Das zentrale Versprechen jeder Legalisierung lautet, Konsumenten vom Schwarzmarkt in den regulierten Handel zu holen. Eine US-Panelstudie hat nachgemessen, was die Eröffnung lizenzierter Geschäfte tatsächlich bewirkt. Der Effekt ist nachweisbar und deutlich kleiner, als die Debatte nahelegt.
Die Untersuchung im Journal of Cannabis Research nutzt drei Wellen einer landesweit repräsentativen Panelbefragung: Juni 2024, also vor dem Verkaufsstart, Januar 2025 und August 2025. Ausgewertet wurde ein ausgeglichenes Panel von 578 Erwachsenen mit 1.734 Beobachtungen. Den Ausschlag gab, dass Ohio im August 2024 den lizenzierten Verkauf startete, was einen Vorher-Nachher-Vergleich gegen andere Bundesstaaten erlaubt.
Zwei Zahlen, die man auseinanderhalten muss
Die erste Zahl beschreibt den Zustand: Wer in einem Bundesstaat mit vollständig legalem Markt lebt, bezieht seinen Cannabis zu einem um 31,6 Prozentpunkten höheren Anteil aus legalen Quellen als jemand in einem Staat ohne Legalisierung. Der Unterschied ist groß und statistisch klar.
Die zweite Zahl beschreibt die Veränderung: Durch die Eröffnung des lizenzierten Verkaufs in Ohio stieg der legale Bezugsanteil um 5,3 Prozentpunkte. Auch das ist statistisch belastbar, die Autoren weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Schätzung auf Einschränkungen der Stichprobe reagiert.
Der Unterschied zwischen beiden Zahlen ist der eigentliche Befund. Die 31,6 Prozentpunkte sind ein Zustandsvergleich und enthalten alles, was legale Märkte über Jahre mitbringen, von Verfügbarkeit über Gewöhnung bis zum Wegfall der Strafandrohung. Die 5,3 Prozentpunkte sind das, was die Eröffnung von Läden in kurzer Frist bewirkt. Wer das erste zitiert und das zweite meint, überzeichnet den Effekt um ein Vielfaches.
Was das für die deutsche Debatte heißt
Die Verdrängung des Schwarzmarkts ist ein erklärtes Ziel des Konsumcannabisgesetzes, und sie wird regelmäßig als Maßstab herangezogen. Diese Studie legt nahe, dass Verkaufsstellen dabei wirken, aber langsam, und dass Erwartungen an einen schnellen Umschwung zu hoch angesetzt sind.
Sie passt damit zu zwei Befunden, über die wir berichtet haben. Eine Befragung unter 35.957 Personen fand keinen Konsumschub nach dem deutschen Gesetz, und das niederländische Wietexperiment brachte mehr Auswahl, aber unveränderten Konsum. Das gemeinsame Muster: Die Änderungen fallen kleiner aus als erwartet, in beide Richtungen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Das Panel umfasst 578 Personen, das ist für eine Panelstudie ordentlich, für Aussagen über einzelne Bundesstaaten aber knapp. Und die US-Verhältnisse lassen sich nicht direkt übertragen, weil Deutschland keinen lizenzierten Einzelhandel kennt, sondern Anbauvereinigungen.
Quelle: Xu L. et al., „How consumers transition between illicit and legal cannabis markets following the implementation of licensed recreational cannabis retail sales“, Journal of Cannabis Research, 13. Oktober 2026, DOI 10.1186/s42238-026-00521-w.






































