen wertvollen Inhaltsstoffe, indem man täglich 2–4 TL schonend kalt gepresstes und naturbelassenes BIO Hanföl pur, oder im Frühstücksmüsli verwendet. Das Öl sollte kühl und dunkel – auch in dunklen Flaschen – gelagert werden, da viele der Inhaltsstoffe lichtempfindlich sind.
Im Kosmetikbereich kann das Hanfsamenöl auf die Haut aufgetragen, oder regelmäßig eingenommen, sichtbare Verbesserungen bringen. So ist es aufgrund seiner Zusammensetzung geeignet, die Zellregeneration anzuregen und für schöne und widerstandsfähige Haut, Haare und Nägel zu sorgen. Es zieht rasch ein, spendet Feuchtigkeit und wirkt entzündungshemmend und Haut beruhigend, was bei Hautunreinheiten, Neurodermitis oder Schuppenflechte Erleichterung verschaffen kann.

Weiterhin konnten bereits eine Reihe von Beobachtungen in Bezug auf die gesundheitliche Wirkung des Hanfsamenöls gemacht werden. So kann es sich unter anderem positiv auf den Cholesterinspiegel und den Blutdruck auswirken. Ebenso gibt es Hinweise auf unterstützende Auswirkungen im Hinblick auf die Stärkung des Immunsystems und den Ausgleich hormoneller Störungen.
Eine regelmäßige Verwendung des Öls kann chronische Entzündungen lindern und sich günstig auf Stoffwechselprozesse auswirken. Auch bei Alzheimer und Depressionen konnten bereits positive Effekte beobachtet werden. Die enthaltene Gamma-Linolensäure scheint zudem dafür zu sorgen, dass eingelagertes Fett effektiver für die Energiegewinnung eingesetzt wird. Folglich kann das Fett schneller abgebaut werden.
Was tun mit dem „Abfall“?
Wie bereits erwähnt, hat auch der Hanfpresskuchen, als Nebenprodukt bei der Ölgewinnung ungeahnte Fähigkeiten. Hanfsamen bestehen zu 25 Prozent aus hochwertigen Proteinen in Form aller essenzieller Aminosäuren, die der Mensch benötigt, um daraus körpereigenes Eiweiß herzustellen. Proteine sind die Bausteine jeder Zelle, aus ihnen entstehen rote Blutkörperchen, Hormone, Enzyme und Antikörper. Ohne sie würden weder Haare noch Nägel wachsen. Ein großer Teil des Hanfproteins ähnelt in seiner Struktur dem menschlichen Protein. Es kann daher leicht aufgenommen und für wichtige Körperprozesse umgewandelt werden. Zu Mehl verarbeitet eignet sich die entölte Hanfsaat als idealer Proteinzusatz für Sportler und Vegetarier. Diese können damit ihre Backwaren herstellen, oder ihre Joghurts, Smoothies und Suppen verfeinern.

Kaltgepresst, nativ oder raffiniert: was die Begriffe auf dem Etikett bedeuten
Auf Flaschen mit Hanfsamenöl stehen fast immer zwei Wörter: kaltgepresst und nativ. Viele Käufer halten beide für dasselbe. Die Leitsätze für Speisefette und Speiseöle des Deutschen Lebensmittelbuchs trennen sie jedoch sauber. Sie beschreiben eine weitere und eine strengere Stufe.
Abschnitt 1.2.2 beschreibt die kaltgepresste Ware. Diese Öle werden „ohne Wärmezufuhr ausschließlich durch mechanische Verfahren gewonnen“. Sie werden „nicht raffiniert (weder entschleimt noch entsäuert noch gebleicht noch desodoriert) oder fraktioniert“. Zur Entfernung der Trubstoffe sind das Dekantieren, das Filtrieren, das Entwachsen und das Zentrifugieren üblich.
Bis hierhin klingt kaltgepresst nach der höchsten Stufe. Der nächste Satz desselben Abschnitts relativiert das deutlich. Vor- und Nachbehandlungen wie „Schälen der Saat, Rösten der Rohware, Waschen, schonendes Dämpfen“ bleiben nämlich ausdrücklich möglich. Ein kaltgepresstes Öl darf also aus gerösteter Saat stammen.
Abschnitt 1.2.3 zieht die Grenze enger. Native Speiseöle sind kaltgepresst, und zusätzlich gilt ein zweiter Satz: „Eine Vorbehandlung der Saat erfolgt ausschließlich durch mechanische Verfahren.“ Nachbehandelt wird nur durch Dekantieren, Filtrieren, Entwachsen oder Zentrifugieren. Das Rösten und das Dämpfen fallen damit weg.
| Verarbeitungsschritt | kaltgepresst | nativ |
|---|---|---|
| Pressung ohne Wärmezufuhr | vorgeschrieben | vorgeschrieben |
| Raffination (entschleimen, entsäuern, bleichen, desodorieren) | ausgeschlossen | ausgeschlossen |
| Rösten der Rohware | möglich | ausgeschlossen |
| Schonendes Dämpfen (Wasserdampfwäsche) | möglich | ausgeschlossen |
| Schälen der Saat | möglich | möglich, weil mechanisch |
| Dekantieren, Filtrieren, Entwachsen, Zentrifugieren | üblich | üblich |
Für den Einkauf ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge. „Nativ“ ist die strengere Angabe, „kaltgepresst“ die weitere. Wer das möglichst naturbelassene Öl sucht, achtet deshalb auf das Wort nativ. Das Wort kaltgepresst allein sagt weniger aus, als die meisten Käufer vermuten.
Eine Einschränkung gehört dazu. Der Verzicht auf eine Filterung ist eine Frage des Geschmacks und der Optik, keine rechtliche Stufe. Die Leitsätze erlauben das Filtrieren in beiden Fällen, sofern es „ausschließlich mit inerten Filtermaterialien“ geschieht. Genannt sind Papier- und Textilfilter, Zellulose und Metallgewebe. Ein filtriertes Öl verliert die Bezeichnung nativ also nicht.
Die Kennzahlen, an denen ein Labor frisches Hanfsamenöl erkennt
Ob ein Öl frisch ist, entscheidet nicht der Geschmack allein. Die Leitsätze nennen drei chemische Kennzahlen mit festen Obergrenzen. Sie gelten für alle kaltgepressten Speiseöle und damit auch für das Hanfsamenöl.
Die Säurezahl misst den Gehalt an freien Fettsäuren. Sie darf bei kaltgepressten Ölen bis zu 4,0 Milligramm Kaliumhydroxid je Gramm betragen. Bei raffinierten Ölen liegt die Grenze mit 0,6 deutlich niedriger. Die Peroxidzahl erfasst dagegen die beginnenden oxidativen Veränderungen.
Die dritte Kennzahl ist die Totox-Zahl. Sie addiert die Anisidinzahl und die doppelte Peroxidzahl. Damit erfasst sie beide Stufen der Oxidation. Die primären Hydroperoxide zählt die Peroxidzahl, die sekundären Aldehyde die Anisidinzahl.
| Kennzahl | kaltgepresst (einschließlich nativ) | raffiniert |
|---|---|---|
| Säurezahl | bis zu 4,0 mg KOH/g | bis zu 0,6 mg KOH/g |
| Peroxidzahl | bis zu 10,0 meq O₂/kg | bis zu 5,0 meq O₂/kg |
| Totox-Zahl | bis zu 20 | bis zu 10 |
Diese Werte sind Obergrenzen für die Verkehrsfähigkeit, keine Frischegarantie. Ein Öl mit einer Peroxidzahl knapp unter 10 ist rechtlich einwandfrei. Sensorisch hat es seine beste Zeit trotzdem hinter sich. Sorgfältige Mühlen liegen bei der Abfüllung deutlich darunter.
Zwei weitere Kennzahlen verraten, ob ein als nativ verkauftes Öl doch Hitze gesehen hat. Der Gehalt an polymeren Triglyceriden darf bei nativen Ölen bis zu 0,1 Prozent betragen. Die Summe der Trans-Isomeren von C18:1, C18:2 und C18:3 darf 0,2 Prozent nicht überschreiten. Beide Werte steigen durch eine thermische Behandlung an.
Die Leitsätze warnen allerdings vor einem vorschnellen Schluss. Geringfügige Überschreitungen sind abzuklären, weil auch die Alterung oder die Lichteinwirkung die Ursache sein können. Ein leicht erhöhter Wert beweist für sich genommen also noch keine Erhitzung.
Sensorisch ist die Vorgabe knapp und eindeutig. Native Speiseöle haben „einen deutlichen, artspezifischen Saat- oder Fruchtgeruch und -geschmack“. Fehlerhafte Ausprägungen wie „bitter, verbrannt, tranig, ranzig, metallisch, fischig, modrig, schimmlig“ kommen nicht vor. Ein ranzig schmeckendes Hanfsamenöl ist damit kein Sortenmerkmal, sondern ein Mangel.
Hanfsamenöl fehlt in der Referenzliste des Lebensmittelbuchs
Die Leitsätze führen in ihrer Anlage 3 die Fettsäurezusammensetzung der wichtigen Speiseöle auf. Dort stehen unter anderem das Leinöl, das Rapsöl, das Sonnenblumenöl, das Walnussöl, das Traubenkernöl, das Mohnöl und das Reiskleieöl. Das Hanfsamenöl steht nicht darin. Auch die Anlagen zu den Sterinen und zu den Tocopherolen führen es nicht auf.
Das hat eine praktische Folge. Für Rapsöl kann ein Labor die gemessene Fettsäureverteilung gegen eine amtlich hinterlegte Spanne halten. Für Hanfsamenöl fehlt dieser Bezugsrahmen im Lebensmittelbuch. Die Frage, ob eine Flasche wirklich reines Hanfsamenöl enthält, beantwortet das Regelwerk also nicht.
Die allgemeinen Kennzahlen bleiben davon unberührt. Die Säurezahl, die Peroxidzahl und die Totox-Zahl hängen nicht an einer einzelnen Ölart. Sie sind deshalb auch für das Hanfsamenöl prüfbar und aussagekräftig.
Warum Hanfsamenöl schneller kippt als fast jedes andere Speiseöl
Der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren begründet den ernährungsphysiologischen Wert des Öls. Er begründet zugleich seine kurze Haltbarkeit. Beides hat dieselbe chemische Ursache, nämlich die Doppelbindungen in der Fettsäurekette.
Jede zusätzliche Doppelbindung macht das Molekül angreifbarer für den Luftsauerstoff. Messungen an den Methylestern zeigen die Größenordnung. Für Oleat, Linoleat und Linolenat verhalten sich die Oxidationsgeschwindigkeiten etwa wie 1 zu 10 zu 22. Die Ölsäure trägt eine Doppelbindung, die Linolsäure zwei und die alpha-Linolensäure drei.
Verschiedene Methoden liefern verschiedene Abstände, teils bis hin zu 1 zu 40 zu 100. Die Richtung bleibt in allen Untersuchungen gleich. Als Faustregel gilt, dass jede weitere Doppelbindung die Oxidationsgeschwindigkeit mindestens verdoppelt.
Im Rancimat-Test lässt sich das als Induktionszeit messen. Kaltgepresstes Rapsöl erreicht dort typischerweise vier bis fünf Stunden. Leinöl mit seinem sehr hohen Anteil an alpha-Linolensäure fällt je nach Charge unter zwei Stunden. Für Hanfsamenöl liegt keine vergleichbar breite Datenbasis vor. Sein Fettsäuremuster ordnet es zwischen diese beiden Öle ein.
Aus der Chemie folgt die Lagerpraxis unmittelbar. Der Sauerstoff, das Licht und die Wärme beschleunigen die Reaktion, und alle drei lassen sich begrenzen. Die dunkle Flasche gehört nach dem Öffnen in den Kühlschrank. Eine kleine Gebindegröße ist dabei besser als eine große, denn im halb leeren Gefäß steht mehr Luft über dem Öl.
Was beim Erhitzen tatsächlich passiert, behandelt ein eigener Beitrag. Er nennt die kritischen Temperaturen und die Öle, die sich stattdessen für die Pfanne eignen: Hanföl, eine leckere Alternative. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 und seine Bedeutung für die Ernährung vertieft der Beitrag Hanföl ist gesund durch Omega 3 und 6 Fettsäuren.
Für die äußerliche Anwendung gelten andere Maßstäbe als für das Speiseöl. Was das Öl auf der Haut leistet, lesen Sie in unserem Beitrag dazu, wie Hanfsamenöl der Haut helfen kann.
Was ein Hersteller auf die Flasche schreiben darf
Zwischen dem, was über ein Lebensmittel diskutiert wird, und dem, was auf seiner Verpackung stehen darf, liegt ein deutlicher Abstand. Für gesundheitsbezogene Angaben gilt die Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Sie führt abschließend auf, welche Aussagen zulässig sind. Alles, was dort nicht steht, darf nicht beworben werden.
Für die alpha-Linolensäure ist genau eine Angabe zugelassen. Sie lautet: „ALA trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei.“ Daran hängen zwei Bedingungen. Das Lebensmittel muss zuerst die Mindestanforderungen an eine ALA-Quelle erfüllen. Außerdem sind die Verbraucher zu unterrichten, „dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 2 g ALA einstellt“.
Was eine Quelle ist, definiert der Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Die Angabe ist nur zulässig, wenn das Produkt „mindestens 0,3 g Alpha-Linolensäure pro 100 g und pro 100 kcal“ enthält. Hanfsamenöl liegt um ein Vielfaches darüber. Die Schwelle ist für dieses Öl also keine Hürde.
Für Vitamin E lautet die zugelassene Angabe, dass es dazu beiträgt, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Auch hier muss das Erzeugnis zuerst die Schwelle für eine Quelle erreichen. Erst dann darf der Satz auf das Etikett.
Diese Trennung betrifft die Werbung eines Herstellers, nicht die fachliche Diskussion. Beobachtungen aus der Forschung dürfen weiterhin beschrieben und eingeordnet werden. Sie dürfen nur nicht als gesundheitsbezogene Angabe auf die Verpackung. Wer ein Etikett liest, sieht deshalb regelmäßig weniger, als über das Öl bekannt ist.
Der THC-Höchstgehalt für Hanfsamenöl
Seit dem 1. Januar 2023 gilt in der gesamten EU ein verbindlicher Höchstgehalt. Die Verordnung (EU) 2022/1393 hat ihn in das europäische Kontaminantenrecht eingefügt. Für Hanfsamenöl liegt er bei 7,5 Milligramm je Kilogramm. Davor regelten die Mitgliedstaaten die Frage uneinheitlich.
| Erzeugnis | Höchstgehalt |
|---|---|
| Hanfsamenöl | 7,5 mg/kg |
| Hanfsamen, Hanfmehl, entölte Hanfsaat, Hanfprotein | 3,0 mg/kg |
Dass ausgerechnet das Öl den höheren Wert trägt, hat einen einfachen Grund. Das THC ist fettlöslich und reichert sich beim Pressen in der Ölphase an. Die trockenen Erzeugnisse liegen deshalb niedriger. Eine Übersicht über die gesamte Produktfamilie bietet unser Guide zu Hanf-Lebensmitteln.
Gemessen wird nicht allein das Delta-9-THC. Der Höchstgehalt bezieht sich auf die Summe aus Delta-9-THC und Delta-9-Tetrahydrocannabinolsäure. Auf den Gehalt an der Säure wird dabei ein Faktor von 0,877 angewendet. Erst diese Summe wird gegen den Grenzwert gehalten.
Der Gehalt stammt nicht aus dem Samen selbst. Der Hanfsamen enthält praktisch kein THC. Die Spuren gelangen beim Ernten und beim Dreschen von außen an die Schale, wenn Blattmaterial und Blütenreste die Samen berühren. Eine sorgfältige Reinigung der Saat senkt den Wert deshalb deutlich.
Häufige Fragen zu Hanfsamenöl
Ist Hanfsamenöl dasselbe wie Hanföl?
Im allgemeinen Sprachgebrauch ja. Der Handel verwendet das Wort Hanföl allerdings auch für CBD-Öle, bei denen ein Extrakt in einem Trägeröl gelöst ist. Ein Blick auf die Zutatenliste klärt den Fall. Steht dort ausschließlich Hanfsamenöl, handelt es sich um das reine Speiseöl.
Was bedeutet nativ gegenüber kaltgepresst?
Nativ ist die strengere der beiden Angaben. Kaltgepresste Öle dürfen aus gerösteter oder gedämpfter Saat stammen. Bei nativen Ölen ist die Vorbehandlung der Saat ausschließlich mechanisch zulässig. Jedes native Öl ist deshalb kaltgepresst, aber nicht jedes kaltgepresste Öl ist nativ.
Woran erkenne ich, dass mein Hanfsamenöl ranzig ist?
Der Geruch verändert sich zuerst. Aus dem grasig-nussigen Ton wird ein stechender Geruch, der an alte Nüsse erinnert. Der Geschmack wird kratzig und bitter. Nach den Leitsätzen ist ranzig ausdrücklich eine fehlerhafte Ausprägung. Ein solches Öl gehört nicht mehr auf den Teller.
Wie lange hält sich eine geöffnete Flasche?
Maßgeblich ist die Angabe des Herstellers auf der Flasche. Als Orientierung gilt ein Zeitraum von wenigen Wochen im Kühlschrank. Entscheidend sind die drei Faktoren Licht, Wärme und Sauerstoff. Eine kleine, gut verschlossene und dunkle Flasche verlängert die Zeit spürbar.
Enthält Hanfsamenöl THC?
In Spuren ja, doch der Gehalt ist gedeckelt. Seit 2023 gilt ein Höchstgehalt von 7,5 Milligramm je Kilogramm. Der Samen selbst enthält praktisch kein THC. Die Spuren stammen von Blattmaterial, das bei der Ernte an die Schale gelangt.
Darf ein Hersteller schreiben, dass Hanfsamenöl entzündungshemmend wirkt?
Nein. Zulässig ist nur, was die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 auflistet. Für die alpha-Linolensäure ist das ausschließlich die Aussage zum normalen Cholesterinspiegel im Blut. Weitere Wirkungen dürfen nicht als gesundheitsbezogene Angabe auf die Verpackung.
Warum steht Hanfsamenöl nicht in den Leitsätzen für Speiseöle?
Die Anlage 3 der Leitsätze führt die Fettsäurezusammensetzung der wichtigsten Speiseöle auf, vom Leinöl bis zum Reiskleieöl. Das Hanfsamenöl ist dort nicht aufgeführt. Die allgemeinen Kennzahlen für kaltgepresste Öle gelten trotzdem, denn sie sind nicht an eine einzelne Ölart gebunden.







































