Im Herbst 2026 startet im Kanton St. Gallen der achte bewilligte Cannabis-Pilotversuch der Schweiz, und er bringt eine landesweite Premiere mit: Erstmals können Teilnehmende ihr legales Cannabis per Post beziehen. Das geht aus dem aktuellen Newsletter der IG Hanf Schweiz hervor.
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Was den St. Galler Versuch besonders macht
Die meisten Schweizer Pilotprojekte arbeiten bislang mit festen Abgabestellen vor Ort, etwa Apotheken oder spezialisierten Verkaufsstellen. In St. Gallen kommt nun ein zusätzlicher Bezugsweg dazu: Ein Teil der Teilnehmenden kann sich die Produkte direkt nach Hause liefern lassen. Auch das obligatorische Beratungsgespräch, das in den Schweizer Versuchen den verantwortungsvollen Umgang sicherstellen soll, findet künftig auf Wunsch online statt.
Damit testet der Kanton genau die Frage, die für eine spätere Regulierung entscheidend ist: Welcher Bezugsweg erreicht die Konsumierenden am besten und verdrängt den Schwarzmarkt am wirksamsten? Gerade in ländlichen Regionen, wo der Weg zur nächsten Abgabestelle weit sein kann, könnte der Postversand eine Lücke schließen.
Wer dahintersteht und wie groß der Versuch ist
Getragen wird das Projekt vom Verein Swiss Cannabis Research. Die wissenschaftliche Begleitung übernehmen die Universität Zürich und die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, die medizinische Betreuung liegt beim Zentrum für Suchtmedizin Arud. Teilnehmen können bis zu 5.000 Personen, von denen rund 3.300 Cannabis legal beziehen dürfen. 43 der 75 St. Galler Gemeinden machen mit, viele davon in ländlichen Gebieten und Agglomerationen.
Damit reiht sich St. Gallen in eine wachsende Zahl Schweizer Studienstädte und -kantone ein, die unter wissenschaftlicher Aufsicht den kontrollierten Zugang zu Cannabis erproben. Wie ein solcher Versuch in der Praxis funktioniert, zeigt unser Hintergrund zum Schweizer Modell der kontrollierten Abgabe.
Was erforscht werden soll
Im Mittelpunkt stehen die ökonomischen und sozialen Folgen einer Regulierung. Die Forschenden wollen unter anderem wissen, wie sich legaler Zugang auf das Konsumverhalten, die Gesundheit und das Verhältnis zum illegalen Markt auswirkt. Erste Auswertungen aus anderen Schweizer Versuchen deuten darauf hin, dass ein nicht gewinnorientierter, kontrollierter Verkauf den Schwarzmarkt spürbar austrocknen kann, ohne den Konsum in die Höhe zu treiben.
Einordnung: Mosaik statt Gesetz
Noch laufen die Versuche in einem rechtlichen Provisorium. Das geplante Cannabisproduktegesetz (CanPG), das den Übergang von Pilotprojekten zu einer dauerhaften Regulierung schaffen soll, steckt weiter in der parlamentarischen Überarbeitung. Im Mai 2026 hat die zuständige Kommission die Vorlage zur Nachbesserung an die Subkommission zurückgewiesen. Branchenverbände wie die IG Hanf Schweiz tragen die Überarbeitung mit, fordern aber Tempo und eine verbindliche Anschlusslösung, damit die Pilotversuche nicht ins Leere laufen.
Bis dahin bleibt die Schweiz ein Flickenteppich aus einzelnen, wissenschaftlich begleiteten Projekten. Der St. Galler Versuch mit seinem Postversand liefert dabei ein Puzzleteil, das in keinem anderen Pilot bisher getestet wurde, und könnte zeigen, wie ein künftiger legaler Markt seine Kundschaft tatsächlich erreicht.
Sollte Cannabis in der Schweiz per Post verschickt werden dürfen?
Quelle: Newsletter der IG Hanf Schweiz (Juli 2026); BAG-Übersicht der bewilligten Pilotversuche.


































