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Warum steigt der EC-Wert im Drainwasser?

Ein Showgrow auf der Messe, es fehlt noch die Folie auf dem Substrat
Ein Showgrow auf der Messe, es fehlt noch die Folie auf dem Substrat

Mit einem anderen Stoffwechsel haben Pflanzen andere Bedürfnisse

Warum steigt der EC-Wert in den Wuchsmedium an, wenn nach Herstellerangaben gedüngt wird? Dieses sollte sich damit erklären lassen, dass ein Teil vom Wasser verdunstet, ohne dass dadurch die Nährstoffe verschwinden. Ein anderer Grund ist, dass die Pflanzen gerade bei trockener und warmer Luft mehr Wasser als Nährstoffe aufnehmen. Mit den Wurzeln als halbdurchlässige Membranen können sie Einfluss darauf nehmen, was genau sie in welchen Mengen aufnehmen.

Die Pflanzen und die Verdunstung ziehen Wasser aus dem Wuchsmedium und die Nährstoffe reichern sich an. Das scheint allerdings bis zu einem gewissen Grad nicht schlimm sondern gut zu sein. Durch den höheren Gehalt an Nährstoffen können die Pflanzen diese noch einfacher aufnehmen, um sich gut zu entwickeln.

In der Vorblüte oder im Wuchs vor der sichtbaren Blüte haben die Pflanzen einen anderen Stoffwechsel und brauchen weniger Dünger mit einem etwas höheren Stickstoffanteil. Mit der sichtbaren Blüte ändert dieses sich, die Pflanzen machen nicht mehr nur Volumen sondern bauen vor allem Masse auf.

Es ist immerhin so, dass die Düngerhersteller für die Vorblüte wesentlich weniger als EC-Wert Empfehlung aussprechen. Sie haben auch eine andere Nährstoffzusammensetzung als für die Blüte im Programm. In den verschiedenen Lebensphasen haben die Pflanzen andere Ansprüche an ihren Lebensraum. Steigt der EC-Wert zum Blüteende bis zu einem bestimmten Wert, dann ist das sogar gut für die Ertragsmenge.

Das Experiment

Zur Klärung der Notwendigkeit von einem hohem Düngerdruck für die Blütepflanzen wurde eine Ernte nicht mit vier bis fünf EC im Drainwasser für die letzten Blütewochen angesteuert sondern nur mit drei bis vier EC. Diese Ernte war ein wenig schwächer im Ertrag. Das war vermutlich Zufall und man hätte es häufiger testen müssen, ob mit weniger Dünger auch weniger Ertrag anfällt. Dennoch wurde der Drain wieder auf vier bis fünf EC in den letzten Blütewochen angepeilt. Würde der EC-Wert bei empfindlichen Pflanzen so hoch steigen, sind diese direkt kaputt.

Natürlich sollen die Pflanzen am Erntetag nicht in diesem Dünger stehen. Es wurde in der Growanlage bis fast zum Schluss durch gedüngt. Drei Tage vor der Ernte wurde der Dünger nicht nur abgesetzt, die Matten wurden zudem auf 1,6 EC im Drainwasser runtergespült. Dazu mussten ein bis zwei Liter Wasser pro Liter Wurzelmedium durchgeleitet werden. Somit waren die Matten zugleich vorbereitet, um neue Jungpflanzen auf sie zu stellen. Wäre der EC-Wert von vier bis fünf in den Matten geblieben, dann wäre das Marihuana nach der Trocknung von schlechterer Qualität gewesen. Die Jungpflanzen hätten nicht wurzeln können und hätten sich somit nur sehr mäßig entwickelt. Steigt der EC-Wert dann bei normaler Düngung in den Matten noch weiter an, wären die Jungpflanzen sogar eingegangen. Diese drei Tage reichten jedoch, damit in den Pflanzen die Nährsalze umgewandelt werden und die Matten am Erntetag leichter waren, um weniger schwer heben zu müssen.

Strategieansätze zum Spülen

Meist spülen die Grower ihre hydroponischen Systeme auch während der Blütezeit und setzen 14 Tage vor der Ernte den Dünger ab. Alle zwei oder drei Wochen soll der alte Dünger etwas raus gespült werden, damit es nicht zu viel wird. 14 Tage vor der Ernte sollen die Pflanzen die Reste noch aufbrauchen und sauber reifen.

Drei Tage vorab zu spülen ist jedoch „Idiotensicher“. Weiterhin düngt man einfach schon vorab etwas weniger, damit man während der Blütephase nicht alle paar Wochen spülen muss. Bei rezirkulierenden Systemen soll allerdings alle 14 Tage das Restwasser nicht lediglich auffrischt sondern entfernt werden. Es soll komplett neues Gießwasser angesetzt werden. Bei rezirkulierenden Systemen steigt der EC-Wert mit der Zeit im Wassertank, das ist jedoch normal. Das Wasser verbraucht sich allerdings zugleich.

PS: Inzwischen gibt es auch verschiedene Zusätze für das Wasser zum Spülen der Pflanzen, mit denen die Nährstoffe besser gelöst werden, um weniger Wasser zu benötigen. Es gibt auch Zusätze, mit denen die Pflanzen vor der Ernte die Nährsalze besser umwandeln und nach der Ernte besser schmecken und angenehmer wirken. In wie weit das notwendig ist, wenn man einfach den Dünger drei Tage vor der Ernte ausspült, kann hier nicht beurteilt werden. Das Ausspülen wird an dieser Stelle auch für Steinwolle, Erde oder andere Wuchsmedien empfohlen. Bei Rezirkulierenden oder Aeroponischen Systemen würde man für die letzten Tage einfach die Nährstofflösung mit sehr wenigen oder keinen Nährstoffen ansetzen.

Bei hoher Verdunstung in den Airpots sollte mit geringerem EC-Wert gegossen werden

Bei hoher Verdunstung in den Airpots sollte mit geringerem EC-Wert gegossen werden

Kein EC Messgerät – Steigt der EC-Wert oder nicht?

Damit die Stecklinge oder Jungpflanzen gut wurzeln können, soll knapp gedüngt werden. Es soll auch noch nicht so viel Dünger im Boden enthalten sein. Der EC-Wert im Wurzelmedium soll bei deutlich unter oder bis zwei EC liegen. Wer kein Messgerät hat und seine Erde wieder verwenden möchte, kann einfach mal nach der Erntewasser durch diese leiten.

Wenn dieses Drainwasser bereits einen bernsteinfarbenen Ton hat, sollten vor der Weiterverwendung dringend pro Liter Boden zwei Liter Wasser durchgespült werden. Das Wasser muss schon fast wieder klar rauslaufen, will man die Jungpflanzen auf diesen bereits verwendeten Boden setzen. Selbst ohne Messgerät kann man es meist mit bloßen Augen abschätzen, wie hoch der EC-Wert im Drainwasser ist. Dieser sollte vorab noch etwas antrocknen, da auch Jungpflanzen nicht im „Schlamm“ stehen wollen. Wer seine Erde wieder verwerten möchte, sollte bereits beim normalen Gießen in der Blütephase ein Enzymprodukt geben, welches die abgestorbenen Wurzeln abbaut, damit der alte Boden sich für die Neubepflanzung besser eignet.

Die einstigen Mutterpflanzen hatten auch irgendwann einen EC-Wert von bis zu drei im Dränagewasser, obwohl diese mit viel weniger Nährstoffen gedüngt wurden, als die Blütepflanzen. Wenn für die Stecklinge und Jungpflanzen knapp gedüngt wird, dann ist ein Wurzelstimulator nicht wirklich notwendig, da die Pflanzen auch so bereits gut wurzeln können. Wenn ein Wurzelstimulator verwendet wird, dann soll natürlich auch gar nicht oder nur knapp gedüngt werden. So werden die Pflanzen dann mit oder ohne Wurzelstimulator gut wurzeln.

Fotoinfos

Titelfoto:

Es wird mit Nährstofflösung gegossen. Die Pflanzen verbrauchen Wasser, ein Teil verdunstet, ein Teil fließt als Drain raus. Es wird dennoch mehr Wasser als Dünger verbraucht und der EC-Wert im Dränagewasser steigt mit der Zeit an. Die Nährstoffe reichern sich im Boden an. Damit nicht zu viel Wasser verdunstet und der Boden versalzt, sollte er hier in dieser Situation sogar noch abgedeckt werden. Es wird auf Cocos angebaut, das zum einen sehr luftig ist, aber zum anderen schnell austrocknet.

Foto im Artikel:

Im Bild sind mehrere herkömmliche Kunststofftöpfe und ein Airpot zu sehen. Die Wurzeln wachsen zu den Luftöffnungen, sterben mit den Spitzen ab und treiben deswegen zu den Seiten stark aus. Damit soll die Pflanze letztendlich mehr Wurzelmasse aufbauen. Für trockene Anbauräume wären Airpots vielleicht nicht gut, da zu viel Wasser verdunstet und der Boden schneller versalzt. Mit geringerem EC-Wert gießen und regelmäßig etwas Wasser durch die Töpfe laufen lassen, könnte das ausgleichen.

 

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