Die Europäische Drogenagentur (EUDA) hat am 9. Juni 2026 in Brüssel ihren Europäischen Drogenbericht 2026 vorgelegt. Cannabis bleibt darin mit deutlichem Abstand die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Europa. Rund 25 Millionen Erwachsene gaben an, die Substanz im vergangenen Jahr verwendet zu haben.
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Cannabis bleibt Europas meistkonsumierte illegale Substanz
Der Bericht stützt sich auf Daten aus 29 Ländern, also der gesamten EU sowie Norwegen und der Türkei. Demnach haben etwa 8,7 Prozent der Erwachsenen zwischen 15 und 64 Jahren im letzten Jahr Cannabis konsumiert. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 15 und 34 Jahren liegt der Anteil mit 15,3 Prozent fast doppelt so hoch. In der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen berichten sogar 18 Prozent von einem Konsum im vergangenen Jahr.
Auffällig ist der Anteil der intensiven Nutzung. Etwa 1,6 Prozent der Erwachsenen und 2,3 Prozent der jungen Erwachsenen konsumieren täglich oder nahezu täglich. Diese Gruppe steht im Zentrum der Risikobetrachtung, weil regelmäßiger Konsum stärker mit Abhängigkeit und psychischen Problemen verbunden ist. Dass die Gesamtzahlen über die Jahre vergleichsweise stabil bleiben, passt zu Beobachtungen aus Deutschland. So zeigte eine Trierer Studie zum Konsum nach der Legalisierung, dass die befürchtete Konsumwelle ausgeblieben ist.
Steigende Potenz: Harz erreicht 24,6 Prozent THC
Deutlich verändert hat sich dagegen die Wirkstärke. Cannabisharz enthielt 2024 im Mittel 24,6 Prozent THC und damit doppelt so viel wie Marihuana mit rund 12 Prozent. Seit 2014 ist der THC-Gehalt von Harz um 66 Prozent gestiegen, bei Blüten um 19 Prozent. Höhere Wirkstoffgehalte bedeuten ein größeres Risiko für unerwünschte Wirkungen, vor allem bei unerfahrenen Konsumenten. Welche Aussagekraft solche Spitzenwerte tatsächlich haben, ordnen wir in unserem Vergleich der stärksten Cannabissorten und ihrer THC-Spitzenwerte ein.
Gesundheitliche Folgen und Behandlungsbedarf
Der Bericht verbindet täglichen Konsum mit Atemwegsbeschwerden, Abhängigkeit, psychotischen Symptomen und schlechteren Bildungsergebnissen. In den Notaufnahmen war Cannabis 2023 in Spanien an 46 Prozent und in Frankreich an 28 Prozent der drogenbezogenen Fälle beteiligt. Das europäische Klinik-Netzwerk Euro-DEN Plus registrierte 2024 einen Median von 20 Prozent, meist in Kombination mit anderen Substanzen.
Cannabis macht zugleich rund 33 Prozent aller Behandlungsnachfragen wegen Drogenkonsums in der EU aus. Zwischen dem ersten Konsum und dem Beginn einer Behandlung liegen im Schnitt elf Jahre. Wie heikel die Risikobewertung im Einzelfall ist, zeigt unsere Einordnung zu Cannabis und Psychosen. Dass eine Liberalisierung nicht zwangsläufig mehr Schaden bedeutet, legt dagegen eine NIH-Studie zu Opioid-Vergiftungen nahe.
Halbsynthetische Cannabinoide und neue Produkte
Besondere Aufmerksamkeit widmet die EUDA neuen Produkten. Halbsynthetische Cannabinoide wie HHC, die aus CBD hergestellt werden, sowie hochpotente Extrakte und essbare Produkte führten zuletzt vermehrt zu akuten Vergiftungen und Anrufen bei Giftnotrufzentralen. Mehrere Länder haben bereits reagiert, etwa Portugal mit einem HHC-Verbot. Für die Behörden ist die schnelle Abfolge immer neuer Substanzen eine dauerhafte Herausforderung.
Was der Bericht für Deutschland bedeutet
Für Deutschland hält der Bericht fest, dass seit Februar 2024 Eigenanbau, Besitz und die Abgabe über Anbauvereinigungen in Grenzen erlaubt sind. Der Eigenanbau werde jedoch nicht systematisch erfasst, weshalb belastbare Zahlen zur Verbreitung bislang fehlen. Einen Zwischenbericht zur Evaluierung legte Deutschland Ende 2025 vor.
Beim Angebot verweist die EUDA auf 2024 sichergestellte 321 Tonnen Haschisch, ein Rückgang um 42 Prozent, sowie 199 Tonnen Marihuana. Die Schmuggelrouten verlaufen zunehmend über die Häfen Rotterdam und Antwerpen, teils mit Ware aus Nordamerika. Wie professionell dieser Markt arbeitet, zeigt unser Bericht über eine Schmuggel-Operation und Europas Schwarzmarkt.
Häufige Fragen
Was ist der Europäische Drogenbericht 2026?
Der Bericht der Europäischen Drogenagentur (EUDA) erscheint jährlich und bündelt Daten zu Konsum, Angebot und Folgen illegaler Drogen. Die Ausgabe 2026 wurde am 9. Juni in Brüssel vorgestellt und stützt sich auf Daten aus 29 Ländern.
Wie viele Menschen in Europa konsumieren Cannabis?
Schätzungsweise 25 Millionen Erwachsene, also 8,7 Prozent der 15- bis 64-Jährigen, haben im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert. Bei den 15- bis 34-Jährigen liegt der Anteil mit 15,3 Prozent deutlich höher.
Wie stark ist Cannabis heute?
Cannabisharz erreichte 2024 im Durchschnitt 24,6 Prozent THC, Marihuana etwa 12 Prozent. Damit hat sich die Wirkstärke von Harz innerhalb von zehn Jahren um rund zwei Drittel erhöht.
Welche Rolle spielen HHC und essbare Produkte?
Halbsynthetische Cannabinoide wie HHC sowie hochpotente Extrakte und Edibles bereiten der EUDA Sorge, weil sie zu akuten Vergiftungen führen können. Mehrere europäische Länder haben HHC inzwischen verboten oder streng reguliert.
Was bedeutet der Bericht für Deutschland?
Deutschland erlaubt seit 2024 einen begrenzten Eigenanbau und die Abgabe über Anbauvereinigungen. Der Bericht betont, dass der Eigenanbau nicht systematisch erfasst wird, weshalb genaue Daten zur Verbreitung noch fehlen.
Quelle: Europäische Drogenagentur (EUDA), Europäischer Drogenbericht 2026, veröffentlicht am 9. Juni 2026 in Brüssel.






































