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Frankreich: Die Sache mit den Samen

« Alles was mit Cannabis zu tun hat ist in Frankreich erlaubt, außer die Pflanze »
(Zitat: Gründer der Internetseite Newsweed.fr)

In den deutschsprachigen Ländern ist es nicht ungewöhnlich das Cannabisblatt im Logo oder auf den Geschäftspapieren von Headshops, Growshops oder ähnlichem abzubilden, egal ob für medizinische oder Genusszwecke. In Frankreich gibt es gerade einmal drei Verkaufsstellen, die etwas mit Cannabis zu tun haben: Tabakgeschäfte, Growshops und seit 2016 die Samenbank « Ô Bar à Graines » = „Die Samen Bar“.

Die Tabakgeschäfte übernehmen in Frankreich die Rolle der Headshops, wo man zum Beispiel Longpapes, Grinder, Wasserpfeifen und sogar Taschenwaagen kaufen kann. Dann gibt es die Growshops und den Laden « Ô Bar à Graines », der sich auf den Verkauf von „Samen zum Sammeln“ spezialisiert hat. Cannabisblätter sind in keiner dieser „Shops“ zu finden. Und das aus gutem Grund: Keiner der Besitzer will seinen Laden wegen „Provokation zum Delikt“ schließen müssen. In Frankreich wird für die Darstellung von Cannabis in positivem Zusammenhang mit bis zu 5 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe in Höhe von 75.000 Euro geahndet. Genau aus diesem Grund werden in diesen Verkaufsstellen auch keine Magazine, Broschüren oder Zeitungen zum Thema Cannabis ausgestellt.
Diese Cannabis-Lektüren, die für ein französisches Publikum gedacht sind, finden derzeit keinen „point relais“ (Vertriebsfilialen) denen sie die Ausgaben auch kostenfrei zur nationalen Versorgung zuliefern können.

Jedoch kann man für ein Cannabisprodukt in Frankreich Werbung machen: Das legale Medikament namens „Sativex“, welches man aber bis zum heutigen Tag in keiner französischen Apotheke findet.

Der Verkauf von Cannabis-Samen ist in Frankreich ganz legal, da der Verkauf von „Samen zum Sammeln“ nicht als Droge bezeichnet wird, solange man diese nicht auf französischem Boden zum Keimen bringt. « O’Bâr à Graines » ist somit führend im Verkauf von „Samen zum Sammeln“ geworden und hat sich auf diesem Wege einen Platz im sogenannten Cannabusiness geschaffen.

Laut des «Office Français des Drogues et Toxicomanies », kurz OFDT, wird die Zahl der Cannabis Züchter in Frankreich auf 200.000 geschätzt. Das OFDT beschäftigt sich seit 1999 in Frankreich mit dem Verhalten der „Drogenkonsumenten“ in Frankreich, egal ob es um legale Drogen wie Zigaretten und Alkohol, um illegale Drogen wie Cannabis und Kokain geht oder auch die Abhängigkeit von Videospielen oder die Spielsucht.

« O’Bâr à Graines » im Interview

Hanf-Magazin: Wie und wann seid Ihr auf die Idee „Samen zum Sammeln“ anzubieten?

« O’Bâr à Graines »: Die Idee unser Geschäft « O’Bâr à Graines » zu nennen und ihm eine nationale Identität zu geben entstand Ende 2016 mit der Eröffnung unseres ersten Geschäftes in Albi. Wir kennen diesen Geschäftsbereich sehr gut und haben schnell festgestellt, dass es an der Zeit war, der großen Nachfrage entgegen zu kommen.

Aktuell haben wir 9 Verkaufsstellen in Frankreich. Seit Januar 2017 haben wir 7 neue Shops eröffnet: Montauban, Carcassonne, Agen, Perpignan, Tours, Bastia und Toulouse. Zwei Läden werden gerade in Straßburg und Nancy eröffnet. Wir wollen dieses Jahr etwa 40 weitere Läden aufmachen, damit wir Ende 2020 unser Ziel erreichen: 150 « Ô Bar à Graines » auf dem gesamten französischen Territorium.

Hanf-Magazin: Was bieten Sie in Ihren Läden an?

« O’Bâr à Graines »: Unser Katalog zählt heute über 90 Seedbanks mit 2200 Sorten. Wir arbeiten mit den größten Marken wie Dinafem, Sensi Seeds oder Barney’s Farm zusammen, aber auch mit Seedbanks aus ganz Europa. Selbstverständlich gibt es bei uns nicht nur „Samen zum Sammeln“, sondern auch eine Vielfalt von Bio Samen für den Garten, was dazu führt, dass unsere Kundschaft sehr unterschiedlich ist.

Hanf-Magazin: Wie beraten Sie Ihre Kundschaft?

« O’Bâr à Graines »: Für die Bio Samen für den Garten beraten wir die Kunden selten, da sie genau wissen, was sie brauchen und wie sie damit umgehen. Was die „Samen zum Sammeln“ angeht können wir jedoch keine Informationen geben, da das Keimen dieser Samen auf französischem Boden illegal ist. Wir raten den Kunden also sich selbst im Internet darüber zu informieren.

Hanf-Magazin: Findet man in Ihren Läden irgendeine Zeitschrift/Zeitung zum Thema Cannabis?

« O’Bâr à Graines »: Überhaupt nicht.

Hanf-Magazin: Was ist euer Geheimnis?

« O’Bâr à Graines »: Wir haben eine Methodologie, die sich dem französischen Markt anpasst und führen unser Geschäft nach den Regeln des Business. Ihnen die Details zu nennen, wäre wie das Nutella Rezept zu veröffentlichen. Sie müssen verstehen, dass dies geheim bleibt…

Die Lieferung auf dem französischen Territorium geht sehr schnell. Dies ermöglicht uns sehr wettbewerbsfähig gegenüber unseren ausländischen Konkurrenten zu sein.
Sobald unser Shopnetz in Frankreich ausgebaut ist, können alle Bestellungen auf unserer Website in einem unserer Läden « O’Bâr à Graines » abgeholt werden.

2018 wollen wir die Zahl unserer Läden verfünffachen. Dadurch wollen wir unser Ziel erreichen: Unsere Shops sollen all unseren Kunden nah zu sein und in Frankreich die unübersehbare Nummer 1 in Sachen „Samen zum Sammeln“ zu werden.

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