Auf der gesamten Welt – und auch zunehmend in Deutschland – wird immer mehr über die erneute Legalisierung von Cannabis debattiert und neue Vorschläge und Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung dargeboten. Auch wenn die deutsche Bundesregierung noch nicht einsieht, wie ein Land von einer Legalisierung bestimmter oder sogar aller Drogen profitieren kann, so zeigt sich am Beispiel Portugals, dass eine Entkriminalisierung bzw. Legalisierung Sinn machen kann. Portugals Drogenpolitik kann schon bald zum großen Vorbild für die Legalisierungsfrage werden. Und das nicht nur im Bereich Cannabis oder Hanf. Portugals Politiker dürften über unsere Debatten hierzulande wohl nur lächelnd den Kopf schütteln.
📑 Inhaltsverzeichnis
Gesetze in Portugal zur Drogenpolitik
Woran machen wir das fest? Im Sommer 2001 ist in Portugal das Gesetz in Kraft getreten, welches eine liberale und aufklärerische Drogenpolitik verfolgt. Anstatt Konsumenten zu bestrafen, wird ihnen Hilfe zur Suchtentwöhnung angeboten und Beistand geleistet. Seit mehr als 15 Jahren kann man in Portugal legal Cannabis, Speed oder sogar Kokain und Heroin konsumieren – ganz ohne strafrechtliche Verfolgung durch die Behörden.
Selbstverständlich liegen auch bei der liberalen Drogenpolitik Portugals gewisse Richtwerte zugrunde, die nicht überschritten werden dürfen. So kann der Drogenkonsument in Portugal etwa 25 Gramm Marihuana oder fünf Gramm Haschisch mit sich führen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Geringe Mengen Kokain, Heroin und Ecstasy werden im Fall einer Personenkontrolle ebenfalls toleriert und deren Besitz, Herkunft oder ggf. Endkonsument in keiner Weise strafrechtlich folgt.
Wer mit mehr als der erlaubten Menge erwischt wird, muss damit rechnen, Geld- oder Haftstrafen ableisten zu müssen. Doch auch wenn Besitz und Konsum der bei uns verbotenen Drogen in Portugal toleriert werden, kommt das noch lange nicht einer vollständigen Legalisierung gleich. Wer mit den „erlaubten“ Mengen erwischt wird, muss mindestens damit rechnen, sich einem Arzt und ggf. Sozialarbeitern und Juristen gegenüber öffnen zu müssen, sodass ein möglicherweise vorliegendes Suchtverhalten festgestellt und dem Konsumenten Hilfe angeboten werden kann, die er allerdings nicht in Anspruch nehmen muss, wenn er nicht möchte.
In „schwereren Fällen“ können kleine Geldstrafen oder Sozialstunden hinzukommen, das ist allerdings eher die Ausnahme, weil die Justiz Portugals nicht die Endkonsumenten, sondern die Großverdiener auf dem Schwarzmarkt im Visier hat. Hierzulande kann man das leider nicht in allen Fällen behaupten.
Was konnte die Entkriminalisierung in Portugal bewirken?
Was hat die Entkriminalisierung aller Drogen denn jetzt im Endeffekt für Portugal bewirkt? Die Effekte lassen sich am besten in Zahlen ausdrücken. Während Portugal im Jahr 2015 mit weniger als 800 Polizei- und Spezialeinheitseinsätzen weit über 2 Tonnen Kokain sicherstellen konnte, haben deutsche Ermittler zur Beschlagnahme von nur 1,3 Tonnen Koks über 2500 Einsätze gebraucht.
An den Zahlen lässt sich ganz deutlich erkennen, dass deutsche Drogenfahnder noch immer den kleinen Dealern und Konsumenten hinterherjagen, anstatt die großen Fische aus dem Verkehr zu ziehen, die das schnelle Geld machen. Geld, welches auch die deutschen Steuerkassen klingeln lassen könnte, und wie in Portugal zur Rehabilitation von „Drogenopfern“ und zur Aufklärung, vor allem über harte Drogen, verwendet werden könnte.
Weniger HIV-Infektionen und Drogentote dank Entkriminalisierung
Seit in Portugal harte Drogen entkriminalisiert wurden, gibt es weitaus weniger HIV-Neuinfektionen und Drogentote als zuvor. Und man mag es kaum glauben: Der Konsum aller Drogen ist zurückgegangen, besonders hinsichtlich der „problematischen“ und besonders gefährdeten Altersgruppe von 15 bis 25 Jahren.
Was lässt sich zur portugiesischen Drogenpolitik sagen? Sie ist ein Paradebeispiel für einen gelungenen Umgang mit Drogen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Entkriminalisierung von Substanzen und der Sucht- und Präventionsarbeit, die zeitgleich geleistet wird. Kritiker müssen sich langsam eingestehen, dass ein konsequentes Verbot aller Drogen weder effektiv noch sinnvoll ist.
Häufige Fragen zur Drogenpolitik Portugals
Sind Drogen in Portugal legal?
Nein, Drogen sind in Portugal nicht legal, aber entkriminalisiert. Besitz kleiner Mengen für den Eigenkonsum ist seit 2001 straffrei – der Besitzer wird an eine Kommission verwiesen, nicht vor Gericht gestellt. Anbau, Herstellung und Handel bleiben weiterhin strafbar. Gegen organisierten Handel geht Portugal konsequent vor: 2025 zerschlugen die Behörden ein illegales Medizinalcannabis-Netzwerk mit Verbindungen ins Ausland.
Was darf man in Portugal ohne Strafe besitzen?
Als Eigenbedarfsmenge gelten zum Beispiel bis zu 25 Gramm Cannabis, 2 Gramm Kokain, 1 Gramm Heroin oder 1 Gramm MDMA. Bei Überschreitung dieser Grenzen drohen Geldstrafen oder Sozialstunden – aber keine Gefängnisstrafe für Ersttäter.
Welche Drogengesetze gelten in Portugal?
In Portugal gilt seit Juli 2001 das Gesetz Nr. 30/2000 (Lei n.º 30/2000). Es stuft den Besitz aller Drogen für den Eigenbedarf von einer Straftat zur Ordnungswidrigkeit herab. Statt der Polizei entscheidet eine Kommission zur Abschreckung von Drogenabhängigkeit (Comissões para a Dissuasão da Toxicodependência) über Beratung, Therapie-Auflagen oder Sozialstunden. Anbau, Herstellung und Handel bleiben in Portugal weiterhin strafbar. Aktuell verschärft Portugal sogar die Liste kontrollierter Substanzen: 2026 landete HHC als semisynthetisches Cannabinoid in Tabelle II-A – eine klare Abkehr von der Toleranz der frühen 2000er.
Hat die Entkriminalisierung den Drogenkonsum erhöht?
Nein – entgegen den Erwartungen ist der Drogenkonsum in Portugal gesunken, besonders bei Jugendlichen. HIV-Neuinfektionen und Drogentote gingen drastisch zurück. Das Modell gilt weltweit als Vorbild für eine evidenzbasierte Drogenpolitik. Der portugiesische Erfolg inspiriert auch andere Staaten: 2024 entkriminalisierte Brasiliens Oberster Gerichtshof den Cannabisbesitz für den Eigenbedarf.
Ist das Modell Portugal auf Deutschland übertragbar?
Viele Experten fordern genau das. Während Deutschland mit dem Cannabisgesetz (CanG) erste Schritte gemacht hat, zeigt Portugal seit 25 Jahren, dass Entkriminalisierung langfristig wirkt. Einen anderen Weg wählten die Niederlande mit ihrer über Jahrzehnte gewachsenen Coffeeshop-Kultur. Portugal als Vorbild: Weiterlesen.
Gibt es in Portugal Cannabis Social Clubs?
In Portugal gibt es – anders als in Deutschland seit dem CanG – kein gesetzlich geregeltes Cannabis-Social-Club-Modell. Entkriminalisiert ist nur der Besitz kleiner Mengen zum Eigenkonsum; Anbau und gemeinschaftliche Produktion bleiben strafbar. Das Vereinsmodell findet man eher in Deutschland, wo sich die deutschen Cannabis Social Clubs in einem Dachverband organisieren.
Wie unterscheidet sich Portugals Drogenpolitik von der in Deutschland?
Portugal entkriminalisierte 2001 den Besitz aller Drogen zum Eigenbedarf und setzt konsequent auf Gesundheits- statt Strafrecht. Deutschland geht mit dem CanG 2024 nur bei Cannabis einen Teilschritt und hält am Verbot harter Drogen fest. Auch die Schweiz erprobt entkriminalisierende Modelle, und in Österreich fordert der Drogenkoordinator eine Angleichung an die Realität.
Was ist der Unterschied zwischen Entkriminalisierung und Legalisierung?
Der Unterschied ist entscheidend: Bei der Entkriminalisierung – wie in Portugal – bleibt der Besitz kleiner Mengen formal verboten, wird aber nicht mehr strafrechtlich verfolgt, sondern als Ordnungswidrigkeit behandelt; Handel und Produktion bleiben strafbar. Bei der Legalisierung wird der gesamte Umgang – Anbau, Verkauf und Konsum – gesetzlich geregelt und erlaubt. Portugal hat also nicht legalisiert, sondern entkriminalisiert. Wie fragil selbst dieser Schritt politisch bleibt, zeigte die Debatte, ob Neuwahlen die Entkriminalisierung wieder kippen könnten.
Welche Länder orientieren sich am portugiesischen Modell?
Portugals evidenzbasierter Ansatz gilt international als Referenz. Mehrere Staaten prüfen ähnliche Wege: Nach dem Regierungswechsel kündigte etwa Ungarns Tisza-Regierung eine evidenzbasierte Drogenstrategie an. Auch die Schweiz und Österreich erproben entkriminalisierende Modelle, während Deutschland mit dem CanG einen cannabisspezifischen Teilschritt gegangen ist. Ein vollständiger Systemwechsel wie in Portugal – Gesundheits- statt Strafrecht für alle Substanzen – bleibt bislang die Ausnahme.



































