Früher war das Wissen, wie man ein Seil herstellt, eine Fähigkeit, die für einige Menschen zum Überleben notwendig war. Die Segelschiffe der großen Entdecker wären ohne Seile nicht funktionsfähig gewesen. Heute beherrschen nur noch wenige das Handwerk der Seil-Herstellung. Im Lauf der Jahrhunderte haben die Menschen Seile aus einer Vielzahl von Materialien hergestellt, aber lange Zeit war der wichtigste Rohstoff dafür Hanf. Nutzhanf-Pflanzen sind sehr vielseitig verwendbar und eignen sich gut für die Herstellung von Hanfseilen.
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Nutzhanf ist mehr als nur CBD
Heutzutage wird der Hanfanbau in immer mehr Ländern wieder verstärkt betrieben. Nutzhanf hat keine der berauschenden Eigenschaften wie THC-haltige Cannabispflanzen und wird für viele nützliche Dinge angebaut. Zwar sind aktuell gesundheitsfördernde Nahrungsergänzungsmittel wie Öle mit Cannabidiol, dem sekundären Wirkstoff der Hanfpflanze, sehr beliebt und für viele Menschen zur ersten Assoziation mit Nutzhanf geworden, aber eigentlich ist die Cannabispflanze ein Rohstofflieferant für sehr viele verschiedene nützliche Dinge wie Hanfgarn, Papier, Stoff und natürlich auch das Hanf Seil.
Vorteile von Hanf in der Seilherstellung
Die Hanfpflanze ist zur Verwendung in der Seilherstellung schwer zu schlagen. Hanf ist eine schnell wachsende Pflanze und eignet sich perfekt für die Herstellung von Seilen. Die Hanfpflanze wächst schnell und produziert bis zu 75 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr. Sie gedeiht auf schlechtem Boden, benötigt keine Düngemittel und Pestizide, um erfolgreich zu sein, und verschlingt atmosphärisches CO₂, was den Treibhauseffekt hemmt. Der Hanf produziert mehr Fasern als Baumwolle oder Flachs. Leider ist es jedoch recht aufwendig und kostenintensiv, die Faser aus der Pflanze zu gewinnen, um daraus Hanfseil, Garn oder Schnur herzustellen.
Herstellung von Hanfseilen und Tauwerk
Ein geschlagenes Tau wird hergestellt, indem man Faserstränge unter Spannung zusammendreht. Die einzelnen Fäden werden rechtsherum gedreht und bilden die Garne. Die Garne wiederum werden linksherum verdreht und daraus entstehen die sogenannten Kardeele, das sind Einzelseile, die dann zu schwereren Tauwerken weiterverarbeitet werden. Üblicherweise werden dann drei oder vier dieser Kardeelen als abwechselnd links- und rechtsherum gedrehte Stränge zu einem geschlagenen Tau verarbeitet. Daneben kann man ein aber auch Tau flechten, das dann im Normalfall aus einem Mantel und einem Kern, der im maritimen Bereich auch Seele genannt wird, besteht. Der Mantel besteht aus einem Flechtwerk aus beispielsweise 32 Garnen, die Seele besteht entweder ebenfalls aus einem geflochtenen oder einem geschlagenen Strang.
Moderne Technik baut auf den bewährten Rohstoff Hanf
Heutzutage gibt es viele Variationen, in denen z. B. Hanfseile hergestellt werden, so etwa das recht moderne Squareline-Tauwerk, das aus acht miteinander verflochtenen Kardeelen besteht. Von diesen acht Kardeelen sind jeweils vier rechts- und vier linksherum gedreht, was dazu führt, dass das Tau nach dem Flechten einen nahezu quadratischen Querschnitt aufweist. Auch wenn sich die Methoden und Techniken der Seilerei angepasst und weiterentwickelt haben, bleibt Hanf dafür bis heute der Rohstoff der Wahl, sowohl was die Gewinnung anbelangt, als auch die Stabilität, Belastbarkeit und Haltbarkeit.
Häufige Fragen zu Hanfseilen
Wie reißfest ist ein Hanfseil?
Hanf zählt zu den reißfestesten Naturfasern überhaupt: Ein gut gedrehtes Hanfseil erreicht eine Bruchlast, die viele synthetische Seile gleichen Durchmessers übertrifft, und behält seine Stabilität auch unter Dauerlast. Verantwortlich dafür sind die langen, festen Bastfasern aus dem Stängel der Pflanze – mehr dazu in unserem Beitrag über die heimische Faserpflanze Hanf.
Ist ein Hanfseil wasserfest?
Hanf nimmt Feuchtigkeit auf und quillt dabei leicht – ein Effekt, den die Seefahrt früher gezielt nutzte, weil sich Knoten und Spleiße im nassen Tauwerk zusätzlich festsetzten. Vollständig wasserfest ist Hanf jedoch nicht: Damit ein Hanfseil nicht stockt oder fault, sollte es nach dem Kontakt mit Nässe immer gut durchtrocknen.
Wie pflege ich ein Hanfseil richtig?
Lagere Hanfseile trocken, luftig und vor direkter Sonne geschützt, damit die Fasern nicht spröde werden. Nach Feuchtigkeit gut trocknen lassen, grobe Verschmutzungen ausbürsten und das Seil locker aufschießen statt eng zu knicken – so bleibt ein Naturseil über viele Jahre belastbar.
Hanfseil oder Kunststoffseil – was ist nachhaltiger?
Hanfseile sind biologisch abbaubar, nachwachsend und kommen ohne Erdöl aus, während Kunststoffseile aus fossilen Rohstoffen bestehen und beim Verschleiß Mikroplastik freisetzen. Wie vielseitig der nachwachsende Rohstoff Hanf eine nachhaltigere Materialwirtschaft ermöglicht, zeigt unser Überblick Hanf als Lösung für eine nachhaltige Zukunft sowie unser Beitrag über Hanffaser als nachhaltigste Faser der Welt.
Wofür wird Hanffaser außer für Seile noch genutzt?
Aus der Hanffaser entstehen Textilien, Dämmstoffe, Papier und sogar Verbundwerkstoffe. Selbst die holzigen Schäben aus dem Stängelinneren werden weiterverwertet – etwa als Einstreu, Baustoff und Dämmmaterial. Zunehmend ersetzt Hanf auch erdölbasierte Kunststoffe, wie unser Beitrag über Hanf als Kunststoffersatz in Verpackungen zeigt.





































