Anzeige · Dieser Beitrag entsteht in bezahlter Kooperation mit Privatrezept.net. Auswahl, Recherche und Bewertung der Inhalte liegen beim Hanf Magazin. Der Link zum Anbieter ist als Werbelink gekennzeichnet.
Seit die gesetzlichen Kassen getrocknete Cannabisblüten nicht mehr erstatten, landen deutlich mehr Menschen beim Privatrezept. Wie dieser Weg abläuft, was er kostet und was er nicht leistet, ist vielen unklar. Dazu kommt ein Gesetzentwurf, der genau diesen Weg umbauen würde.
Den grundsätzlichen Weg zu einer Cannabistherapie, von den medizinischen Voraussetzungen über die Arztsuche bis zum Kassenantrag, haben wir in unserem Überblick Cannabis auf Rezept: Wie du als Patient Cannabis bekommst beschrieben. Dieser Beitrag geht einen Schritt weiter und schaut nur auf den Selbstzahlerweg: wie er praktisch funktioniert, wo seine Grenzen liegen und was sich gerade rechtlich bewegt.
Warum der Selbstzahlerweg gerade Konjunktur hat
Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat der Bundestag am 10. Juli 2026 beschlossen, getrocknete Cannabisblüten aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenversicherung zu nehmen. Seit Ende Juli sind sie nicht mehr zulasten der Kassen verordnungsfähig, und Fertigarzneimittel haben Vorrang. Wer weiter Blüten verwenden will, zahlt sie selbst. Wie diese Neuregelung juristisch angegriffen wird, haben wir hier zusammengetragen.
Das Privatrezept ist damit für viele keine Bequemlichkeitsentscheidung mehr, sondern die einzige verbleibende Option für eine Therapieform, die sie bereits nutzen. Das verändert die Erwartung an diesen Weg: Er muss nicht schnell sein, er muss verlässlich sein.
Wie das Privatrezept praktisch abläuft

Rechtlich ist die Sache klar geregelt. Nach Paragraf 3 des Medizinal-Cannabisgesetzes darf Cannabis zu medizinischen Zwecken ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden, Zahn- und Tierärzte sind ausdrücklich ausgenommen. Die Abgabe erfolgt nur in der Apotheke und nur gegen Vorlage der Verschreibung. Eine Sonderregel zur Fernbehandlung enthält das Gesetz derzeit nicht, es gelten die allgemeinen ärztlichen Regeln.
Im Ablauf bedeutet das bei den digitalen Anbietern in aller Regel vier Schritte:
- Anamnese. Die Patientin oder der Patient schildert Beschwerden, Vorerkrankungen, bisherige Therapien und Medikation.
- Ärztliche Prüfung. Eine Ärztin oder ein Arzt entscheidet, ob eine Verordnung vertretbar ist. Diese Entscheidung ist ärztlich, nicht plattformseitig, und sie kann negativ ausfallen.
- Verschreibung. Das Rezept geht digital an eine Apotheke.
- Abgabe. Die Apotheke prüft das Präparat nach der Apothekenbetriebsordnung und gibt es ab.
Ein Beispiel für diesen Ablauf ist der Anbieter Privatrezept.net, über den sich Cannabis auf Rezept auf genau diesem Weg anfragen lässt: Angaben zur Anamnese, ärztliche Prüfung der Anfrage, digitale Übermittlung der Verschreibung an die Apotheke. Nach eigenen Angaben hat der Anbieter bislang über 100.000 Behandlungen begleitet; auf Trustpilot kommt er auf 4,9 von 5 Sternen bei rund 1.260 Bewertungen, was wir am 30. September 2026 nachgeprüft haben. Solche Werte sagen etwas über die Zufriedenheit mit dem Ablauf aus, nichts über die medizinische Eignung im Einzelfall.
Was der Weg kostet, und was er nicht leistet

Beim Privatrezept fallen zwei getrennte Posten an, die gern verwechselt werden. Der eine ist das Entgelt für die ärztliche Leistung und die Abwicklung, das der Anbieter erhebt. Der andere ist der Preis des Arzneimittels selbst, den die Apotheke nach der Arzneimittelpreisverordnung berechnet. Der zweite Posten ist in aller Regel der deutlich größere, und er hängt vom Präparat und von der verordneten Menge ab, nicht vom Anbieter.
Wie hoch der erste Posten ausfällt, unterscheidet sich je nach Anbieter. Privatrezept.net nennt für ein Erstrezept nach eigenen Angaben 4,20 Euro. Das ist das Entgelt für die ärztliche Prüfung und die Abwicklung, nicht der Preis des Arzneimittels. Zur Einordnung: Getrocknete Blüten kosten in der Apotheke je nach Sorte und Verfügbarkeit zwischen vier und zwanzig Euro pro Gramm, und ein Patient mit mittlerem Bedarf kommt damit auf Eigenkosten im Bereich von 100 bis 300 Euro im Monat. Der weitaus größere Teil der Kosten entsteht also beim Arzneimittel, nicht bei der Rezeptgebühr.
Häufig gefragt wird auch nach dem Cannabis-Patientenausweis. Er ist gesetzlich keine Pflicht, ersetzt weder Rezept noch Verordnung und begründet keine eigenen Rechte, kann eine Kontrollsituation aber vereinfachen. Wir haben ihn in einem eigenen Beitrag zwischen sinnvollem Werkzeug und falscher Sicherheit eingeordnet. Mehrere Anbieter stellen einen solchen Ausweis aus, Privatrezept.net nach eigenen Angaben ab der ersten Bestellung.
Was der Weg nicht leistet: Es gibt keine Kostenerstattung. Wer privat verordnet bekommt, zahlt beides selbst, und ein späterer Kassenantrag wird dadurch nicht einfacher. Auch die Genehmigungslage bleibt unverändert. Dass eine alte Kassengenehmigung nicht vor dem Blüten-Aus schützt, hat das Sozialgericht Leipzig entschieden. Und die Zuständigkeitsfragen zwischen ärztlicher Verordnung und Kassenprüfung haben KBV und GKV-Spitzenverband erst im August klargestellt.
Was der Gesetzentwurf ändern würde

Hier liegt der eigentlich relevante Punkt für alle, die den Selbstzahlerweg gerade erst entdecken. Das Bundeskabinett hat am 8. Oktober 2025 eine Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes beschlossen, der Entwurf liegt seit dem 3. Dezember 2025 als Bundestagsdrucksache 21/3061 vor. Er sieht im Kern drei Eingriffe vor:
- Persönlicher Arztkontakt bei der Erstverordnung. Medizinalcannabis dürfte nur noch nach persönlichem Kontakt in der Praxis oder bei einem Hausbesuch verschrieben werden, mit Anamnese und körperlicher Untersuchung.
- Quartalsregel für Folgeverordnungen. Eine persönliche Konsultation je vier Quartale, in den übrigen drei Quartalen bliebe die telemedizinische Verschreibung zulässig.
- Versandhandelsverbot für Cannabisblüten. Der Versandweg wäre ausgeschlossen, der Botendienst der Apotheke bliebe erlaubt.
Der dritte Punkt betrifft das Geschäftsmodell der digitalen Anbieter unmittelbar, auch das des Kooperationspartners dieses Beitrags. Wir halten das trotzdem fest, weil ein Beitrag zum Selbstzahlerweg ohne diesen Hinweis unvollständig wäre.
In der Anhörung des Gesundheitsausschusses am 14. Januar 2026 fiel die Bewertung gemischt aus. Die Bundesärztekammer verwies auf die aus ihrer Sicht fehlende wissenschaftliche Evidenz für die Verordnungsfähigkeit von Cannabisblüten. Branchenverbände hielten die Regelungen für unverhältnismäßig und sahen den Gleichheitssatz verletzt. Mehrere Fachverbände befürworteten die Richtung, sahen aber Nachbesserungsbedarf. Verabschiedet ist der Entwurf bis heute nicht, ein Abstimmungstermin ist nicht bekannt. Wie der politische Druck auf die Telemedizin entstanden ist, haben wir in Cannabis-Telemedizin unter Druck nachgezeichnet.
Was das für Patientinnen und Patienten heißt
Solange der Entwurf nicht beschlossen ist, gilt die bestehende Rechtslage unverändert. Wer den Selbstzahlerweg nutzt, sollte aber wissen, dass er politisch umstritten ist und sich die Bedingungen ändern können, insbesondere beim Versand. Wer ohnehin vor der Entscheidung steht, sollte das bei der Wahl des Weges mitdenken und im Zweifel eine Anbindung wählen, die auch ohne Versand funktioniert.
Unabhängig davon bleibt die medizinische Frage die erste. Ob eine Cannabistherapie im Einzelfall in Betracht kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, nicht die Plattform und nicht der Vertriebsweg.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 30. September 2026 wieder und ist keine Rechts- oder Gesundheitsberatung. Medizinalcannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel; der Beitrag enthält keine Heil-, Wirk- oder Produktaussagen und keine Therapieempfehlung. Über Auswahl, Beginn, Fortführung und Umstellung einer Therapie entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Laufende Therapien sollten nicht eigenmächtig geändert werden.
Quellen: Paragraf 3 Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG); Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes, Bundestagsdrucksache 21/3061 vom 3. Dezember 2025, Kabinettbeschluss vom 8. Oktober 2025; öffentliche Anhörung des Gesundheitsausschusses vom 14. Januar 2026; GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Bundestagsdrucksache 21/6130, beschlossen am 10. Juli 2026; Apothekenbetriebsordnung; Arzneimittelpreisverordnung; Angaben des Anbieters Privatrezept.net vom 30. September 2026; Trustpilot-Profil privatrezept.net, abgerufen am 30. September 2026; eigene Berichterstattung.




































