Ein Filter aus Hanffasern, der mehr als 90 Prozent der Mikroplastikfasern aus Waschwasser zurückhält: So lässt sich eine neue Studie der Deakin University zusammenfassen. Wer sie im Original liest, findet einen sauberen Laborversuch und eine ehrliche Liste dessen, was für die Praxis noch fehlt.
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Beim Waschen synthetischer Kleidung lösen sich feine Fasern, die mit dem Abwasser abfließen. Weil sie klein und biegsam sind, werden sie in herkömmlichen Aufbereitungsprozessen schlecht erfasst. Ein Forschungsteam vom Institute for Frontier Materials der Deakin University im australischen Geelong hat deshalb untersucht, ob sich aus Pflanzenfasern ein Filtermaterial herstellen lässt, das solche Fasern zurückhält. Die Arbeit ist im September 2026 in der Fachzeitschrift Cellulose erschienen und frei zugänglich.
Wie aus Hanf ein Filterpapier wird
Ausgangsmaterial waren australischer Hanf und Jute aus Bangladesch. Die Fasern wurden zunächst gebleicht und dann gut drei Stunden bei 105 Grad mit einem sogenannten tief eutektischen Lösungsmittel aus Cholinchlorid und Milchsäure behandelt. Anschließend zerlegte ein Hochleistungsmischer sie in Nanofibrillen, also Cellulosefasern im Nanometerbereich. Aus dieser Suspension entstanden per Vakuumfiltration dünne, runde Blätter: das Nanopapier.
Obwohl beide Pflanzen exakt gleich verarbeitet wurden, fiel das Ergebnis unterschiedlich aus. Hanf lieferte deutlich feinere Fibrillen von im Mittel etwa 12 Nanometern, bei Jute waren es rund 29 Nanometer. Das Hanfpapier war dichter und hatte eine rund siebenmal größere spezifische Oberfläche, 31,9 gegenüber 4,5 Quadratmetern pro Gramm. Die Forschenden erklären das mit der Zusammensetzung der Fasern: Beim Bleichen ließen sich die Begleitstoffe aus Hanf gründlicher entfernen. Ihr Restanteil lag bei Hanf unter vier Prozent, bei Jute um zehn Prozent.

Die Zahlen: Mehr Lagen, mehr Wirkung
Für den Filtertest nutzte das Team Polyesterfasern, die aus dem Abwasser einer gewerblichen Wäscherei abgetrennt worden waren. Entscheidend für das Ergebnis war vor allem, wie viele Lagen Nanopapier übereinanderlagen:
- Hanf: rund 75 Prozent Rückhalt bei einer Lage, 82 Prozent bei zwei und 93 Prozent bei drei Lagen
- Jute: rund 56 Prozent bei einer Lage, 78 Prozent bei zwei und 89 Prozent bei drei Lagen
Hanf hält also pro Lage mehr zurück, Jute holt über zusätzliche Lagen auf. Die Forschenden beschreiben das als Übergang von der reinen Oberflächenfiltration zur Tiefenfiltration, bei der Fasern auf dem längeren Weg durch mehrere Schichten eher hängen bleiben. Weder die Durchflussgeschwindigkeit noch eine Verdreifachung der Mikroplastikmenge von 10 auf 30 Milligramm pro Liter änderte das Ergebnis statistisch messbar. Eine Sättigung des Filters trat in diesem Bereich also nicht auf. In ersten Berichten über die Studie kursieren teils abweichende Werte; die Zahlen hier stammen aus der Veröffentlichung selbst.
Einordnen lassen sich die Werte über die Vergleiche, die das Paper selbst zieht. Drei Lagen Nanopapier liegen danach in einer vergleichbaren Größenordnung wie Filter aus Cellulose-Nanofibrillen in Kombination mit einer handelsüblichen Membran, für die mehr als 96 Prozent berichtet wurden. Mit 93 Prozent liegt das Hanfpapier damit etwas unter diesem Vergleichswert, nicht darüber.
Was der Versuch nicht zeigt
Die Autorinnen und Autoren benennen die Grenzen selbst, und sie sind für die Frage nach der Praxis zentral. Gefiltert wurde mit einer Spritzenpumpe bei festem Durchfluss. Welcher Druck dafür nötig war, wurde nicht gemessen. Damit bleiben die Durchlässigkeit des Materials, sein Widerstand und das allmähliche Zusetzen, in der Fachsprache Fouling, unbekannt. Auch die tatsächlich wirksame Porengröße im Wasser wurde nicht bestimmt. Das Team empfiehlt ausdrücklich Folgeversuche unter Druckmessung.
Wie groß der Schritt vom Labor zur Anwendung ist, zeigt eine einfache Überschlagsrechnung auf Basis der Studiendaten. Die Filterfläche im Versuch betrug knapp fünf Quadratzentimeter, pro Durchgang flossen 40 Milliliter durch. Die höchste getestete Belastung entsprach rund 367 Litern pro Quadratmeter und Stunde. Um bei diesem Wert auch nur einen Liter Wasser pro Minute zu filtern, wären etwa 0,16 Quadratmeter Nanopapier nötig, gut das 330-Fache der Versuchsfläche. Ob das Material einen solchen Durchsatz dauerhaft verkraftet, lässt sich aus der Studie nicht ablesen, eben weil der Druck fehlt.
Offen bleiben außerdem Fragen, die über einen Einsatz im Haushalt oder in der Wäscherei entscheiden: wie oft sich ein Nanopapier reinigen oder wiederverwenden lässt, wie es sich über viele Waschgänge verhält und was die Herstellung kostet. Zahlen zu Energiebedarf, Kosten oder eine Ökobilanz des Verfahrens enthält die Arbeit nicht. Die Nachhaltigkeit des Materials leitet sie aus der nachwachsenden und biologisch abbaubaren Cellulose ab, nicht aus einer Bilanz der Aufbereitung mit Bleiche, Lösungsmittel und Hochleistungsmischer.
Was die Studie für Hanf bedeutet
Für die Hanfbranche ist die Arbeit trotzdem interessant, und zwar weniger wegen der 93 Prozent als wegen des direkten Vergleichs mit Jute. Sie zeigt, dass sich Hanffasern unter identischen Bedingungen feiner aufschließen lassen und dichtere Strukturen ergeben. Das ist ein Materialargument für Hanf als Rohstoff für technische Cellulose, jenseits der klassischen Anwendungen. Wofür Hanffasern heute schon genutzt werden, zeigt unser Überblick zu Hanftextilien. Und wer Kleidung aus Hanf trägt, findet Hinweise zum schonenden Waschen im Beitrag Hanf-Stoffe pflegen.
Offengelegt ist auch die Finanzierung: Neben dem Australian Research Council hat das Warner Research Institute die Studie mitfinanziert, das laut Danksagung auch Hanffasern für den Versuch bereitgestellt hat.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 15. September 2026 wieder. Die Überschlagsrechnung zur Filterfläche ist eine eigene, vereinfachte Abschätzung auf Grundlage der in der Studie genannten Versuchsparameter.
Quellen: Haque, A. N. M. A., Hossain, M. I., Lama, S., Zhang, Y., Bayattork, M., Naebe, M.: Deep eutectic solvent-derived hemp and jute cellulose nanopapers: from nanofibril morphology to nanopaper architecture and polyester microplastic filtration. Cellulose, 2026, DOI 10.1007/s10570-026-07205-x, Open Access unter CC BY 4.0; eigene Berechnung.






































