Wer den deutschen Cannabis-Diskurs 2026 abseits von THC-Wettrennen und Legalisierungsschlagzeilen lesen will, kommt an Jasmin Göbel kaum vorbei. Die ehemalige CannaFriends-Macherin hat mit HOLISTIC GREEN eine eigene Brand aufgebaut, die Cannabis konsequent als Teil eines größeren Health-Frameworks aus Nervensystem, Schlaf, Regulation und Lebensqualität denkt. Daneben moderiert sie auf der Mary Jane Berlin die Holistic Green Kamingespräche, führt einen YouTube-Kanal, der trotz Cannabis-Themen als Health- und Education-Format eingeordnet wird, und berät als Cannabis-Brand-Consultant.
Im schriftlichen Interview mit dem Hanf Magazin spricht Göbel über den Auslöser ihres Ausstiegs aus der Messe-Welt, warum die deutsche Cannabis-Branche aus ihrer Sicht beim bewussten Konsum noch massiv unterrepräsentiert ist, welche drei Marken-Fehler sie 2026 am häufigsten sieht, und wo sie HOLISTIC GREEN in 24 Monaten verortet.
Die Antworten sind schriftlich eingegangen und für Lesbarkeit nur minimal redigiert.
💬 Im Gespräch
Jasmin Göbel, Founder HOLISTIC GREEN
Jasmin Göbel ist Founder von HOLISTIC GREEN sowie Holistic Health Coach, Cannabis Educator, Host und Speaker. Vor HOLISTIC GREEN baute sie das Cannabis-Messeformat CannaFriends auf. Heute moderiert sie auf der Mary Jane Berlin die Holistic Green Kamingespräche, führt einen YouTube-Kanal mit Health- und Education-Schwerpunkt und berät als Cannabis-Brand-Consultant Unternehmen im DACH-Raum.
Frage 1: Der Auslöser
Du hast CannaFriends als Trade Fair aufgebaut und bist auf der MJB Multi-Host für die Holistic Green Kamingespräche. Was war der Auslöser, HOLISTIC GREEN eigenständig zu positionieren?
Jasmin: HOLISTIC GREEN ist aus einer Mischung aus Notwendigkeit, Vision und echter Community entstanden. Ich hatte schon lange den Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen, das Cannabis, Gesundheit, Education und moderne Kultur wirklich sinnvoll verbindet. Der finale Auslöser war aber tatsächlich mein Ausstieg aus der Messe.
Durch die ständigen Instagram-Sperrungen wurde ich damals immer sichtbarer und plötzlich selbst zum Gesicht nach außen. Viele kannten irgendwann eher „Jasmin Holistic Green“. Genau dort habe ich gemerkt, dass Menschen nicht nur auf ein Event reagieren, sondern auf Haltung, Vertrauen und ehrliche Kommunikation.
Nach meinem Ausstieg hätte ich theoretisch komplett verschwinden können. Stattdessen habe ich gemerkt, wie stark Netzwerk, Community und Vertrauen bereits gewachsen waren. Parallel wurde mein YouTube-Kanal trotz Cannabis-Themen direkt als Health- und Education-Format eingeordnet. Genau das spiegelt auch meine Erfahrung aus regulierten Märkten wider. Wenn Kommunikation glaubwürdig aufgebaut ist, entsteht echter Trust.
Ich habe schon vor der Teillegalisierung im medizinischen Cannabisbereich gearbeitet, eng mit Ärzten und Patienten zusammen, und immer gesagt: Wenn Cannabis irgendwann legal wird, möchte ich aktiv dabei sein, weil Cannabis mir selbst ein großes Stück Lebensqualität zurückgegeben hat.
Frage 2: Bewusster Cannabis-Lifestyle ohne Esoterik
„Bewusster Cannabis-Lifestyle“ ist ein Begriff, der schnell esoterisch klingen kann. Wie hältst du die Brand ganzheitlich und gleichzeitig handfest?
Jasmin: Indem ich das große Ganze betrachte und Cannabis nicht isoliert sehe. Genau das hat mir in der Branche oft gefehlt. Entweder wurde Cannabis komplett glorifiziert oder alles wurde nur auf THC reduziert. Für mich war Cannabis aber immer ein Tool innerhalb eines viel größeren Zusammenspiels aus Nervensystem, Ernährung, Stress, Regulation, Schlaf, Routinen und Lebensqualität.
Gerade weil Cannabis verstärken kann, ist bewusster Umgang so wichtig. Wenn ein Mensch dauerhaft drüber ist, reizüberflutet oder dysreguliert lebt, kann Cannabis genau das oft zusätzlich pushen. Wenn Menschen aber anfangen, ihr Nervensystem, ihren Alltag und ihre Gesundheit ganzheitlicher zu betrachten, verändert sich oft auch die Wirkung von Cannabis komplett.
Gleichzeitig bringe ich meine Erfahrung aus dem Marketing regulierter Märkte mit rein. Ich weiß, wie extrem Kommunikation Wahrnehmung prägt, gerade in der Cannabis-Branche. In den letzten Jahren wurde vieles nur noch auf „höher, stärker, mehr THC“ reduziert. Aber ich merke gerade sehr deutlich, dass die Community selbst anfängt umzudenken. Viele Menschen suchen inzwischen nicht mehr einfach nur den stärksten Effekt, sondern echte Aufklärung, Qualität und einen bewussteren Umgang.
Genau deshalb halte ich HOLISTIC GREEN handfest: durch echte Gespräche, echte Erfahrungen und echte Aufklärung. Auf meinem YouTube-Kanal, bei den Kamingesprächen oder in Workshops bringe ich bewusst unterschiedliche Perspektiven zusammen.
Frage 3: Reibungen zwischen drei Welten
Patient:innen-Perspektive, Branding-Expertise, Business-Education. Du verbindest drei Welten. Wo ergeben sich die spannendsten produktiven Reibungen in deinem Daily Business?
Jasmin: Die spannendsten Reibungen entstehen genau dort, wo echte Menschen auf ein extrem schnell wachsendes Business treffen. Ich bewege mich täglich zwischen Patienten, Community, Ärzten, Brands, Politik, Wissenschaft und Unternehmen, und jede dieser Welten spricht komplett unterschiedlich über Cannabis.
Als Patientin kenne ich die persönliche Seite sehr intensiv. Gleichzeitig arbeite ich schon jahrelang im Cannabis-Marketing und weiß, wie stark Kommunikation Wahrnehmung steuert. Genau dort entstehen oft die spannendsten Spannungen: zwischen echter Aufklärung und Verkaufsdruck, zwischen regulatorischen Grenzen und Community-Realität oder zwischen dem, was Menschen wirklich brauchen, und dem, was gerade am lautesten vermarktet wird.
Durch meine Arbeit im ganzheitlichen Bereich und die vielen Gespräche mit Menschen bekomme ich auch sehr direkt mit, wo die eigentlichen Bedürfnisse liegen: Nervensystem, Schlaf, Stress, Regulation, Überforderung oder einfach wieder mehr Lebensqualität.
Ich merke, dass sich die Branche verändert. Viele wollen nicht mehr nur den höchsten THC-Wert oder den nächsten chemischen Hype. Sie wollen verstehen, warum Cannabis wirkt, wann es hilft und wie man bewusster damit umgehen kann. Genau aus diesen Gesprächen entstehen heute neue Formate, Workshops, Coaching-Angebote oder Produkte wie die FUNCTIONAL GUMMIES, entwickelt aus echter Patienten- und Alltagserfahrung.

„Viele wollen nicht mehr nur den höchsten THC-Wert oder den nächsten chemischen Hype. Sie wollen verstehen, warum Cannabis wirkt, wann es hilft und wie man bewusster damit umgehen kann.“
Jasmin Göbel · HOLISTIC GREEN
Frage 4: Kuratierung der Kamingespräche
Die MJB-Kamingespräche kombinieren Wissenschaft, persönliche Geschichten und Industrie-Stimmen. Wie kuratierst du die Gäste, und wonach entscheidest du, was thematisch zusammengehört?
Jasmin: Ich kuratiere tatsächlich sehr intuitiv, aber gleichzeitig auch extrem bewusst. Ich habe über die Jahre ein großes Netzwerk aufgebaut, von Patienten, Ärzten, Wissenschaftlern und Unternehmern bis hin zu Menschen aus der Community, der Kultur oder auch ganz anderen kreativen Bereichen rund um Cannabis. Ich schaue mir immer zuerst den Menschen dahinter an. Wie spricht jemand? Welche Haltung bringt die Person mit? Ist da echte Erfahrung oder nur eine Rolle?
Und ehrlich gesagt merke ich relativ schnell, ob etwas fließt oder nicht. Mir ist wichtig, dass Menschen authentisch sein dürfen. Selbst wenn jemand erstmal sehr fachlich oder zurückhaltend wirkt, versuche ich oft genau den echten Kern sichtbar zu machen. Genau dort werden Gespräche spannend.
Thematisch schaue ich vor allem darauf, was die Community, Patienten oder auch die Branche gerade wirklich beschäftigt. Wo sind Ängste? Wo fehlen Brücken? Wo wird noch aneinander vorbeigeredet?
Mich interessiert genau diese Verbindung aus Wissenschaft, echten Geschichten und greifbarer Erfahrung. Wenn ein Arzt etwas erklärt und daneben ein Patient oder Konsument genau diese Wirkung aus seinem Alltag beschreibt, entsteht plötzlich Verständnis. Genau dafür öffne und halte ich Räume, online, auf Bühnen, Events oder im 1:1. Denn echte Aufklärung entsteht für mich dort, wo Menschen sich wirklich begegnen.

Frage 5: Unterrepräsentierte Lifestyle-Themen
Welche Cannabis-Lifestyle-Themen sind aus deiner Sicht im deutschen Diskurs 2026 noch unterrepräsentiert?
Jasmin: Aus meiner Sicht ist bewusster Konsum im deutschen Cannabis-Diskurs immer noch massiv unterrepräsentiert. Und ich glaube ehrlich gesagt, dass genau dort einer der wichtigsten Schlüssel für die Zukunft liegt, gesundheitlich, gesellschaftlich und auch politisch.
Viele Diskussionen drehen sich immer noch extrem um THC-Werte, schnelle Wirkung oder Legalisierungsdebatten. Viel zu selten sprechen wir darüber, wie Cannabis eigentlich sinnvoll, reguliert und alltagstauglich genutzt werden kann. Dabei merke ich gerade in der Community, dass viele Menschen eigentlich genau danach suchen.
Ich glaube auch, dass viel Unwissenheit Menschen entweder in dieses „höher, stärker, mehr“ treibt oder dazu führt, dass sie schlechte Erfahrungen machen und Cannabis komplett wieder ablehnen, obwohl es ihnen vielleicht in einer anderen Form oder Dosierung sehr gut helfen könnte.
In Ländern wie in Teilen der USA sieht man bereits, wie vielseitig moderne Cannabis-Kultur eigentlich sein kann: Edibles, Tinkturen, infused Produkte, Cremes oder funktionale Anwendungen gehören dort längst selbstverständlich dazu. Gerade der Edibles- und Functional-Bereich ist in Deutschland aus meiner Sicht noch extrem unterrepräsentiert, obwohl genau dort für viele Patienten und bewusste Konsumenten enormes Potenzial liegt.
Frage 6: Weibliche Bildsprache als Markt-Setzung
HOLISTIC GREEN hat eine eindeutig weibliche Bildsprache. Ist das eine bewusste Markt-Setzung, oder ergibt sich das aus deinem persönlichen Hintergrund?
Jasmin: Die Bildsprache von HOLISTIC GREEN entsteht sehr organisch aus meiner Persönlichkeit und meinem Hintergrund heraus, ist aber gleichzeitig auch eine bewusste Markt-Setzung. Die Cannabis-Branche war visuell lange entweder sehr männlich, sehr medizinisch oder sehr stereotyp dargestellt. Genau davon wollte ich mich bewusst lösen.
Mir war wichtig zu zeigen, dass moderne Cannabis-Kultur auch weich, hochwertig, emotional intelligent und ästhetisch sein kann, ohne dabei an Tiefe oder Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Die weibliche Perspektive spielt dabei natürlich eine große Rolle, vor allem weil Themen wie Nervensystem, Hormone, mentale Gesundheit oder Regulation bei Frauen oft anders erlebt werden. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass sich erstaunlich viele Männer von der Marke angesprochen fühlen, gerade weil HOLISTIC GREEN eben nicht laut oder künstlich wirkt. Das war auch mein Ziel.
Ich glaube, Menschen sehnen sich heute generell stärker nach Authentizität, Ruhe und echter Verbindung, auch visuell. Deshalb geht es bei der Bildsprache nicht einfach um „feminin“, sondern um Atmosphäre, Vertrauen und eine neue Form von moderner Cannabis-Ästhetik, die bewusster, hochwertiger und menschlicher wirkt.

Frage 7: Marken-Fehler 2026
Du arbeitest auch im Cannabis-Brand-Consulting. Welche drei Marken-Fehler siehst du in Deutschland 2026 am häufigsten?
Jasmin: Der häufigste Fehler ist aus meiner Sicht, dass viele Cannabis-Marken immer noch versuchen, entweder maximal edgy oder maximal medizinisch zu wirken, und dabei komplett austauschbar werden.
Gerade beim Naming sehe ich oft zwei Extreme: entweder sehr generische Cali-Ästhetik oder extrem technische Pharma-Namen ohne emotionale Verbindung. Dazwischen fehlt häufig echte Markenidentität.
Bei der Bildsprache wird Cannabis oft entweder übersexualisiert, überstilisiert oder rein funktional dargestellt. Viele Brands vergessen dabei, dass Vertrauen, Atmosphäre und kulturelle Relevanz inzwischen viel wichtiger geworden sind als reine Provokation.
Und tonal sehe ich oft ein großes Problem im Hype-Marketing: höheres THC, aggressiver Verkauf, schnelle Aufmerksamkeit. Kurzfristig funktioniert das vielleicht, langfristig baut man damit aber keine starke Marke auf.
Die Community entwickelt sich gerade massiv weiter. Menschen wollen heute mehr Transparenz, Qualität, Haltung und echte Orientierung. Die stärksten Marken der nächsten Jahre werden deshalb nicht die lautesten sein, sondern die glaubwürdigsten. Cannabis-Kultur wird gerade erwachsener, und genau das müssen Marken auch verstehen.
„Die stärksten Marken der nächsten Jahre werden nicht die lautesten sein, sondern die glaubwürdigsten.“
Jasmin Göbel · HOLISTIC GREEN
Frage 8: Wo HOLISTIC GREEN in 24 Monaten steht
Wo wird HOLISTIC GREEN in 24 Monaten stehen? Magazin, Plattform, Events, Produkte. Hast du eine klare Linie?
Jasmin: Ja, absolut. Die Linie ist heute klarer denn je. HOLISTIC GREEN entwickelt sich gerade bewusst zu einer echten Trust-Marke im Cannabis- und Health-Bereich, mit dem klaren Ziel, Menschen aufzuklären, zu begleiten und moderne ganzheitliche Gesundheit greifbarer zu machen.
Ich glaube, viele Menschen spüren heute intuitiv, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist: Stress, Reizüberflutung, Schlaf, Ernährung, Überforderung oder auch der eigene Konsum. Genau deshalb braucht es aus meiner Sicht mehr Räume, Aufklärung und moderne Ansätze, die hinter die Themen schauen statt nur Symptome oder schnelle Effekte zu behandeln.
Cannabis ist dabei für mich kein reines Lifestyle-Produkt, sondern ein unglaublich spannendes Tool innerhalb eines viel größeren Zusammenhangs aus Nervensystem, Regulation und Lebensqualität.
In den nächsten 24 Monaten werden deshalb Plattform, Community, Talks, Education, Produkte, Workshops und eigene Eventformate noch viel stärker zusammenwachsen. HOLISTIC GREEN soll genau der Ort werden, an dem moderne Cannabis-Kultur, echte Aufklärung und ganzheitliche Gesundheit glaubwürdig zusammenfinden.
Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt. Antworten wurden für Lesbarkeit und Rechtschreibung leicht redigiert, ohne inhaltlich verändert zu werden. Jasmin Göbel moderiert auf der Mary Jane Berlin die Holistic Green Kamingespräche. Weiterführend: holistic-green.de und der YouTube-Kanal von HOLISTIC GREEN.













































