Eine kanadische Untersuchung findet keinen Zusammenhang zwischen der Eröffnung legaler Cannabisläden und der Kriminalität in der Umgebung. Das Ergebnis passt zu früheren Arbeiten. Wer es zitieren will, sollte allerdings wissen, wie schmal die Datenbasis ist.
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Die Studie ist im International Journal of Drug Policy erschienen, Titel „Crime levels near federally legal cannabis stores in two Canadian cities“, DOI 10.1016/j.drugpo.2026.105529. Untersucht wurde die Kriminalität im Umkreis von bis zu 3.000 Metern um legale Cannabisgeschäfte in Toronto und Ottawa, jeweils in den Monaten vor und nach der Eröffnung.
Das Ergebnis: keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Kriminalitätsniveau und der Eröffnung. Schwankungen der Fallzahlen führt der Autor überwiegend auf das Wetter zurück, Kriminalität stieg mit wärmeren Tagen.
Was die Studie nicht ist
In der Weitergabe wird daraus schnell „die Eröffnung lizenzierter Verkaufsstellen in Toronto und Ottawa“. Das klingt nach einem Städtevergleich mit vielen Standorten. Tatsächlich geht es, schon dem Titel nach, um zwei Städte und je ein Geschäft.
Das ist kein Vorwurf an die Arbeit, die ihre Reichweite selbst benennt. Es ändert aber, was man mit ihr belegen kann. Zwei Standorte erlauben keine Aussage über Städte, Regionen oder gar über die Legalisierung als Ganzes. Sie erlauben die Aussage, dass sich an diesen beiden Orten nach der Eröffnung nichts Auffälliges zeigte.
Wer die Studie gegen die Behauptung ins Feld führt, Cannabisgeschäfte zögen Kriminalität an, tut das also mit einem schmalen Beleg. Umgekehrt gilt dasselbe: Wer das Gegenteil behauptet, hat diese beiden Fälle gegen sich.
Die Wetter-Erklärung ist der interessantere Teil
Dass Kriminalität mit der Temperatur schwankt, ist kriminologisch gut belegt und wird in Debatten über einzelne Standorte regelmäßig übersehen. Wer Fallzahlen vor und nach einer Eröffnung vergleicht und dabei saisonale Effekte nicht herausrechnet, misst womöglich nur den Frühling.
Das ist der eigentlich übertragbare Punkt für die deutsche Debatte, in der über Abstandsregeln und Konsumverbotszonen mit lokalen Zahlen argumentiert wird. Eine Veränderung vor Ort belegt für sich genommen wenig, solange nicht gezeigt ist, dass sie nicht auch ohne die Eröffnung eingetreten wäre.
Einordnung in die vorhandene Forschung
Das Ergebnis reiht sich in Arbeiten ein, die auch an anderen Stellen keine Effekte fanden, auf die viele gewettet hatten. Eine Befragung unter 35.957 Personen fand keinen Konsumschub nach dem deutschen Cannabisgesetz. Das niederländische Wietexperiment brachte mehr Auswahl, aber unveränderten Konsum. Und eine Untersuchung der chilenischen Cannabis Social Clubs zeigte, wie stark sich solche Strukturen regional konzentrieren.
Gemeinsam ist diesen Arbeiten weniger ein Befund als eine Lehre: Die großen erwarteten Effekte, in beide Richtungen, treten in den Daten oft nicht auf. Das ist unspektakulär und deshalb selten eine Schlagzeile.
Quelle: Armstrong, „Crime levels near federally legal cannabis stores in two Canadian cities“, International Journal of Drug Policy, Ausgabe November 2026, DOI 10.1016/j.drugpo.2026.105529. Zusammenfassende Berichterstattung durch NORML; Newsletter des Branchenverbands Cannabiswirtschaft vom 21. Oktober 2026. Stand: 21. Oktober 2026.







































