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Alkohol ist kulturell etabliert, Cannabis nicht

Nicht jeder trinkt gerne Bier oder anderen Alkohol
Nicht jeder trinkt gerne Bier oder anderen Alkohol

So lautet eines der Verbotsargumente

Alkohol ist als berauschendes Mittel gesellschaftlich etabliert, das hat auch historische Gründe. Vielen ist es nicht bewusst, dass Alkohol nicht nur kulturell sondern auch in den Städten seine Funktionen hatte. Kulturell geht es mit dem Messwein los, dass gerade das Christentum nicht vom Alkohol wegkommen wird. In der Fastenzeit wurde süffiges Bier gebraut und die Mönche haben nicht ein Pfund Gewicht gelassen. Man trinkt mit Freunden, um ins Gespräch oder um mit Frauen ins Bett zu kommen. Bei Empfängen gibt es den Sekt und der Alkohol ist nicht nur überall zu sehen, er ist auch überall zu haben.

Einst waren die Menschen wandernde Nomaden. Mit der Entdeckung vom Ackerbau und der Domestizierung von Tieren begann die Sesshaftigkeit, die sich aus dem Raum vom heutigen Irak schnell ausbreitete. Mit diesem wachsenden Nahrungsangebot bildeten sich Städte. Die Menschen gingen jedoch nicht auf das Land, wenn sie mal mussten. Wenn nicht all der Unrat durch Regen und Flüsse fortgespült und keine Kanalisation oder Aquädukte gebaut wurden, war das Grundwasser schnell „uriniert“. Die Menschen wären allesamt krank geworden, wenn sie nicht das Grundwasser mit etwas Alkohol gemischt hätten. Nur ein halbes oder bis zu zwei Prozent Alkohol tötet die allermeisten Bakterien ab und die „Bodenpisse“ führt nicht direkt zur Diarrhö.

Mit der kulturellen Rückentwicklung aus der Antike hinein in das Mittelalter war es also in den Städten überlebenswichtig, dass selbst die Kinder den ganzen Tag „soffen“. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass das nicht ok sei. Es wäre immerhin unverantwortlich gewesen, die Kinder das Grundwasser ohne Alkohol saufen zu lassen. Außerdem war man selber alkoholisiert und glaubte so einiges, aber nicht, dass saufen schlecht sein könnte.

Alkohol hui, Cannabis pfui?

Also ist der Alkohol etwas ganz Tolles, da die Menschheit bereits seit Tausenden Jahren die Kunst des Brauens, des Kelterns oder auch des Brennens beherrscht und vor allem im Christentum oder der westlichen Welt anwendet. Wir haben uns schon immer ins Grab gesoffen, werden es uns auch nicht mehr abgewöhnen und damit ist das Thema dann ausdiskutiert.

Aber beim Cannabis, der den Menschen als Rohstoff- und auch Genusspflanze seit Ende der letzten Kaltzeit begleitet, ist das etwas ganz anderes. Der Rohstoff ist wertvoll, der Wirkstoff medizinisch einsetzbar sowie Kiffen auch einfach Spaß macht. Dann muss man also direkt die ganze Pflanze mit angeblich guten Absichten verbieten?

Bereits in der Antike und vielleicht auch vor dieser wurden neben dem Alkohol auch in Regionen Europas Opium und Haschisch verwendet. Entweder wurde das mit dem Christentum vorsätzlich unter den Teppich gekehrt, da der Fokus alleinig auf den Alkohol als rituelles Getränk gelegt wurde. Oder es wurde einfach nicht viel darüber geredet, da es zu gewöhnlich war. In den Schriften steht gewiss auch über andere wichtige Pflanzen wenig, da keiner sich die Mühe gemacht hätte, alles niederzuschreiben.

Es kann allerdings auch daran liegen, dass sich die Sprache entwickelt und man bei der Übersetzung nicht mehr alles erkennt und damit, vielleicht auch bewusst, verfälscht. Es wäre immerhin nicht gewollt, wenn bei den Übersetzungen alter Schriften der Hanf im guten Licht stehen würde.

Nicht nur Alkohol gehörte vor dem Verbot zu unserer Kultur

Nicht nur Alkohol gehörte vor dem Verbot zu unserer Kultur

Alles was art- und kulturfremd ist, wollen wir nicht?

Wenn dann die Verbotsargumente lauten: „Den Alkohol wollen wir bereits nicht, das ist aber unsere Kultur, Cannabis nicht. Wir haben mit dem Alkohol und dem Tabak schon zwei schlimme Drogen. Wir brauchen nicht noch mehr davon.“ Dann ist das etwas kurzsichtig. Cannabis ist die bedeutende Faserpflanze, ohne die die Neue Welt möglicherweise um Jahrhunderte später entdeckt worden wäre. In sehr vielen Medikamenten war Cannabis enthalten wie auch ganze Schiffsladungen mit Indischem Hasch geliefert wurden. Viele Tabaksorten waren sogar mit Marihuana gemischt, da dieses schlichtweg billiger als Tabak war. Es bildete sich gerade ein Boom, der dann durch die Drogenverbote abgewürgt wurde, bei denen es jedoch hinter den Kulissen nicht um Jugend- oder Gesundheitsschutz ging.

Dennoch ist dieses Marihuana doch schon da, auch wenn es verboten ist. Wenn alles was kulturfremd ist zugleich unerwünscht wäre, dann müssten wir Bananen, Ananas, Zitrusfrüchte, iPhones, Hollywood Filme und einfach alles bannen und könnten wie im Mittelalter in unseren braunen Fäkalien zugrunde gehen. Das wäre eine schlechte Idee, auch der Alkohol würde so viel Doofheit nicht mehr erträglich machen.

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