Brasilien hat im November 2025 die Marke von 873.000 registrierten Cannabis-Patienten überschritten und nähert sich damit der deutschen Größenordnung an, ohne in den deutschsprachigen Branchenmedien bisher stark präsent gewesen zu sein.
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Auf der Cannabis Fair Brazil vom 21. bis 23. Mai 2026 im Transamérica Expo Center in São Paulo treffen sich Hersteller, Behörden und Mediziner aus Brasilien, den USA, Kolumbien und Uruguay, um die Folgen eines Wachstumssprungs zu diskutieren, der den lateinamerikanischen Markt binnen weniger Quartale zur ernsten Konkurrenz für die etablierten Versorgungsketten macht.
Von 672.000 auf 873.000 Patienten: Brasiliens Sprung in zwölf Monaten
Im Mai 2025 zählte Brasilien laut ANVISA-nahen Auswertungen rund 672.000 medizinische Cannabis-Patienten. Sechs Monate später, im November 2025, lag die Zahl bei über 873.000. Das jährliche Patientenwachstum lag damit zuletzt bei rund 56 Prozent, der Marktumsatz wuchs in derselben Periode um 22 Prozent auf umgerechnet etwa 187 Millionen US-Dollar (R$971 Millionen). Zum Vergleich: Deutschland verfügt nach den Schätzungen aus dem Marktbericht für Medizinalhanf 2026 über 700.000 bis 900.000 Patienten, die brasilianische Bevölkerung ist mit 221 Millionen Einwohnern jedoch fast dreimal so groß wie die deutsche.
Die Zugangswege unterscheiden sich deutlich vom deutschen Modell. 47 Prozent der brasilianischen Patienten beziehen ihre Produkte über den persönlichen Import nach der Resolution RDC 660, 31 Prozent erhalten in der Apotheke registrierte Arzneimittel nach RDC 327, weitere 22 Prozent versorgen sich über Patientenvereinigungen. Diese Vereinigungen, die in Brasilien eine ähnliche Rolle wie deutsche Anbauvereinigungen einnehmen, decken nach Daten der International Cannabis Business Conference inzwischen mehr als 80 Prozent der brasilianischen Gemeinden ab.
Was das STJ-Urteil und die ANVISA-Reform 2025 wirklich verändert haben
Den regulatorischen Anschub lieferte der Oberste Gerichtshof Brasiliens im November 2024. Das STJ-Urteil ermöglichte erstmals den legalen Import von Cannabissamen sowie den industriellen Anbau für medizinische und pharmazeutische Zwecke im Inland und beendete damit eine fast zweijährige Hängepartie. Wie weitreichend dieser Schritt war, hat das Hanf Magazin bereits beim ersten Urteil im Dezember 2024 dokumentiert, als der Oberste Gerichtshof die Hanfindustrie freigab.
2025 und 2026 folgten mehrere ANVISA-Resolutionen, die Anbau-Autorisierungen, Verschreibungsprotokolle und Etikettierungsvorgaben modernisierten. Beobachter aus Deutschland verfolgen das Tempo aufmerksam, weil die Strukturreform Brasiliens zeitgleich mit der deutschen Diskussion um das MedCanG-Update läuft, in der die Bundesregierung den Cannabis-Versand und die Telemedizin einschränken will. Der erwartete Rückschritt bei der Versorgung in Deutschland trifft auf eine Aufbruchstimmung in São Paulo.
Cannabis Fair Brazil 2026 als Bühne für die nächsten Lieferketten
Die Cannabis Fair Brazil findet vom 21. bis 23. Mai 2026 im Transamérica Expo Center in São Paulo statt und wird damit zur größten Cannabis-Branchenmesse Lateinamerikas. Aussteller aus Brasilien, den USA, Kolumbien und Uruguay präsentieren Produkte, Diagnostik und Anbautechnik. Parallel läuft der Brazilian Medical Cannabis Congress mit klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkten, der sich vor allem an verschreibende Ärzte und Apotheken richtet.
Für deutsche Importeure ist die Messe aus zwei Gründen relevant. Erstens zeichnen sich brasilianische Produzenten auf dem Weg zu EU-GMP-Zertifizierungen ab, was sie mittelfristig zu möglichen Lieferanten für deutsche Apotheken macht. Zweitens beobachten europäische Versorger, wie schnell ein Land mit großzügigem Personal-Import und etablierter Patientenvereins-Struktur Marktanteile aufbauen kann. Die deutsche Branche kennt das Phänomen aus Kanada und Portugal, wie der Vorbericht zur Cannabis Europa London 2026 dokumentiert.
Was Brasiliens Aufstieg für Deutschland bedeutet
Deutschland importierte 2025 nach Angaben des BfArM 201,1 Tonnen Cannabisblüten und blieb damit der größte europäische Markt, wie die Auswertung zu Deutschland und der 200-Tonnen-Marke belegt. In den deutschen Top-Herkunftsländern Kanada, Portugal, Dänemark und Nordmazedonien taucht Brasilien bislang nicht auf. Sollte sich der ANVISA-Kurs aber verstetigen und sollten brasilianische Produzenten EU-GMP-konform aufstellen, wäre Brasilien als preisgünstigere Alternative zur kanadischen Großserie ein realistischer Lieferant. Die deutsche Branche sollte den 873.000-Patienten-Meilenstein deshalb nicht als reine Südamerika-Story lesen, sondern als Fingerzeig, wo der nächste Großhandelswettbewerb entstehen könnte.
Häufige Fragen
Wie viele Cannabis-Patienten gibt es in Brasilien aktuell?
Im November 2025 waren bei den brasilianischen Behörden über 873.000 Patienten registriert. Das ist ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber Mai 2025, als es noch 672.000 waren. Das Wachstumstempo gilt als das höchste aller großen Cannabis-Märkte weltweit.
Wie groß ist der brasilianische Cannabismarkt im Vergleich zu Deutschland?
Brasilien erreichte 2025 ein Marktvolumen von rund 187 Millionen US-Dollar. Der deutsche Medizinalcannabis-Markt liegt nach Schätzungen für 2025 in der Größenordnung von einer Milliarde Euro brutto. Bei den Patientenzahlen sind beide Länder ähnlich, Brasilien hat aber eine 2,7-mal größere Bevölkerung, das Wachstumspotenzial ist entsprechend höher.
Welche Wege zum legalen Cannabiszugang gibt es in Brasilien?
Es existieren drei Hauptkanäle. 47 Prozent der Patienten nutzen den persönlichen Import nach der Resolution RDC 660, 31 Prozent beziehen in der Apotheke registrierte Arzneimittel nach RDC 327, und 22 Prozent versorgen sich über Patientenvereinigungen, die in Brasilien als juristische Person Cannabisprodukte für ihre Mitglieder beschaffen.
Wann und wo findet die Cannabis Fair Brazil 2026 statt?
Die Cannabis Fair Brazil läuft vom 21. bis 23. Mai 2026 im Transamérica Expo Center in São Paulo. Parallel findet der Brazilian Medical Cannabis Congress mit ärztlich-wissenschaftlichem Programm statt. Aussteller kommen aus Brasilien, den USA, Kolumbien und Uruguay.
Welche Bedeutung hat der STJ-Beschluss von 2024 für den Markt?
Mit dem Beschluss erlaubte der Oberste Gerichtshof Brasiliens den Import von Hanfsamen und den industriellen Anbau für medizinische und pharmazeutische Zwecke. Damit wurde die Versorgung von Importen entkoppelt und die Grundlage für eine inländische Produktionsindustrie gelegt, die jetzt schrittweise EU-GMP-Niveau anstrebt.
Quellen: International Cannabis Business Conference (Mai 2025), High Times (06.05.2026), Cannabis Fair Brazil 2026, ANVISA, BfArM (Stand: März 2026).









































