Europa baut Flachs und Hanf an und lässt den größten Teil davon in Asien verspinnen. In Portugal entsteht eine Anlage, die das ändern soll. Bemerkenswert ist dabei, wer mitbaut.
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In Rebordões bei Santo Tirso im Norden Portugals entsteht eine Nassspinnerei für Flachs- und Hanffasern. Die Anlage trägt den Namen Nafilux by Nau Verde, die Investition liegt bei rund 30 Millionen Euro, und es sollen etwa 250 Arbeitsplätze entstehen. Nach Berichten vom August 2026 ist eine erste Betriebsphase angelaufen, Produktionspersonal wird eingestellt.
Warum ausgerechnet eine Spinnerei
Die Lücke in der europäischen Faserkette liegt nicht beim Anbau und nicht bei der Konfektion, sondern dazwischen. Flachs wird in Frankreich, Belgien und den Niederlanden in großem Stil angebaut, Hanf in mehreren Mitgliedstaaten, in Polen zuletzt mit kräftig wachsender Fläche. Versponnen wird der weit überwiegende Teil davon in Asien, bevor das Garn nach Europa zurückkommt.
Nassspinnen ist dabei der technisch anspruchsvolle Schritt. Die Fasern laufen durch ein Wasserbad, das die Pektine löst und feinere, gleichmäßigere Garne möglich macht, wie sie für Bekleidungsqualität gebraucht werden. Genau diese Anlagen fehlen in Europa weitgehend. Wer sie baut, verschiebt Wertschöpfung und verkürzt Transportwege erheblich.
Wer dahintersteht
Getragen wird das Vorhaben von einem Konsortium portugiesischer Textilunternehmen, genannt werden Calvelex, Mundifios, Paulo de Oliveira und Riopele. Beteiligt ist zudem die chinesische Kingdom Holdings, einer der großen Leinengarnhersteller weltweit.
Das ist die interessanteste Zeile der ganzen Meldung. Ein Vorhaben, das europäische Lieferketten stärken soll, holt sich für den entscheidenden Verarbeitungsschritt einen Partner aus genau dem Land, an das dieser Schritt bisher ausgelagert war. Man kann das als Widerspruch lesen oder als das Eingeständnis, dass die Kompetenz für Nassspinnen in Europa über Jahrzehnte verloren gegangen ist und zurückgekauft werden muss. Beides ist vertretbar, und beides sollte man wissen, bevor man die Meldung als reine Erfolgsgeschichte liest.
Einordnung der Zahl
Die 30 Millionen Euro gehören in einen größeren Rahmen. Das Vorhaben ist Teil der mobilisierenden Agenda Lusitano, die aus dem portugiesischen Aufbau- und Resilienzplan unterstützt wird und deren Gesamtvolumen in Branchenmeldungen mit rund 111,5 Millionen Euro angegeben wird. Ob die 30 Millionen vollständig auf die Nassspinnerei entfallen oder einen Anteil innerhalb dieser Agenda bezeichnen, geht aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig hervor. Wir führen die Zahl deshalb als Angabe der Beteiligten.
Für den Hanfanteil gilt ohnehin eine Einschränkung: Solche Anlagen werden in erster Linie für Flachs gebaut und verarbeiten Hanf als zweite Faser. Was davon am Ende auf Hanf entfällt, entscheidet der Markt, nicht die Technik.
Warum die Faser überhaupt Aufmerksamkeit verdient, haben wir an anderer Stelle ausführlich behandelt: im Überblick zu Hanftextilien, im direkten Vergleich mit Baumwolle und in der Frage, warum die älteste Nutzfaser gerade ein Comeback erlebt.
Quellen: portugiesische Branchenberichterstattung vom 28. August 2026 zum Projekt Nafilux by Nau Verde in Rebordões, Santo Tirso; Angaben zur Agenda Lusitano und zum Aufbau- und Resilienzplan; Newsletter des Branchenverbands Cannabiswirtschaft vom 21. Oktober 2026. Investitionssumme und Arbeitsplatzzahl sind Angaben der Beteiligten und von uns nicht unabhängig geprüft. Stand: 21. Oktober 2026.




































