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MDMA - Das Wichtigste im Überblick

MDMA Pillen

3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, kurz MDMA, ist ein synthetisches Amphetaminderivat, das aufgrund des entaktogenen Wirkprofils in Konsumentenkreisen auch als „Herzöffner“ bezeichnet wird. Im MDMA-Rausch werden nicht nur positive Gefühle als besonders intensiv erlebt, sondern der Wirkstoff baut außerdem Vorurteile und (Berührungs-)Ängste ab, weshalb es kaum verwundert, dass sich MDMA seit über drei Jahrzehnten in Partysettings einer beständigen Beliebtheit erfreut.

Jedoch ist das euphorisierende, entaktogene sowie empathogene Wirkspektrum von MDMA nicht nur für feierfreudige Partyfans interessant, sondern es macht diese Substanz auch für Einsätze in der Psychotherapie attraktiv, beispielsweise zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen.

Synonyme

C11H15NO2, ADAM, Cadillac, EA-1475, Ecstasy, E, Empathy, N-Methyl-2-amino-1-(3,4-methylendioxyphenyl)-propan, Essence, Love, XTC

Stoffklasse

β-Phenylalkylamine → Amphetaminderivate

Wirkgruppe

Entaktogene → Substanzen, die das Innere berühren respektive die innere Gefühlswahrnehmung verstärken. Vor allem positive Gefühle wie Liebe und Harmonie werden im MDMA-Rausch als besonders intensiv erlebt.
Empathogene → Substanzen, die dem Konsumenten ein höheres Einfühlungsvermögen (Empathie) in Bezug auf andere Lebewesen verleihen.

Schiefertafel mit der chemischen Formel von MDMA

Wirkzeit

Die Wirkung beginnt nach etwa 15 bis 30 Minuten und hält rund vier bis fünf Stunden an.

 

Dosierung

Als maximale, jedoch noch gut verträgliche Dosis gelten bei Männern 1,5 mg und bei Frauen 1,3 mg pro kg Körpergewicht. Eine männliche Person mit einem Körpergewicht von 60 kg sollte daher nicht mehr als 90 mg MDMA einnehmen. An diese Dosierungsempfehlungen sollten sich dringend gehalten werden, damit unangenehme und gegebenenfalls sogar toxische Nebenwirkungen möglichst gering gehalten werden. Wird die „reguläre“ Dosis etwa um das Fünffache überschritten, drohen in Folge einer inneren Überhitzung lebensbedrohliche Komplikationen.

Geschichte von MDMA

Alexander Shulgin

Alexander Shulgin - By Charlie Llewellin from Austin, USA (Dirty Pictures Q&A) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Erstmalig synthetisiert wurde MDMA im Jahre 1912 durch Anton Köllisch, worauf der Wirkstoff zwei Jahre später von dem Darmstädter Pharmaunternehmen patentiert wurde.

Jedoch war die psychoaktive Wirkung zu dieser Zeit noch unbekannt. 1965 wurde die Substanz von dem amerikanischen Chemiker Alexander Shulgin erneut synthetisiert. Jedoch ist unbekannt, wann MDMA das erste Mal zu psychoaktiven Zwecken konsumiert wurde - vermutlich irgendwann zu Beginn der 1970-er Jahre. In den 1980-er Jahren begann sich MDMA schließlich als rekreationale Party- und Freizeitdroge zu etablieren. Im Zuge des aufkommenden Massenkonsums wurde MDMA in den USA 1985 verboten, in Deutschland ein Jahr darauf.

 

Wirkung

„Ich fühlte mich so gut, alles war schön und wunderbar, es war emotionell sehr stark, ich konnte meine Freundin fast nicht mehr loslassen. Wir mussten einander in die Arme nehmen, einander drücken und knuddeln. Oft dachte ich, dass es mir den Brustkasten zerfetzen werde, weil so starke Gefühle hochkamen.“ (TRACHSEL 2011: 140)

MDMA ist ein „klassischer“ Herzöffner, welches in gleicher Weise emotionale Barrieren abbaut, beispielsweise Ängste, Vorurteile oder Zweifel, genau, wie es beim Konsumenten innere Gefühle von Glück, Friede, Liebe, Sympathie und Empathie verstärkt. Dabei kann das Einfühlungsvermögen im MDMA-Rausch derart verstärkt werden, sodass sich der Konsument auf der Gefühlsebene mit allem verbunden fühlt und für alles und jeden Verständnis hat. Aufgrund einer Erweiterung der taktilen Wahrnehmung werden im MDMA-Rausch zärtliche Berührungen als besonders angenehm empfunden, womit „Kuscheln“ oftmals zum absoluten Hochgenuss avanciert.

Sex hingegen gestaltet sich im MDMA-Rausch häufig als schwierig, was damit zusammenhängt, dass bei Männern das Potenzvermögen vorübergehend reduziert wird. Für Frauen kann MDMA aber ein ausgezeichnetes Aphrodisiakum sein. Zudem verspüren Konsumenten nach der Einnahme von MDMA meistens eine körperliche Aktivierung sowie große Lust darauf, sich in harmonischem Einklang zur Musik in Ekstase zu tanzen.

Die Pharmakodynamik von MDMA basiert auf einer verstärkten Ausschüttung der endogenen Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin.

Risiken und Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen sind Muskelverkrampfungen, vor allem im Bereich der Kaumuskulatur (Zähneknirschen, Kiefermahlen), sowie starke Schweißausbrüche. Daher muss unbedingt sichergestellt sein, dass sich während der Rauschwirkung, vor allem dann, wenn ausgiebig getanzt wird, ausreichend viel Wasser (keinen Alkohol) zugeführt wird - pro Stunde mindestens ein halber Liter. Nach Abklang der Wirkung kann es außerdem zu depressiven Verstimmungen kommen, meist jedoch nur in Folge einer Überdosierung oder nach mehrmaligem Nachdosieren.

Um dieser gefühlten inneren Leere nach dem Rausch, welche durch einen Serotoninmangel hervorgerufen und in Konsumentenkreisen auch als „Hangover“ bezeichnet wird, zumindest ein Stück weit entgegenzuwirken, können tryptophanhaltige Lebensmittel eingenommen werden, beispielsweise Sojabohnen, Walnüsse, Cashewkerne, Haferflocken oder ungeschälter Naturreis. Es sei jedoch betont, dass das Nebenwirkungsspektrum auf einem Minimum gehalten werden kann, vorausgesetzt, es wird sich an die korrekte Dosierung gehalten.

MDMA in der Psychotherapie

Mehrere Studien haben inzwischen herausfinden können, dass MDMA ein hervorragendes Therapeutikum zur Behandlung psychischer Probleme ist. Durch die entaktogene Wirkung, die mit einer erhöhten Toleranz sich selbst gegenüber einhergeht, kann der Patient seine Probleme aus einer erweiterten Perspektive heraus betrachten, wodurch ihm die Annahme von Lösungsvorschlägen zur Problembeseitigung im Idealfall viel leichter fällt. Die empathogene Wirkkomponente hingegen verstärkt die Beziehung zwischen Therapeut und Patient.

Vor allem in der Therapie von Traumata-Opfern, die unter der Symptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, hat sich MDMA als besonders erfolgreich erwiesen. Dank MDMA gelingt es den Patienten über ihr traumatisierendes Erlebnis sprechen zu können, ohne dabei von den Gefühlen des Augenblicks übermannt zu werden. Dabei gibt MDMA dem Patienten ein Gefühl von Sicherheit und nimmt gleichzeitig den Erinnerungen ihre Schärfe, sodass das Traumata viel besser verarbeitet und letztlich auch integriert werden kann.

Weitere Einsatzmöglichkeiten von MDMA sind, gemäß Claudia Möckel Graber (2010: 74), beispielsweise Neurosen, psychosomatische Erkrankungen, Partnerprobleme, Beziehungsstörungen, Suchterkrankungen sowie zur Sterbebegleitung. Dabei ist MDMA jedoch weniger ein Heilmittel, sondern vielmehr ein Hilfsmittel zur Verarbeitung innerer Konflikte sowie zur Neubewertung der Lebenssituation, was jedoch oftmals die Voraussetzung für einen gelingenden Heilprozess darstellt.

„Flipping“ - Über den Mischkonsum von MDMA und Psychedelika

„MDMA ist eine Substanz, die mit vielen anderen Verbindungen kombiniert werden kann. Grund dafür ist, dass das warme Gefühl, welches MDMA vermittelt, als gute Basis dient. Manchen Konsumenten von psychedelischen Substanzen ist der rein psychedelische Rausch zu kalt und zu instabil. MDMA liefere die Festigkeit und das Wohlsein, so dass die psychedelischen Wirkungen einer anderen Substanz in vollem Zuge genossen werden können.“ (TRACHSEL 2011: 139)
Das sogenannte „Flipping“ bezeichnet die kombinierte Einnahme von MDMA und einem Wirkstoff aus der Gruppe der Psychedelika. Dabei ist die Beliebtheit solcher Substanzkombis in erster Linie dadurch begründet, dass Psychedelika, neben den visuellen Effekten, unter anderem die Eigenschaft haben, dass sie die inneren Prozesse offenbaren und zwar auch solche, die verdrängt wurden und die man sicher in den Tiefen seines Unterbewusstseins verborgen glaubt. Und MDMA mit seinem empathogenen, entaktogenen und stimmungsaufhellenden Wirkprofil lässt das Auftauchen unangenehmer Bewusstseinsinhalte entweder gar nicht erst entstehen und falls sie doch auftauchen sollten, gelingt es durch MDMA leichter offen und integrativ mit ihnen umzugehen.

Die verbreitetes „Flipping“-Variante ist der sogenannte Candy-Flip, wobei es sich um die multiple Einnahme von MDMA und LSD handelt. Viele Konsumenten berichten, dass „Candy-Flipping“ den Verlauf des LSD-Rausches im Vergleich zu dessen Monokonsum sozialer und vor allem euphorischer macht. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Wirkdauer von MDMA mit ca. 4-6 Stunden deutlich geringer ist als jene von LSD (ca. 8-12 Stunden). Werden die beiden Verbindungen zeitgleich konsumiert, kann davon ausgegangen werden, dass die MDMA-Wirkung nachlässt, während das LSD möglicherweise gerade seinen psychedelischen Höhepunkt („Peak“) erreicht. Da das Abklingen des MDMA-Rausches nicht selten als unangenehm empfunden wird, ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass die zweite Hälfte des LSD-Rausches dann möglicherweise einen negativen Verlauf annimmt. Um diesem Phänomen entgegen zu wirken, konsumieren viele Personen zunächst LSD und erst nach ungefähr vier bis fünf Stunden, wenn die LSD-Wirkung in vollem Gange ist, wird MDMA eingenommen. Das hat den Vorteil, dass die Wirkung beider Substanzen ungefähr zeitgleich abklingt. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn die beiden Stoffe getrennt vorliegen und folglich auch separat eingenommen werden können, beispielsweise in Form eines LSD-Tropfens/-Filzes („Pappe“) und kristallinem MDMA. Tabletten, die angeblich beide Stoffe enthalten, also MDMA und LSD, sollte man im Sinne der Risikominimierung besser nicht einnehmen. Ist die Quelle nämlich unbekannt, weiß man in der Regel nichts Konkretes über die tatsächlichen Inhaltsstoffe und ihre jeweiligen Konzentrationen.

Hinweis: Das Risiko einen schlechten Trip zu erleben kann aber niemals vollständig ausgeschlossen werden. Stimmen Dosis, Set und Setting nicht, dann kann auch MDMA nichts mehr machen. Und Personen, die eine psychedelische Erfahrung mit LSD machen wollen, aber Angst vor verdrängten und unterbewussten Themen haben und nur deshalb MDMA dazu nehmen, sollten darüber nachdenken, ob es nicht Sinn macht, das LSD bzw. die Psychedelika einfach weg zu lassen. Denn eigentlich sind psychedelische Moleküle wie LSD ja grade deshalb so wertvoll, weil wir mit ihrer Hilfe tiefgreifende Erkenntnisse über die eigene Person (sowie unsere Stellung im Universum) gewinnen können. Und da gehören nun mal auch Erkenntnisse über unsere menschlichen Schattenseiten dazu. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass das Hervortreten verdrängter Bewusstseinsinhalte aus therapeutischer Sicht auch eine große Chance darstellt.

Weitere Flipping-Variationen, deren Wechselwirkungen in psychonautischen Kreisen als synergistisch beschrieben werden, sind zum Beispiel der Ethno-Flip (MDMA + Psilocybin), der Love-Flip (MDMA + Meskalin), der Kitty-Flip (MDMA+Ketamin), der Time-Flip (MDMA + DMT), der Elephant-Flip (MDMA + PCP), der Nexus-Flip (MDMA + 2C-B), der Foxy-Flip (MDMA + 5-MeO-Dipt) sowie der Robo-Flip (MDMA + DXM). Zu beachten ist, dass jedwede Flipping-Art, nicht zuletzt abhängig von Dosis und Reinheitsgehalt der eingenommen Substanzen, immer zu unangenehmen Wechselwirkungen führen kann, weshalb experimentierfreudige Psychonauten zunächst immer nur eine Substanz einnehmen und diese erst einmal niedrigdosiert kennenlernen sollten, bevor sie psychoaktiven Mischkonsum betreiben.

Sind MDMA und Ecstasy ein und dasselbe?

Ja und Nein! Denn eigentlich sollte MDMA die einzige psychoaktive Ingredienz einer Ecstasy-Pille sein, jedoch ist es so, dass die meisten als Ecstasy deklarierten Pillen, neben MDMA, noch weitere Zusätze enthalten. Manchmal enthalten sie auch überhaupt kein MDMA. Folgende Substanzen wurden beispielsweise in den letzten Jahren in Ecstasy-Pillen nachgewiesen: 2C-B, 2C-E, 2C-P, 4-FA, Amphetamin, Koffein, MBZP, m-CPP, MDA, MDE, MDEA, MDP2P, MDP2POH, Methamphetamin, Methylon (MDMC), Metoclopramid , PMA sowie TFMPP.

Hat „Liquid Ecstasy“ etwas mit MDMA zu tun?

Nein! „Liquid Ecstasy“ ist die umläufige Bezeichnung für eine psychoaktive Substanz namens Gammahydroxybuttersäure (GHB), die weder in Sachen Wirkung noch in Bezug auf die chemische Zusammensetzung mit MDMA verglichen werden kann. Vielmehr ist es so, dass GHB vergleichbare Ähnlichkeiten zur Alkoholwirkung aufweist.

Safer Use Regeln zur Risikominimierung

  • Während des MDMA-Rauschs sollte ausreichend viel Wasser getrunken und auf die Zufuhr alkoholischer Getränke verzichtet werden.
  • Mischkonsum sollte nur dann betrieben werden, wenn man genau weiß, was man tut.
  • Um toxische Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte sich an die Maximaldosis gehalten werden (1,3/1,5 mg MDMA pro kg Körpergewicht).
  • Pillen, deren chemischen Zusammensetzungen unbekannt sind, sollten nicht eingenommen werden.
  • Wenn die Wirkung auf sich warten lässt, nicht gleich nachdosieren, sondern zwei Stunden warten.
  • Wird MDMA auf Tanzveranstaltungen eingenommen, sollten regelmäßige Tanzpausen eingelegt werden.
  • Da MDMA relativ schnell eine Toleranzentwicklung ausbildet, empfehlen sich längere Konsumpausen.
  • Im Falle von Bluthochdruck, Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sollte auf die Einnahme verzichtet werden.

Literaturempfehlungen

Amendt, Günter und Patrick Walder (2000): XTC: Ecstasy und Co. - Alles über Partydrogen, Reinbek: Rowohlt.
Möckel Graber, Claudia (2010): Eintritt in heilende Bewusstseinszustände, Solothurn: Nachtschatten Verlag.
Saunders, Nicholas (1997): Ecstasy und die Tanz-Kultur, Solothurn: Nachtschatten Verlag.
Shulgin, Alexander und Ann Shulgin (1991): Phikal - A Chemicals Love Story, Berkeley: Transform Press.
Trachsel, Daniel (2011): Psychedelische Chemie, Solothurn: Nachtschatten Verlag.
Weigle, Constanze und Ronald Rippchen (1997): MDMA - Die psychoaktive Substanz Therapie, Ritual und Rekreation, Löhrbach: Piepers Medienexperimente.

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