Auch in den Niederlanden ist Cannabis nicht legal, auch wenn das immer wieder angenommen wird. Es gibt zwischen legal und illegal noch zahlreiche Abstufungen und Grauzonen. Was in den Niederlanden betrieben wird, ist eine Duldungspolitik. Sprich, es ist eigentlich illegal, aber man duldet es in einem gewissen Rahmen, indem man einfach wegschaut. Offiziell ist der Verkauf geringer Mengen in Coffeeshops erlaubt.
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Da der Anbau weitgehend verboten ist, bleibt Betreibern von Coffeeshops nichts anderes übrig, als die Ware aus illegalen Quellen zu beziehen. Dies ist nur eine sehr suboptimale Lösung, da man auf diese Weise natürlich alle Nachteile des Schwarzmarkts in der Lieferkette hat. Aufgrund dieser auch als Hintertürproblematik bekannten Diskrepanz gibt es seit mehreren Jahren ein Bestreben, den Anbau zu legalisieren und auf diese Weise kontrollierte und saubere Ware in Coffeeshops anzubieten. Ein entsprechendes Modellprojekt ging im April in eine entscheidende Phase.
Kontaminierte Schwarzmarkt-Ware in Coffeeshops
Wie wichtig ein kontrollierter Anbau mit klaren Qualitätsrichtlinien wäre, zeigte sich erst kürzlich bei einer Qualitätskontrolle von Cannabisprodukten aus Coffeeshops. Im Rahmen dieser Studie wurden 105 Cannabisproben von zufällig ausgewählten Coffeeshops untersucht. Jede fünfte Probe enthielt biologische Verunreinigungen wie gesundheitlich bedenkliche Bakterien oder Rückstände von Schimmelpilzen.
Das deutet auf mangelhafte hygienische Bedingungen hin. Ein typisches Problem auf einem Schwarzmarkt ohne Qualitätsvorgaben. Etwa ein Drittel der Proben enthielt Pestizide. Bei einer Probe von Haschisch war die erlaubte Bleikonzentration um das Sechsfache überschritten. Die Studie wurde vom niederländischen Institut für Gesundheit und Sucht durchgeführt und diente als Grundlage für den geplanten legalen Anbau und Verkauf von Cannabis.
Modellprojekt in 10 Gemeinden
Am 7. April dieses Jahres startete die entscheidende Phase eines Modellprojekts für den legalen Anbau von Cannabis. Knapp 80 Coffeeshops in zehn Gemeinden dürfen nur noch Gras aus reguliertem Anbau verkaufen. Der Beginn des Versuchs gestaltete sich schwierig, aber er ist dennoch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bereits seit Jahren wird in den Niederlanden über eine legale Abgabe aus kontrolliertem Anbau diskutiert. Das Projekt durchlief in den vergangenen Jahren mehrere Phasen. Bereits seit dem 17. Juni 2024 läuft eine Übergangsfrist, in der die involvierten Coffeeshops neben der illegal bezogenen Ware auch legales Cannabis verkaufen. Der Anbau erfolgt durch zertifizierte Hersteller direkt in den Niederlanden. Die Auswahlkriterien waren streng, um alle rechtlichen und qualitativen Vorgaben erfüllen zu können.
Am Ende hatten sich 10 Bewerber als Hersteller qualifiziert. Einer der größten Hersteller für dieses Experiment ist Hollandse Hoogtes aus Bemmel, nahe der deutschen Grenze. Er kann pro Woche 200 Kilo Gras liefern. Bedenken gibt es derzeit jedoch noch bezüglich Lieferengpässen. Viele Coffeeshopbetreiber befürchten, dass die Menge nicht reichen wird, um den Bedarf am Markt zu decken. Kritisiert wird auch die deutlich geringere Auswahl an verschiedenen Sorten.
Ein großes Problem stellt die Versorgung mit Haschisch dar. Da die Herstellung erheblich aufwendiger ist, kann nicht garantiert werden, dass der Bedarf gedeckt werden kann. In der ursprünglichen Kalkulation ging man von einer benötigten Menge von einem Kilo pro Coffeeshop und Tag aus. Davon entfallen 20 % auf Haschisch. Inwiefern dieser Wert aktuell ist und ob lediglich 10 Hersteller diesen Bedarf decken können, ist derzeit Gegenstand sehr kontroverser Diskussionen. Die Betreiber der Coffeeshops fordern eine Verlängerung der Frist, in der noch Ware vom Schwarzmarkt bezogen werden darf.
Illegales Haschisch wird weiterhin toleriert
Man hat sich auf den Kompromiss geeinigt, dass Haschisch weiterhin aus illegalen Quellen bezogen werden darf. Dies soll für eine Übergangsfrist bis 10. Juni gültig sein. Der Bedarf an Marihuana kann laut Einschätzung der Entscheidungsträger jedoch gedeckt werden. Inwiefern diese Annahme richtig ist, wird die Praxis zeigen. Ein Scheitern dieses Projekts würde für Chaos und unnötige Rückschläge sorgen.
Der Schwarzmarkt würde zwangsweise befeuert werden, was Verbotsideologen als Bestätigung ihrer Politik angesehen würden. Die aus dem Modellprojekt gewonnenen Erkenntnisse werden als Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Cannabispolitik dienen. Die Chancen stehen aktuell zumindest nicht schlecht, dass sich die Niederlande dem internationalen Trend einer vollständigen Legalisierung und Regulierung anschließen werden.
Sollten die Niederlande Cannabis komplett legalisieren statt nur dulden?
Häufige Fragen
Verkaufen Coffeeshops in den Niederlanden legales Gras?
Ja – seit dem 7. April 2025 dürfen rund 80 Coffeeshops in zehn niederländischen Gemeinden ausschließlich Cannabis aus reguliertem, zertifiziertem Anbau verkaufen. Das sogenannte Wietexperiment soll die jahrzehntelange Hintertürproblematik beenden, bei der Coffeeshops legal verkaufen, aber illegal einkaufen mussten.
In welchen Städten läuft das niederländische Cannabis-Modellprojekt?
Das Modellprojekt umfasst zehn Gemeinden mit insgesamt knapp 80 teilnehmenden Coffeeshops. Beliefert werden sie von zehn staatlich zertifizierten Herstellern – einer der größten ist Hollandse Hoogtes aus Bemmel nahe der deutschen Grenze, der pro Woche rund 200 Kilogramm liefern kann.
Ist Cannabis in den Niederlanden legal?
Nein, vollständig legal ist Cannabis auch in den Niederlanden nicht. Es gilt eine Duldungspolitik: Der Verkauf kleiner Mengen in Coffeeshops wird toleriert, während der Anbau lange weitgehend verboten war. Genau diese Grauzone soll das Modellprojekt mit kontrolliertem Anbau auflösen.
Wie unterscheidet sich das Modell von der deutschen Cannabis-Politik?
Während Deutschland mit dem CanG auf Eigenanbau und Cannabis Clubs setzt, testen die Niederlande die regulierte Abgabe über bestehende Coffeeshops. Ähnliche Debatten um regionale Modellprojekte gibt es auch hierzulande – etwa in der Frage, ob Özdemir den deutschen Cannabis-Modellprojekten im Weg steht.
Woher kommt das legale Gras für die Coffeeshops?
Das Cannabis stammt ausschließlich von zertifizierten Herstellern, die strenge Qualitäts- und Hygienevorgaben erfüllen müssen – ein klarer Gegensatz zur kontaminierten Schwarzmarktware, bei der jede fünfte Probe biologische Verunreinigungen enthielt. Wie kontrollierte Abgabestellen funktionieren können, zeigt etwa das Konzept von Grashaus Projects als mehr als nur einer Abgabestelle.





































