Home » Drogenkunde » Abhängigkeitsgefahren » Sportsucht bald auch Thema der Suchtprävention?

Sportsucht bald auch Thema der Suchtprävention?

Die weniger gefährlichen Sportarten
Die weniger gefährlichen Sportarten

Sport, der gesunde Selbstmord

Ca. 1 bis 3% aktiver Ausdauer- oder Leistungssportler könnten Sportsüchtig sein. Wäre das nicht wie bei einer Arbeitssucht gut und was ist eine Sportsucht? Wer sich mit dem Suchtbegriff etwas genauer auseinander setzt, der wird schnell feststellen, dass es die substanzgebundenen Süchte wie bei Alkohol oder Tabak gibt. Es gibt aber auch die substanzungebundenen Süchte wie die Spielsucht oder eben die Sportsucht. Es gibt sozusagen Verhaltenssüchte oder Zwangsverhalten. Ein Zwangsverhalten ist jedoch gesondert zu betrachten. Jemand mit Tourette ist gewiss nicht durch Sucht getrieben zum Tourette gekommen. Diese Verhaltenssüchte oder das Zwangsverhalten geht natürlich fließend in ein Suchtverhalten über aber sind gewiss etwas anderes. Tourette wäre vermutlich als Zwangsverhalten zu werten wobei zwanghaftes Waschen eine Verhaltenssucht sein könnte. Da vieles ineinander über geht, ist eine exakte Definition vielfach schwierig.

Eigentlich alles, was das Belohnungszentrum aktivieren kann, kann anfällige Menschen süchtig machen. Was viele Suchtforscher vermutlich noch übersehen ist der Punkt, dass ein Mensch nur (auf freiwilliger Basis) von Dingen süchtig werden kann, für die er anfällig ist. Demnach gibt es süchtige Kiffer, die bereits Opiate probierten aber diese wirklich nicht nehmen möchten. Und an diesem Beispiel zeigt sich, dass es klare Abstufungen gibt: Eine Cannabissucht ist weniger bedenklich als eine Opiatsucht. Es ist also nicht alles das gleiche. Aber neben Cannabis oder Opiaten können auch Spielautomaten, Sex, Leistungssport, PC Games oder Fernsehen süchtig machen. Dass gerade der Fernseher süchtig machen kann, ist gewissen Verbotskreisen fremd, da sie den ganzen Tag fernsehen und davon noch nie hörten.

Wie entsteht die Sportsucht?

Bislang galt in vielen Kreisen die These, dass beim Sport körpereigene Opiate ausgeschüttet werden. Der Sportler möchte immer mehr und immer regelmäßiger diese Opiate genießen können und das wäre der Schritt in die Sportsucht. Diese These wurde untersucht und wird inzwischen vielfach angezweifelt. Es könnte auch die Entspannung nach dem Sport sein. Vielleicht sind es auch Hirnreaktionen. Oder alles zusammen? In der Apotheken Umschau wird als Theorie zur Sportsucht geäußert, dass ein Teil der Großhirnrinde beim Sport „runtergefahren“ wird. Es ist so, dass der Körper nur eine gewisse Blutmenge hat und mit dieser nur eine gewisse Sauerstoffmenge transportieren kann. Wenn nicht mehr alles genügend versorgt werden kann, dann fahren die weniger wichtigen Sektoren wie auch die Verdauung runter und es kann mehr Leistung gebracht werden. Wenn diese Hirnteile jedoch runter fahren, dann kann der Sportler alles um sich herum besser ausblenden und muss nicht über die Probleme des Lebens nachdenken. Oder löst einer nach einer halben Stunde Joggen gerne Matheaufgaben oder denkt über die Weltpolitik nach?

Damit man die Welt um sich herum besser ausblenden kann, muss man den Körper soweit belasten, dass er diese Hirnteile runter fährt, mehr körpereigene Opiate ausschüttet oder man nach dem Sport richtig erschöpft ist. Wer Sport treibt, wird dabei natürlich einen Trainingseffekt haben. Um diesen gewünschten Punkt zu erreichen, muss deswegen immer intensiver Sport getrieben werden und die problematischen Fälle trainieren ständig bis zum Umkippen. Dabei werden die Sozialkontakte oder die Arbeit soweit vernachlässigt, wie es bei einer substanzgebundenen Sucht passieren kann. Die Sportsucht kann sogar tödlich enden.

Das wäre keine Sportsucht

Das wäre keine Sportsucht

Wie kann sich die Sportsucht äußern?

Der Sport ist wie das Arbeiten eine Tätigkeit, die hohes Ansehen genießt. Gerade Frauen werden Sportsüchtig, um schlanker zu werden, Männer wollen Muskeln aufbauen. Auch hier genießen die Betroffenen höheres Ansehen. Dieses höhere Ansehen treibt die anfälligen Personen natürlich in die Sucht. Wer am Stammtisch mithalten muss, bis er unterm Tisch liegt, endet auch schneller als Alkoholiker. Die substanzungebundene Sucht kann dabei ein Ausmaß wie die substanzgebundene Sucht annehmen. Es entsteht ein Entzug mit Unruhe, Gereiztheit, zwanghaften Rückfällen, Isolation, mangelnder Einsicht und anderen typischen Entzugsverhaltensweisen, wenn man seinem Suchttrieb nicht nachkommen kann. Es kann sogar ein körperlicher Entzug eintreten. Prozentual werden von 1000 Leuten, die den Sport probieren, natürlich weniger in der Suchtmühle landen als 1000 Personen, die Heroin probieren. Das macht es für die Betroffenen aber nicht unbedingt besser.

Die Sportsucht kann so weit gehen, dass die Betroffenen ihr ganzes andere Leben hinten an stellen oder mit vielen Dingen sogar weitgehend abschließen. Die Betroffenen würden mit Grippe auf das Training nicht verzichten wollen. Betroffen sind vor allem typische Ausdauer- und Kraftsportarten. Der Triathlon ist besonders gefährlich für anfällige Personen. Keiner wird jedoch vorher wissen, nach welchen Substanzen oder Tätigkeiten er süchtig werden kann. Sucht ist immer eine Kopfsache und jeder Kopf tickt anders und das lässt sich nicht einfach anders einstellen.

Die Sportsucht und viele andere substanzungebundene Suchtformen werden nicht einmal richtig anerkannt und deswegen auch nur ungenügend erforscht. Beim Sport ist es nach der Sucht jedoch nicht wie nach einer Heroinsucht, dass man für immer komplett verzichten soll. Man soll nach einer Pause mit vielen Sitzungen beim Psychotherapeuten sehr kontrolliert in den Sport zurück finden.

Die meisten Kiffer werden vermutlich von den Gefahren der Sportsucht weniger intensiv betroffen sein. Gelegentlich ist es einfach besser, einer weniger bedenklichen Suchtform nachzukommen, um nicht auf was Gefährliches zu kommen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*