Wer viele Marihuanapflanzen aus Samen anbaut, hat häufig nicht so homogene Pflanzen, als wenn mit Stecklingen gearbeitet wird. Je nach Beschaffenheit der Samen ist sogar keine Pflanze wie die andere. Feminisierte Hanfsamen sind zwar homogener, aber nicht immer gut. Dem Namen nach handelt es sich um Marihuanasamen, die alle zu weiblichen Pflanzen wachsen sollen. Wenn jedoch die Seedbank schlampig arbeitet oder die Pflanzen im Anbauraum gestresst werden, neigen sie zum Zwittern. Es gibt allerdings wirklich sehr viele sehr gute Seedbanks, die selbst für Autoflower sehr gute feminisierte Seeds anbieten.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Homogene und potente Pflanzen aus Samen
- Mit Sensimilla Anbau mehr Wirkstoffe ernten
- Wie entstehen feminisierte Hanfsamen?
- Feminisierte Hanfsamen herstellen – To Do:
- Feinheiten für feminisierte Hanfsamen
- Mendelschen Gesetze als Grundlagenwissen
- Feminisierte und reguläre Hanfsamen im direkten Vergleich
- Wie die Feminisierung im Labor funktioniert
- Tragen feminisierte Hanfsamen männliche Erbanlagen?
- S1-Samen, Selbstung und der Preis der Gleichförmigkeit
- Was die Drei-Pflanzen-Regel für die Samenwahl bedeutet
- Fotoinfos
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
Homogene und potente Pflanzen aus Samen
Gestresst steht hier als typischer Begriff in der Natur: Es sind viele Schwankungen im Lebensraum, die diesen raus aus dem Optimum bringen. Es kann sich auch um eine anhaltende Abweichung aus dem optimalen Bereich handeln. Für die Erzeugung feminisierter Hanfsamen wird durch die gestörte Beleuchtungsphase, Biegen, Knicken, Verletzen und Chemikalien Stress erzeugt. Dann bilden die weiblichen Pflanzen männliche Pollensäcke und ein einziger kann hunderte Samen in weiblichen Hanfblüten erzeugen. Diese werden ca. das gleiche Gewicht anbringen, als wenn sie unbestäubt reifen. Unbestäubt heißen die Marihuanablüten Sensimilla, weil sie saatfrei bleiben.
Mit Sensimilla Anbau mehr Wirkstoffe ernten
Es geht beim Sensimilla Anbau nicht allein darum, dass Hanfsamen sich nicht angenehm rauchen lassen und dabei sogar ungesund sind. Es geht darum, dass ein großer Teil vom Blütegewicht auf Hanfsamen entfällt, die keinerlei berauschende Wirkstoffe enthalten. Die geerntete Wirkstoffmenge wird deswegen rapide abnehmen, wenn sich in den Marihuanablüten viele Samen bilden.
Wer mit regulären Marihuanasamen Sensimilla anbaut, der muss zwei Wochen nach Einleitung der Blüte jede Pflanze sehr genau mustern. Es bilden sich weibliche, männliche und zwitterige Hanfpflanzen hervor. Nur die weiblichen sollen stehen bleiben, alle anderen sollen entfernt werden, bevor sich ein männlicher Pollensack öffnet. Wer jedoch feminisierte Hanfsamen verwendet, der hat nur weibliche Pflanzen, wenn alles richtig läuft. Die Empfehlung lautet dennoch jede Pflanze in der kritischen Phase zu mustern, um das Zwittern einzelner Pflanzen zu erkennen. In der Regel sind feminisierte Hanfsamen renommierter Seedbanks bereits so gut, dass bei sachgemäßem Anbau keine einzige Pflanze zwittern wird. Eine einzige würde jedoch über 100 andere bestäuben können.
Wie entstehen feminisierte Hanfsamen?
Damit wirklich nur weibliche Gene weiter gegeben werden, dürfen die Eltern keine männlichen Erbanlagen enthalten. Allerdings liegen die Erbanlagen für die Geschlechter verteilt in den Genen der Hanfpflanze und es gibt deswegen auch Zwitter beim Hanf, die beide Erbanlagen mit bringen. Die meisten weiblich erscheinenden Pflanzen tragen dennoch ein paar männliche Erbanlagen. Die große Kunst, so die Kenner, besteht in der Lokalisierung einer rein weiblichen Pflanze.
Um beim Testen nicht die Genetik zu vernichten, werden von jedem Korn Mutterpflanzen gezogen, um mit den Stecklingen zu experimentieren. Es werden die markierten Stecklinge in die Blüte gebracht. Für die Vorauswahl werden die Pflanzen gestresst. In der eingeleiteten Blüte wird die Dunkelheit unterbrochen, die Pflanzen werden geknickt und verletzt, es wird mit Temperaturschwankungen gearbeitet. Von der Pflanze, die dabei nicht männliche Blüten ausbildet, werden im nächsten Schwung neue Stecklinge angesetzt. Die erste Versuchsreihe und die Mutterpflanzen mit männlichen Erbanlagen können bereits entsorgt werden.
In der zweiten Versuchsphase werden die Stecklinge einer Mutterpflanze in der Blütephase durch unterbrochene Dunkelphasen und durch die Behandlung mit Chemikalien gestresst. Dabei beginnt die weibliche Pflanze männliche Blüten auszubilden. Wenn diese weibliche Pflanze keinerlei männliche Erbanlagen enthält, werden diese männlichen Blüten nur weibliche Anlagen weiter geben. Die gestresste Pflanze mit den männlichen Blüten kann nun in der zweiten Blütekammer die anderen ungestressten Pflanzen mit weiblichen Blüten bestäuben.
Sind die Pflanzen aus den erzeugten Samen beim Anbau in der dritten Versuchsreihe trotz Stressen alle rein weiblich, dann wurde die entscheidende Pflanze gefunden. Da aber all diese Experimentierpflanzen von der gleichen Mutterpflanze stammen, kann diese Genetik über Jahre erhalten bleiben, um laufend neue feminisierte Hanfsamen erzeugen zu können.
Feminisierte Hanfsamen herstellen – To Do:
- Viele Samen hocziehen, von den Pflanzen Stecklinge nehmen und diese markieren
- Aus diesen ganzen Pflanzen anhand der vorhergehenden Beschreibung diejenigen herausfinden, die nur weibliche Erbanalgen haben
- Alle anderen Pflanzen vernichten
- Über Jahre weitere Stecklinge ziehen und immer wieder neue feminisierte Hanfsamen erzeugen
Etwas schwieriger ist es beim Autoflower, da es hier keine herkömmliche Mutterpflanze für den Stecklingsschnitt geben kann. Aber auch hier schaffen es die Seedbanks, feminisierte Hanfsamen in sehr guter Qualität zu erzeugen.

Feinheiten für feminisierte Hanfsamen
Als Ergebnis werden feminisierte Hanfsamen nicht nur zu 100 % weiblich heranwachsen, sondern auch ein sehr homogenes Bild von sich geben. Eine Pflanze ist in ihren Eigenschaften der anderen sehr ähnlich. Feminisierte Hanfsamen sind der Marketinghit, da sie auf die weiblichen Pflanzen runtergerechnet deutlich günstiger sind. Wenn aus regulärer Saat wenigstens die Hälfte der Pflanzen als männlich oder zwitterig entsorgt wird, so kann man für feminisierte Hanfsamen durchaus ein paar Euro mehr ausgeben und hat unterm Schnitt gespart.
Dennoch gibt es viele, die feminisierte Hanfsamen nicht mögen, da ihnen diese Pflanzen nicht behagen: Diese zwittern doch einmal, es lassen sich nur zwitternde Stecklinge nehmen, sie sind zu homogen oder das ist kein richtiges Marihuana sind typische Argumente. Andere Grower erklären, dass man durchaus von feminisierten Marihuanapflanzen Stecklinge schneiden kann, die nicht zum Zwittern neigen. Das soll doch jeder für sich selber probieren und dann für sich selber entscheiden. Beim Marihuanaanbau gilt immer wieder: Was für den einen gut ist und klappt, ist es für den anderen noch lange nicht, jeder muss seinen eigenen Weg finden.
Teils gibt es einzelne Marihuanasorten nur noch als feminisierte Hanfsamen, damit keiner ihre Saat nachzüchten kann. Da geht es wieder um Marketingaspekte. Aber an dieser Stelle wären noch die Hybriden zu erwähnen. Hier werden zwei Eltern gekreuzt, um dann in der F1 Generation die positiven Eigenschaften von beiden zu haben. Die F2 Generation wird in diesen Eigenschaften jedoch in sich zerfallen. Deswegen ist die F1 Generation sehr gefragt für den Anbau von Marihuana, aber nicht für die Nachzucht von Hanfsamen. Aus diesem Grund haben Seedbanks bereits vor vielen Jahren sehr gerne Hybride vermarktet, die man nicht einfach nachzüchten kann.
Mendelschen Gesetze als Grundlagenwissen
Wer es genauer wissen möchte, kann sich in anderen Werken in die Mendelschen Gesetze einlesen. Wenn nicht nur eine, sondern viele Eigenschaften vorliegen, wird es komplizierter, da jede Eigenschaft dominant, neutral oder rezessiv in der Veranlagung sein kann. Als Beispiel: Rote oder gelbe Blütenfarben gepaart mit niedrigen oder hohen Wuchseigenschaften bei Blumen wären zwei Eigenschaften auf eine allein zu züchten, wäre einfacher.
Bei nicht dominanten Eigenschaften müssen die dominanten Gegenstücke sozusagen aufwendig heraus gekreuzt werden, bis die gewünschte Eigenschaft stabil ist. Das erfordert viele F-Generationen mit vielen Pflanzen, vor allem, wenn auf viele Eigenschaften gekreuzt wird!
Feminisierte und reguläre Hanfsamen im direkten Vergleich
Die Entscheidung zwischen feminisierten und regulären Hanfsamen fällt in der Praxis selten aus einem einzigen Grund. Sie hängt davon ab, wie viele Pflanzen jemand aufstellen darf, ob eine Mutterpflanze erhalten bleiben soll und ob eigene Samen ein Ziel sind. Die folgende Übersicht stellt die drei Saatguttypen nebeneinander, die im Handel praktisch relevant sind.
| Merkmal | Reguläre Hanfsamen | Feminisierte Hanfsamen | Feminisierte Autoflower |
|---|---|---|---|
| Geschlechterverteilung | etwa zur Hälfte männlich, zur Hälfte weiblich | nahezu ausschließlich weiblich | nahezu ausschließlich weiblich |
| Aussortieren männlicher Pflanzen | nötig, erkennbar etwa zwei Wochen nach Blütebeginn | entfällt, es bleibt die Kontrolle auf Zwitterblüten | entfällt, es bleibt die Kontrolle auf Zwitterblüten |
| Erwartbare Erntepflanzen aus drei Körnern | statistisch etwa anderthalb | etwa drei | etwa drei |
| Rechnerischer Preis je Erntepflanze | etwa doppelter Kornpreis | nahe am Kornpreis | nahe am Kornpreis |
| Homogenität des Bestandes | breit gestreut | hoch | hoch |
| Eignung zur eigenen Nachzucht | gut, männlicher Pollen ist vorhanden | eingeschränkt, es fehlt regulärer Pollen | eingeschränkt, zusätzlich fehlt die Mutterpflanze |
| Stecklinge schneiden | uneingeschränkt möglich | möglich, die Mutterpflanze bleibt weiblich | nicht praktikabel, der Steckling altert mit |
| Zwitterrisiko unter Stress | vorhanden | vorhanden, bei sauberer Zuchtarbeit gering | vorhanden |
| Blüteneinleitung | über die Lichtsteuerung | über die Lichtsteuerung | altersabhängig, ohne Lichtwechsel |
| Zeit von der Keimung bis zur Ernte | sortenabhängig | sortenabhängig | meist etwa zehn bis vierzehn Wochen |
| Typischer Einsatzzweck | Zucht, Selektion, Samengewinnung | Ertragsanbau für den Eigenbedarf | Einsteiger, kurze Zyklen, später Außensatz |
Die vierte Zeile ist der eigentliche Kern der Preisfrage. Feminisierte Hanfsamen kosten je Korn mehr als reguläre, aber der Vergleich der Kornpreise geht am Punkt vorbei. Wer aus regulärer Saat die Hälfte der Pflanzen entsorgt, zahlt rechnerisch den doppelten Preis für jede Pflanze, die tatsächlich in die Ernte geht. Wer dagegen ohnehin eine Mutterpflanze halten und mit Stecklingen arbeiten möchte, findet in einer Sammlung regulärer Samen die flexiblere Grundlage.
Wie die Feminisierung im Labor funktioniert
Die oben beschriebene Behandlung mit Chemikalien lässt sich heute genauer benennen, als es 2016 möglich war. Den Ausschlag gibt ein einziges Pflanzenhormon. Ethylen steuert bei der Hanfpflanze die Ausbildung weiblicher Blüten. Wird seine Wirkung an den Rezeptoren blockiert, legt die genetisch weibliche Pflanze männliche Blüten an. Der Pollen aus diesen Blüten trägt trotzdem ausschließlich weibliches Erbgut.
Das Mittel der Wahl ist in professionellen Zuchtbetrieben Silberthiosulfat, kurz STS. Es wird aus Silbernitrat und Natriumthiosulfat angesetzt, üblicherweise in einem molaren Verhältnis von etwa eins zu vier. Die Silberionen besetzen die Ethylenrezeptoren und schalten damit das Signal ab, das sonst die weibliche Blüte auslöst. Kolloidales Silber wirkt nach demselben Prinzip, ist einfacher herzustellen und wird deshalb im Hobbybereich häufiger eingesetzt.
Wie zuverlässig das funktioniert, hat eine Arbeitsgruppe um Marko Flajšman 2021 in der Fachzeitschrift Frontiers in Plant Science an CBD-reichem Hanf untersucht. Die Forschenden verglichen das Besprühen der ganzen Pflanze mit der punktuellen Behandlung der Triebspitzen. Die flächige Behandlung war deutlich wirksamer. Kolloidales Silber brachte bei täglicher Anwendung bis zu 379 männliche Blüten je Pflanze hervor.
Der Pollen war dabei nicht nur vorhanden, sondern funktionsfähig. Die Arbeitsgruppe wies seine Keimfähigkeit im Labor nach und erzeugte damit reife Samen, von denen 64,3 Prozent keimten. Die daraus gezogenen Sämlinge waren vollständig weiblich. Damit ist der entscheidende Schritt der Feminisierung nicht nur beschrieben, sondern in einer nachvollziehbaren Versuchsreihe belegt.
Daneben existieren zwei ältere Verfahren. Gibberellinsäure fördert ebenfalls die Ausbildung männlicher Blüten, arbeitet aber weniger zielgenau als die Ethylenblockade. Die Rodelisation verzichtet ganz auf Zusätze und lässt die Pflanze über den normalen Erntezeitpunkt hinaus stehen, bis sie aus eigenem Antrieb männliche Blüten bildet. Dieses Verfahren gilt als problematisch, weil es genau jene Pflanzen zur Vermehrung auswählt, die spät zum Zwittern neigen. Die technische Seite der Pollengewinnung beschreibt unser älterer Beitrag zur gängigen Technik für feminisierte Marihuanasamen.
Tragen feminisierte Hanfsamen männliche Erbanlagen?
An dieser Frage hängt ein hartnäckiges Missverständnis, und es lohnt sich, zwei Ebenen zu trennen. Die eine Ebene sind die Geschlechtschromosomen. Hanf ist zweihäusig, männliche Pflanzen tragen ein X und ein Y, weibliche zwei X. Eine chemisch behandelte weibliche Pflanze bleibt genetisch weiblich und besitzt kein Y. Ihr Pollen kann folglich nur ein X weitergeben, und jeder daraus entstehende Samen trägt zwei X.
Genau deshalb kann aus einem feminisierten Hanfsamen keine genetisch männliche Pflanze werden. Dass eine weibliche Pflanze überhaupt funktionsfähigen Pollen bilden kann, zeigt zugleich, dass die dafür nötigen Gene nicht auf dem Y-Chromosom liegen. Sie sind über das gesamte Erbgut verteilt und in jeder Pflanze angelegt. Das Y-Chromosom entscheidet über die Geschlechtsausprägung, nicht über die Fähigkeit zur Pollenbildung.
Die zweite Ebene ist die Neigung zur Zwitterbildung, und sie folgt anderen Regeln. Sie hängt nicht an einem einzelnen Gen, sondern an einer Vielzahl von Anlagen, und sie unterscheidet sich von Linie zu Linie deutlich. Wenn erfahrene Grower von männlichen Erbanlagen in einer weiblichen Pflanze sprechen, meinen sie diese vererbbare Neigung und nicht ein verstecktes Y-Chromosom. Beides fällt in der Praxis leicht zusammen, weil sich beides im selben Bild zeigt, nämlich in männlichen Blüten an einer weiblichen Pflanze.
Für den Anbau folgt daraus eine klare Erwartung. Ein feminisierter Samen liefert keine männliche Pflanze, er kann aber unter Stress eine Pflanze mit männlichen Blüten hervorbringen. Welche Auslöser dafür in Frage kommen, ordnet der Beitrag Wodurch zwittert Hanf? im Detail ein.
S1-Samen, Selbstung und der Preis der Gleichförmigkeit
Feminisiertes Saatgut entsteht auf zwei verschiedenen Wegen, und die Tüte verrät das selten. Beim ersten Weg werden Stecklinge einer einzigen Mutterpflanze behandelt, und ihr Pollen bestäubt unbehandelte Stecklinge derselben Pflanze. Das Ergebnis heißt S1, also erste Selbstungsgeneration. Beim zweiten Weg bestäubt der Pollen eine andere weibliche Linie, womit eine echte Kreuzung entsteht, die trotzdem vollständig feminisiert ist.
Der Unterschied ist nicht akademisch. Eine Selbstung verdoppelt die Gleichartigkeit der Erbanlagen in einem einzigen Schritt. Vergleichsuntersuchungen an Nutzhanf zeigen, dass selbstbestäubte Nachkommen genetisch einheitlicher ausfallen als ausgekreuzte. Der Preis dafür ist eine Inzuchtdepression, die sich in schwächerem Wuchs, geringerem Ertrag und im Auftreten rezessiver Merkmale wie panaschierten Blättern zeigen kann.
Damit bekommt ein alter Streit unter Growern eine sachliche Grundlage. Wer feminisierte Pflanzen als zu gleichförmig oder als kraftlos beschreibt, hat mit einiger Wahrscheinlichkeit S1-Saatgut im Zelt gehabt und nicht eine feminisierte Kreuzung. Die Bandbreite der Meinungen dazu haben wir in einem eigenen Beitrag zu feminisierten Cannabissamen gesammelt. Wie sich die Generationenbezeichnungen unterscheiden, erklärt außerdem unser Überblick zu F1, F2 und BX.
Was die Drei-Pflanzen-Regel für die Samenwahl bedeutet
Seit dem Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes hat die Wahl des Saatguts in Deutschland eine rechtliche Seite bekommen, die es vorher nicht gab. Nach § 9 Absatz 1 KCanG dürfen volljährige Personen höchstens drei Cannabispflanzen gleichzeitig anbauen. Erlaubt ist das am Wohnsitz oder am gewöhnlichen Aufenthalt. Das Gesetz zählt Pflanzen. Es unterscheidet nicht nach Geschlecht.
Diese Formulierung verschiebt die Rechnung deutlich. Wer drei reguläre Körner keimen lässt, bekommt statistisch anderthalb weibliche Pflanzen, und die männlichen belegen bis zu ihrer Erkennung reguläre Plätze im erlaubten Kontingent. Erkennbar werden sie erst rund zwei Wochen nach Blütebeginn, also nach mehreren Wochen Wuchszeit. Vor 2024 ließ sich dieses Problem schlicht durch mehr Saatgut lösen. Unter der Kappe von drei Pflanzen geht das nicht mehr.
Zwei weitere Punkte des Gesetzes betreffen das Saatgut unmittelbar. Samen und Stecklinge gelten nach § 1 Nummer 7 KCanG als Vermehrungsmaterial. Sie fallen damit nicht unter die Cannabis-Definition der Nummer 8, die Pflanzen, Blüten, sonstige Pflanzenteile und Harz erfasst. Und § 10 KCanG verlangt, Cannabis und Vermehrungsmaterial am Wohnsitz durch geeignete Maßnahmen vor dem Zugriff Dritter zu schützen, insbesondere vor Kindern und Jugendlichen. Diese Pflicht gilt also bereits für die verschlossene Samentüte im Schrank, nicht erst für die blühende Pflanze. Wie sich daraus ein legaler Jahresablauf im Freien planen lässt, zeigt unser Jahresguide zum Outdoor-Anbau.
Fotoinfos
Titelfoto:
Gute feminisierte Seeds wachsen fast so homogen wie diese Stecklinge. Wichtig ist für viele Grower, dass alle Pflanzen sehr identisch wachsen, um unter immer gleichen Anbaubedingungen immer exakt kalkulieren zu können. Andere Grower wollen hingegen viele unterschiedliche Pflanzen.
Foto im Artikel:
Diese reguläre Test- Saatpflanze konnte noch nicht eingeschätzt werden und wuchs etwas zu hoch, sie wurde deswegen runter gebunden. Mit regulären Seeds, die nicht sehr homogen sind, hat man immer ein paar kleinere oder größere Exemplare dabei.
Häufige Fragen zu feminisierten Hanfsamen
Was ist der Unterschied zwischen feminisierten und regulären Hanfsamen?
Reguläre Hanfsamen bringen etwa zur Hälfte männliche und zur Hälfte weibliche Pflanzen hervor. Feminisierte Hanfsamen sind dagegen so gezüchtet, dass nahezu ausschließlich weibliche Pflanzen entstehen – und nur diese bilden die begehrten Blüten. Wie man männliche Exemplare frühzeitig erkennt, zeigt unser Ratgeber Woran erkennt man männlichen Hanf?
Bringen feminisierte Hanfsamen wirklich zu fast 100 % weibliche Pflanzen?
Bei sauberer Zuchttechnik liegt die Quote weiblicher Pflanzen sehr hoch, eine 100-prozentige Garantie gibt es jedoch nicht. Stressfaktoren während der Blüte können vereinzelt zum Zwittern führen – mehr dazu unter Wodurch zwittert Hanf? Wer entspannt und mit Sorgfalt anbaut, reduziert dieses Risiko deutlich, wie auch der Beitrag Cannabis anbauen, Stress abbauen zeigt.
Wie werden feminisierte Hanfsamen hergestellt?
Feminisierte Samen entstehen, indem man eine weibliche Pflanze gezielt dazu anregt, männliche Blüten mit weiblichem Erbgut zu bilden. Bestäubt dieser Pollen eine andere weibliche Pflanze, tragen die Samen nur weibliche Anlagen. Üblich sind dafür Methoden wie die Behandlung mit kolloidalem Silber oder Gibberellinsäure. Wie eine solche Behandlung im Detail abläuft und warum der so erzeugte Pollen ausschließlich weibliche Erbanlagen trägt, beschreibt unser Beitrag Mit Chemikalien Pollen erzeugen.
Lohnen sich feminisierte Hanfsamen für den Eigenanbau?
Für die meisten Hobby-Gärtner ja: Man spart sich das Aussortieren männlicher Pflanzen und nutzt Platz sowie Aufwand effizienter, was sich direkt auf den Ertrag auswirkt – siehe Erntemengen pro Pflanze. Wer dagegen selbst züchten oder Samen gewinnen möchte, ist mit regulären Samen besser beraten. Rund um den Kauf lohnt auch ein Blick auf Cannabissamen an der Tankstelle.
Was bedeutet feminisiert bei Hanfsamen?
Feminisiert bedeutet, dass der Samen aus einer Bestäubung stammt, an der kein männliches Erbgut beteiligt war. Der Pollen kam von einer weiblichen Pflanze, die durch eine Hormonbehandlung männliche Blüten gebildet hat. Deshalb wächst aus einem solchen Samen praktisch immer eine weibliche Pflanze heran. Das Wort beschreibt also die Herkunft des Samens und keine Eigenschaft der späteren Blüte.
Sind feminisierte Hanfsamen gentechnisch verändert?
Nein. Bei der Feminisierung wird kein Erbgut verändert, hinzugefügt oder entfernt. Behandelt wird ausschließlich die Mutterpflanze, und zwar so, dass sie ein Hormonsignal nicht mehr empfängt und daraufhin männliche Blüten anlegt. Der Samen selbst enthält weder Silber noch andere Rückstände der Behandlung, weil er erst nach der Bestäubung heranreift.
Was ist der Unterschied zwischen feminisierten Samen und S1-Samen?
S1-Samen sind eine Untergruppe der feminisierten Samen. Bei ihnen stammen Pollen und Blüte von derselben Pflanze, es handelt sich also um eine Selbstung. Bei einer feminisierten Kreuzung kommt der Pollen dagegen von einer anderen weiblichen Linie. S1-Saatgut fällt besonders einheitlich aus, neigt aber eher zu Inzuchtdepression mit schwächerem Wuchs.
Wie viele feminisierte Pflanzen darf man in Deutschland anbauen?
Nach § 9 Absatz 1 KCanG dürfen volljährige Personen am Wohnsitz höchstens drei Cannabispflanzen gleichzeitig anbauen. Das Gesetz zählt Pflanzen und macht keinen Unterschied nach Geschlecht. Feminisiertes Saatgut nutzt dieses Kontingent deshalb besser aus als reguläres. Zusätzlich verlangt § 10 KCanG, die Pflanzen und das Saatgut vor dem Zugriff Dritter zu sichern. Woher dieses Saatgut künftig ganz legal stammen könnte, beleuchtet die Frage Verkaufen Baumärkte Hanfsamen bald für den Eigenanbau?
Kann man aus feminisierten Hanfsamen selbst wieder Samen gewinnen?
Möglich ist es nur über eine erneute Feminisierung, denn ohne männliche Pflanze fehlt der reguläre Pollen. Ohne diesen Schritt bleiben die Blüten samenfrei. Wer eigenes Saatgut aufbauen möchte, arbeitet deshalb besser mit regulären Samen. Grundlagen dazu liefern unsere Beiträge Wie gewinnt man Hanfsamen? und Faktoren bei der Keimung.
Gibt es feminisierte Autoflower-Samen?
Ja, selbstblühende Sorten werden heute überwiegend feminisiert angeboten. Weil bei ihnen keine dauerhafte Mutterpflanze gehalten werden kann, läuft die Zuchtarbeit über parallel angesetzte Sätze statt über Stecklinge. Was hinter dem Begriff steckt, erklärt Hanfsamen: Was bedeutet Autoflowering?, die Praxis beschreibt Autoflower anbauen.









































