Die deutschen Medizinalcannabis-Importe des ersten Quartals 2026 sind nie zurückgegangen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat seine Zahl für Januar bis März nachträglich von 50,5 auf 67,6 Tonnen angehoben. Damit war das Quartal nicht der erste Einbruch seit zwei Jahren, sondern das stärkste, das die Behörde bislang ausgewiesen hat. Die Korrektur wurde am 20. August 2026 öffentlich.
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Aus dem gemeldeten Rückgang wird ein Importrekord
Im Mai hatte das BfArM für das erste Quartal 2026 exakt 50,539 Tonnen ausgewiesen. Die aktualisierte Fassung nennt 67,569 Tonnen. Das sind 17,03 Tonnen mehr, ein Aufschlag von 33,7 Prozent auf den ursprünglich veröffentlichten Wert. Gegenüber dem vierten Quartal 2025 mit 60,9 Tonnen liegt die korrigierte Menge um 12,1 Prozent höher.
Die Bedeutung dieser Zahl reicht über die reine Statistik hinaus. Im Mai lief durch die Fachpresse und durch die sozialen Netzwerke die Nachricht, der deutsche Medizinalcannabis-Markt habe seinen ersten Quartalsrückgang seit zwei Jahren verzeichnet. Wir haben diese Meldung damals selbst aufgegriffen und den gemeldeten Rückgang auf 50,5 Tonnen eingeordnet. Diese Einordnung ist mit der Korrektur hinfällig. Der beschriebene Wendepunkt hat so nicht stattgefunden.
Warum die BfArM-Zahlen regelmäßig nach oben wandern
Zwei Mechanismen stehen hinter der Revision. Zum einen melden Importeure ihre Mengen nicht immer fristgerecht, sodass Nachmeldungen erst in spätere Auswertungen einfließen. Zum anderen hat die Behörde ihre Erfassung seit 2024 umgestellt und weist Blüten getrennt von Extrakten aus. Beides sorgt dafür, dass eine Erstveröffentlichung systematisch zu niedrig ausfällt.
Dieser Fall ist kein Ausreißer, sondern die Regel. Das zweite Quartal 2025 wurde nach der Erstmeldung um 10,3 Prozent nach oben korrigiert, das dritte Quartal um 4,4 Prozent und das vierte Quartal um 6,4 Prozent. Alle Revisionen der jüngeren Vergangenheit gingen in dieselbe Richtung. Das BfArM hat inzwischen einen Hinweis an seine Importgrafik gesetzt, wonach die Werte den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung abbilden.
Auf die aktuelle Korrektur aufmerksam gemacht hat Alfredo Pascual, Head of Strategy and Corporate Development beim Kölner Importeur Cannamedical. Er ordnet das erste Quartal 2026 als das größte ein, das die Behörde je publiziert hat.
Das erste Quartal 2026 ist das größte Quartal, das das BfArM je veröffentlicht hat, 12,1 Prozent über dem vierten Quartal 2025.
Was der korrigierte Wert über den deutschen Markt aussagt
Die revidierte Menge zeigt eine Nachfrage, die im Frühjahr 2026 weiter gewachsen ist. Eine Einschränkung gehört allerdings dazu. Das Quartal endete am 31. März und liegt damit vollständig vor den Sparbeschlüssen zur Versorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Wer aus diesen 67,6 Tonnen auf die Lage im Spätsommer schließt, überdehnt die Daten. Wie stark die Erstattungsfrage den Markt inzwischen prägt, zeigt die Debatte darum, dass auch die Erstattung von Cannabis-Extrakten auf der Kippe steht.
Für die Preisentwicklung ist die höhere Importmenge ein bekanntes Muster. Wachsendes Angebot und ein hoher Wirkstoffgehalt drücken die Abgabepreise, was eine Marktauswertung zu hohen THC-Gehalten bei fallenden Preisen bereits im Sommer beschrieben hat. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland der mit Abstand größte Abnehmer. Großbritannien kam 2025 auf rund 30 Tonnen, wie unsere Auswertung der britischen Medizinalcannabis-Importe zeigt.
Hinter der Tonnage stehen Patientinnen und Patienten mit konkreten Indikationen. Welche Erkenntnisse eine mehrjährige Versorgung liefert, lässt sich an den Registerdaten zur Cannabistherapie bei Endometriose ablesen. Politisch bleibt der Rahmen in Bewegung, denn der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck hat Korrekturen am Cannabisgesetz gefordert, die auch die medizinische Versorgung berühren.
Eine Lehre für die Berichterstattung über Marktdaten
Der Vorgang hat einen unbequemen Kern. Eine Behördenzahl wirkt endgültig, sobald sie veröffentlicht ist, und sie wird entsprechend zitiert. Tatsächlich handelt es sich bei der Erstmeldung um einen vorläufigen Stand. Wer aus einem einzelnen Erstwert einen Trend ableitet, riskiert genau den Fehler, der im Mai reihenweise passiert ist.
Für die Branche folgt daraus eine praktische Regel. Ein Quartalswert des BfArM sollte erst nach der nächsten Veröffentlichung als belastbar gelten. Für uns folgt daraus, dass wir unseren Beitrag vom Mai als überholt kennzeichnen. Eine stillschweigende Korrektur wäre der bequemere, aber der falsche Weg.
Häufige Fragen
Wie viel Medizinalcannabis wurde im ersten Quartal 2026 nach Deutschland importiert?
Nach dem korrigierten Stand des BfArM waren es 67,569 Tonnen. Die im Mai 2026 zuerst veröffentlichte Zahl lag bei 50,539 Tonnen. Der korrigierte Wert ist der höchste, den die Behörde für ein einzelnes Quartal ausgewiesen hat.
Warum korrigiert das BfArM seine Importzahlen nachträglich?
Die Importeure melden ihre Mengen zum Teil verspätet, sodass sie erst in eine spätere Auswertung einfließen. Hinzu kommt eine seit 2024 veränderte Erfassung, die Blüten und Extrakte getrennt ausweist. Beide Effekte führen dazu, dass die erste Veröffentlichung eines Quartals zu niedrig ausfällt.
Sind auch frühere Quartale nach oben korrigiert worden?
Ja, und zwar durchgehend. Das zweite Quartal 2025 wurde um 10,3 Prozent angehoben, das dritte um 4,4 Prozent und das vierte um 6,4 Prozent. Eine Korrektur nach unten ist in diesem Zeitraum nicht vorgekommen.
Bedeutet der Rekordwert, dass der deutsche Markt weiter wächst?
Für das erste Quartal 2026 belegt er ein Wachstum. Auf die aktuelle Lage lässt sich daraus jedoch nicht schließen, weil das Quartal am 31. März endete. Die Beschlüsse zur Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen wirken erst danach und sind in dieser Zahl nicht enthalten.
Wann gilt ein BfArM-Quartalswert als belastbar?
In der Praxis erst, wenn die Behörde das folgende Quartal veröffentlicht hat und die Nachmeldungen eingearbeitet sind. Bis dahin sollte ein Erstwert als vorläufig behandelt und nicht als Trendwende gedeutet werden.
Quellen: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Importstatistik Medizinalcannabis, Stand 20.08.2026), Krautinvest („33.7 % increase of Q1 cannabis imports after BfArM update“, 20.08.2026), International CBC („German Q1 2026 Cannabis Import Total Revised Upward“, 20.08.2026).




































