Wer den Namen Besenkraut zum ersten Mal hört, denkt vielleicht an ein einzelnes, klar umrissenes Gewächs. Tatsächlich verbirgt sich dahinter kein eindeutiger botanischer Begriff, sondern ein volkstümlicher Sammelname, der im Lauf der Jahrhunderte gleich mehreren Pflanzen angeheftet wurde. Was sie verbindet, ist nicht die Verwandtschaft, sondern eine ganz praktische Gemeinsamkeit: Aus ihren rutenförmigen Zweigen ließen sich Besen binden. Für ein Magazin, das sich mit Hanf und der oft verwirrenden Welt der Pflanzennamen beschäftigt, ist Besenkraut ein lehrreiches Beispiel dafür, wie Trivialnamen entstehen und warum sie so leicht in die Irre führen.
📑 Inhaltsverzeichnis
Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Pflanzen ein, die im deutschen Sprachraum als Besenkraut firmieren, erklärt die Herkunft des Namens und zeigt, warum solche volkstümlichen Bezeichnungen bei Hanf und vielen anderen Gewächsen mit Vorsicht zu genießen sind.
Was ist Besenkraut eigentlich genau?
Die kurze Antwort lautet: Besenkraut ist kein botanischer Artname, sondern ein Trivialname, der sich auf die historische Nutzung bezieht. Wo immer Menschen aus steifen, geraden Zweigen oder festen Stängeln Reisigbesen fertigten, lag es nahe, die liefernde Pflanze schlicht Besenkraut, Besenstrauch oder Besenheide zu nennen. Weil diese Praxis in ganz Europa verbreitet war und ganz unterschiedliche Arten dafür taugten, hat sich derselbe Name an mehreren, botanisch völlig unverwandten Gewächsen festgesetzt.
Diese Mehrdeutigkeit ist typisch für volkstümliche Pflanzennamen. Ein Trivialname beschreibt meist ein auffälliges Merkmal, einen Verwendungszweck oder einen Geruch, nicht aber die tatsächliche Abstammung. Genau deshalb kann ein und derselbe Name regional verschiedene Pflanzen meinen, während eine einzige Pflanze umgekehrt ein Dutzend Namen tragen kann. Besenkraut ist dafür ein Musterbeispiel, und die Verwechslungsgefahr betrifft keineswegs nur Hobbygärtner.
Die Besen-Radmelde: das eigentliche Besenkraut

Am direktesten trägt die Besen-Radmelde (Bassia scoparia, früher Kochia scoparia) den Namen Besenkraut. Diese einjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse erreicht Wuchshöhen von dreißig bis hundertfünfzig, selten über zweihundert Zentimetern. Ihre dicht verzweigten, aufrecht stehenden Stängel verleihen ihr eine kegelförmige, fast zypressenartige Gestalt, weshalb sie auch Sommerzypresse heißt. Im Herbst färbt sich das feine Laub leuchtend rot, was ihr im Englischen den Namen Burning Bush eingetragen hat.
Der deutsche Name verweist unmittelbar auf die Nutzung: In Ländern wie Italien, Bulgarien, Nordmazedonien, Rumänien, Russland und China band man aus den getrockneten Pflanzen tatsächlich Besen. Heute ist die Besen-Radmelde bei uns vor allem eine dekorative Zierpflanze für Staudenrabatten und kleine Hecken. In einigen Regionen der Welt gilt sie allerdings als invasiver Neophyt, der landwirtschaftliche Flächen überwuchert. Mit Hanf hat sie botanisch nichts gemein, doch sie steht hier stellvertretend dafür, wie ein Verwendungszweck zum Namensgeber wird.
Besenginster und Besenheide: zwei weitere Anwärter

Auch der Besenginster (Cytisus scoparius, synonym Sarothamnus scoparius) wird gebietsweise Besenkraut oder Besenstrauch genannt, in Norddeutschland zudem Brambusch. Dieser ein bis zwei Meter hohe Rutenstrauch aus der Familie der Hülsenfrüchtler überzieht im Mai und Juni Heiden und Böschungen mit goldgelben Schmetterlingsblüten. Sein Name ist gleich doppelt gut belegt: Aus seinen biegsamen Zweigen wurden früher Besen gefertigt, und der wissenschaftliche Beiname scoparius bedeutet im Lateinischen ebenfalls Besen. Die griechische Wurzel von Sarothamnus setzt sich aus saros für Besen und thamnos für Strauch zusammen.
Wichtig zu wissen: Der Besenginster enthält das Alkaloid Spartein und gilt als giftig. Historisch fand er in der Heilkunde bei Herzrhythmusstörungen und als Kreislaufmittel Verwendung, doch von einer Selbstmedikation ist dringend abzuraten. Ein dritter Kandidat ist die Besenheide (Calluna vulgaris), das verbreitete Heidekraut aus der Familie der Heidekrautgewächse. Ihr Gattungsname Calluna leitet sich vom griechischen Wort für kehren oder fegen ab, denn aus den verholzten Trieben band man ebenfalls Besen. Bauern nutzten die Pflanze außerdem als Einstreu im Stall und als Dachdeckmaterial.
Damit nicht genug: Auch die Gewöhnliche Besenrauke (Descurainia sophia), ein Kreuzblütler, taucht in alten Kräuterbüchern unter ähnlichen Namen auf. Vier botanisch grundverschiedene Familien, ein gemeinsamer volkstümlicher Nenner. Wer sich mit der Bestimmung von Pflanzen beschäftigt, erkennt hier rasch, warum der lateinische Artname dem Trivialnamen stets vorzuziehen ist.
Was Besenkraut mit Hanf verbindet
Eine direkte botanische Verwandtschaft zwischen Besenkraut und Hanf gibt es nicht. Die Verbindung liegt auf der sprachlichen und kulturellen Ebene, und genau dort wird es für Hanffreunde interessant. Denn auch Hanf (Cannabis sativa) trägt eine ganze Reihe historischer Trivialnamen, die regional stark variieren. Belegt sind unter anderem Hämp in der Altmark, Hanaf im Althochdeutschen, Hanel in Österreich sowie Hemp im niederdeutschen Raum. Wie beim Besenkraut spiegeln diese Namen nicht die Botanik, sondern Dialekt, Nutzung und Überlieferung wider.
Diese Namensvielfalt führt bis heute zu Missverständnissen. Begriffe wie Hanf, Cannabis, Marihuana und Haschisch werden umgangssprachlich oft synonym gebraucht, obwohl sie botanisch und rechtlich unterschiedliche Dinge meinen. Während Hanf meist für die faserliefernde, THC-arme Nutzpflanze steht, bezeichnet Marihuana die getrockneten Blüten mit psychoaktivem Potenzial. Wer Pflanzennamen ernst nimmt, vermeidet hier teure Irrtümer, und das gilt für den Garten ebenso wie für den Gesetzestext.
Spannend wird es, wenn ein Geruch oder eine Gestalt zur Verwechslung mit Hanf einlädt. Der langgrifflige Rosenwaldmeister, der wie Marihuana riecht, ist ein bekanntes Beispiel dafür, wie sehr Trivialnamen und sinnliche Eindrücke in die Irre führen können. Auch alte Ritualpflanzen tragen oft mehrere Namen, wie der Blick auf den Beifuß als uralte Ritual- und Zauberpflanze zeigt. In beiden Fällen lohnt sich derselbe Reflex wie beim Besenkraut: erst den botanischen Namen klären, dann urteilen.
Warum Trivialnamen so leicht in die Irre führen

Das Beispiel Besenkraut zeigt eindrücklich, dass ein volkstümlicher Name selten eine sichere Auskunft über eine Pflanze gibt. Mindestens vier Arten aus vier verschiedenen Pflanzenfamilien beanspruchen den Begriff für sich, und je nach Region kann noch eine weitere gemeint sein. Wer eine Pflanze sicher identifizieren will, etwa um ihre Giftigkeit, Heilwirkung oder Rechtslage einzuschätzen, kommt am wissenschaftlichen Doppelnamen aus Gattung und Art nicht vorbei.
Für den Umgang mit Hanf bedeutet das vor allem eines: Verlassen Sie sich nicht auf den Klang eines Namens. Ein vermeintliches Besenkraut im Beet kann je nach Herkunft eine harmlose Zierpflanze, ein giftiger Strauch oder ein robustes Heidekraut sein. Die Botanik hält für jede dieser Pflanzen eine eindeutige Bezeichnung bereit, und nur sie schafft Klarheit. Genau diese Sorgfalt ist es, die ein fundiertes Verständnis von Pflanzen, ob Hanf oder Heide, vom oberflächlichen Hörensagen unterscheidet.
Häufige Fragen
Ist Besenkraut dasselbe wie Hanf?
Nein, Besenkraut und Hanf sind botanisch nicht verwandt. Besenkraut ist ein volkstümlicher Sammelname für mehrere Pflanzen, deren Zweige zum Besenbinden taugten. Die Verbindung zum Hanf besteht nur darin, dass auch Hanf zahlreiche historische Trivialnamen trägt und beide damit das Problem mehrdeutiger Pflanzennamen veranschaulichen.
Welche Pflanze ist mit Besenkraut gemeint?
Am häufigsten meint Besenkraut die Besen-Radmelde (Bassia scoparia), auch Sommerzypresse genannt. Regional bezeichnet der Name aber auch den Besenginster (Cytisus scoparius) oder die Besenheide (Calluna vulgaris). Welche Pflanze gemeint ist, lässt sich nur über den wissenschaftlichen Namen zweifelsfrei klären.
Woher kommt der Name Besenkraut?
Der Name verweist auf die historische Nutzung: Aus den steifen, geraden Zweigen oder Stängeln dieser Pflanzen band man früher Reisigbesen. Weil diese Praxis in ganz Europa üblich war und mehrere Arten dafür taugten, übertrug sich derselbe Name auf botanisch unverwandte Gewächse.
Ist Besenkraut giftig?
Das hängt davon ab, welche Pflanze gemeint ist. Der Besenginster enthält das giftige Alkaloid Spartein und sollte nicht ohne fachkundige Begleitung verwendet werden. Die Besen-Radmelde und die Besenheide gelten dagegen als weitgehend ungefährlich. Gerade diese Unsicherheit zeigt, warum der eindeutige botanische Name so wichtig ist.
Warum sind volkstümliche Pflanzennamen problematisch?
Trivialnamen beschreiben meist ein Merkmal, eine Nutzung oder einen Geruch, nicht die Abstammung. Dadurch kann ein Name mehrere Pflanzen meinen, während eine Pflanze viele Namen trägt. Für eine sichere Bestimmung, etwa hinsichtlich Giftigkeit oder Rechtslage, ist deshalb der wissenschaftliche Name aus Gattung und Art unverzichtbar.










































