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Der Reiz des Verbotenen

Trotz Verbot wird überall gekifft. Warum eigentlich?
Trotz Verbot wird überall gekifft. Warum eigentlich?

Gerade unter Jugendlichen gibt es viele, die an der Außenwelt anecken. Sie werden durch ihre Eltern, Lehrer, Ausbilder, Erzieher oder andere Jugendliche in ein Schema gepresst. Es ist jedoch auch die ganze Gesellschaft mit ihren Wertvorstellungen, bei denen viele einfach nicht mitkommen oder sich vollwertig fühlen. Darauf lässt sich auch bei vielen dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen die innere Rebellion zurückführen, mit der auch der Reiz des Verbotenen einsetzt.

Ist es nicht erlaubt, muss es gut sein

Wenn die abgelehnte Welt Dinge verbietet, werden genau diese Dinge erst recht gemacht. Denn wenn man bestimmte Dinge verbietet, wird das immerhin seine Gründe haben, so wie man auch rebellieren kann. Wer all die verbotenen Dinge macht, der kann zum einen den Mittelfinger schön hochstrecken und zum anderen aus dieser abgelehnten Lebenswelt ausbrechen und sich absondern.

Der Reiz des Verbotenen kann natürlich auch auf gut etablierte Personen greifen. Wer es nicht wenigstens mal macht, der kann schlecht nachvollziehen, warum es denn verboten ist. Es ist also auch ein gewisser Wissensdurst vorhanden. Es wird einem etwas untersagt, es werden einem vielleicht auch ein paar Gründe genannt, so richtig versteht man es jedoch nicht. Nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche müssen sich in ihrer Welt noch finden und wollen alles verstehen. Ist einem etwas untersagt, ist das ein Reiz des Verbotenen, der andere besteht in der Rebellion. Bei vielen ist es gewiss auch beides.

Gesunde Ernährung und Sport verbieten?

Wenn das Gegenüber aus Protest alles macht, was ihm verboten wird, kann es sehr gezielt gelenkt werden. Fleißig üben, gesundes Essen, Sport, Höflichkeit oder ethisches Handeln sollten diesen Personen direkt unter Androhung von Strafen verboten werden? Genau da kommt wieder der Fehler des Besserwissers, dass er sein Gegenüber für dumm hält. Bei vielen mag das stimmen, gewiss nicht bei allen. Ein „pädagogisches Verbot“ wäre schnell durchschaut und damit überflüssig.

Geht es um das Cannabisverbot, dann handelt es sich hierbei jedoch um ein ernst gemeintes Verbot, für dessen Missachtung auch sehr ernsthafte Strafen und Benachteiligungen folgen können. Hier lockt der Reiz des Verbotenen und viele bekennende Kiffer erklären, dass sie ohne diesen Reiz des Verbotenen mit dem Kiffen gar nicht erst angefangen hätten. Es ging ihnen wirklich darum, sich von dieser bürgerlichen Welt abzugrenzen und etwas anderes zu suchen. Und diese Aussagen sind keine Einzelfälle. Wenn kiffen etwas ganz Normales gewesen wäre, hätte man halt irgendetwas anderes gemacht. Mit dem Reiz des Verbotenen war der Hanf jedoch gut genug.

Wem zu Schulzeiten bereits erklärt wird, dass er ein mündiger Mensch ist, der das Recht auf freie Entfaltung und Selbstbestimmung hat, der hier in einem freien Land lebt, der will sich immerhin nicht die ganze Zeit den Lebensweisheiten anderer Menschen beugen. Aber genau diese „Bevormunder“ gibt es nicht nur als zahlreiche Einzelpersonen. In diesem auf Freiheit und Selbstbestimmtheit getrimmten Wertesystem werden wir laufend durch genau dieses Wertesystem maßgeblich bevormundet, oft sogar unbewusst. Vielen platzt dann irgendwann einfach der Kragen in dieser ganzen Verlogenheit.

Der Reiz des Verbotenen oder der schönen grünen Farbe?

Der Reiz des Verbotenen oder der Reiz der schönen grünen Farbe?

Dem Reiz des Verbotenen widerstehen?

Es war Adam und Eva verboten, den Apfel der Erkenntnis zu essen, der möglicherweise nur eine Umschreibung vom berauschenden, aber nicht tödlich wirkenden Fliegenpilz ist. Damit würde es sich dann um das erste bekannte Drogenverbot handeln. Der Reiz des Verbotenen lockte, Eva nahm den Apfel und um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen drängte sie auch Adam dazu, vom Apfel zu essen. Wenn denn alle sündigen, dann ist es wieder ok, so die noch heute geltende unbewusste Logik. Aber was passierte, als diese fiktiven Personen Adam und Eva dem Reiz des Verbotenen nicht widerstehen konnten? Sie flogen in hohem Bogen raus aus dem Paradies.

Und so erleben viele das Kiffen, wenn sie damit auffällig werden. Sie erhalten ihre Einträge in das Führungszeugnis, womit sie viele Berufe nicht mehr ausüben können. Sie verlieren den Führerschein, womit sie sich auf viele Stellen nicht mehr bewerben brauchen. Sie werden durch die Gesellschaft abgewertet und stigmatisiert. Finden sie sich dann wirklich unter der Brücke wieder, dann deswegen und nicht wegen dem Cannabis.

Soll man dem Reiz des Verbotenen widerstehen?

Bei derart unsinnigen Verboten käme das einer persönlichen Kapitulation als freies, selbstbestimmtes und eigenständig handelndes Individuum gleich. Wer nicht kiffen will, der braucht es natürlich nicht. Aber wer es will und wegen der Verbote nicht tut, der billigt diese scheinheilige und verlogene „freie Welt“. Ob man das mit dem eigenen Gewissen wirklich vereinbaren kann, das ist nun die Frage, denn wer bereits an diesen Stellen sein Rückgrat zur Seite hängt, den kann dieses System auch zu jeder erdenklichen Schandtat einbinden.

Es geht hier immerhin auch um Charakterstärke, ob Unrecht gebilligt oder konsequent abgelehnt wird. Genau aus diesen Gründen sind Verbote, die fremdschädigendes Verhalten vereiteln sollen, legitim. Aber wo genau entsteht anderen ein Schaden, wenn jemand kifft? Und wenn es einem selber schadet, dann ist das doch immerhin die persönliche Freiheit, dieses dennoch zu machen. Wenn jedoch zugleich noch der Reiz des Verbotenen lockt, dann können viele wirklich nicht mehr widerstehen und machen es selbst dann, wenn sie es eigentlich hassen.

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