Die deutschen Medizinalcannabis-Importe sind im ersten Quartal 2026 erstmals seit zwei Jahren zurückgegangen. Nach aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurden zwischen Januar und März 50,5 Tonnen Cannabis für medizinische und wissenschaftliche Zwecke nach Deutschland eingeführt. Das ist weniger als in den beiden Vorquartalen und markiert den ersten Knick in einer Wachstumskurve, die seit Anfang 2024 ungebremst nach oben zeigte.
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50,5 Tonnen Importmenge im ersten Quartal 2026
Die jetzt veröffentlichten Quartalszahlen ordnen den Markt nach dem Rekordjahr 2025 neu ein. Im dritten Quartal 2025 lag die Importmenge bei rund 59,1 Tonnen, im vierten Quartal sogar bei etwa 60,8 Tonnen. Mit 50,5 Tonnen im ersten Quartal 2026 liegt der Wert leicht über dem zweiten Quartal 2025 und entspricht in etwa dem Durchschnittswert des Vorjahres. Für den Gesamtmarkt bleibt die Größenordnung also intakt, der ständige Aufwärtstrend ist aber erstmals unterbrochen.
Zur Einordnung lohnt der Blick zurück: Im ersten Quartal 2024, also kurz nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes und der Überführung von Medizinalcannabis in das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG), lagen die Importe bei lediglich 8,1 Tonnen. Innerhalb von acht Quartalen hat sich die importierte Monatsmenge damit mehr als versechsfacht. In Summe wurden 2025 etwas mehr als 200 Tonnen importiert, exportiert wurde dagegen nur ein Bruchteil. Die Ausfuhr lag im gesamten Jahr 2025 bei etwa 6,4 Tonnen, im ersten Quartal 2026 bei rund 1,5 Tonnen.
Kanada bleibt klarer Marktführer, Tschechien rückt auf
Bei den Herkunftsländern bestätigt sich das gewohnte Bild. Mehr als die Hälfte der Importmenge stammt erneut aus Kanada: 26,8 Tonnen entfielen im ersten Quartal 2026 auf den nordamerikanischen Marktführer. Damit liefert Kanada weiterhin den Großteil der in deutschen Apotheken abgegebenen Blüten und Extrakte. Wir hatten im April darüber berichtet, dass Kanada zeitweise rund 62 Prozent seiner Blütenexporte nach Deutschland schickte. Für den deutschen Markt bedeutet diese Konzentration auch eine Abhängigkeit von kanadischen Lieferketten und Wechselkursen.
Hinter Kanada folgt Portugal mit 10,3 Tonnen als zweitwichtigste Bezugsquelle. Der Wert liegt allerdings unter dem Schnitt des Vorjahres. Diese Verschiebung passt zur Beobachtung, dass Portugal seinen Status als Europas Verarbeitungshub schrittweise verliert, weil andere EU-GMP-Standorte schneller skalieren. Dänemark legte mit 3,3 Tonnen im Vergleich zum Durchschnitt 2025 etwas zu, Nordmazedonien blieb mit 1,7 Tonnen knapp unter dem Vorjahresschnitt.
Auffällig ist die Bewegung in Tschechien. Mit nun rund zwei Tonnen pro Quartal hat sich das Volumen im Vergleich zum Schnitt 2025 deutlich erhöht. Der tschechische Anbau profitiert von einer regulatorisch entspannten Lage, neuen GACP- und EU-GMP-Kapazitäten und der geografischen Nähe zum deutschen Großhandel. Auch kleinere Standorte wie Jersey haben sich in den vergangenen Quartalen in der deutschen Importbilanz etabliert.
Konsolidierung statt Crash
Ein einzelnes Quartal mit rückläufigen Importen ist kein Krisensignal, sondern ein Hinweis auf eine sich normalisierende Marktentwicklung. Nach dem rasanten Aufbau seit Anfang 2024 dürften Lagerhaltung in Apotheken und Großhandel, eine breitere Sortenpalette und der zunehmende Wettbewerb über die Importmengen mitentscheiden. Mit dem Erreichen der 200-Tonnen-Marke im Jahr 2025 hat der Markt eine Größe erreicht, in der einzelne Quartale stärker schwanken können, ohne dass der Trend bricht.
Hinzu kommt die regulatorische Dynamik. Die laufende Novelle des MedCanG mit verschärftem Persönlichkeitskontakt zwischen Patient und Arzt sowie die Diskussion um Erstattungsregeln für Cannabisblüten erzeugen Unsicherheit bei Anbietern und Verschreibern. Wenn neue Regeln Praxisabläufe verändern, schiebt sich auch die Bestellplanung der Importeure. Erste Effekte der Novelle könnten so bereits in den Q1-Zahlen sichtbar werden, ohne dass dies aus der reinen Mengenstatistik abzulesen ist.
Was die Zahlen für Patienten und Branche bedeuten
Für Patientinnen und Patienten ändert die leichte Delle in der Importbilanz zunächst wenig. Die Versorgung in deutschen Apotheken bleibt breit, das Sortenangebot ist groß. Wer auf medizinisches Cannabis angewiesen ist, sollte Importschwankungen aber im Blick behalten, wenn eine bestimmte Sorte oder Charge benötigt wird. Lieferengpässe einzelner Produkte hatten in den vergangenen Monaten weniger mit der Gesamtmenge als mit der Verteilung zwischen Anbietern zu tun.
Für die Branche ist die Botschaft zweischneidig. Auf der einen Seite zeigt das Quartal, dass die deutsche Nachfrage gesättigter ist, als es der lineare Trend von 2024 und 2025 nahegelegt hätte. Auf der anderen Seite bleibt das Importvolumen auf einem historisch hohen Niveau, das BfArM hat die jährliche Importhöchstmenge für 2026 auf 192,5 Tonnen festgelegt. Anbieter mit eigener EU-GMP-Produktion in Europa dürften von der wachsenden Bedeutung tschechischer und dänischer Mengen profitieren. Wer ausschließlich auf nordamerikanische Lieferketten setzt, sieht sich bei stagnierender Nachfrage einem härteren Verteilungswettbewerb gegenüber.
Sollte Deutschland eigenen Anbau statt Importe stärker fördern?
Häufige Fragen
Wie viel medizinisches Cannabis wurde im ersten Quartal 2026 nach Deutschland importiert?
Nach Angaben des BfArM lag die Importmenge im ersten Quartal 2026 bei rund 50,5 Tonnen. Das ist die erste rückläufige Quartalszahl seit Anfang 2024 und liegt etwa zehn Tonnen unter dem Vorquartal.
Welche Länder sind die größten Lieferanten von Medizinalcannabis nach Deutschland?
Kanada bleibt mit 26,8 Tonnen klarer Marktführer und liefert mehr als die Hälfte der gesamten Importmenge. Es folgen Portugal mit 10,3 Tonnen, Dänemark mit 3,3 Tonnen, Tschechien mit rund zwei Tonnen und Nordmazedonien mit 1,7 Tonnen.
Bedeutet der Rückgang einen Trendwechsel auf dem deutschen Markt?
Ein einzelnes Quartal reicht nicht für eine belastbare Trendaussage. Der Rückgang dürfte eine Mischung aus Lagerhaltung, regulatorischer Unsicherheit rund um die MedCanG-Novelle und einer langsamen Marktnormalisierung nach dem rasanten Wachstum 2024 und 2025 widerspiegeln.
Wie viel Cannabis exportiert Deutschland aus eigenem Anbau?
Die Exportmengen sind im Vergleich zu den Importen sehr klein. 2025 wurden in Summe etwa 6,4 Tonnen aus Deutschland exportiert, im ersten Quartal 2026 waren es rund 1,5 Tonnen. Der Markt bleibt damit stark importgetrieben.
Wie hoch ist die jährliche Importhöchstmenge für 2026?
Das BfArM hat die jährliche Importhöchstmenge für 2026 auf 192,5 Tonnen festgelegt. Bei dem aktuellen Quartalsschnitt von 50,5 Tonnen wäre dieser Wert ungefähr ausgeschöpft, sollte das Niveau über das Jahr stabil bleiben.
Quelle: Krautinvest unter Berufung auf BfArM, Quartalszahlen Bundesopiumstelle Mai 2026.












































