Anzeige. Dieser Beitrag entstand in bezahlter Kooperation mit Smitzbilla.
Auf einem der Logos pustet ein Mädchen Pollen von einer Hanfblüte in den Wind. Wer die Geschichte dahinter kennt, sieht darin kein Marketing, sondern einen Grabstein. Wie aus dem Spitznamen einer Kölner Schneiderin ein Streetwear-Label wurde, das Hanf trägt, ohne öko auszusehen.
Schmitz Billa
Marc Bonks Mutter wurde in Köln-Lindenthal geboren, mit Mädchennamen Schmitz. In der Familie und im Freundeskreis hieß sie deshalb „Schmitz Billa“. Sie war gelernte Schneiderin, Textilien begleiteten sie ihr Leben lang, zeitweise betrieb sie von zu Hause aus einen eigenen Bügelservice.
Ihr Sohn zeichnete, seit er einen Stift halten konnte, später kam Graffiti dazu. Daraus entstand eine Idee, die beide über Jahre begleitete: ein kleiner Laden, in dem sie moderne Kleidung verkauft, die er gestaltet. Dazu kam es nie.
Sie mochte Löwenzahn, vor allem das Bild der Samen, die der Wind davonträgt. Diesen Vergleich übertrug sie immer wieder auf Situationen im Leben. Als sie starb, entwarf ihr Sohn für den Grabstein ein Bild von ihr, wie sie einen Löwenzahn pustet.
„Eines der heutigen Smitzbilla-Logos ist daran angelehnt und erinnert an sie. Darauf pustet ein Mädchen allerdings keine Löwenzahnsamen, sondern männliche Hanfpollen in den Wind. So steckt meine Mutter heute nicht nur im Namen, sondern auch in der Geschichte und Gestaltung der Marke.“
Marc Bonk

Die Pflanze, seit fünfundzwanzig Jahren
Hanf begleitet Bonk seit über 25 Jahren, und zwar nicht nur als Textilfaser. Was ihn interessiert, ist die Breite der Verwertung: Fasern, Schäben, Samen, Blätter und Blüten haben jeweils eigene Einsatzgebiete. Diese Bandbreite gebe es bei landwirtschaftlichen Nutzpflanzen selten.
Für Kleidung zählt die Faser. Sie ist robust und langlebig, und aus ihr lassen sich heute Stoffe herstellen, die mit dem alten Bild nichts mehr zu tun haben. Wie sich Hanf und Baumwolle als Rohstoffe unterscheiden, haben wir im Vergleich der beiden Naturfasern aufgeschlüsselt. Genau dieses Bild hält sich hartnäckig: kratzig, grob, Ökoladen.
„Wenn man heute einen modernen, hochwertigen Hanfstoff in der Hand hat, merkt man schnell, dass dieses Bild längst überholt ist.“
Marc Bonk
Bonk nennt außerdem antimikrobielle Eigenschaften der Hanffaser, durch die sich die Entstehung unangenehmer Gerüche reduzieren lasse. Diese Eigenschaft wird in der Branche häufig angeführt; belastbare Untersuchungen speziell für verarbeitete und mehrfach gewaschene Textilfasern sind allerdings dünn gesät. Bemerkenswert ist, dass Bonk selbst vorsichtig formuliert und von einer möglichen Reduzierung spricht, nicht von einer garantierten Wirkung.
Der Blick des Lacktechnikers
Bonk ist gelernter Lacktechniker und arbeitet an nachhaltigen Kunst- und Verbundwerkstoffen, in denen Naturfasern als Verstärkungsmaterial dienen. Er betrachtet Hanf deshalb nicht nur als Modemacher, sondern als Werkstoff. Das erklärt, warum bei ihm Stoffgewichte, Mischungsverhältnisse und Verarbeitungsverfahren eine größere Rolle spielen als bei manchem Label, das mit demselben Rohstoff wirbt.
Konkret heißt das: Das leichtere T-Shirt besteht aus 55 Prozent Hanf und 45 Prozent Bio-Baumwolle bei 190 Gramm pro Quadratmeter, die schwerere Variante aus derselben Mischung bei 230 Gramm. Die Hoodies kombinieren 80 Prozent Bio-Baumwolle mit 20 Prozent Hanf bei 350 Gramm, die Caps bestehen aus reinem Hanf.
Wo er aufhört zu werben
Interessanter als das, was Bonk über Nachhaltigkeit sagt, ist das, was er nicht sagt. Hanf wachse schnell, liefere viel Biomasse und komme im Anbau vergleichsweise gut mit wenig Pflanzenschutz aus, durch dichtes Wachstum unterdrücke er Unkraut. Dann folgt der Satz, den man in dieser Branche selten liest:
„Gleichzeitig möchte ich Hanf nicht pauschal als Wunderpflanze vermarkten. Auch hier spielen Anbau, Verarbeitung, Transport und die Herstellung des fertigen Produkts eine Rolle.“
Marc Bonk
Beim Wasserverbrauch verzichtet er ausdrücklich auf Zahlen, weil der tatsächliche Verbrauch von Anbauregion, Bewässerung und Verarbeitung abhänge. Das ist eine bemerkenswerte Zurückhaltung: Gerade die griffigen Literangaben zum Vergleich von Hanf und Baumwolle kursieren seit Jahren, meist ohne Angabe, worauf sie sich beziehen.
Einen Punkt nennt er, der sich belegen lässt: Naturfasern setzen beim Waschen kein persistentes Mikroplastik frei. Dass synthetische Textilien beim Waschen erhebliche Mengen Mikrofasern abgeben, ist gut dokumentiert, etwa in der Untersuchung von Napper und Thompson im Marine Pollution Bulletin (DOI: 10.1016/j.marpolbul.2016.09.025).
Sein stärkstes Argument ist ohnehin ein anderes und kommt ohne Ökobilanz aus: Ein Kleidungsstück, das länger hält, muss seltener ersetzt werden. Langlebigkeit ist der Teil von Nachhaltigkeit, der sich nicht wegdiskutieren lässt, und sie hängt auch daran, wie ein Kleidungsstück behandelt wird. Was Hanfstoffe beim Waschen und Trocknen brauchen, steht in unserem Pflege-Ratgeber.
Design zuerst, Material dahinter
Graffiti, Musik und Streetwear haben Bonk einen großen Teil seines Lebens begleitet, und er sieht keinen Widerspruch zwischen Subkultur und nachhaltigen Materialien. Nachhaltigkeit dürfe kein eigener Stil sein, der nur eine bestimmte Zielgruppe anspricht.
„Im besten Fall kauft jemand ein Smitzbilla-Shirt zunächst, weil ihm das Design gefällt und es sich gut anfühlt, und stellt dann fest, dass hinter dem Kleidungsstück zusätzlich ein durchdachtes Materialkonzept steckt.“
Marc Bonk
Die Motive entstehen selten spontan. Eine Idee liege oft wochen- oder monatelang im Kopf, entwickle sich weiter, verliere Details und gewinne neue, bis ein Punkt erreicht sei, an dem sie fertig wirkt. Bis dahin, sagt er, könne er sich mit einer Idee auch ziemlich lange quälen. Erstaunlich gut funktioniere dagegen Druck von außen: Eine Messe mit festem Termin lasse keine Zeit, ein Motiv noch monatelang mit sich herumzutragen.
Einen festen Designstil gibt es bei Smitzbilla deshalb nicht. Die Bandbreite reicht von Graffiti und Streetart über Musik und Popkultur bis zu klassischer Kunst, und das ist so gewollt.

Jedes Teil geht durch seine Hände
Entwickelt wird in Deutschland, produziert mit Partnern in Europa und Asien, Veredelung und Qualitätskontrolle finden wieder in Deutschland statt. Der Hauptlieferant ist nach Angaben des Labels GOTS- und Fairtrade-zertifiziert, bei den Farben wird auf OEKO-TEX-Standards geachtet. Eine eigene Zertifizierung für Smitzbilla ist in Arbeit.
Ein Wort zur Einordnung dieser Siegel: GOTS umfasst ökologische und soziale Kriterien entlang der textilen Kette, Fairtrade zielt auf Handelsbedingungen und Preise, OEKO-TEX prüft Textilien auf Schadstoffe. Die drei prüfen also unterschiedliche Dinge, und keines davon deckt automatisch die anderen mit ab. Dass ein Label sie einzeln benennt statt pauschal „zertifiziert“ zu schreiben, ist ein gutes Zeichen.
Vor der Serie prüft Bonk Stoffe und Muster selbst: Material, Stoffgewicht, Verarbeitung, Nähte, Maße, Passform, Tragegefühl. Nach der Produktion kommt die Ware zu ihm.
„Im Moment geht tatsächlich jedes einzelne Teil noch einmal durch meine Hände, von der Kontrolle über Druck oder Stick bis hin zum Verpacken der Bestellung. Wenn ein Teil meinen Anforderungen nicht entspricht, wird es aussortiert.“
Marc Bonk
Auch hier bleibt er bei dem, was er belegen kann. Als kleines Label könne er nicht jeden Schritt einer internationalen Lieferkette persönlich überwachen, deshalb setze er auf zertifizierte Partner und arbeite daran, Transparenz und Zertifizierung weiter auszubauen. Diese Ehrlichkeit ist in einer Branche, in der gern von vollständiger Rückverfolgbarkeit die Rede ist, keine Selbstverständlichkeit.
Was als Nächstes kommt
Geplant sind Sweatpants und Unterwäsche, zwei Produktgruppen, bei denen die Materialeigenschaften von Hanf besonders zum Tragen kommen. Seit Kurzem steht eine Industriestickmaschine im Haus, die ersten Tests laufen; damit lassen sich Veredelungen auch in kleinen Stückzahlen direkt vor Ort umsetzen.
Ein wachsender Bereich ist das Geschäft mit Unternehmen. Smitzbilla arbeitet bereits mit Cannabis Social Clubs, Fachgeschäften und anderen Betrieben zusammen und liefert Textilien samt individueller Veredelung. Bonks Argument dafür ist naheliegend: Wer im Cannabis- und Hanfbereich ohnehin Merchandise für Mitglieder oder Kundschaft produzieren lässt, kann dabei auch zu Hanftextilien greifen.
Wichtig bleiben ihm Messen und der direkte Kontakt, aus einem praktischen Grund: Bei Hanftextilien mache es einen großen Unterschied, den Stoff einmal anzufassen. Viele hätten schlicht ein anderes Material im Kopf.
Zu finden ist das Label im eigenen Webshop unter smitzbilla.de sowie auf Instagram unter @smitzbilla, wo Bonk auch die Entwicklung zeigt, einschließlich der Dinge, die unterwegs nicht funktionieren. Weitere Marken mit ähnlichem Ansatz haben wir in unserer Übersicht zu nachhaltigen Hanfkleidung-Labels zusammengetragen.
Hinweis: Angaben zu Materialzusammensetzung, Zertifizierungen und Produktionsschritten stammen vom Label und wurden von uns nicht vor Ort überprüft. Aussagen zu Umwelteigenschaften von Fasern beziehen sich auf allgemeine Eigenschaften des Rohstoffs, nicht auf eine Ökobilanz einzelner Produkte.









































