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USA: Entschädigungen für ehemalige Weed-Häftlinge – ein Schritt im Kampf gegen Rassismus

Die kalifornische Stadt Oakland geht mit strahlendem Beispiel voran: Sie versucht, ehemalige Häftlinge nicht nur zu rehabilitieren, sondern Wiedergutmachung zu leisten für diejenigen, die im sogenannten Kampf gegen Drogen wegen Marihuana inhaftiert waren. Da dies vor allem die schwarze Bevölkerung betraf, als der Besitz von Cannabis noch illegal war, obwohl Zahlen belegen, dass Weiße ebenso kifften und dealten, setzt der Stadtrat von Oakland damit auch ein eindeutiges Zeichen gegen den in den USA leider immer noch stark vorherrschenden Rassismus.

Rassismus – die Wurzel allen Übels

In den USA sind schwarze Menschen und Latinos immer noch alleine auf Grund ihrer Hautfarbe in vielen Lebensbereichen benachteiligt. Im Schnitt haben sie schlechter bezahlte Jobs und insgesamt weniger Geld zum Leben als ihre weißen Mitbürger. Auch privat sind sie Repressalien und Vorurteilen ausgesetzt. In der Öffentlichkeit werden sie häufig klischeehaft nur in bestimmten Rollen oder überhaupt nicht dargestellt – wie etwa in der Werbung, in Film und Fernsehen. Und wer kennt nicht die unzähligen Videos und Berichte, in denen amerikanische Cops Schwarze verfolgen, misshandeln und sogar umbringen, bloß, weil ihre Haut pigmentiert ist? Auch als der Anbau und der Besitz von Cannabis in Kalifornien noch nicht legalisiert waren, hatten es die Cops vor allem auf schwarze Männer, die mit dem Business zu tun hatten, abgesehen.

2013 schrieb Michelle Alexander, eine Strafrechts-Expertin, für die New York Times in einem Artikel: „Wir haben Milliarden von Dollar ausgegeben, Millionen von Menschen verhaftet und eingesperrt, unzählige Familien und deren Zukunft zerstört – und immer noch ist Marihuana so beliebt und reichlich vorhanden wie eh und je. Warum hat dieser Wahnsinn so lange angedauert?“ Die Antwort darauf lautet: Rassismus.

Entschädigungen für schwarze, ehemalige Häftlinge

Seit 2016 versucht die Stadt Oakland nun, das Geschehene wiedergutzumachen, was zuvor durch regelrechte Masseninhaftierungen den schwarzen Marihuana-Dealern und -Konsumenten angetan wurde. In jenem Jahr besserte die Stadt die bereits existierenden Vorschriften bezüglich medizinischen Marihuanas nach, sodass jetzt mehr schwarze Menschen die Möglichkeit haben, in dem Geschäft mitzumischen und ihre eigenen Einkommensquellen zu erschließen. Am bedeutendsten dürfte dabei wohl die Regelung sein, dass Menschen, die früher wegen Weed-Vergehen verurteilt worden waren, bei der Vergabe der städtischen Anbau- und Verkaufslizenzen bevorzugt werden.

Um ein derartiges Programm ordentlich planen und auf die Beine stellen zu können, veranlasste die Stadt Oakland im Vorfeld eine entsprechende Studie, damit am Ende auch die richtigen Leute profitieren würden. Diese Studie förderte zu Tage, dass im Jahr 2015 der Anteil der Afro-Amerikaner insgesamt 30 Prozent der Bevölkerung Oaklands betrug. Erschreckend vor diesem Hintergrund war der Anteil der wegen Marihuana-Vergehen inhaftierten dunkelhäutigen Menschen – er betrug 77 Prozent, während der Anteil der eingesperrten Weißen nur vier Prozent betrug. Weitere Analysen aus den Jahren 1998 bis 2015 führten zu noch erschreckenderen Ergebnissen: In dieser Zeitspanne waren 90 Prozent der wegen Marihuanas inhaftierten Menschen schwarz und lediglich 3,91 Prozent weißer Hautfarbe. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl derjenigen, die regelmäßig mit Cannabis in Berührung waren, bei der schwarzen und bei der weißen Bevölkerung annähernd gleich war. Die Ungerechtigkeit der Verfolgung und Verurteilung auf Grund der Hautfarbe wird daraus ersichtlich.

Legales Cannabis-Geschäft in weißer Hand

Die legale Cannabis-Industrie in den USA beweist, dass nicht nur Afro-Amerikaner sich mit dem guten Kraut auskennen: Es gibt etwa 3.200 bis 3.600 Shops in den Staaten, die medizinisches Cannabis verkaufen. Weniger als 36 davon werden von schwarzen Menschen betrieben. Sie stellen damit ungefähr ein Prozent oder weniger der von diesem Business Profitierenden dar.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Wer Startkapital benötigt, muss ein gewisses Eigenkapital vorweisen können. Auf Grund der rassistischen Benachteiligung von Afro-Amerikanern, konnte sich diese Bevölkerungsgruppe mit dem niedrigeren Einkommen in den schlechteren Wohngegenden das Startkapital für ein Geschäft mit medizinischem Marihuana nicht besorgen. Der Teufelskreis geht weiter.

Das Eigenkapital-Programm hilft benachteiligten Menschen, Fuß im Cannabusiness zu fassen

Das neue Eigenkapital-Programm der Stadt Oakland will dieser Spirale ein Ende setzen und dunkelhäutigen, ehemaligen Weed-Häftlingen die Chance auf ein eigenes Cannabusiness ermöglichen.

Bevorzugt werden nicht einfach Ex-Knackis – ihr Einkommen muss auch geringer als 80 Prozent des durchschnittlichen mittleren Einkommens in Oakland sein und sie müssen in einer der 21 Gegenden wohnhaft sein, in denen die Cops nach dem 5. November 1996 besonders willkürlich gegen schwarze Ganja-Gangster vorgegangen sind.

Das Programm wird in zwei Stufen ausgerollt. Die Bewerber für das Eigenkapital bekommen zunächst Mentoren zur Seite gestellt, Hilfestellung, um einen Business-Plan zu entwickeln und sich mit den Regeln und Gesetzen der Cannabis-Industrie vertraut zu machen, sowie anderweitige Unterstützung, die zu Beginn benötigt wird. In der zweiten Phase wird darauf gesetzt, dass diejenigen, die bereits erfolgreich sind, weiteren Menschen helfen, indem sie ihnen Räumlichkeiten und Wissen zur Verfügung stellen. Zum Programm gehört zudem, dass der kriminelle Hintergrund eines Growers nicht so sehr überprüft wird beziehungsweise ins Gewicht fällt, wenn es um die Finanzierung geht. Es umfasst auch kleine Kredite, die ohne Zinsen zurückgezahlt werden können sowie Unterstützung für diejenigen, die noch nicht im Voraus alle nötigen Vorgaben erfüllen.

Das Programm wird durch die Einnahmen finanziert, welche die Stadt bereits durch Lizenzvergaben an andere Cannabis-Geschäftsleute erwirtschaftet hat.

Bleibt zu hoffen, dass Oaklands Beispiel viele weitere nach sich zieht und – um pathetisch zu werden, nicht aber ohne einen Funken Hoffnung – dass das gesamte Land und die ganze Welt versteht, dass Rassismus nicht nur im Weed-Business absolut falsch und unangebracht ist, sondern in allen Lebensbereichen und weltweit.

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