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Darf ein Polizist im Dienst medizinisches Cannabis konsumieren?

Frank Tempel ist Kriminaloberkommissar a.D., Drogenpolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionsvorsitzender DIE LINKE im Bundestag, sowie stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses.

Der dreifache Familienvater hat die deutsche Bundesregierung über die arbeitsdienstlichen Auswirkungen befragt, die für Bundespolizeibeamte entstehen, wenn diese Cannabismedizin zu sich nehmen. Das war am 18. Juli – jetzt kam die Antwort der Regierung:

Frage von Frank Tempel

Können Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei nach Ansicht der Bundesregie­rung mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften vom 6. März 2017, ihren polizeilichen Dienst ohne dienstliche Auswirkungen fortführen, wenn diese cannabishaltige Medikamente bestimmungs­gemäß einnehmen und inwiefern ruft eine Medikation mit cannabishaltigen Wirkstof­fen grundsätzlich Zweifel an der Dienstfähigkeit von Bundespolizeibeamten aus (et­wa den Dienst an der Waffe) (bitte für Fertig- und Rezepturarzneimittel gesondert beantworten)?

Antwort der deutschen Bundesregierung

Bei therapeutischer Einnahme von Cannabis mit der darin enthaltenen psychotropen Substanz Tetrahydrocannabinol (Ähnliches gilt auch für Opioide) ist aus fachpsychi­atrischer und polizeiärztlicher Sicht für Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei grundsätzlich eine Waffentauglichkeit nicht gegeben und ein Führen von Dienst-Kfz unter Einsatzbedingungen ausgeschlossen.
Im Einzelfall können Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei ihren polizeilichen Dienst unter Beachtung der oben genannten Einschränkungen im Innendienst unter bestimmungsgemäßer Einnahme cannabishaltiger Medikamente fortführen, soweit Reaktionsfähigkeit und Wahrnehmung nicht subjektiv oder objektiv beeinträchtigt sind.
Cannabishaltige Wirkstoffe werden zur adjuvanten Therapie insbesondere bei Tu­mor- und/oder Schmerzpatienten angewandt, insbesondere wenn andere Therapie­maßnahmen keinen Erfolg erzielten. Diese Patienten sind in der Regel bereits wegen der Grunderkrankung nicht dienstfähig, da starke Schmerzen ohnehin die Wahrneh­mung, Reaktionsfähigkeit und somit die Dienstfähigkeit beeinträchtigen.
Für Fertig- und Rezepturarzneimittel mit dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol gilt dies ebenso.
Sowohl für Cannabis wie auch für Arzneimittel mit dem Wirkstoff Tetrahydrocannabi­nol sind als Wirkung u.a. Schwindel, Müdigkeit, Depression, Desorientierung, Disso­ziation, Euphorie, Amnesie, Gleichgewichtsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Dysarthrie, Dysgeusie, Lethargie, Gedächtnisstörungen, Schläfrigkeit, verschwom­menes Sehen und Trunkenheitsgefühl zu erwarten.
Zur besseren Verständlichkeit wird auf den folgenden Link der Bundesärztekammer zu Cannabis und dort insbesondere auf den Punkt 12 (Nebenwirkungen) verwiesen:(bundesaerztekammer.de).

Schmerzen oder Innendienst?

Aber ist das fair? Frank Tempel kommentiert die Antwort der deutschen Bundesregierung mit folgenden Worten:

Frank Tempel: „Von Bürgeranfragen weiß ich, dass auch Polizeibeamte Cannabismedizin nutzen wollen und nun von einer Versetzung betroffen sein könnten. Ich schlage vor, die Beamten im Innendienst zur internen Weiterbildung im Bereich Cannabismedizin einzusetzen, denn wir brauchen einen Mentalitätswechsel bei der Polizei im Umgang mit Cannabispatienten. Viele werden noch immer verdächtigt, illegal Cannabis zu konsumieren.“

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Cannabis-Patienten, die aktiv im Polizei Außendienst tätig sind, vermutlich bald in den Innendienst versetzt werden. Frank Tempel ist der Meinung, dass man vielleicht durch diese Versetzung auch als Polizist viel zur Aufklärung über Cannabismedizin und dem richtigen Umgang mit legal konsumierenden Patienten beitragen kann.

One comment

  1. Hi Leute, der Link zur Bundesärztekammer funktioniert bei mir nicht.

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