Schmerzen können sehr ekelhaft sein. Wer Schmerz empfindet, büßt damit immer ein Stück Lebensfreude ein. Manche Menschen werden launisch und unleidlich, andere wiederum ziehen sich zurück und meiden Gesellschaft. Von einer langfristigen Therapie mit chemischen Schmerzmitteln wie Opiaten und Opioiden ist wegen der großen Gefahr einer Abhängigkeit sowie der negativen Auswirkungen auf Leber und Nieren abzuraten. Eine natürliche und fast nebenwirkungsfreie Alternative stellt Cannabidiol (CBD), ein Wirkstoff aus der Cannabispflanze, dar. Nicht rezeptpflichtig, dafür aber legal erhältlich, kann es sowohl chronische als auch akute Schmerzen wirkungsvoll lindern.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Schmerz hat viele Gesichter
- CBD bekämpft Schmerzen
- CBD hilft gegen Entzündungen
- CBD schützt die Nerven
- CBD entspannt den Körper und wirkt gegen Stress
- CBD bekämpft die Ursachen
- Was die Studienlage zu CBD gegen Schmerzen wirklich zeigt
- Warum Studiendosis und Ladenregal weit auseinanderliegen
- CBD-Produkt oder Cannabis-Arzneimittel: der Unterschied bei Schmerzen
- Rechtsrahmen: warum CBD nicht einfach ein Lebensmittel ist
- Wechselwirkungen: der Punkt, der bei Schmerzpatienten besonders zählt
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
Schmerz hat viele Gesichter
In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Die dazu veröffentlichten Zahlen schwanken. Zehn bis 25 Prozent aller Deutschen sind regelmäßigen Schmerzen ausgesetzt – das entspricht etwa einer Anzahl von acht bis 20 Millionen Menschen. Die Statistik ist deshalb relativ ungenau, weil viele Schmerzpatienten mit ihrem Leiden nicht zum Arzt gehen. Einige haben Angst davor, belächelt zu werden, andere haben ihren Kampf aufgegeben, weil sie nach einer langen Odyssee keine Besserung erfahren haben, wieder andere möchten nicht dauerhaft auf gesundheitsschädigende Medikamente angewiesen sein.
Die Gründe für Schmerzen sind so vielschichtig, dass sie hier nicht einmal ansatzweise alle aufgezählt werden können. Die Medizin unterscheidet zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Akute Schmerzen treten plötzlich auf und halten nicht besonders lange an. Sie sind sogar nützlich, weil sie dem Körper signalisieren, dass etwas nicht stimmt. Nur so kann die Ursache ausfindig gemacht und behoben werden. Chronische Schmerzen fangen ab einer Dauer von mindestens drei bis sechs Monaten an. Sie sind nicht mehr nützlich, sondern mindern die Lebensqualität des Betroffenen. Häufig liegt einem chronischen Schmerz eine Entzündung, eine Verspannung, eine chronische Erkrankung oder eine Nervenschädigung zugrunde.
Auch akute Schmerzen lassen sich auf derartige Ursachen zurückführen. Sie werden allerdings auch häufig durch Verletzungen – sowohl innere als auch äußere – oder Erkrankungen hervorgerufen. Wird die Ursache für akute Schmerzen nicht schnell beseitigt, besteht die Gefahr, dass akute Schmerzen sich in chronischen Schmerzen verwandeln. Außerdem sensibilisieren starke, andauernde Schmerzen den Körper für weitere Schmerzen. Die Nerven reagieren in der Folge also „übertrieben“, selbst wenn die Ursache für die anfänglichen Schmerzen schon beseitigt ist. Ob ein Schmerz chronisch wird oder nicht, hängt unter anderem von der Veranlagung des Patienten, dessen familiären Umfeld und psychischer Verfassung ab.
CBD hat sich bereits in mehreren Studien als wirksam gegen Schmerzen erwiesen. Das Cannabinoid bekämpft mehrere Schmerzursachen, anstatt einfach nur das Gefühl des Schmerzes zu unterdrücken, wobei auch Letzteres zum Repertoire von Cannabidiol zählt.
CBD bekämpft Schmerzen
Bei Verletzungen des Gewebes erhöht CBD die Anandamidkonzentration im Körper. Dies geschieht durch die Interaktion des Cannabinoids mit den Rezeptoren des menschlichen Endocannabinoidsystems. Anandamid ist ein endogenes, also vom Körper selbst hergestelltes Endocannabinoid, welches direkten Einfluss auf den Schmerz nimmt. Je mehr Anandamid im Organismus und um die verletzte Stelle herum ist, desto besser erfolgt die Schmerzlinderung. Anandamid dockt an den CB1-Rezeptor (Cannabinoid-bindenden Rezeptor) sowie an den TRPV1- (ein Vanilloid-)Rezeptor an, dort bekämpft es sofort die Schmerzen. Zu dieser Erkenntnis gelangten Wissenschaftler in China im Jahr 2010, als sie entsprechende Experimente an Mäusen durchgeführt hatten.
CBD hilft gegen Entzündungen
Entzündungen sind häufig die Ursache für Schmerzen. Entzündetes Gewebe erhöht die Anzahl der freien Radikale. Diese sind gefährlich für den Körper, da sie unter anderem die Eigenschaft besitzen, Zellen zu schädigen. CBD ist ein Antioxidans. In dieser Funktion wirkt es ähnlich wie die Vitamine A, C und E: Sie fangen freie Radikale ein und machen sie damit unschädlich.
Darüber hinaus weist CBD auch eine entzündungshemmende Wirkung an sich auf. Eine Studie von GWPharmaceuticals zeigte, dass CBD aufgrund seiner Eigenschaften gegen Entzündungen im Darmtrakt, gegen rheumatoide Arthritis, Diabetes und Übelkeit helfen kann.
Forscher der University of Mississippi fanden heraus, dass CBD oxidativen Stress mindert und gegen Entzündungen hilft. Viele weitere Untersuchungen – wie etwa die der Wissenschaftler des National Institutes of Health in Bethesda (USA) – führten alle zum selben Ergebnis: Cannabidiol hemmt Entzündungen. In Bethesda bestätigten die Forscher zudem, dass CBD effektiv gegen neuropathischen Schmerz wirkt. Neuropathische Schmerzen entstehen durch die Dysfunktion oder Verletzung von Nerven und können zum Teil sehr stark sein.
CBD schützt die Nerven
Cannabidiol wirkt nicht nur gegen neuropathischen Schmerz, sondern schützt nachweislich vor dem Tod von Nervenzellen – beispielsweise bei ischämischen Schlaganfällen, traumatischen Hirnverletzungen, Multipler Sklerose, der Huntington-Krankheit und anderen chronischen Nervenkrankheiten.
Die neuroprotektive (nervenschützende) Wirkung von CBD konnte sowohl in lebenden Organismen als auch im Reagenzglas nachgewiesen werden. Offenbar spielen Anandamid sowie 2-AG (2-Arachidonylglycerol, ein weiteres Endocannabinoid) dabei eine wichtige Rolle.
Bei einer traumatischen Hirnverletzung werden Stoffe freigesetzt, die zu sekundären Hirnschäden führen können. 2002 fanden Mechoulam et al. heraus, dass Anandamid und 2-AG die Wirkung der schädlichen Substanzen hemmen können. Das Endocannabinoidsystem zusammen mit den Cannabinoiden übernimmt hier also eine Schutzfunktion. Wie oben bereits beschrieben trägt CBD zur Vermehrung von Anandamid im Körper bei und schützt somit die Nerven.
CBD entspannt den Körper und wirkt gegen Stress
Während das Cannabinoid THC vor allem auf die Psyche wirkt, hat CBD auf den Körper einen entspannenden und regulierenden Effekt. Cannabidiol wirkt entkrampfend, weshalb es mitunter auch zur Bekämpfung von Epilepsie eingesetzt wird. Verspannte Muskeln verursachen oft Schmerzen wie etwa Rücken-, Kopf-, Menstruations- und andere Schmerzen. Aber auch CBD hat positive Einflüsse auf die Psyche: Es lässt sich gut zur Behandlung von Depressionen und Schizophrenie einsetzen. Es hilft aber auch gegen Schlaflosigkeit und Stress. Gerade Stress liegt vielen Schmerzerkrankungen zugrunde. Wer es schafft, seinen Stress zu verringern, bemerkt nicht selten eine damit einhergehende Schmerzlinderung.
CBD bekämpft die Ursachen
Neben Entzündungen, Stress, Verspannungen und Nervenleiden ist CBD gegen viele andere Erkrankungen einsetzbar. Um nur einige zu nennen:
- Schlafstörungen
- Burn-out
- Angststörungen
- Epilepsie
- Schizophrenie
- Übelkeit und Erbrechen
- Abhängigkeit von Suchtmitteln
- Parkinson
- Morbus Crohn
- Arthritis
- verschiedene Krebsarten
- Spastiken
- Asthma
- und so weiter
CBD bekämpft also nicht nur die Schmerzen als Symptome von Krankheiten, sondern wirkt – wie eine Vielzahl verschiedener Studien ergeben haben – gegen die Ursachen an sich.
Allein schon aus diesem Grund dürfte Cannabidiol auf lange Sicht gesehen, eine gesunde Alternative zu den synthetischen Medikamenten der Pharmariesen sein. Diese unterdrücken meistens nur den Schmerz. Zur Ursachenbekämpfung müssen zusätzliche Medikamente eingenommen werden. Die meisten Schmerzmittel und ein Großteil der rezeptpflichtigen Medikamente, die nicht natürlich, sondern menschengemacht sind, schaden der Leber sowie den Nieren – besonders dann, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. CBD hat hingegen keine großartig die Gesundheit gefährdenden Nebenwirkungen, da es aus der Natur kommt und den menschlichen Cannabinoiden sehr ähnlich ist.
Leider steckt die Forschung in Sachen CBD noch in den Kinderschuhen. Es gibt erste Medikamente auf CBD-Basis. Insgesamt weiß die Wissenschaft aber noch viel zu wenig über die genauen Wirkungsweisen des Cannabidiols. Fragen wie „Wogegen hilft CBD?“ konnten zum Teil schon gut geklärt werden. Aber auf das „Wie genau wirkt CBD?“ gibt es nur unzureichende Ergebnisse. In der Zukunft dürfte CBD wahrscheinlich eine größere Rolle in der Medizin einnehmen – der bisherige Erkenntnisstand lässt das stark vermuten.
Auch wenn es bislang nur ganz wenige CBD-Medikamente weltweit gibt, so hat doch jeder Mensch hierzulande die Möglichkeit, sich mit CBD-Öl und anderen CBD-Produkten selbst zu behandeln. CBD ist nicht rezeptpflichtig, daher legal erhältlich. Zur Sicherheit sollte immer ein Arzt befragt werden, der sich mit CBD auskennt. Anwendung und Dosierung sind von Mensch zu Mensch verschieden.
Prinzipiell gilt: Mit etwas Geduld findet jeder die passende Dosis für sich, sofern er klein anfängt und sie langsam steigert, bis die gewünschte Wirkung einsetzt. Damit eignet sich CBD als gute Ergänzung zur herkömmlichen Schmerztherapie. Mit ein bisschen Glück können einige Schmerzpatienten ihre bisherigen Mittel sogar ganz durch CBD ersetzen. Einen Versuch (unter ärztlicher Aufsicht) wäre es wert.
Was die Studienlage zu CBD gegen Schmerzen wirklich zeigt
Die oben genannten Untersuchungen beschreiben Wirkmechanismen. Sie stammen überwiegend aus Zellkulturen und Tiermodellen und erklären, warum Cannabidiol überhaupt in die Schmerzverarbeitung eingreifen kann. Davon zu trennen ist eine zweite Frage: Senkt reines CBD bei Patientinnen und Patienten auch messbar den Schmerz? Diese Frage beantworten kontrollierte Humanstudien, und deren Ergebnisse fallen zurückhaltender aus als die Mechanismus-Forschung vermuten lässt.
Die bekannteste dieser Studien stammt von einer dänischen Arbeitsgruppe um Vela und erschien 2022 in der Fachzeitschrift Pain. 136 Patienten mit Handarthrose oder Psoriasis-Arthritis erhielten über zwölf Wochen zusätzlich zu ihrer bisherigen Schmerztherapie entweder 20 bis 30 Milligramm synthetisches CBD täglich oder ein Placebo. Ein signifikanter Unterschied zeigte sich nicht, weder bei der Schmerzstärke noch bei Schlafqualität, Angst oder depressiver Verstimmung.
Der naheliegende Einwand lautet, die Dosis sei schlicht zu niedrig gewesen. Genau diesen Einwand hat eine zweite Untersuchung geprüft. Eine Wiener Arbeitsgruppe um Pramhas verabreichte 2023 bei schmerzhafter Kniearthrose acht Wochen lang 600 Milligramm CBD täglich, zusätzlich zu Paracetamol. Auch diese sehr hohe Dosis brachte gegenüber Placebo keinen schmerzlindernden Vorteil. Die Ergebnisse erschienen in The Lancet Regional Health Europe.
Ein anderes Bild zeichnet die äußerliche Anwendung. In einer vierwöchigen randomisierten Studie mit 29 Erwachsenen, die an einer symptomatischen Polyneuropathie der Beine litten, trugen die Teilnehmenden ein Trägeröl mit 250 Milligramm CBD auf die Haut auf. Gegenüber der Placebogruppe gingen stechender und scharfer Schmerz signifikant zurück, ebenso Kälte- und Juckreizempfindungen. Nebenwirkungen wurden keine berichtet. Die Studie ist klein, aber sie stützt einen wichtigen Punkt: Die Darreichungsform entscheidet mit über die Wirkung.
Der Blick auf das gesamte Forschungsfeld fällt entsprechend nüchtern aus. Eine 2025 aktualisierte systematische Übersichtsarbeit in den Annals of Internal Medicine wertete 25 kurzfristige randomisierte Studien mit zusammen 2.303 Teilnehmenden aus. Knapp zwei Drittel der Untersuchungen betrafen neuropathische Schmerzen. Eine Linderung zeigte sich vor allem bei Präparaten mit hohem THC-Anteil im Verhältnis zum CBD-Gehalt, und selbst dieser Effekt fiel gering aus.
Evidenz nach Schmerzbild im Überblick
| Schmerzbild | Untersuchte Anwendung und Dosis | Ergebnis der Humanstudie |
|---|---|---|
| Handarthrose und Psoriasis-Arthritis | 20 bis 30 mg synthetisches CBD täglich, oral, zwölf Wochen, 136 Teilnehmende | kein signifikanter Unterschied zu Placebo |
| Kniearthrose | 600 mg CBD täglich, oral, acht Wochen, zusätzlich zu Paracetamol | kein schmerzlindernder Vorteil gegenüber Placebo |
| Polyneuropathie der Beine | 250 mg CBD im Trägeröl, äußerlich, vier Wochen, 29 Teilnehmende | signifikanter Rückgang von stechendem und scharfem Schmerz |
| neuropathische Schmerzen allgemein | 25 randomisierte Studien, überwiegend Präparate mit THC-Anteil | geringe Linderung, vor allem bei hohem THC-zu-CBD-Verhältnis |
| chronischer Kreuzschmerz mit neuropathischer Komponente | standardisierter Vollspektrumextrakt mit THC als Hauptwirkstoff | Zulassung als Fertigarzneimittel erteilt |
Warum Studiendosis und Ladenregal weit auseinanderliegen
Die Dosis ist der Punkt, der beim Vergleich von Studien und Alltagsanwendung am häufigsten übersehen wird. Ein handelsübliches Fläschchen mit zehn Millilitern und fünf Prozent Cannabidiol enthält insgesamt rund 500 Milligramm CBD. In der Wiener Kniearthrose-Studie war diese Menge in weniger als einem Tag verbraucht. Wer dagegen zehn bis 30 Milligramm täglich einnimmt, bewegt sich in genau dem Bereich, der in der dänischen Untersuchung keinen Effekt zeigte.
Dazu kommt die schlechte Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt. Ein erheblicher Teil des geschluckten Cannabidiols wird in der Leber abgebaut, bevor es überhaupt im Blut ankommt. Wie stark die Mahlzeit dabei mitspielt, zeigen die Zulassungsdaten des CBD-Arzneimittels Epidyolex: Eine fettreiche, kalorienreiche Mahlzeit erhöhte die Spitzenkonzentration im Blut um das Fünffache und die Gesamtaufnahme um das Vierfache. Eine fettarme Mahlzeit steigerte beide Werte immerhin noch um das Drei- bis Vierfache, Kuhmilch um das Zweieinhalb- bis Dreifache.
Für die Praxis folgt daraus eine unspektakuläre, aber wirksame Regel. Dieselbe Tropfenzahl kann je nach Mahlzeit sehr unterschiedliche Blutspiegel erzeugen. Wer sich langsam an seine Dosis herantastet, sollte die Einnahme deshalb immer an dieselbe Mahlzeitensituation koppeln und jede Steigerung mehrere Tage beibehalten. Sonst misst man nicht die Wirkung der höheren Dosis, sondern den Zufall des jeweiligen Frühstücks. Wie stark sich die Zusammensetzung eines Produkts auswirkt, behandeln wir ausführlich im Beitrag zu den CBD-Arten Vollspektrum, Breitspektrum und Isolat.
CBD-Produkt oder Cannabis-Arzneimittel: der Unterschied bei Schmerzen
Seit dem Erscheinen dieses Beitrags hat sich bei den Fertigarzneimitteln einiges bewegt. Zugelassen ist in der Europäischen Union bis heute genau ein Medikament, dessen einziger Wirkstoff Cannabidiol ist: Epidyolex, seit September 2019 auf dem Markt. Es dient als Zusatztherapie gegen Krampfanfälle beim Dravet-Syndrom und beim Lennox-Gastaut-Syndrom, dort in Verbindung mit Clobazam, sowie bei tuberöser Sklerose. Eine Zulassung für Schmerzen besitzt es nicht.
Das zweite bekannte Präparat ist das Mundspray Nabiximols, in Deutschland seit Juli 2011 unter dem Namen Sativex erhältlich. Es enthält THC und CBD im Verhältnis von etwa eins zu eins und ist für die mittelschwere bis schwere Spastik bei multipler Sklerose zugelassen, wiederum nicht für Schmerzen im Allgemeinen.
Die eigentliche Neuerung betrifft genau das Thema dieses Beitrags. Mit Exilby des Münchner Unternehmens Vertanical hat 2026 erstmals ein cannabisbasiertes Fertigarzneimittel in Europa eine Zulassung gegen chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente erhalten. Der Marktstart in Deutschland und Österreich ist für September vorgesehen. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung: Es handelt sich um einen standardisierten Vollspektrumextrakt mit THC als Hauptwirkstoff, nicht um reines Cannabidiol. Die Einzelheiten haben wir in unserem Beitrag zur Zulassung von Exilby gegen chronische Rückenschmerzen aufgeschrieben.
Unabhängig von Fertigarzneimitteln können Ärztinnen und Ärzte seit 2017 auch Cannabisblüten und Cannabisextrakte verordnen. Seit dem Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes im April 2024 fällt medizinisches Cannabis nicht mehr unter das Betäubungsmittelrecht, was den Verordnungsweg spürbar vereinfacht hat. Wie dieser Weg in der Praxis abläuft, beschreibt unser Ratgeber Cannabis auf Rezept. Für Betroffene mit rheumatischen Beschwerden lohnt zusätzlich der Blick in unsere Auswertung des RCT zu Cannabis bei Fibromyalgie, Rheuma und Arthrose sowie der Beitrag zu CBD und Rheuma.
Rechtsrahmen: warum CBD nicht einfach ein Lebensmittel ist
Cannabidiol selbst ist kein Betäubungsmittel und steht in Deutschland auf keiner entsprechenden Anlage. Das erklärt, warum CBD-Produkte frei erhältlich sind. Das Lebensmittelrecht sieht die Sache allerdings anders. Die Europäische Kommission führt CBD-Extrakte seit 2019 als neuartiges Lebensmittel im Sinne der Novel-Food-Verordnung. Eine Zulassung als solches ist bis heute nicht erteilt, und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hält CBD-Extrakte ohne diese Zulassung nicht für verkehrsfähige Lebensmittel.
In der Praxis laufen die Produkte deshalb als Aromaöl, als Kosmetikum oder als Nahrungsergänzungsmittel über den Ladentisch, nicht ausdrücklich als Lebensmittel. Für Schmerzpatienten hat das eine handfeste Konsequenz. Kein Anbieter eines solchen Produkts darf es mit einer gesundheitsbezogenen Aussage bewerben, und keines trägt eine behördlich geprüfte Dosierungsempfehlung. Der zur Herstellung verwendete Hanf muss seit dem Konsumcannabisgesetz unter 0,3 Prozent THC in der Trockenmasse bleiben. Wer ein Präparat mit dokumentierter Indikation und geprüfter Dosierung sucht, kommt an der ärztlichen Verordnung nicht vorbei.
Wechselwirkungen: der Punkt, der bei Schmerzpatienten besonders zählt
Cannabidiol hemmt die Leberenzyme CYP3A4 und CYP2C19. Andere Wirkstoffe, die über dieselben Enzyme abgebaut werden, verbleiben dadurch länger im Körper, und ihr Blutspiegel steigt. Für Menschen mit chronischen Schmerzen ist das besonders relevant, denn sie nehmen selten nur ein einziges Medikament ein. Gut dokumentiert ist die Wechselwirkung mit dem Antiepileptikum Clobazam und mit dem Gerinnungshemmer Warfarin.
Bei den hohen Dosierungen der Zulassungsstudien traten außerdem Anstiege der Leberwerte auf. Häufige unerwünschte Wirkungen sind Müdigkeit, Durchfall und ein verändertes Appetitverhalten. Welche Datenlage dahintersteht und ab welcher Menge sie überhaupt greift, haben wir im Beitrag Hat Cannabidiol Nebenwirkungen? aufgeschlüsselt. Eine Einordnung der Substanz selbst liefert der Grundlagenbeitrag Was ist Cannabidiol?
Dieser Beitrag gibt den Stand der Forschung wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, eine Lebererkrankung hat, schwanger ist oder stillt, sollte die Anwendung von CBD vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Häufige Fragen
Hilft CBD gegen Schmerzen?
Die Mechanismus-Forschung zeigt mehrere plausible Ansatzpunkte, von der Anandamid-Erhöhung bis zur Entzündungshemmung. In kontrollierten Humanstudien zu Arthrose und Psoriasis-Arthritis konnte reines CBD den Schmerz allerdings weder in niedriger noch in sehr hoher Dosis besser senken als ein Placebo. Positive Ergebnisse gibt es bislang vor allem für die äußerliche Anwendung bei Polyneuropathie und für Präparate, die zusätzlich THC enthalten.
Welche CBD-Dosis wurde in Schmerzstudien untersucht?
Die Spanne ist groß. Die dänische Arthrose-Studie arbeitete mit 20 bis 30 Milligramm täglich, die Wiener Kniearthrose-Studie mit 600 Milligramm täglich. Beide fanden keinen Vorteil gegenüber Placebo. Handelsübliche Öle liefern meist Mengen im unteren Bereich dieser Spanne, ein Zehn-Milliliter-Fläschchen mit fünf Prozent enthält insgesamt rund 500 Milligramm.
Wirkt CBD besser, wenn man es zum Essen einnimmt?
Ja, die Aufnahme steigt deutlich. Nach den Zulassungsdaten des Arzneimittels Epidyolex erhöhte eine fettreiche Mahlzeit die Spitzenkonzentration im Blut um das Fünffache und die Gesamtaufnahme um das Vierfache. Wichtig ist dabei weniger das Maximum als die Gleichmäßigkeit: Die Einnahme sollte immer zur selben Mahlzeitensituation erfolgen, sonst schwanken die Blutspiegel stark.
Gibt es ein zugelassenes CBD-Medikament gegen Schmerzen?
Nein. Das einzige in der EU zugelassene Arzneimittel mit Cannabidiol als alleinigem Wirkstoff ist Epidyolex, und es richtet sich gegen bestimmte Formen der Epilepsie. Für chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente wurde 2026 mit Exilby erstmals ein cannabisbasiertes Fertigarzneimittel zugelassen. Dessen Hauptwirkstoff ist jedoch THC, nicht CBD.
Wirkt CBD-Salbe gegen Schmerzen besser als CBD-Öl?
Für die äußerliche Anwendung gibt es einen positiven, wenn auch kleinen Studienbefund. In einer vierwöchigen Untersuchung mit 29 Erwachsenen mit Polyneuropathie der Beine gingen stechender und scharfer Schmerz gegenüber Placebo signifikant zurück. Für den oral eingenommenen Reinstoff fehlt ein solcher Beleg bei Arthroseschmerz bisher. Ein direkter Vergleich beider Anwendungsformen in einer Studie steht allerdings noch aus.
Kann CBD mit Schmerzmitteln wechselwirken?
Ja. Cannabidiol hemmt die Leberenzyme CYP3A4 und CYP2C19, über die zahlreiche Medikamente abgebaut werden. Deren Blutspiegel kann dadurch ansteigen. Dokumentiert ist das unter anderem für Clobazam und Warfarin. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die zusätzliche Anwendung von CBD deshalb ärztlich abklären lassen.
Ist CBD-Öl in Deutschland legal?
Cannabidiol unterliegt nicht dem Betäubungsmittelrecht, entsprechende Produkte sind frei erhältlich. Lebensmittelrechtlich gelten CBD-Extrakte seit 2019 allerdings als neuartige Lebensmittel ohne Zulassung. Sie werden deshalb überwiegend als Aromaöl oder Kosmetikum verkauft. Der verwendete Hanf muss seit dem Konsumcannabisgesetz unter 0,3 Prozent THC in der Trockenmasse bleiben.
Was ist der Unterschied zwischen CBD gegen Schmerzen und Cannabis auf Rezept?
Ein frei gekauftes CBD-Produkt trägt keine geprüfte Indikation, keine behördlich bestätigte Dosierung und keine Erstattungsfähigkeit. Eine ärztliche Verordnung von Cannabisblüten, Extrakten oder Fertigarzneimitteln stützt sich dagegen auf eine ärztliche Diagnose, eine dokumentierte Dosierung und eine Verlaufskontrolle. Bei ausgeprägten chronischen Schmerzen ist der Verordnungsweg deshalb die belastbarere Option.





































