Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, die das Bundeskriminalamt am 20. April 2026 vorgestellt hat, liefert erstmals harte Zahlen zur Wirkung der Cannabis-Entkriminalisierung. Das Ergebnis ist eindeutig: Cannabis-bezogene Straftaten sind im Vergleich zum Vorjahr um rund 28 Prozent zurückgegangen. Zum ersten Mal machen konsumnahe Delikte nicht mehr die Mehrheit aller Cannabis-Straftaten aus.
📑 Inhaltsverzeichnis
Konsumdelikte verlieren ihre Dominanz
Insgesamt wurden 2025 genau 42.823 Straftaten nach Paragraf 34 KCanG registriert. Das klingt nach einer hohen Zahl, doch der Kontext ist entscheidend: In den Jahren vor der Teillegalisierung blähten schlichte Besitzdelikte die Statistik massiv auf. Wer erwachsen ist und bis zu 25 Gramm Cannabis bei sich trägt, macht sich heute keine Straftat mehr schuldig. Diese Verschiebung zeigt die PKS 2025 exemplarisch: Unerlaubter Besitz und unerlaubte Weitergabe ohne Gewinnabsicht machen zusammen nur noch einen kleinen Teil der Gesamtzahl aus.
Konkret entfallen 4.218 Fälle auf unerlaubten Besitz und 3.386 auf unerlaubte Weitergabe ohne Gewinnabsicht. Das sind konsumnahe Verstöße gegen die Grenzen des legalen Rahmens, also Besitzmengen über 25 Gramm oder in Situationen mit jugendschutzrelevanten Umständen. Zusammen stehen diese Delikte für weniger als 18 Prozent aller Cannabis-Straftaten im Jahr 2025. Eine historische Verschiebung im Vergleich zu den Vorjahren, als Konsumenten die polizeiliche Aufmerksamkeit dominierten. Wie die Zweijahresbilanz des Cannabisgesetzes bereits zeigte, war dieser Trend schon früh erkennbar.
Handel und Schmuggel dominieren die neue Statistik
An der Spitze der Cannabis-Delikte steht nun der unerlaubte Handel mit 17.727 Fällen, gefolgt vom Schmuggel mit 7.366 Fällen. Diese beiden Kategorien machen zusammen fast 58 Prozent aller Cannabis-Straftaten aus. Das ist keine neue Erscheinung der Legalisierung, sondern spiegelt den weiterhin aktiven Schwarzmarkt wider, den der BKA-Präsident zuletzt in einem vielbeachteten Interview als ungebrochen bezeichnet hatte.
Hinzu kommen 1.636 Fälle unerlaubten Anbaus, 5.207 schwere Fälle nach Paragraf 34 Abs. 3 KCanG sowie 998 Straftaten im Verbrechensbereich. Die Struktur der Cannabis-Kriminalität hat sich damit grundlegend verändert: Weg vom Konsumenten, hin zum Dealer und Schmuggler. Das entspricht dem erklärten Ziel des Konsumcannabisgesetzes, das die Strafverfolgung auf den illegalen Markt konzentrieren wollte, statt auf den Eigenkonsum Erwachsener.
Rückgang auch bei der Gesamtkriminalität
Die PKS 2025 zeigt, dass die Gesamtzahl aller Straftaten in Deutschland um 5,6 Prozent gesunken ist. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verwies dabei auf den Cannabis-Effekt, räumte aber ein: Selbst wenn man alle Cannabis-Delikte aus der Statistik herausrechnet, bleibt ein Rückgang von 4,7 Prozent. Der Entkriminalisierungseffekt ist also real, er erklärt aber nicht den gesamten Rückgang.
Für die politische Debatte ist das eine wichtige Klarstellung. Wer argumentiert, der Statistikrückgang sei ein rein technischer Buchführungseffekt der Legalisierung, liegt falsch. Der CanG-Zwischenbericht vom April 2026 hatte ähnliche Tendenzen skizziert; die PKS 2025 liefert nun die amtliche Bestätigung mit belastbaren Jahresdaten.
Andere Drogen legen zu
Parallel zum Rückgang bei Cannabis-Straftaten zeigt die PKS 2025 einen Anstieg bei anderen Substanzen. Kokain-Delikte stiegen um 1,9 Prozent, Methamphetamin-Delikte um 3,0 Prozent. Straftaten im Zusammenhang mit neuen psychoaktiven Substanzen legten sogar um 25,5 Prozent zu. Das deutet auf eine Verschiebung im illegalen Markt hin, die Kriminologen seit Beginn der Legalisierungsdebatte als mögliche Konsequenz beschrieben hatten.
Einen direkten Kausalzusammenhang herzustellen, wäre voreilig. Neue psychoaktive Substanzen haben unabhängig von der Cannabis-Regulierung in ganz Europa an Bedeutung gewonnen. Dennoch sind die Zahlen ein Signal, das künftige Evaluationen berücksichtigen sollten. Die Cannabis-Reform hat den Drogenkonsum insgesamt nicht zum Verschwinden gebracht, sie hat aber einen konkreten Bereich rechtlich neu geordnet und damit polizeiliche Ressourcen verschoben.
Häufige Fragen
Wie viele Cannabis-Straftaten wurden 2025 registriert?
Das BKA registrierte 42.823 Straftaten nach Paragraf 34 KCanG im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von rund 28 Prozent im Vergleich zu 2024, als kombinierte Delikte nach altem und neuem Recht wesentlich mehr Fälle ergaben.
Warum ist die Zahl der Konsumdelikte gesunken?
Durch das Konsumcannabisgesetz (KCanG) vom April 2024 ist der Besitz von bis zu 25 Gramm für Erwachsene nicht mehr strafbar. Das eliminierte einen Großteil der früher erfassten Besitzdelikte aus der Statistik. Zum ersten Mal machen konsumnahe Vergehen nicht mehr die Mehrheit der Cannabis-Straftaten aus.
Was sind jetzt die häufigsten Cannabis-Straftaten?
Unerlaubter Handel (17.727 Fälle) und Schmuggel (7.366) führen die Statistik an. Zusammen machen sie fast 58 Prozent aller Cannabis-Delikte aus. Das zeigt, dass die Strafverfolgung sich verstärkt auf den Schwarzmarkt konzentriert, statt auf Konsumenten.
Hat die Cannabis-Legalisierung die Gesamtkriminalität gesenkt?
Die Gesamtzahl aller Straftaten sank um 5,6 Prozent. Selbst ohne Cannabis-Delikte bleibt ein Rückgang von 4,7 Prozent, was zeigt, dass der Effekt nicht nur ein statistischer Buchführungstrick ist, sondern auf tatsächlich rückläufige Kriminalität hindeutet.
Was bedeutet die PKS 2025 für die politische Debatte um das CanG?
Die Statistik liefert erstmals belastbare Jahresganzdaten unter dem neuen Recht. Sie stärkt die Position derer, die argumentieren, dass Entkriminalisierung die Kriminalitätsbelastung durch Cannabis senkt, ohne andere Delikte massiv anzutreiben. Ein Argument, das in der aktuellen Debatte um mögliche Korrekturen am CanG von Bedeutung ist.








































